In dieser Arbeit geht es um Ursachen und Lösungsansätze für die aktuell herrschende Arbeitslosigkeit in Deutschland. Die Ergebnisse werden auf die berufliche Tätigkeit von Sozialpädagogen übertragen, die in (wirtschafts-) politische und/ oder personalpolitische Entscheidungen sowie berufliche Beratung involviert sind.
Es werden die Ursachen und wirtschaftspolitischen Theorien dargestellt und verglichen, um zu Lösungsansätzen zu gelangen. In Kapitel eins bis drei werden wir die drei bekanntesten und wichtigsten Wirtschaftstheorien vorgestellt und in Beziehung zur Arbeitslosigkeit gesetzt. Kapitel vier wird eine anthropologische Verortung der beiden wichtigsten Theorien, der angebotsorientierten und der nachfrageorientierten Theorie, beinhalten. Darin soll das Menschenbild hinterfragt werden, das die Vertreter der jeweiligen Theorie verinnerlicht haben.
In den Medien ist immer wieder die Rede davon, dass durch die ökonomische Globalisierung zahlreiche Arbeitsplätze vernichtet werden. Wie sehr betrifft die wirtschaftliche Globalisierung tatsächlich den deutschen Arbeitsmarkt? Wie viele Arbeitsplätze sind de facto aufgrund der Globalisierung verloren gegangen? In Kapitel fünf wollen wir diesem Thema genauer auf den Grund gehen.
Arbeitszeitverkürzung wird, insbesondere von Seiten der Arbeitnehmer und Gewerkschaften, oft als Allheilmittel gegen Arbeitslosigkeit und für mehr Beschäftigung angesehen. Ob die Wochenarbeitszeitverkürzung tatsächlich eine praktikable und sinnvolle Lösung ist, wollen wir in Kapitel sechs untersuchen.
Im Fazit werden wir abschließend darauf eingehen, ob die Wirtschaftstheorien und die ökonomische Globalisierung tatsächlich von Bedeutung für den deutschen Arbeitsmarkt und die Arbeitslosigkeit sind und welche Rolle die Arbeitszeitverkürzung bei der Verbesserung der Arbeitsmarktsituation spielen kann.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die Klassisch-liberale Theorie
Exkurs: Das Saysche Theorem
2. Theorie von Keynes
3. Die angebotsorientierte Position
4. Anthropologische Verortung
4.1 Die konservative Position
4.2 Die wohlfahrtsstaatlich - sozialistische Position
5. Die ökonomische Globalisierung
5.1 Die Standortfrage
5.2 Kapitalismus ohne Arbeit?
6. Arbeitszeitverkürzung als Lösung?
6.1 Wochenarbeitszeitverkürzung am Beispiel VW
6.2 Die 30-Stunden-Woche – ein Modell mit Zukunft?
7. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Hausarbeit setzt sich zum Ziel, das in Deutschland präsente Problem der Massenarbeitslosigkeit aus einer wirtschaftstheoretischen und globalisierungskritischen Perspektive zu analysieren, um ein tieferes Verständnis für sozialpädagogisch relevante Zusammenhänge zu schaffen.
- Vergleich der klassischen, angebotsorientierten und keynesianischen Wirtschaftstheorien.
- Anthropologische Hinterfragung der den Theorien zugrunde liegenden Menschenbilder.
- Analyse der Auswirkungen der ökonomischen Globalisierung auf den deutschen Arbeitsmarkt.
- Untersuchung der Arbeitszeitverkürzung als arbeitsmarktpolitisches Instrument.
Auszug aus dem Buch
Exkurs: Das Saysche Theorem
Das Saysche Theorem besagt, dass prinzipiell alle Waren ihre Käufer finden. Dies wird damit begründet, dass die Preise der Waren vollständig aus Einkommen bestehen, und dass mit der Herstellung von Waren gleichzeitig das Geld für deren Kauf verdient wird. Somit entspricht die Summe aller Waren der Summe aller Einkommen. Folglich müsste, abgesehen von vorübergehenden Störungen, immer Vollbeschäftigung herrschen.
