Die Steuersysteme Schwedens und Deutschlands im Vergleich


Seminararbeit, 2015

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

1. Inhaltsverzeichnis

2. Abkürzungsverzeichnis

3. Abbildungsverzeichnis

4. Einleitung

5. Das Steuersystem Schwedens

6. Das Steuersystem Deutschlands

7. Vergleich der Steuersysteme

8. Vergleich der Sozialabgaben

9. Resümee

10. Literaturverzeichnis

2. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Sozialbeiträge, in % des BIP

4. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Fragestellung: Wie sind die Steuersysteme Schwedens und Deutschland grundlegend aufgestellt und welche Unterschiede ergeben sich insbesondere im Bereich der Sozialabgaben?

Im Folgenden werden durch die Analyse von Statistiken die Grundzüge der Steuersysteme beider Länder kurz vorgestellt sowie bedeutende Änderungen und Reformen hervorgehoben.

Anschließend liegt der Fokus auf dem Gebiet der Sozialabgaben. Sowohl Schweden als auch Deutschland haben, vor allem aufgrund des demografischen Wandels der letzten Jahre, ihr System reformiert, um es aktuellen Gegebenheiten anzupassen. Hervorzuheben ist hierbei, dass beide Regierungen unterschiedliche Lösungsansätze gewählt haben. Der Vergleich der Alternativen erfolgt im Wesentlichen aus der Sicht des Bürgers und beschreibt, welche Vor- und Nachteile entstehen.

Zum Abschluss der Arbeit erhält der Leser eine Zusammenfassung der Ergebnisse, sowie einen Ausblick über mögliche Entwicklungen in der Zukunft.

5. Das Steuersystem Schwedens

Die Steuersätze in Schweden sind die vierthöchsten in der EU. Das Verhältnis von Steuern zum BIP (inkl. Sozialabgaben) lag im Jahr 2012 bei 44,2% (im Vergleich lag der Durchschnitt der 28 EU-Staaten bei 39,4%).

Das schwedische Steuersystem bezieht seine Einnahmen zu einem großen Teil aus direkten Steuern. Im Jahr 2000 machten indirekte Steuern, wie u.a. die Mehrwertsteuer, insgesamt 16,4% des BIP aus, während direkte Steuern, bspw. Einkommenssteuer, einen Anteil von 22,6% hatten. Dieses Verhältnis drehte sich 2012 um, wenn die Einnahmen aus indirekten Steuern mit 18,7% einen leicht höheren Anteil hatten als direkte Steuern (18,3%).

Der Großteil der Steuern wird in Schweden auf der Ebene der Zentralregierung erhoben. Auch hier liegt das Land 2012 mit 58% weit höher als der EU-28 Durchschnitt (48,7%). Noch signifikanter ist der Anteil der Steuern, der auf lokaler Ebene (Stadtverwaltungen und Landräte) erhoben wird. Dieser beträgt 34,9%, während der Durchschnittswert der EU Länder bei gerade einmal 11% liegt. Damit hält Schweden die mit Abstand höchste Prozentzahl, gefolgt von Dänemark mit 26,9%. Mit der Höhe der Sozialversicherungsfonds (6,6%) belegt Schweden hingegen den vorletzten Platz, wobei der Nächstplatzierte Irland mit 14,5% fast acht Prozentpunkte höher liegt.

Seit 2000 hat Schweden einen beispiellosen Anstieg des relativen Anteils der Konsumsteuern zu verzeichnen (+4,3%), welcher sich nicht unbedingt durch Veränderungen der Konsumsteuer selbst erklären lässt, sondern vielmehr durch eine Verminderung der Steuer auf Produktion und den damit zusammenhängenden Anstieg des verfügbaren Einkommens. Schweden hat zudem mit 25% eine der höchsten Mehrwertsteuersätze der EU.

Für die Einkommenssteuer verfügt Schweden seit 1991 über ein duales System: Das verdiente Einkommen wird sowohl mit 20% für einen Verdienst von mehr als 420.800 SEK (48.768 EUR) oder mit 25% für Einkommen von mehr als 602.600 SEK (69.837 EUR) auf nationaler Ebene versteuert, als auch auf lokaler Ebene. Der lokale Steuersatz hängt von der jeweiligen Gemeinde ab, im Durchschnitt lag sie im Jahr 2014 bei 31,73%. Kapitaleinkommen wird landesweit zu einem festen Satz von 30% versteuert. Zusätzlich ist jedoch auch ein gewisser Anteil steuerfrei. 2014 lag der erlaubte Anteil bei 18.800 SEK (2.178 EUR) für ein Einkommen bis zu 44.400 SEK (5.145 EUR). Der Anteil wird zudem stufenweise erhöht bis zu einem Maximum von 34.200 SEK (3.963 EUR) für eine gewisse Einkommensstufe und anschließend reduziert auf 13.100 SEK (1.518 EUR) für Einkommen von mehr als 349.000 SEK (40.446 EUR). Diese vom Staat gewährleistete finanzielle Unterstützung ist für Personen älter 65 Jahre etwas höher angesetzt, Eheleute und Kinder werden separat versteuert.

