Evaluation in der Entwicklungszusammenarbeit. Nutzen, Notwendigkeit und Hindernisse


Ausarbeitung, 2016
17 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Vorgehensweise

3 Definition Evaluation

4 Evaluationsbemühungen in der Entwicklungszusammenarbeit
4.1 Der Monterrey-Konsensus
4.2 Erklärung von Paris über die Wirksamkeit der Entwicklungszusammenarbeit
4.3 Aktionsplan von Accra (2008)

5 Evaluation im BMZ
5.1 Aufgaben der Evaluation im BMZ
5.2 Das Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit
5.3 Methoden und Standards

6 Evaluationsstandards
6.1 DAC-Kriterien
6.2 DeGEval-Standards
6.3 Zusammenfassung

7 Evaluation in der deutschen EZ

8 Nutzen, Notwendigkeit und Hindernisse von Evaluationen

Abkürzungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Im Januar 2016 erreichte eine vom Spiegel veröffentlichte Meldung die Öffentlichkeit, die einige Probleme der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) aufzeigte. Von 30 Milliar- den Euro, die durch die EU für Projekte ausgeben wurden, konnte nur die Hälfte der Summe ziel- und zweckgerichtet ausgeben werden. Die andere Hälfte der Hilfsgelder trägt demzufolge nicht dazu bei, den geplanten Projekterfolg zu realisieren (vgl. SPIEGEL ONLINE 2016). Um die Gelder der EZ zielgerichteter einzusetzen und auch die Wirkung und die Nachhaltigkeit zu messen, kann es sinnvoll sein, Projekte und Maßnahmen zu evaluieren, um somit bei Bedarf nach- oder gegenzusteuern. Dadurch können die gewonnen Erfahrungen in zukünftige Projekte und Maßnahmen einfließen und Gelder streichen zielgerichteter eingesetzt werden.

2 Vorgehensweise

In der hier vorliegenden Arbeit definiert der Verfasser zu Beginn den Begriff der Eva- luation. Diese Arbeit wurde mittels Literaturrecherche erstellt. Als wichtige Quelle stellte sich der Internetauftritt des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusam- menarbeit und Entwicklung heraus. Hierbei ist jedoch zu berücksichtigen, dass diese Internetpräsenz der Öffentlichkeitsarbeit des Ministeriums dient. Im Weiteren erfolgt eine gekürzte historische Betrachtung der Evaluationsbemühungen der OECD- Staaten mit dem Hauptaugenmerk auf die Jahre nach 2000. Ein weiterer Fokus der vorliegenden Arbeit liegt auf der Evaluationsarbeit des Bundesministeriums für Wirt- schaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Weiterhin wird überprüft welche Eva- luationsstandards anerkannt sind beziehungsweise (bzw.) genutzt werden. Im ab- schließenden Teil wird die Evaluation in der deutschen EZ beleuchtet und der Nut- zen, aber auch die Hürden und mögliche Gegenargumente von Evaluation in der Entwicklungszusammenarbeit aufgezeigt.

3 Definition Evaluation

Die Gesellschaft für Evaluation e.V., kurz DeGEval, ist ein Verein, der aus verschie- denen Institutionen und Personen besteht, die im Arbeitsfeld der Evaluation tätig sind. Ziel dieser Vereinigung ist es, die Evaluation zu professionalisieren, unter- schiedliche Aspekte der Evaluation zusammenzuführen und als Plattform für den Austausch und die Information über dieses Thema zu dienen (vgl. DeGEval 2015b). Auch das Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit arbeitet mit den Standards dieser Organisation (DEval 2015a). Durch die DeGEval wird Evaluation wie folgt definiert:

„Evaluation ist die systematische Untersuchung des Nutzens oder Wertes eines Gegenstandes. Solche Evaluationsgegenstände können z.B. Programme, Projekte, Produkte, Maßnahmen, Leistungen, Organisationen, Politik, Technologien oder Forschung sein. Die erzielten Ergebnisse, Schlussfolgerungen oder Empfehlungen müssen nachvollziehbar auf empirisch gewonnen qualitativen und/oder quantitativen Daten beruhen.“ (Beywl & DeGEval 2008, S.15)

4 Evaluationsbemühungen in der Entwicklungszusammenarbeit

Das Messen von Auswirkungen von Bemühungen in der Entwicklungszusammenar- beit hat eine lange Tradition (vgl. Borrmann & Stockmann 2009, S.6-7). Mit der Ver- abschiedung der Millennium Development Goals im Jahr 2000 durch die Vereinten Nationen und den daraus resultierenden Foren und Agenden wuchs der Druck, die Erfolge in der Armutsbekämpfung mess- und darstellbar zu gestalten (vgl. ebd., S.17- 18). Bis zur Jahrtausendwende lag der Schwerpunkt der vorhandenen Evaluations- bemühungen meist in den Durchführungsmodalitäten der Projekte. Hierbei lag der Fokus vor allem auf einer technischen „Soll-Ist“-Analyse der geförderten EZ Pro- gramme. Kurz vor dem Jahr 2000 fand ein Umdenken in den Geberländern statt, da festgestellt wurde, dass die globale Armutsbekämpfung kaum Erfolge erzielte. Durch die internationale Staatengemeinschaft wurden hierfür folgende Ursachen identifi- ziert.

