Industriestandorttheorie von Alfred Weber


Seminararbeit, 2001

19 Seiten, Note: 1 - 2


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Zur Person Webers

3. Begriffsdefinitionen

4. Voraussetzungen

5. Arbeitsweise Webers
5.1 Fallbeispiel 1
5.2 Fallbeispiel 2
5.3 Arbeitskosten
5.4 Agglomerationsvorteile

6. Thesen und Erläuterungen

7. Kritische Betrachtung

8. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In unserer Hausarbeit möchten wir uns mit dem Gegenstand der Industriestandorttheorie von Alfred Weber auseinandersetzen und sie anhand einiger Beispiele anschaulich erklären. Wir legen besonderen Wert auf die 3 Kernpunkte, die Weber zugrundelegt: die Transportkosten, Arbeitskosten und Agglomerationsvorteile. Anschließend wollen wir die Theorie kritisch betrachten.

Webers Wirkungsperiode bezieht sich ausschließlich auf den Zeitraum von 1871 bis zum 1. Weltkrieg. Seine Theorie ist vorwiegend nur für die Stahl- und Eisenindustrie konzipiert, da sie in diesem Zeitraum einen übermäßig expandierenden Wirtschaftszweig darstellte. Diese Theorie der „unternehmerischen Standortwahl“, bei der grundlegende Gegebenheiten verallgemeinert wurden, ist so konzipiert, um sie generell anwendbar zu gestalten und um „auf deduktivem Wege den optimalen Produktionsstandort für ein Industrieunternehmen“ zu wählen (Schickhoff 1988: 40). In der Wirkungszeit Webers waren Wasserwege und Bahnlinien die ausschlaggebenden Verkehrswege. Arbeitskräfte waren überwiegend in einem großen Ausmaß vorzufinden und die Industrie florierte, da sie keine Absatzprobleme hatte. Industrieunternehmen waren überschaubar strukturiert und durch die Wachstumseuphorie dieser Periode wurden sich anzeichnenden Umweltschäden keine große Beachtung geschenkt. Alfred Weber befasste sich erstmals mit der Frage nach dem optimalen Standort und ging ihr in seinem Werk „Über den Standort der Industrien“ 1909 nach (Schickhoff 1988: 40).

2. Zur Person Webers

Alfred Weber lebte von 1868-1958 und wurde in Erfurt geboren. Er studierte Jura und Nationalökonomie in Bonn, Tübingen und Berlin. Er gilt als bedeutender deutscher Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler. Gerade auf dem wirtschaftswissenschaftlichen Sektor hat er in seinem Gesamtwerk die Rolle der Industrie und deren bildende Faktoren erstmalig in klar definierte Grenzen gesetzt. Er betrachtete nicht nur die verschiedenen Faktoren einzeln, sondern fasste sie in einem komplexen Faktorenmodell zusammen.

3. Begriffsdefinitionen

Schätzl (19987: 35-44) und Leser (1997) definieren folgende Begriffe:

Der Begriff Standortfaktor bezeichnet einen scharf abgegrenzten Kostenvorteil, der die jeweilige Einflussgröße eines Prozesses charakterisiert. Die Standortfigur steht für die räumliche Verteilung der Industrie. Diese führt dann zu einer geographischen Anordnung in Form eines Dreiecks beziehungsweise eines Polygons. Mit Ubiquitäten werden Rohstoffe erklärt, die überall erhältlich sind, das heißt, die an jedem beliebigen Standort vorhanden sind, wie zum Beispiel Luft.

Als Reingewichtsmaterial wird der Stoff bezeichnet, der mit seinem gesamten Gewicht in das fertige Endprodukt einfließt. Das einfachste Beispiel hierfür wäre Mineralwasser. Bei dem Gewichtsverlustmaterial handelt es sich um den Rohstoff, der nur teilweise in das fertige Produkt eingeht. Dieses Material unterscheidet sich zusätzlich in Totalgewichtsverlustmaterial, zum Beispiel Kohle oder Öl als Energieträger, und in Teilgewichtsverlustmaterial, wie zum Beispiel Erze für Stahl oder etwa Weintrauben zur Erzeugung von Wein. Lokalisiertes Material verdeutlicht die Gewinnung eines Rohstoffes, der an einen festen Fundort gebunden ist. Der Materialindex ist der Quotient aus den Gewichten der lokalisierten Materialien und der Fertigerzeugnisse. Er beeinflusst die Wahl des Standortes für die Produktion. Mit einer Agglomeration bezeichnet man die räumlichen Konzentrationen von Bevölkerung und Produktionsstätten. Man könnte ebenso den Begriff „Ballungsraum“ als Synonym aufführen. Eine Isodapane charakterisiert eine Linie, welche die gleichen Transportkosten aller Produkte darstellt. Die kritische Isodapane bezeichnet die Grenzlinie, bis zu der die Kosteneinsparung durch Arbeitskosten mit dem erhöhten Transportkostenaufwand gerechtfertigt ist. Deviationen kann man mit dem Begriff „Abweichungen“ treffend umschreiben.

