Die Gründung des Kaisertums Österreich 1804 im geschichtlichen Kontext. Analyse der außen- und innenpolitischen Ursachen für die Proklamation


Seminararbeit, 2015

15 Seiten, Note: 1

Lisa Gebauer (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Politische Situationen
2.1 H.R.R.D.N
2.2 Österreich-Ungarn
2.3 Frankreich

3. Vorgeschichte und Reaktion auf Frankreich

4. Ursachen und Proklamation

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis
6.1 Quelle
6.2 Sekundärliteratur

1. Einleitung

„Wir sehen Uns demnach zur dauerhaften Befestigung dieser vollkommenen Rangs-Gleichheit veranlaßt und berechtigt, nach den Beyspielen, welche in dem vorigen Jahrhunderte der Russisch-Kaiserliche Hof, und nunmehr auch der neue Beherrscher Frankreichs gegeben hat, dem Hause von Oesterreich, in Rücksicht auf dessen unabhängige Staaten, den erblichen Kaiser-Titel gleichfalls beyzulegen. In Gemäßheit dessen, haben Wir ... beschlossen, für Uns und für Unsere Nachfolger in dem unzertrennlichen Besitze Unserer unabhängigen Königreiche und Staaten, den Titel und die Würde eines erblichen Kaisers von Oesterreich (als den Nahmen Unseres Erzhauses) ... anzunehmen [...].“1

Mit diesen Worten wurde am 11. August 1804 das Kaisertum Österreich als Erbmonarchie von Erzherzog Franz II. von Österreich gegründet, der als Franz II. letzter Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation war. Seinen zweiten Kaisertitel, Kaiser von Österreich, führte er fortan als Franz I. von Österreich. Er war zu dieser Zeit also das Oberhaupt eines losen „Staatenbundes“ und der Herrscher des Habsburgerreiches, ein Vielvölkerstaat, der sich über Mittel- und Südosteuropa erstreckte.2 Der neue Kaisertitel sollte Ausdruck der Kontinuität und des inneren Zusammenhangs sein, das man am österreichischen Kaiserwappen sah, indem die alten Reichsfarben Schwarz-Gold, aber auch der schwarze Doppeladler auf goldenem Grund übernommen wurde.3 Dies ist nur eines von vielen Beispielen für die Veränderungen durch die Proklamation des Österreichischen Kaisertums.

Bevor man jedoch diese Veränderungen anführt und bewertet, liegt es nahe sich die Gründe für die Entscheidung des Erzherzoges Franz II. genauer anzusehen. Eine in der Literatur oft aufgezeigte Ursache ist das Wirken von Napoleon Bonaparte, welcher die Habsburger aus dem Reich verdrängen wollte, um sein Reich nach der Revolution neu zu ordnen. Der Polizeiminister Napoleons, Joseph Fouché sei es gewesen, der die Idee entwickelt hatte, das lebenslange Konsulat in ein erbliches Kaisertum zu verwandeln. Das Ziel war, die innere Stellung in Frankreich zu sichern und den Wünschen der Franzosen nach Sicherheit und Ruhe nachzugehen. Um die Jahreswende 1803 und 1804 ist Frankreich die Führungsmacht auf dem europäischen Kontinent und Napoleon diktiert das Geschehen im Römischen Reich und Italien.4 Deshalb liegt es nahe, dass das Machtstreben Napoleons auch außerhalb seines Reiches für die anderen Herrscher zu spüren war.

Bei den unterschiedlichsten Themen der österreichischen Geschichte, so auch bei diesem, muss man sich jedoch immer vor Augen halten, dass es dabei zu konzeptionellen Veränderungen kommen kann, was das Verständnis von österreichischer Geschichte betrifft.5 Somit ist die Gründung des Kaisertums Österreich und die damit verbundenen Theorien und Konzepte, in die Zeit um 1804 zu setzten, da Geschichte in einem grundlegenden Wandel besteht. Außerdem sollten die Vorgänge zu dieser Zeit nicht aus der Perspektive eines Nationalstaates betrachtet werden, sondern als multiethnische und -nationale Geschichte, wie der Wiener Historiker Wolfgang Schmale plädiert.6 Zusammengefasst heißt das, dass man einige Begriffe die in der folgenden Arbeit verwendet werden, auf die damalige Zeit umzuwälzen sind. Somit darf der Begriff „Österreich“ nicht mit dem heutigen Verständnis eines Staates aufgefasst werden.