- „Bilateralismus: fehlende Koordination der Geberprogramme sowie mangelnde indivi- duelle Absprachen mit Partnerregierungen führen zu massiven EZ-internen Kohärenz- problemen.
- Defizite im Politikdialog: die Prioritäten werden den Partnerregierungen aus politi- schen oder wirtschaftlichen Gründen zu stark diktiert, der Politikdialog ist asymmetrisch.
- Kohärenzmanagement: dem sinnvollen Verbund von humanitären Aktionen, EZProgrammen, Wirtschaftshilfen und Möglichkeiten zur Teilhabe am globalen Markt wurde zu wenig Beachtung geschenkt.
- Fehlende Entwicklungsfinanzierung: nachhaltige, globale Verbesserungen und der Abbau des Nord-Süd Gefälles können mit bestehenden Mitteln nicht erreicht werden; signifikant mehr Mittel müssen zur Verfügung stehen.
- Fehlende globale Initiativen: um die dringendsten Probleme - im Sinne der schnellen Beseitigung der wichtigsten entwicklungshemmenden Faktoren - anzugehen, braucht es ‚fast track‘ Prozesse mit genügend hohen Budgets.“ (Borrmann & Stockmann 2009, S.34- 35)

Wie eingangs in diesem Kapitel erwähnt, markierten die Millenniumserklärung und die Bekanntgabe der Millenniumentwicklungsziele einen Paradigmenwechsel in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit (vgl. UN Millenniumskampagne Deutschland 2001, UN Generalversammlung 2000). In den 2000er Jahren fanden einige wegweisende Erfolg versprechende internationale Zusammenkünfte statt, die die internationale Entwicklungszusammenarbeit bis heute nachhaltig geprägt haben. Dabei ging es sowohl um die Finanzierung als auch um die Messung der Wirksam- keit der EZ (BMZ 2015g). Im Folgenden wird auf einige wegweisende Konferenzen eingegangen.

4.1 Der Monterrey-Konsensus

Mit dem Monterrey-Konsensus verständigte sich die internationale Gemeinschaft auf die finanzielle Verwirklichung der Millenniumentwicklungsziele. Klassische Geber- und Empfängerstaaten berieten über unterschiedliche Finanzierungsoptionen der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. Zu den Hauptergebnissen zählten un- ter anderem:

- die Bereitstellung von mehr inländischen Mittel in Entwicklungsländern
- Förderung der Wirtschaft in Entwicklungsländern durch ausländische Direktin- vestitionen
- Die Erhöhung der finanziellen Ressourcen für die Entwicklungszusammenar- beit durch die internationale Gemeinschaft
- Teilweiser Schuldenerlass für Entwicklungsländer im Rahmen der HIPC- Initiative1
- Stärkere Berücksichtigung der Interessen von Entwicklungsländern
- Verbesserte Synchronisierung der internationalen EZ mit den Strategien der Entwicklungsländer (vgl. BMZ 2015b)

4.2 Erklärung von Paris über die Wirksamkeit der Entwicklungszusammen- arbeit

In der Erklärung von Paris aus dem Jahr 2005 über die Wirksamkeit der Entwick- lungszusammenarbeit wurde sich auf Grundprinzipien des gemeinsamen Wirkens in der internationalen EZ geeinigt. Das grundsätzliche Ziel der Erklärung war „[...] durch Monitoring überprüfbare Maßnahmen zu ergreifen, um im Blick auf die noch in [je- nem] Jahr vorgesehene VN-Fünfjahresbilanz der Millenniumserklärung und Millenni- ums-Entwicklungsziele (MDG) unsere Modalitäten der EZ-Abwicklung und - Verwaltung zu reformieren.“ (High Level Forum Paris 2005, S.3) Die Reform der EZ zeichnet sich vorrangig durch fünf Hauptaspekte aus. Diese sind Eigenverantwor- tung, Partnerausrichtung, Harmonisierung, ergebnisorientiertes Management und gegenseitige Rechenschaftspflicht (vgl. ebd., S. 5-11). Wegweisend an der Pariser Erklärung war unter anderem, dass sie weitreichender als bisherige Erklärungen die- ser Art war. Die hohe und hochrangige Teilnehmerquote, unter anderem waren der OECD-Generalsekretär, der Präsident der Weltbank und der Präsident der Europäi- schen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung vertreten, sowie die Formulierung klarer Handlungsziele führten zu einer hohen Akzeptanz der Pariser Erklärung. In der Vorbereitung des Hohen Forums von Paris fanden verschiedene regionale Work- shops statt, um Vertreter von NROs sowie von Partner- und Geberländern zusam- menzubringen. Es wurden Erfahrungen ausgetauscht, Fortschritte erörtert sowie die Bereiche besprochen, die weiterhin Handlungsbedarf besaßen (vgl. OECD 2006, S.54-56).