Nun könnte man einwenden, dass nicht alle Menschen ihr gesamtes Gehalt sofort wieder ausgeben sondern einen Teil des Geldes sparen. Doch laut dem Theorem wird auch Gespartes genutzt, denn dieses Geld leihen die Banken Geschäftsleuten für den Kauf von Maschinen und anderen Investitionsgütern. Die Zinsen sorgen dann dafür, dass die Summe der Ersparnisse genau so groß ist wie die Summe der Kredite. Wenn die Menschen viel sparen und die Unternehmen wenig Kredit aufnehmen, sinken die Zinsen. Sparen lohnt sich dann kaum. Die Kredite werden billiger und wieder mehr nachgefragt. Die andere Variante ist, dass wenig gespart wird, zugleich aber die Nachfrage nach Krediten hoch ist. In diesem Fall steigt der Zins. Die Nachfrage nach Krediten nimmt ab. Sparen wird wegen des hohen Zinses wieder attraktiv. Da wieder mehr gespart wird, fallen die Zinsen und die Nachfrage nach Leihgeld steigt. Durch diese Wechselwirkungen kommt es immer wieder zu einem Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage. Der durch das Sparen entstehende Nachfrageausfall wird also auf lange Sicht durch die genauso große Nachfrage nach Investitionsgütern ausgeglichen (vgl. Koesters 1982, 213ff).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Autoren begründen die Notwendigkeit einer wirtschaftspolitischen Auseinandersetzung für die soziale Arbeit und skizzieren das Vorgehen der Analyse.
1. Die Klassisch-liberale Theorie: Darstellung des Marktgleichgewichts als Zustand, bei dem Angebot und Nachfrage über den Lohnmechanismus zur Vollbeschäftigung führen.
2. Theorie von Keynes: Kritik am klassischen Modell unter Aufzeigen der Möglichkeit von Instabilitäten und Unterbeschäftigung, die staatliche Interventionen notwendig machen.
3. Die angebotsorientierte Position: Untersuchung der neoklassischen Sichtweise, die gestörte Angebotsbedingungen und Investitionshemmnisse als Ursachen der Krise identifiziert.
4. Anthropologische Verortung: Hinterfragung der Menschenbilder hinter den ökonomischen Theorien durch den Vergleich konservativer und wohlfahrtsstaatlicher Positionen.
5. Die ökonomische Globalisierung: Analyse des globalen Strukturwandels, der Standortfrage und der kritischen Auseinandersetzung mit der These eines "Kapitalismus ohne Arbeit".
6. Arbeitszeitverkürzung als Lösung?: Kritische Prüfung der Wochenarbeitszeitverkürzung als Instrument zur Beschäftigungssicherung am Praxisbeispiel VW und im allgemeinen theoretischen Kontext.
7. Fazit: Zusammenführende Bewertung der Theorien und deren Implikationen für die sozialpädagogische Praxis.
Schlüsselwörter
Arbeitslosigkeit, Wirtschaftstheorie, Globalisierung, Keynesianismus, Angebotsorientierung, Arbeitszeitverkürzung, Standortwettbewerb, Sozialpädagogik, Vollbeschäftigung, Marktwirtschaft, Humankapital, Strukturwandel, Lohnpolitik, Investitionen, Beschäftigungspolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Ursachen der Massenarbeitslosigkeit in Deutschland aus der Sicht verschiedener ökonomischer Theorien und analysiert die Auswirkungen der Globalisierung sowie möglicher Lösungsansätze.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Vergleich von klassischer Theorie, Keynesianismus und angebotsorientierter Politik sowie der kritischen Analyse der Globalisierung und der Arbeitszeitverkürzung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, für angehende SozialpädagogInnen ein wirtschaftspolitisches Verständnis zu schaffen, um in fachlichen Diskussionen fundiert argumentieren und die Lebenslagen ihres Klientels besser einordnen zu können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es wird eine theoretische Analyse und ein Vergleich verschiedener ökonomischer Ansätze sowie eine Auswertung empirischer Daten und Fallbeispiele wie das VW-Modell vorgenommen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der drei großen Wirtschaftstheorien, die anthropologische Einordnung, die ökonomische Globalisierung und die Diskussion der Arbeitszeitverkürzung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Arbeitslosigkeit, Keynesianismus, Globalisierung, Standortwettbewerb und Arbeitszeitverkürzung.
Welche Rolle spielt die Globalisierung für den deutschen Arbeitsmarkt laut den Autoren?
Die Autoren betrachten die Globalisierung als Treiber des Strukturwandels, der zwar Arbeitsplätze in traditionellen Industrien gefährdet, aber gleichzeitig neue Dienstleistungsberufe schafft.
Wie wird das VW-Modell zur Arbeitszeitverkürzung bewertet?
Das VW-Modell wird als erfolgreiches Beispiel für den Erhalt von Arbeitsplätzen durch Flexibilität und Verzicht der Arbeitnehmer bei gleichzeitiger Mehrfreizeit gewertet, wobei die Übertragbarkeit auf andere Betriebe kritisch diskutiert wird.
- Arbeit zitieren
- Britta Daniel (Autor:in), Hans-Peter Tonn (Autor:in), 2004, Arbeitslosigkeit aus der Sicht von Wirtschaftstheorien und Globalisierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31844