Der Krieg Karls des Großen gegen die Awaren 791 bis 796 - beschrieben durch Einhard in seiner "Vita Karloli Magni" aus dem Jahre 836


Hausarbeit, 1996

24 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Auszug aus dem Text

III. Die Herkunft und Verbreitung der Awaren

IV. Der Kriegsverlauf

V. Die Awaren nach dem Krieg

VI. Schlussfolgerung und Textanalyse

VII. Zeittafel

VIII. Quellen und Literatur

I. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Feldzug Karls des Großen gegen den Staat der Awaren in den Jahren 791 bis 796. Wichtigste Quelle zu diesem Thema ist die „Vita Karoli Magni“ von Einhard aus dem Jahre 836.

Unser Ziel ist es, den vorliegenden Text auf seinen Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen. Damit das möglich ist, werden wir eine detaillierte Wiedergabe der damaligen Kriegsereignisse durchführen. Dabei ist es uns auch wichtig, die Herkunft, das Wesen und die weitere Entwicklung der Awaren mit einzubeziehen.

Zur Vorgehensweise erscheint es uns sinnvoll, zuerst den entsprechenden Textabschnitt aus Einhards Werk wiederzugeben und wirken zu lassen. Anschließend beginnen wir mit der Herkunft und Ausbreitung der Awaren bis zum Beginn der Kriegshandlungen im Jahre 791. Dem folgend, geben wir eine Beschreibung des Krieges nach heutigen Kenntnissen und den weiteren Fortbestand der Awaren. Zuletzt kommen wir auf Einhard zurück und führen eine kurze Textanalyse durch, wobei wir auch nach den Gründen und Auswirkungen des Krieges suchen werden.

Christian von Kłobuczyński

II. Auszug aus dem Text

„Mit Ausnahme des Sachsenkrieges war der nun folgende Kampf gegen die Awaren oder Hunnen wohl der größte Krieg, den Karl jemals führte. Er begann ihn auch mit mehr Eifer als alle anderen und verwendete eine viel bessere Ausrüstung. Den Feldzug in Pannonien, wo die Hunnen damals lebten, leitete er persönlich. Alle folgenden überließ er seinem Sohn Pippin und den Statthaltern der Provinzen, manchmal auch den Grafen und sogar den Offizieren der Armee. Obwohl der Krieg mit größter Hartnäckigkeit geführt wurde, nahm er erst nach acht kampfreichen Jahren ein Ende. Das völlig menschenleere Pannonien und die Verwüstung der Residenz des Kahns, wo heute keine Spur menschlichen Lebens aufzuspüren ist, sind Zeugen der vielen blutigen Schlachten, die in diesen Jahren gefochten wurden. Der gesamte hunnische Adel und damit auch sein Ruhm gingen dabei zugrunde. Das Geld und die Schätze, die sich im Laufe der Jahre angesammelt hatten, wurden in Beschlag genommen. Man kann sich nicht erinnern, dass sich die Franken je in einem andern Krieg durch erbeutete Schätze und Reichtümer mehr bereicherten. Bis dahin hatte man die Hunnen allgemein als ein armes Volk betrachtet. Im Palast des Kahns fand man jedoch soviel Gold und Silber, und in den Schlachten wurde soviel wertvolle Beute erobert, dass man mit Recht sagen kann, die Franken hätten den Hunnen rechtmäßig das weggenommen, was diese früher anderen Völkern unrechtmäßig geraubt hatten. Nur zwei Führer der Franken fielen in diesem Krieg: Herzog Erich von Friaul wurde in der liburnischen Küstenstadt Tersato durch Verrat der Eingeborenen getötet. Der Statthalter Gerold von Bayern wurde zusammen mit zwei Begleitern in Pannonien erschlagen, man weiß nicht, von wem: er war gerade dabei, seine Truppen für ein Gefecht mit den Hunnen zu ordnen, und ritt die Reihen entlang, um seine Soldaten anzufeuern. Sonst verlief der Krieg für die Franken verhältnismäßig unblutig und äußerst zufriedenstellend. Allerdings zog er sich wegen seiner Größe lange Zeit hin.“

