"Sollte das Handyverbot an unserer Schule wieder aufgehoben werden?" Eine Podiumsdiskussion. Wie vertrete ich meine Meinung überzeugend? (Deutsch, 10. Klasse)


Unterrichtsentwurf, 2015
26 Seiten, Note: 1
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Darstellung der Unterrichtsreihe Seite 3

Verlaufsplan Seite 4

Längere Unterrichtszusammenhängel Seite 5-8

Ziele und Teillernziele der Unterrichtsstunde Seite 9

Methodisch-didaktische Entscheidungen zur Unterrichtseinheit Seite 10-13

Quellenverzeichnis Seite 14

Anhang Seite 15 - 26

[...]

Längerfristige Unterrichtszusammenhänge

Lerngruppenanalyse und Lernausgangslage

Bei der Lerngruppe handelt es sich um einen „E- Kurs“ der zehnten Jahrgangsstufe im Fach Deutsch. „E- Kurs“ bedeutet Erweiterungskurs und ist vom Niveau, im Gegensatz zu den Grundkursen, höher anzusiedeln. Ich hospitiere seit diesem Schuljahr in Frau XXX Kurs und habe den Unterricht ab dieser Reihe im Fach Deutsch übernommen. Der Kurs besteht aus insgesamt 32 SuS, wobei mit fünfundzwanzig Schülerinnen und sieben Schülern ein weiblicher Überschuss besteht. Die Klasse ist als lebhaft und aufgeschlossen zu beschreiben und das Lernklima ist insgesamt als positiv zu kennzeichnen. Aufgrund der Klassenstärke und dem Umstand, dass es sich um einen kleinen Klassenraum handelt, ist der Lärmpegel oftmals hoch. Obwohl es sich um einen Erweiterungskurs handelt, sind die Fähigkeiten und fachlichen Voraussetzungen der SuS als sehr heterogen einzuordnen. Da die SuS für diesen Erweiterungskurs aus unterschiedlichen Klassen zusammengesetzt sind ist festzustellen, dass sich kleine Gruppen gebildet haben, die auch in der Sitzordnung zu erkennen sind. Das Arbeitsverhalten der SuS ist ebenfalls heterogen einzustufen. Die meisten SuS fangen beispielsweise nach einem Arbeitsauftrag sofort an gewissenhaft zu arbeiten. Andere hingegen brauchen eine extra Aufforderung, damit sie langsam beginnen. Dieses Bild ist auch bei der Anfertigung der Hausaufgaben zu erkennen. Ein Teil der SuS macht diese sehr gewissenhaft und vorbildlich. Ein anderer Teil hingegen oberflächig. Diese mangelnde Arbeitseinstellung ist allerdings auch auf die Jahrgangsstufe, beziehungsweise auf die Pubertät zurückzuführen, in welcher die SuS sich oftmals von der Schule abwenden und versuchen ihren eigenen Weg zu gehen, bei welchem die Schule lediglich eine untergeordnete Rolle spielt.[1] Es ist sehr auffällig, dass es einigen SuS sehr wichtig ist ihren Stand in der Klassengemeinschaft zu wahren und „cool“ zu wirken. Dazu gehört diese „kein-Bock“ Einstellung und die Gleichgültigkeit zu jeglichen Schulthemen. Aus diesen Gründen wird versucht den Unterricht lebensnah und abwechslungsreich zu gestalten. Auffällig ist ebenfalls, dass es einige sehr stille Mädchen in der Klasse gibt, die sich kaum trauen etwas zu sagen. Zum Teil sind die schriftlichen Leistungen dieser Mädchen gut, die mündliche Mitarbeit findet allerdings nur statt, wenn man sie als Lehrkraft anspricht.

Durch kooperative Lernformen, den Einsatz von abwechslungsreiche Methoden und Medien und der zunehmenden Abgabe der Verantwortung in der Unterrichtsreihe soll dies erreicht werden. Ebenfalls soll durch Gruppenarbeiten, deren Zusammensetzung durch die Lehrkraft oder den Zufall bestimmt werden, erreicht werden, dass die SuS sich untereinander besser kennenlernen, indem sie miteinander arbeiten. Durch leistungsheterogene Gruppen soll erreich werden, dass die starken SuS die schwachen unterstützen und in der Gruppe jeder von jedem lernt.