Mit der folgenden Arbeit wird der Versuch gestartet, die außen- und innenpolitischen Ursachen, vom Standpunkt Österreich aus, für die Proklamation zu finden. Dabei hängt das Heilige Römische Reich Deutscher Nation aber auch Frankreich unmittelbar mit Österreich zusammen, deshalb kommt man ohne einen Blick auf diese Reiche nicht aus. Des Weiteren soll die Proklamation auf ihre Merkmale analysiert werden, um die Motivation von Franz II. und der Idee der österreichischen Kaiserwürde erfassen zu können.

2. Politische Situationen

2.1 H.R.R.D.N.

Bevor ein Blick auf die Proklamation geworfen werden kann, müssen jene Prozesse durchleuchtet werden, die zu dieser Ausrufung geführt haben. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation wurde seit dem frühen 15. Jahrhundert, damals noch Heiliges Römisches Reich genannt, fast ausschließlich von Habsburgern regiert. Die Grenzen des Herrschaftsgebildes veränderten sich während der Jahrhunderte immer wieder. Mehr und mehr verkleinerte sich das Reich und am Ende erstreckte es sich zwischen Rhein und Oder und von den Nord- und Ostseeküsten bis zum Südhang der Alpen.7 Um die Strukturen dieses Reiches verstehen zu können, muss erwähnt werden, dass es sich hier nicht um einen Staat oder Staatenbund im heutigen Sinne handelte. Es fehlte an verschiedensten Formationen, die einen solchen Staat ausmachen würden. Das Reich war weder ein geschlossenes Territorium mit festen Grenzen, noch besaß es eine souveräne höchste Gewalt. Es hatte auch keine zentrale Exekutive, keine Bürokratie und kein stehendes Heer.8 Es fehlte all das, was ein moderner Staat haben würde. Das Reich war seit 1197 eine Wahlmonarchie, wobei der Kaiser auf die Stimmen der Kurfürsten angewiesen war und ein Reichsstand tagte regelmäßig auf dem Reichstag. Dazu zählten Kurfürsten, Fürsten, Grafen, Herren, Prälaten und die Reichsritter mit ihrem Sonderstatus.9 Als der Raum immer kleiner wurde, ist schließlich auch der Status und die Macht des Reiches immer kleiner geworden. Joseph II., seit dem Jahr 1764 römisch-deutscher Kaiser, schrieb in einer seiner frühen Denkschriften über die Lage im Reich. Er kam dabei zur Erkenntnis, dass es unmöglich sei, das System des Reiches darzulegen, da es zu diesem Zeitpunkt nur mehr in Büchern existiere.10

Ein anderer Faktor, der zu dieser Zeit ebenfalls eine wichtige Rolle im Reich spielte, auch wenn er nicht unmittelbar von dort ausgegangen war, war die Französische Revolution von 1789. Daraus bildeten sich Konflikte, die vor allem zwischen Frankreich und den übrigen mitteleuropäischen Mächten ausgetragen wurden. Die Kriegserklärung von Frankreich an Österreich folgte auf Grund des im Jahre 1792 geschlossen Verteidigungsbündnis zwischen Österreich und Preußen gegen Frankreich.12 Anschließend folgten verschiedene Verhandlungen, die schließlich im Frieden zu Campo Formio zwischen Frankreich und Österreich 1797 festgehalten wurden. Die österreichischen Niederlande und das linke deutsche Rheinufer wurden an Frankreich übergeben und als Ausgleich bekam Österreich die bisher selbstständige Republik Venedig. Dieses Abkommen könnte als Beginn der Auflösung der Reichsverfassung bezeichnet werden.12 Das H.R.R.D.N. wurde schließlich 1806 durch das Ablegen der Krone durch Kaiser Franz II. aufgelöst.