III. Die Herkunft und Verbreitung der Awaren

Bei den Awaren handelt es sich um Reiternomaden, die innerhalb der Wanderbewegung der Steppenvölker in den Westen vordrangen. Sie stehen in der gleichen Tradition wie die Skythen, Sarmaten, Xiongnu, Hunnen, Mongolen und Türken und sind weitläufig mit ihnen verwandt. Gemeinsamkeiten finden sich in der Religion (Schamanismus), der Lebensweise (Nomadentum), der Bewaffnung und dem eigenen Selbstverständnis. Ihre staatliche Ordnung beruhte auf der Überschichtung von Bauern durch Hirten, die sich diesen überlegen fühlten. Diese Überlegenheit könnte auf den Besitz von Streitwagen zurückzuführen sein, bis sich später das Reiten von Pferden durchgesetzt hat. Diese Reiternomaden waren hervorragend ausgerüstet und sehr gefürchtet. Ihre Wanderbewegungen hingen häufig mit Bürgerkriegen zusammen, „in deren Verlauf die besiegten Gruppen mit ihrer beweglichen Habe davonzogen, zeitweilig nomadisierten und sich z.T. gewaltsam neue Siedlungsräume erschlossen“.[1]

Wie verhält es sich nun mit den Awaren? Sie gehören zu den Türkvölkern und somit zur altaischen Sprachgruppe. Wahrscheinlich sind sie mit den mongolischen „Jou-Jan“ identisch, die im 6. Jahrhundert einen eigenen Staat nördlich von Indien und China besaßen. 552 verließen 20000 Krieger mit ihren Familien das Gebiet, nachdem sich dort die Türken gegen die Herrscherschicht erhoben haben und ein eigenes Nomadenreich gründen konnten. 558 fanden sie bei den „Alanen“ Zuflucht und sandten Vertreter zum oströmischen Kaiser, der sie zum Schutz vor anderen „Barbaren“ für sich gewann. 562 erreichten sie, unter ihrem Khagan „Bajan“ die untere Donau. Gemeinsam mit den „Langobarden“ unter König „Alboin“ vernichteten sie 567 den Staat der „Gepiden“ und konnten 568 nach dem Abzug der Langobarden auch „Pannonien“ in Besitz nehmen. Was hiernach folgte, war die Bildung eines neuen Staates und die Einflussnahme auf die Völker ringsherum.

Wie sah dieser Staat aus und was ist mit Einflussnahme gemeint ? Wir müssen davon ausgehen, dass der Staat der Awaren, ethnisch gesehen, aus verschiedenen Volksgruppen bestand. Geführt wurde er von wenigen 10000 awarischen Kriegern, welche die Herrscherschicht unter einem Fürsten (Khagan) bildeten.[2] Sie waren hervorragende Kämpfer, die jedem Gegner überlegen waren und besaßen neben Lamellenpanzern, panzerbrechenden Speeren und Reflexbogen auch Pferdegeschirr und Steigbügel. Wie bei den Reiternomaden bekannt, bildete die Unterschicht das Bauerntum. Wir müssen heute davon ausgehen, dass diese Bauern in erster Linie Slawen (Wenden oder Venethi Sarmatae, Anten und Sclavenoi) waren, die von den Awaren unterworfen wurden. Ebenso kommt es aber auch zu Verbindungen mit Germanen (Goten), Bulgaren und den Resten der Hunnen. Sie alle bildeten unter dem Namen der Awaren einen Staatskörper, der über seine eigentlichen Grenzen hinaus eine Wirkung auf ganz Osteuropa hatte.[3]

Bereits 565 kam es zu ersten Angriffen auf das Frankenreich und 595 zum Sieg über die Bayern unter „Tassilo I.“, Herzog der Bayern aus dem Hause der Agilofinger. In dieser Zeit kam es auch zur Landnahme Mährens (dem Gebiet der germanischen Quaden) durch die Wenden, selbstverständlich unter Führung der Awaren. 610 kam es dann auch zu dem Angriff auf das langobardische Italien und zur Verheerung von Friaul. Seit 574 bezahlte Byzanz dem Awarenstaat Tribut, der in Friedenszeiten auf 100000 Goldstücke pro Jahr festgelegt wurde.[4]

Seit diesen Jahren wanderten die Slawen (Anten und Sclavenoi) auch in den Balkan ein, bis sie kurz vor Byzanz stehen blieben. Ab 620 kommt es dann zwischen Byzanz und dem Awarenstaat zu Auseinandersetzungen, die von den unterdrückten Slawen ausgenutzt wurden und zur Bildung eigener Staaten führten. So gab es 623 bei den Wenden in Mähren einen Aufstand, der unter der Führung des fränkischen Kaufmannes „Samo“ 626 zur Bildung eines mährischen Staates führte. Im gleichen Jahr erlitten die Awaren, bei der Belagerung von Byzanz, eine Niederlage, die auch zur Lösung der Balkanslawen führte.