Hinsichtlich der Lernausgangslage ist zu beachten, dass die Thematik der Erörterung und Argumentation durch das Spiralcurriculum bereits in der achten Jahrgangsstufe[2] behandelt wurde. Somit wurden die fachlichen Grundlagen, wie beispielsweise das Verfassen einer linearen Erörterung, bereits vermittelt. Dennoch war eine Wiederholung der Grundlagen nötig, um diese wieder ins Gedächtnis der SuS zu rufen und auf diesen aufbauen zu können. Die Methodik der „Podiumsdiskussion“ ist den SuS bekannt. Diese wurde während der Reihe eingeführt und zur Flüchtlingsthematik durchgeführt und ausgewertet. Dabei lag der Stundenschwerpunkt auf der Methodik der Podiumsdiskussion. Diese wurde nachher im Anschluss ausgewertet und reflektiert.

Die Unterrichtssequenz im Reihenkontext

Die gezeigte Unterrichtsstunde ist die 12. Unterrichtsstunde der Reihe: „Erörtern und argumentieren – Wie vertrete ich meine Meinung überzeugend?“ und hat das Thema „Handyverbot an der Schule XXXX? - Eine Podiumsdiskussion“.

Legitimiert werden können die Stunde und ebenso die Reihe mit Hilfe der Landesvorgaben Nordrhein-Westfalens für die Sekundarstufe I für Gesamtschulen. [3] Die Reihenthematik ist im Lehrplan unter dem Themenfeld „Texte schreiben“ unter Punkt vier zu finden. Hier heißt es, dass die SuS „argumentative Texte verfassen sollen, indem sie Thesen entwickeln, Argumente sammeln […] durch Beispiele veranschaulichen […] Gegenargumente zurückweisen“.[4] Ebenso kann die Methodik der Podiumsdiskussion mit Hilfe der Vorgaben begründet werden. Diese ist unter dem Themenfeld „Sprechen und Gespräche führen“ unter dem Punkt sieben zu finden. Hier heißt es „Sie beteiligen sich mit differenzierten Beiträgen an Diskussionen. Sie leiten, moderieren und beobachten Gespräche […] z.B. Pro- und Contra- Diskussion […]. [5] Ebenfalls ist die Reihenthematik auch in dem schulinternen Lehrplan zu finden. In diesem wird das Thema „Über Meinungen argumentieren und erörtern“ als verbindliche Unterrichtsvorschlag beschrieben.[6] Die Gestaltung der Unterrichtsreihe orientiert sich weiterhin an den im Lehrplan geforderten Gestaltungsprinzipien des Unterrichts, wobei vor allem auf selbstständiges Arbeiten und wechselnde kooperative Arbeitsformen, aber auch auf frontale Phasen, wie beispielsweise das gelenkte Unterrichtsgespräch, um Ergebnisse zu bündeln und zu sichern, Wert gelegt wird.

Übergeordnetes Ziel der Reihe ist es, dass die SuS eigene Meinungen reflektieren, diese mit Argumenten schriftlich sowie mündlich vertreten können und auf Argumente der Gegenseite

