Inkarnation als Repräsentation Gottes - Denkmodelle der Christologie


Seminararbeit, 2002

11 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Gottes Sohn und Mensch zugleich?

3 Denkmodelle der Christologie
3.1 Die Trinitätslehre
3.2 Alexandrinische und antiochenische Theologie
3.3 Die Zweinaturenlehre
3.4 Logoschristologie und Inkarnation

4 Merkmale der Repräsentation im Neuen Testament

5 Resümee

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Mit der Bedeutung Jesu Christi für den Glauben, mit seiner Heilsbedeutung für die Welt und mit der Stellungnahme und Beziehung der Menschen zu ihm, beschäftigt sich die Christologie. Sie bildet das Zentrum der Theologie, da sowohl am Anfang als auch in der Mitte des christlichen Glaubens die lebendige Person Jesu Christi steht.[1] Seine Geschichte und Botschaft begegnet uns in der Bibel, wobei das Neue Testament, insbesondere das Evangelium von Jesus Christus hierbei den Schwerpunkt bildet.

Das Wort Christologie an sich besteht aus den griechischen Wörtern „christos“ und „logos“ und bedeutet folglich „Lehre von dem Christus“. Christus ist der bekennende Beiname Jesu und steht für den jüdischen Hoheitstitel „Messias“ (= Gesalbter).

Die Christologie ist einer der ältesten Zweige der christlichen Theologie überhaupt und hat ihre wesentliche Funktion darin, das wahre Menschsein in der Geschichte Jesu darzustellen und aufzuzeigen, wie durch die Inkarnation des Gottessohnes sich Gott uns gezeigt und offenbart hat.

2 Gottes Sohn und Mensch zugleich?

Seit zweitausend Jahren beschäftigen sich Menschen mit der Deutung des Lebens und Wirkens Jesu Christi, insbesondere mit seiner Geburt, Taufe, Verkündigung, seinem Tod und seiner Auferstehung.

Immer wieder taucht dabei die Frage nach den zwei Naturen Jesu – auf der einen Seite Mensch – auf der anderen Seite Gottes Sohn – auf. Sie erscheint als Phänomen, das sich dem menschlichen Verstand zu entziehen scheint, ebenso wie Jesu Leidensweg und Tod.

Dieser „war ein Widerspruch in sich selbst und mußte bedeuten, daß dieser Tod – wurde er an Karfreitag, menschlich gesehen, ernstgenommen – dann von Gott her als Verwandlung des Todes selbst gesehen werden mußte“[2] Durch Auferstehung, Auferweckung und Himmelfahrt wird der menschliche Tod in das göttliche Leben aufgenommen. Jesu Tod bedeutet also nicht das Ende des Gottesreiches, sondern im Gegenteil das sich im christlichen Osterglaube widerspiegelnde Eingebundensein des Todes in Gottes Nähe und Liebe.[3]

3 Denkmodelle der Christologie

Im Markusevangelium heißt es: „Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen!“ (Mk 15,39) Wie ist dieser Satz nun aber zu verstehen bzw. zu übertragen? In welcher Relation stehen Gott und Jesus zueinander? Handelt es sich um zwei Personen oder um eine Wesenseinheit?

Zur Beantwortung dieser Frage sollen im Folgenden Denkmodelle der Christologie im Kontext des Repräsentationsbegriffs bei Hermann Deuser aufgeführt werden.

3.1 Die Trinitätslehre

Die Trinitätslehre als Lehre von der Dreieinigkeit wurde auf den Kirchenversammlungen von Nicäa (325) und Konstantinopel (381) formuliert. Unter ihr versteht man die Dreiheit der göttlichen Personen (Hypostasen) Vater, Sohn und Heiliger Geist in der Einheit des göttlichen Wesens (homousios). Die zentrale Aussage dieser Lehre liegt im Wesentlichen in der Erkenntnis, dass Gott Vater ewig ist und es somit keine Zeit gab, wo er nicht war. Das Gleiche gilt für den Sohn, der aus dem Vater hervorgeht, also von diesem gezeugt wurde. Der Sohn Gottes ist ewig (präexistent), was bedeutet, dass dieser bei der Schöpfung dabei war.

Abgesehen von diesen im Sinne der Dogmengeschichte als wahr geltenden trinitarischen Aussagen, hat die Lehre von der Dreieinigkeit nach H. Deuser eine weitere, und zwar zeichentheoretische (semiotische) Funktion: Sie „ist in ihrer kategorialen Reihenfolge vom (ikonischen) Ursprung des Vaters über die (indexikalische) Repräsentation des Sohnes bis zur (symbolischen) Gegenwärtigkeit des Geistes strukturiert“[4]. Das bedeutet, dass der trinitarische Gottesbegriff als semiotische Struktur verstanden wird, wobei es egal ist von welchem Blickwinkel aus man die Dreigliedrigkeit betrachtet. „Der Geist vergegenwärtigt den Vater im Sohn [...], der Sohn erinnert in seiner Person und Geschichte an die Relation zu Gott dem Vater. – Gott selbst wiederum bleibt in allen Bezugnahmen der schöpferische Ursprung [...].“[5] Deuser sieht in der zeichentheoretisch formulierten Trinitätslehre also den Interpretationsrahmen für den Grundgedanken der Inkarnation als Repräsentation Gottes.

[...]


[1] Vgl.: H. Kessler, Christologie, in: T. Schneider (Hg.): Handbuch der Dogmatik. Patmos Verlag, Düsseldorf 1992, S. 241.

[2] H. Deuser: Kleine Einführung in die Systematische Theologie. Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart 1999, S. 94.

[3] Vgl.: Ebd.

[4] H. Deuser: A. a. O., S. 57.

[5] Ebd. S. 58.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Inkarnation als Repräsentation Gottes - Denkmodelle der Christologie
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
1
Autor
Jahr
2002
Seiten
11
Katalognummer
V31823
ISBN (eBook)
9783638327169
ISBN (Buch)
9783640157396
Dateigröße
519 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Inkarnation, Repräsentation, Gottes, Denkmodelle, Christologie
Arbeit zitieren
Birte Glass (Autor), 2002, Inkarnation als Repräsentation Gottes - Denkmodelle der Christologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31823

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