Was nun folgte, war die langsame innere Zersetzung des Awarenstaates, die 631 zu einem Bürgerkrieg führte, in dessen Verlauf 9000 bulgarische Familien zu den Bayern flohen und 635 ein bulgarischer Staat entstand, der sich zwischen Byzanz und dem Awarenstaat schob. Nach dem Tod Samos 658 und dem Zerfall des mährischen Staates, zogen die Awaren erneut nach Mähren und festigten ihre Macht. Erst 741 kam es zu weiteren kriegerischen Handlungen, diesmal gegen die karantischen Slawen (Kärnten), welche die Bayern, unter Herzog Odilo, um Hilfe baten. Die Awaren wurden zwar zurückgedrängt, dafür gerieten die Karanten aber unter bayerischen Einfluss und deren Christianisierungsmethoden, was auch zu Unruhen führte. Was die Awaren betrifft, waren die folgenden Jahre eher ruhig, was auch an einer inneren Entwicklung lag, in deren Verlauf die awarische Oberschicht immer mehr Einfluss über die unterdrückten Slawen verlor und langsam anfing zu verbauern.

Im Westen dagegen, rückte der fränkische Staat immer näher, bis er eine Grenze mit dem Awarenstaat, dem „limes certus“ bildete. 781 musste Tassilo III. von Bayern, in Worms seinen Lehnseid erneuern und Karl Geiseln stellen. Die Awaren schickten Gesandte nach Lippspringe und zogen mit einem Heer an der Enns auf, beließen es aber bei dieser Machtdemonstration. 788 kam es dann zur Absetzung „Tassilos III.“, der dem Frankenkönig „Karl“ die Heeresfolge verweigerte und mit den Awaren paktierte. „Die Franken beschuldigten vor allem Tassilos langobardische Ehefrau ‚liutberga’, die Awaren aufgestachelt zu haben. Eine bayerisch-langobardische Koalition der Verlierer sollte mit awarischer Hilfe und byzantinischer Unterstützung Karls Siegeszug aufhalten“.[5] Tassilo wurde zum Tode verurteilt, dann aber von Karl begnadigt. Die Awaren griffen daraufhin Friaul an und brandschatzten in Italien. Auf dem Ybbsfeld an der Donau wurden sie dann von den Franken geschlagen. Ein Einfall in Bayern mißlang ebenfalls und wurde sogar mit Hilfe eines bayerischen Heeres abgeschlagen. Hier zeigt sich, dass der bayerische Adel keinen Bezug mehr zu Tassilo hatte und aufgrund von Versprechungen (Landbesitz im Osten) zu den Karolingern überging. Seit diesen Ereignissen ist das Awarenproblem bei den Franken auf der Tagesordnung. 790 erscheinen nochmals awarische Gesandte in Worms. Die Verhandlungen betrafen die gemeinsame Grenze und wurden letztendlich abgebrochen, da die Awaren am „limes certus“ festhielten. Der Krieg gegen die Awaren war nun nicht mehr aufzuhalten.[6]

[...]


[1] Vgl. Steinborn, Gerhard, S. 277

[2] Vgl. Schulze, Hans K., S. 177

[3] Vgl. Pohl, Walter, S. 328f

[4] Vgl. Lexikon des Mittelalters, S. 1284

[5] Vgl. Pohl Walter, S. 314

[6] Ders. S. 315

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Der Krieg Karls des Großen gegen die Awaren 791 bis 796 - beschrieben durch Einhard in seiner "Vita Karloli Magni" aus dem Jahre 836
Hochschule
Universität Kassel
Veranstaltung
Kaiserkrönung und Kaisertum Karls des Großen
Note
2,0
Autoren
Jahr
1996
Seiten
24
Katalognummer
V31837
ISBN (eBook)
9783638327299
ISBN (Buch)
9783638789639
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Krieg, Karls, Großen, Awaren, Einhard, Vita, Karloli, Magni, Jahre, Kaiserkrönung, Kaisertum
Arbeit zitieren
M.A. Christian Bruno von Klobuczynski (Autor)Kai Block (Autor), 1996, Der Krieg Karls des Großen gegen die Awaren 791 bis 796 - beschrieben durch Einhard in seiner "Vita Karloli Magni" aus dem Jahre 836, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31837

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