eingehen und diese entkräften können. Die Unterrichtsreihe besteht aus zwei Sequenzen, die sich mit zwei unterschiedlichen Themen auseinandersetzen. Die SuS durften die Themen, über die sie diskutieren und Erörterungen verfassen, selber auswählen. Es ist wichtig, dass die SuS über Thematiken diskutieren, die auch in ihre Lebenswelt passen. Laut Klafki können sich die SuS durch diese Bezüge besser in die Thematik hineinversetzen und sich mehr mit diesen Gegenständen identifizieren, und somit auch besser über diese diskutieren.[7] In der Reihe besteht für die SuS in beiden Sequenzen ein Gegenwartsbezug. Während der ersten Sequenz haben wir uns mit der Flüchtlingsproblematik auseinandergesetzt und diskutiert, ob Deutschland weiterhin Flüchtlinge aufnehmen sollte oder nicht. Dies ist ein aktuelles Thema und die Problematik ist hinreichend bekannt. Dennoch handelt es sich um eine schwierige und prekäre Thematik, da oftmals nur Halbwissen bei den SuS vorhanden ist und Vorurteile bestehen. An dieser Stelle war es wichtig, den SuS weitere Hintergrundinformationen an die Hand zu geben, damit ihre Argumentationen auch belegbar sind. Ebenfalls wurde an dieser Stelle die Medienkompetenz der SuS erweitert. Viele Informationen und Meldungen aus den digitalen Medien müssen hinterfragen werden und dürfen nicht einfach hingenommen werden. In einem kurzen Video wurde gezeigt, dass oftmals Falschmeldungen bewusst gestreut werden, um eine Meinung gegen Flüchtlinge zu polarisieren. Zu der Flüchtlingsproblematik wurden, nachdem für beide Seiten Argumente und Beispiele gefunden wurden und diese mit Hilfe der Placemat - Methode überarbeitet wurden, eine Erörterung verfasst. Zum Abschluss der Sequenz wurde die Methode der Podiumsdiskussion eingeführt und zur Thematik durchgeführt, da die SuS lernen sollen mündlich zu argumentieren und einen Standpunkt glaubwürdig zu vertreten. Weiterhin ist es unabdingbar, um Argumente wirklich zu verstehen, dass die SuS sich in andere Rollen hineinversetzen, um aus einer anderen Perspektive Argumente zu sehen. Durch diesen Perspektivwechsel wird das Empathievermögen der SuS geschult. Mithilfe der Flüchtlingsthematik wurde der Integrationscharakter des Faches Deutsch zu Politik deutlich gemacht.

Die zweite Sequenz beschäftigt sich mit dem aktuellen Thema des „Handyverbotes an der Schule XXX“. Auch diese Thematik stellt einen Realitätsbezug dar, da diese Frage vor ca. einem halben Jahr an der Schule diskutiert wurde und immer noch für Kontroverse sorgt, somit aktuell ist und einen Lebensbezug für die SuS darstellt. Seit einem halben Jahr herrscht an der Schule ein Verbot von allen digitalen Endgeräten für die Sekundarstufe I. Dieses Verbot gilt nicht nur für die Klassenräume, sondern auch in den Pausen auf den Schulhöfen, sowie im Forum. Im Sinne der didaktischen Reduktion wurde sich darauf beschränkt, dass es bei der Diskussion lediglich um das Verbot von Handys beziehungsweise Smartphones gehen soll. Der Begriff des Handys wird hierbei synonym für Smartphone verwendet. Zu Beginn der Sequenz wurde in einem Blitzlicht ermittelt, wer für und wer gegen das Verbot von Handys an unserer Schule ist beziehungsweise wer sich nicht festlegen kann und sich zwischen den beiden Positionen einordnen würde. Das Ergebnis wurde notiert und wird im weiteren Reihenverlauf nochmals aufgegriffen. Der nächste Schritt bestand darin, dass die eine Hälfte der SuS Argumente für und die andere Hälfte gegen das Handyverbot formuliert haben. Danach wurden mit Hilfe der Placemat Methode diese geprüft und abgeändert. Der weitere Ablauf der Reihe ist nun umgekehrt aufgebaut. Wurde in der ersten Sequenz im ersten Schritt schriftlich erörtert und im Anschluss diskutiert, geschieht dies nun umgekehrt. Dies liegt daran, dass sich jeweils nur die Hälfte der SuS intensiv mit Argumenten einer Seite auseinandergesetzt hat. Um eine schriftliche Erörterung schreiben zu können und um sich begründet zu positionieren ist allerdings ein Blick auf beide Seiten nötig. Um diesen Überblick zu erlangen werden die SuS in unterschiedlichen Rollen das Thema diskutieren. Diese Podiumsdiskussion soll die Urteilskompetenz der SuS schulen und erreichen, dass die SuS auch in ihrem alltäglichen Leben ihre Argumente begründen und rechtfertigen. [8] Im Anschluss haben alle SuS die Argumente beider Seiten kennengelernt und sollen nun ihren Standpunkt schriftlich festlegen und eine Erörterung verfassen. Eigenverantwortliche Überarbeitungen der verfassten Texte der Partner sollen dazu führen, dass die SuS kritisch mit Texten umgehen und mit Hilfe von Kategorien diese überarbeiten können. Somit wird Verantwortung an die SuS abgegeben. Letztlich können die SuS ihre überarbeiteten Texte auch bei mir abgeben, damit sie ein Feedback für die anstehende Kursarbeit erlangen. Da die SuS unterschiedlichen Übungsbedarf haben, wird eine Lerntheke zur Vorbereitung für die Kursarbeit zur Verfügung stehen. Hiermit ist gewährleistet, dass die SuS sich individuell nach ihren Bedürfnissen vorbereiten können, was eine Binnendifferenzierung darstellt.