Für Unternehmen in Schweden gilt eine gesetzliche Steuer von lediglich 22% (26,3% vor 2013). Sie ist einheitlich für alle Unternehmen, unabhängig von ihrer Größe oder Gründungsform.

Der standardmäßige MwSt- Satz liegt bei 25%. Eine reduzierte Steuer wird auf Nahrungsmittel und Serviceleistungen in Verbindung mit Tourismus erhoben (12%), sowie auf lokale Tages- und Wochenzeitungen (6%). Bestimmte kulturelle und sportliche Aktivitäten sind gänzlich von der Steuer befreit und für medizinische, soziale und finanzielle Leistungen, Bildungsangebote, Eintrittsgelder für Kino, Zirkus und Konzerte gelten weitere Vergünstigungen.

Im Jahr 2005 entschied die Regierung Schwedens, jegliche Erbsteuern sowie Schenkungssteuern zu streichen. 2007 folgte zudem die Vermögenssteuer. Beim Erwerb von Immobilien wird eine Steuer von 1,5% des Immobilienwertes für Personen und von 4,25% des Wertes für Rechtspersonen fällig. Für die Registrierung einer Hypothek wird ein Satz von 2% des Hypothekenwerts veranlasst.

Die Steuer auf Immobilien wird seit 2008 an lokale Regierungen abgegeben und liegt bei 7.112 SEK (824 EUR) oder 0,75% des geschätzten Eigentumswerts (es gilt das jeweils niedrigere). Neubauten genießen zudem eine niedrigere Rate für die ersten zehn Jahre (die ersten fünf Jahre werden keine Steuern erhoben, in den folgenden fünf Jahren die Hälfte des Satzes). Für Rentner gilt zudem, dass die Immobiliensteuer 4% des Einkommens nicht übersteigen darf.

Ca. 50% aller Steuern setzen sich aus Sozialabgaben zusammen. Zu den obligatorischen Abgaben für Arbeitgeber gehören: Altersrentenbeitrag, Kriegsrentenbeitrag, Krankenversicherung, Elternversicherung, Betriebsunfallversicherung, Arbeitslosenversicherung, allgemeiner Beitrag. In der Summe sind dies 31,42%. Zusätzlich zahlt jeder Arbeitnehmer unter 65 Jahren 7% seines Nettolohns in eine Rentenversicherung. Arbeitgeber zahlen verminderte Sätze von 15,49% für Personen unter 26 Jahren und nur 10,21% für Personen ab 65. Als Selbständiger zahlt man in Schweden alle Sozialabgaben selbst, abhängig vom Nettoeinkommen des Unternehmens, zu einem Steuersatz von 28,97%. Auch hier gilt ein vergünstigter Satz von 14,88% für Unternehmer im Alter zwischen 18 und 25.

Empfänger von Arbeitslosengeld, Krankheitsgeld oder Schwerbehindertengeld, die soziale Leistungen seit mindestens einem Jahr beziehen, sind von Sozialabgaben befreit (für die Dauer der Arbeitslosigkeit, maximal für fünf Jahre).[1]

6. Das Steuersystem Deutschlands

Das Verhältnis von Steuern (inkl. Sozialabgaben) zum BIP lag 2012 bei 39,1%. Dieser Wert im Vergleich der 28 EU- Staaten leicht unterdurchschnittlich, und besonders mit Sicht auf andere große Länder wie Frankreich (45,0%) und Italien (44,0%), ist diese Zahl als relativ niedrig anzusehen.

Deutschland hat jedoch vergleichsweise hohe Sozialabgaben und liegt in diesem Bereich mit 39,8% über dem EU-Durchschnitt (32,4%). Direkte und indirekte Steuern (31% und 29,2%) sind hingegen niedrig. Die Gesamtsteuereinnahmen des Staates fallen relativ gering aus (21,4%), was sich durch die Tatsache erklärt, dass einige Steuern (z.B. Erb- und Schenkungssteuern) direkt an die einzelnen Bundesländer gehen.