4.3 Aktionsplan von Accra (2008)

Das sogenannte „3rd High Level Forum on Aid Effectiveness“ fand zwischen dem 2. und 4. September 2008 in Accra, Ghana, statt und endete mit der Unterzeichnung des Aktionsplans von Accra. Die Teilnehmer verpflichteten sich auf die Umsetzung der bereits vereinbarten Erklärung von Paris. Während des Forums wurde festge- stellt, dass einige Aspekte aus Paris schon umgesetzt wurden, die Fortschritte jedoch nicht ausreichten (vgl. 3rd High Level Forum on Aid Effectiveness 2008, S.1). Der Fokus in Accra lag auf einer breiteren Aufstellung in einem entwicklungspolitischen Kontext. Dazu gehörte eine stärkere Förderung der Transparenz sowie die Kopplung der Entwicklungszusammenarbeit an die Einhaltung von Menschenrechten, der Gleichstellung der Geschlechter, von Umweltschutzmaßnahmen und von „Good- Governance“-Aspekten2. Die Bundesregierung verabschiedete 2009 den sogenann- ten „Aktionsplan zur Umsetzung der Pariser Erklärung 2005 und des Accra- Aktionsplans 2008 zur Steigerung der Wirksamkeit von Entwicklungszusammenar- beit“. Die Hauptaussagen des Aktionsplans waren z.B. die weitere Stärkung der Ei- genverantwortlichkeit der Länder, sowie die Förderung der Strukturen in den Entwick- lungsländern. Hierfür erfolgten eine weitere, verbesserte Abstimmung zwischen den Partnerländern aber auch eine Erhöhung der Transparenz der Leistungen der Geber- länder. Im Ergebnis dessen wurden durch die Bundesregierung Aufgabenbereiche für die EZ definiert. So resultierte zum Beispiel die verstärkte Ausrichtung auf Priori- täten der Partner der EZ, eine verbesserte Arbeitsteilung sowie Abstimmung unter den Akteuren der Entwicklungszusammenarbeit, Erhöhung der Transparenz, erwei- terte Zusammenarbeit mit allen Entwicklungsakteuren und die Etablierung von Anrei- zen für die erfolgreiche Umsetzung von EZ-Projekten (BMZ 2015a).

5 Evaluation im BMZ

Bereits 1997 und 1998 wurde durch das Bundesministerium für Wirtschaftliche Zu- sammenarbeit und Entwicklung der Auftrag vergeben, den Stand der Evaluierungs- bemühungen zu untersuchen (vgl. Lücking u. a. 2015, S.7). Im Jahre 2006 traten Evaluationskriterien seitens des BMZ in Kraft. Dieses Papier wurde in der Arbeits- gruppe ‚Evaluierung aus einem Guss‘ (BMZ 2006, S.1) entworfen, wobei auch die an internationaler Entwicklungszusammenarbeit beteiligten Durchführungsorganisatio- nen DED, GTZ, InWEnt beteiligt waren (vgl. BMZ 2006, S.1).3

[...]


1 „HIPC steht für ‚heavily indebted poor countries‘ (hoch verschuldete arme Länder). Die HIPC- Initiative ist eine auf Anregung der G7 von Weltbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) 1996 beschlossene Entschuldungsinitiative für hoch verschuldete arme Länder.“ (BMZ 2015f)

2 „Good Governance wird häufig mit ‚gute Regierungsführung‘, ‚gute Staatsführung‘ oder auch ‚ver- antwortungsvolle Regierungsführung‘ übersetzt. [...] Der Begriff ‚Governance‘ umfasst die Art und Weise, wie in einem Staat Entscheidungen getroffen, politische Inhalte formuliert und umgesetzt wer- den. ‚Good Governance‘ ist transparent, effektiv und legt Rechenschaft ab. Sie beteiligt die gesamte Bevölkerung und berücksichtigt die Meinung und die Bedürfnisse von Minderheiten und Schwachen. Alle Bürgerinnen und Bürger werden mit den notwendigen öffentlichen Gütern und sozialen Dienstleis- tungen versorgt.“ (BMZ 2015e)

3 Die genannten Organisationen sind im Jahr 2011 in der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit aufgegangen. (BMZ 2015c)

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Evaluation in der Entwicklungszusammenarbeit. Nutzen, Notwendigkeit und Hindernisse
Hochschule
Akkon-Hochschule für Humanwissenschaften  (Internationale Not- und Katastrophenhilfe)
Veranstaltung
Entwicklungspolitik und Entwicklungszusammenarbeit
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
17
Katalognummer
V318270
ISBN (eBook)
9783668220423
ISBN (Buch)
9783668220430
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
EZ, Entwicklungszusammenarbeit, BMZ, Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Evaluation, Evaluierung, Wirksamkeit, Wirksamkeit von Hilfsmaßnahmen
Arbeit zitieren
Michael Meister (Autor), 2016, Evaluation in der Entwicklungszusammenarbeit. Nutzen, Notwendigkeit und Hindernisse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/318270

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