Ziele der Unterrichtsstunde:

Stundenziel:

Die SuS können einen ihnen zugewiesenen Standpunkt zur Thematik „Handyverbot an der Schule XXX“ auf der Basis von zuvor erarbeiteten Argumenten und Beispielen glaubwürdig und begründet darstellen, in Bezug zur Gegenposition setzen und ihren privaten Standpunkt kritisch hinterfragen.

Teilziele:

1. Die SuS festigen ihre zuvor erarbeiteten Argumente zu einer Position des Themas, indem sie in der Gruppe diese wiederholen und besprechen und gegebenenfalls überarbeiten und erweitern.

2. Die SuS versetzen sich in ihre vorgegebene Rolle und reichern den Standpunkt der Rolle mit passenden Argumenten und Beispielen an, indem sie in der Gruppe über die Rolle diskutieren und sich austauschen.

3. Die SuS können ihren Standpunkt, auch wenn dieser nicht der eignen Meinung entspricht, in der Podiumsdiskussion vertreten, indem sie ihn mit überzeugenden Argumenten und Beispielen belegen.

4. Die SuS lernen Argumente und Beispiele der Gegenposition des Themas kennen, indem sie der Podiumsdiskussion folgen und sich die Argumente der Gegenseite notieren.

5. Die SuS können ihre Sozialkompetenz stärken, indem sie miteinander in einer Gruppe an einem bestimmten Ergebnis arbeiten.

[...]


[1] Vgl.: Meyer, H., S.365.

[2] Vgl.: Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen, S.29 (letzter Zugriff: 12.11.2015).

[3] Vgl.: ebd.

[4] Vgl.: ebd.

[5] Vgl.: ebd. S. 25.

[6] Vgl.: Schulinterner Lehrplan.

[7] Klafki, W., S. 265ff.

[8] Reinhardt, S., S. 149ff.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
"Sollte das Handyverbot an unserer Schule wieder aufgehoben werden?" Eine Podiumsdiskussion. Wie vertrete ich meine Meinung überzeugend? (Deutsch, 10. Klasse)
Note
1
Jahr
2015
Seiten
26
Katalognummer
V318330
ISBN (eBook)
9783668179240
ISBN (Buch)
9783668179257
Dateigröße
532 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Sehr gut bewerteter Entwurf und Unterrichtsbesuch. Im Entwurf sind auch die längerfristigen Reihenzusammenhänge auf fünf Seiten beschrieben.
Schlagworte
sollte, handyverbot, schule, eine, podiumsdiskussion, meinung, deutsch, klasse
Arbeit zitieren
Anonym, 2015, "Sollte das Handyverbot an unserer Schule wieder aufgehoben werden?" Eine Podiumsdiskussion. Wie vertrete ich meine Meinung überzeugend? (Deutsch, 10. Klasse), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/318330

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