Trotz mehrfacher Steigerung der Einnahmen aus Kapitalsteuer in den letzten Jahrzehnten, liegt diese mit gerade einmal 6,2% des BIP noch recht weit hinter dem EU- Durchschnitt (8,2%) zurück. Der Kapital- und Vermögenssteuersatz liegt in Deutschland bei 1,1% (EU-28 bei 2,8%). Die Einnahmen aus Umweltsteuern konnten trotz Anhebungen in den Jahren 1999 – 2003 nicht auf dem Niveau der 2,7% Marke von 2003 halten und lag 2012 bei 2,2% (EU-28 bei 2,4%).

Seit der Wahl der großen Koalition im Jahr 2003 ist der Fokus der Politik auf der Vereinfachung der Steuererklärung für Bürger, als auch auf dem strikten Nachgehen bei Steuerhinterziehung.[2]

Der niedrigste Satz für Einkommenssteuer liegt aktuell bei 14% mit einem Freibetrag von 8.130 EUR. Die Steuer steigt linear zum Einkommen und hat ihr Maximum bei 42% für ein Einkommen über 52.881 EUR. Der Spitzensteuersatz von 45% gilt für Einkommen von mehr als 250.730 EUR (seit 2010). Ehepartner zahlen jeweils Steuern auf die Hälfte ihres gemeinsamen Einkommens. Die Grenze für steuerfreies Einkommen aus Investitionen liegt bei 801 EUR für Einzelpersonen und folglich 1.602 EUR für Ehepaare.

Die Körperschaftssteuer für Unternehmen wurde oft reformiert, zuletzt im Jahr 2008. Nun gibt es eine einheitliche Steuer von nur noch 15%, die sich durch weitere Maßnahmen finanziert. U.a. wurde bspw. die Abschreibung von Sachwerten wie Maschinen und Gebäuden reduziert. Hinzu kommt für Unternehmen die Gewerbesteuer, die sich aus den Profiten errechnet.

Die Mehrwertsteuer wurde 2007 von 16% auf 19% angehoben. Ein reduzierter Satz von 7% gilt für Grundnahrungsmittel, öffentliche Verkehrsmittel, Bücher und Hotels. Für Mietzahlungen und Arztrechnungen kann ggf. eine Steuerbefreiung veranlasst werden.

Eine allgemeine Vermögenssteuer existiert in Deutschland nicht. Es wird eine jährliche Steuer auf unbewegliche Besitztümer von 0,35% erhoben, und zusätzlich ein gewisser Satz von den einzelnen Ländern aufgeschlagen. Die Gesamtsteuer liegt durchschnittlich bei etwa 1,9%. Für die Besitzübertragung von Immobilien können die Länder seit 2007 selbst einen Prozentsatz wählen; er liegt zwischen 4,5% und 6,5% (Ausnahme ist Sachsen mit 3,5%).

Seit einer Reform 2008 ist die Erb- und Schenkungssteuer zwischen 7% und 50%, abhängig von der jeweiligen Summe. Für Geschwister und Kinder von Geschwistern wurde der Satz auf 15% bis 43% gesenkt.

Sozialabgaben werden zur einen Hälfte vom Arbeitnehmer und zur anderen vom Arbeitgeber getragen. Beide gemeinsam zahlen 18,9% für die Rentenversicherung, 3% Arbeitslosenversicherung und 2,05% Pflegeversicherung (kinderlose Arbeitnehmer zahlen noch einmal 0,25% mehr). Für die Krankenversicherung zahlen Arbeitgeber 7,3% und Arbeitnehmer 8,2%.[3]

[...]


[1] Vgl. DG Taxation and Customs Union and Eurostat, 150 ff.

[2] Vgl. Mehrtens (2014), 112.

[3] Vgl. DG Taxation and Customs Union and Eurostat, 86-89.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Steuersysteme Schwedens und Deutschlands im Vergleich
Hochschule
Andrássy Gyula Budapesti Német Nyelvü Egyetem  (Fakultät für Internationale Beziehungen)
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
15
Katalognummer
V318065
ISBN (eBook)
9783668171862
ISBN (Buch)
9783668171879
Dateigröße
582 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Steuersystem, Deutschland, Schweden, Sozialabgaben
Arbeit zitieren
Christoph Kotsch (Autor), 2015, Die Steuersysteme Schwedens und Deutschlands im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/318065

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