4. Voraussetzungen

Für die Industriestandorttheorie von Alfred Weber wird die Methode der isolierten Abstraktion eingesetzt (Schätzl 19987: 35). Das heißt, die vielfältigen Realitäten der Welt werden auf ausgewählte Faktoren beschränkt (Sedlacek 1988: 33).

Das System setzt als Bedingungen voraus, dass die Standorte der Rohmaterialien und des Konsumortes bekannt sind. Zudem wird von nur einem Konsumort ausgegangen. Das Transportsystem ist einheitlich. Die räumliche Verteilung der Arbeitskräfte ist gegeben. Sie sind immobil. Die Lohnhöhe ist konstant, aber räumlich differenziert und bei gegebener Lohnhöhe sind die Arbeitskräfte unbegrenzt verfügbar (Schätzl 19987: 35). Der wirtschaftliche, politische und kulturelle Raum wird als homogenes System betrachtet, das heißt, es wird angenommen, im untersuchten Raum gelten in Bezug auf Wirtschaft, Politik und Kultur die gleichen Bedingungen. In „drei sukzessiven Schritten“ versucht Weber zu klären, wie man den Standort so wählen kann, dass die Transportkosten minimal bleiben. Er „untersucht dann Abweichungen von diesem Transportkostenminimalpunkt aufgrund der Einflussgrößen Arbeitskosten und Agglomerationsvorteile“ (Schätzl 19987: 35). Die Transportkosten bilden in Webers Theorie einen primären Faktor, da die sie fast ausschließlich vom Gewicht der Materialien und von der Verteilung der Materialfundorte und den Konsumorten abhängig sind. Ein Industrieunternehmen muss seinen optimalen Standort an dem Punkt wählen, „an dem die Transportkosten der eingesetzten Materialien zum industriellen Fertigungsbetrieb und des Fertigungserzeugnisses zum Konsumort minimal sind“ (Schickhoff 1988: 40). Die Transportkosten werden in der Einheit Tonnenkilometer angegeben. Wenn der „tonnenkilometrische Minimalpunkt“ bestimmt ist, hat man den bestmöglichen Produktionsstandort berechnet (Schickhoff 1988: 40).

5. Arbeitsweise Webers

Anhand einiger Fallbeispiel möchten wir nun die Arbeitsweise Webers veranschaulichen. Alle nachfolgend bearbeiteten Fälle sind auf der Vorlage von Schätzl (19987: 35-44) und Schickhoff (1988: 40-46) entstanden.

5.1 Beispiel 1:

Ein industrielles Unternehmen benötigt einen Rohstoff für die Erzeugung eines Endproduktes, das an einem Konsumort vertrieben wird.

1. Fall: Material: Ubiquität

Optimaler Produktionsstandort: Konsumort

Werden zur Produktion des Endproduktes nur Ubiquitäten als Material benötigt, so befindet sich der optimale Produktionsstandort am Konsumort. Dadurch entstehen keine Transportkosten.

2.Fall: Material: Reingewichtsmaterial

Optimaler Produktionsstandort: Alle Punkte auf der Geraden zwischen dem Materialfundort und dem Konsumort einschließlich ihnen selbst.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 (Quelle: Schätzl 19987: 41. Verändert von Dominic Etzold 2001)

Weil das Reingewichtsmaterial mit dem vollen Gewicht in das Endprodukt einfließt, ist es, wie Abbildung 1 verdeutlicht, egal, wo der Produktionsort entsteht. Die Transportkosten wären an jedem Punkt gleich.

3.Fall: Material: Gewichtsverlustmaterial

Optimaler Produktionsstandort: Materialfundort

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 (Quelle: Schätzl 19987: 41. Verändert von Dominic Etzold 2001)

Da das Material bei der Produktion Gewicht verliert, ist der günstigste Produktionsstandort, der Materialfundort (Abbildung 2), denn es entstehen keine Kosten beim Transport zum Konsumort für das verlorengegangene Gewicht.

Beispiel 1 verdeutlicht praxisfremde, in der Realität nur selten anzutreffende Fälle!

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Industriestandorttheorie von Alfred Weber
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Geographisches Institut)
Veranstaltung
Proseminar I
Note
1 - 2
Autoren
Jahr
2001
Seiten
19
Katalognummer
V3198
ISBN (eBook)
9783638119382
Dateigröße
640 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Alfred Weber, Industrie, Standorttheorien
Arbeit zitieren
Dominic Etzold (Autor)Robert Plotzki (Autor), 2001, Industriestandorttheorie von Alfred Weber, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3198

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