2.2 Österreich-Ungarn

Das heutige Österreich war zu jener Zeit ein Vielvölkerstaat, der sämtliche Territorien wie beispielsweise das heutige Österreich, Ungarn, Tschechien, Slowenien, Kroatien aber auch Teile des heutigen Rumäniens oder Polens umfasste. Es war geprägt durch verschiedene Herrscher an der Spitze, die unterschiedlichste Reformen im Kirchen- oder Bildungswesen durchführten. Der zweite Teil des 18. Jahrhunderts war gezeichnet durch verschiedene Tauschgeschäfte, die vor allem Räume wie Bayern oder Belgien betrafen. Joseph II. wollte so, neben seinem allseits bekannten Reformwillen, die Machtfrage für das Hause Österreich sichern.13 Im August 1791 trafen sich Kaiser Leopold II., Bruder von Joseph II., und Preußens König Friedrich Wilhelm II. um über ein gemeinsames Vorgehen während der Französischen Revolution zu sprechen.14 Ein Ziel sollte es sein, König Ludwig XVI. von Frankreich zu unterstützen, indem die monarchische Regierung in Frankreich weiter bestehen sollte. Die Erklärung wurde in Frankreich als Kriegserklärung aufgefasst, da sie unter anderem den Einsatz von militärischen Mitteln vorsah.15

Kurze Zeit nach diesen Beratungen verstarb Leopold und sein Sohn Franz übernahm die Herrschaft als Franz II., Kaiser des H.R.R.D.N. und Erzherzog von Österreich. Da Joseph II. keine Söhne hatte, ließ er seinen ältesten Neffen Franz bereits in jungen Jahren aus der Toskana nach Wien kommen, um ihn auf die Thronfolge vorzubereiten.16 Joseph II. bestand auf die militärische Ausbildung seines Neffen, der als 20-Jähriger schließlich eine ganze Armee kommandierte und bei der Belagerung in Belgrad an vorderster Front war.17 Trotzdem schien Franz nur unzureichend auf Kriege vorbereitet gewesen zu sein, da er stets in jene Gebiete geschickt wurde, in welchen es leicht zu siegen war.

[...]


1 Rudolf Hoke/Ilse Reiter, Quellensammlung zur Österreichischen und Deutschen Rechtsgeschichte, Wien-Köln-Weimar,1993,S.333.

2 PhilippCharwath,DerUntergangeinermittelmäßigenMacht,dieGroßmachtseinwollte.EinLesebuch, BerlinSKreuzberg2011,S.16.

3 Helmut Rumpler, Österreichische Geschichte. 1804-1914. Eine Chance für Mitteleuropa. Bürgerliche EmanzipationundStaatsverfallinderHabsburgermonarchie,Wien2005,S.56f. 2

4 GottfriedMraz,ÖsterreichunddasReich.1804-1806.EndeundVollendung,Wien1993,S.28.

5 Martin Scheutz/Arno Strohmeyer, Einleitung, in: Martin Scheutz/Arno Strohmeyer, Was heißt „österreichische“ Geschichte? Probleme, Perspektiven und Räume der Neuzeitforschung, InnsbruckS BozenSWien2008,S.7-20,hier:S.8.

6 Ebd.,S.17.

7 KlausHerbers/HelmutNeuhaus,DasHeiligeRömischeReich.Schauplätzeeinertausendjährigen Geschichte,Köln2006,S.7.

8 BarbaraStollbergSRilinger,DasHeiligeRömischeReichDeutscherNation.VomEndedesMittelaltersbis 1806,München2013,S.7.

9 Ebd.,S.23.

10 Herbers/Neuhaus,DasHeiligeRömischeReich,S.275.

11 ReinholdZippelius,KleinedeutscheVerfassungsgeschichte.VomfrühenMittelalterbiszurGegenwart, München2006,S.83.

12 Ebd.,S.84.

13 HellmutAndics,DasösterreichischeJahrhundert.DieDonaumonarchie1804S1900,WienSMünchenS Zürich,S.20f.

14 Mraz,ÖsterreichunddasReich,S.19.

15 DagmarSommer,FürstlicheBautenaufsächsischenMedaillen,Berlin2007,S.346.

16 Andics,DasösterreichischeJahrhundert,S.21.

17 Ebd.,S.22.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Gründung des Kaisertums Österreich 1804 im geschichtlichen Kontext. Analyse der außen- und innenpolitischen Ursachen für die Proklamation
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck  (Geschichte)
Note
1
Autor
Jahr
2015
Seiten
15
Katalognummer
V319126
ISBN (eBook)
9783668182783
ISBN (Buch)
9783668182790
Dateigröße
1183 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gründung, kaisertum, österreich, kontext, analyse, ursachen, proklamation
Arbeit zitieren
Lisa Gebauer (Autor), 2015, Die Gründung des Kaisertums Österreich 1804 im geschichtlichen Kontext. Analyse der außen- und innenpolitischen Ursachen für die Proklamation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319126

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