(Un)Höflichkeit durch Code-Switching? Linguistische Untersuchung von sprachlicher Varietät


Hausarbeit, 2014
24 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung ... 3

2. Entwicklung der Höflichkeit ... 4

3. Differenzierung von Höflichkeit (Höflichkeit1, Höflichkeit2 ... 7

4. Die positives und negatives Gesicht-. Face Theorie von Brown/ Levinson ... 8

5.Definitionen von Code-Switching ... 10
5.1. Funktionen und Motivationen von Code-Switching ... 11
5.2.Code-Switching und angrenzende Termini ... 14
5.3.Entlehnung im Verhältnis zum Code-Switching "Borrowing ... 14

6. Code- Switching entwickelt Unhöflichkeit bei Kommunikation ... 16
6.1. Beispiel 1- ein Interview mit dem Diplomaten Gidean M ... 17
6.2. Beispiel 2- ein Interview mit Thomas Müller und einer kolumbianischen Reporterin ... 19
6.3. Beispiel 3- Code- Switchig beim Chat-Gespräch ... 20

7. Fazit ... 21

8. Literaturverzeichnis und Internetquellen ... 23

1. Einleitung

„Wie goldene Äpfel auf silbernen Schalen, so sind treffende Worte im Richtigen Augenblick.“
[Sprüche 25, 11]

Nett, freundlich und höflich zu Sein ist heutzutage nicht mehr selbstverständlich. Von jedem Mensch sollte erwartet werden können, dass er seine Höflichkeit in jeder Situation präsentieret, weil dieses Gut, das den Mensch auszeichnet, ein Teil sozialer Normen ist.

Sie schwankt zwischen „Kultur, Gesellschaft, Kognition und Sprache“.[1] Höflichkeit gilt als ein ziviler Wert und erleichtert den sozialen Umgang.[2] Die Frage ist, wie man heutzutage diese Höflichkeit äußern kann, wenn die Welt im Chaos versinkt, die Gesellschaften immer egoistischer und aggressiver werden und wenn es alles uns ablenkt? Höflichkeit kann sich durch kleine Geste zeigen, wie zum Beispiel: ein Lächeln, ein Händedruck, eine freundliche Einstellung, eine Ermutigung, eine vornehme Antwort. Höflichkeit umfasst aber auch die Ehrlichkeit der Absicht. Sie ist spontan, fein und macht immer einen positiven Eindruck auf Anderen. Höflichkeit gilt als ein Teil von Wertsystem, das mit der Würde des Menschen einen Zusammenhang bildet.[3] Die Wissenschaftler definieren Höflichkeit als „Selbst(wert)gefühl, als amour propre (ILTING 1982) oder als Ehre (Ehregefühl) (THIELLICKE 1986)“.[4] In der Sozialpsychologie spricht man von „ sozialer Persönlichkeit, von Territorium, Image, Selbstbild“. Goffman formuliert es als face „Gesicht“.[5] Höflichkeit äußert sich in unterschiedlichen Formen. Eine von denen ist die alltägliche Sprache- ein wunderbares Geschenk der Natur, das den Mensch von anderen Schöpfungen unterscheidet. Höflichkeit ist eine sehr nützliche Fähigkeit. Dank einer netten Art und höfflicher Sprechweise kann man die Chance vergrößern, dass der Gesprächspartner aufmerksam zuhört und man ihn den eigenen Standpunkt besser verdeutlichen kann. Besonders in heutigen Zeiten lässt sich ein übliches Phänomen oft beobachten- das Code- Switching. Hierbei handelt es sich um einen Vorgang, bei dem von einer Sprache/Varietät in eine andere gewechselt wird. Der Begriff „Code“ bedeutet sowohl Sprache als auch Varietät (im Sinne von Dialekt).[6] Diese Mischung von Sprachen stößt oft auf Missbilligung. Es wird für unpassend, unangemessen und unhöflich, wenn bilinguale oder mehrsprachige Menschen die Sprachen/ Varietäten unter anderen Menschen wechseln, die dieser Sprache/ Varietäten nicht mächtig sind. Auf dieser Grundlage kann man über unterschiedliche Wahrnehmungen des Code-Switchings durch den Adressaten sprechen. Die positive Face des Adressaten, wenn Code- Switching stattfindet und es als angemessen und höflich wahrgenommen wird und die Verletzung der positiven Face des Adressaten, wenn kein Code- Switching stattfindet, was als Unangemessenheit und Unhöflich gilt.

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema „(Un)Höflichkeit und CodeSwitching.“ Ziel dieser Arbeit ist es zu untersuchen, ob Code- Switching Unhöflichkeit bei Kommunikation entwickelt. Es wird zuerst ein Interview mit dem Diplomaten Gidean M dargestellt, in dem Code- Switching beim Bericht über andere sprachliche und kulturelle Vorlieben bzw. Entscheidungen stattfinden. Dabei soll analysieren werden, wie die Interviewerin Code- Switching wahrnimmt und ob dabei negative Gefühle entwickelt werden können aber auch ob es unangemessen und unhöflich ist und ob die positive Face verletzt wurde. Anschließend wird ein Interview mit Thomas Müller und einer kolumbianischen Reporterin dargestellt. Dabei wird auch analysiert, ob die Situation, in der der Fußballer seinen Dialekt verwendet, höflich und angemessen ist und ob die Verletzung der positiven Face besteht. Als drittes folgt ein kurzes Chat- Gespräch. Der Fokus der Arbeit soll besonders auf dem Code- Switching liegen.

2. Entwicklung der Höflichkeit

Dem Begriff Höflichkeit wurde in verschiedenen Epochen diverse Bedeutungen zugeordnet. Zweifellos ist für die Bearbeitung des Themas wichtig, die Entwicklung der Höflichkeit im geschichtlichen Kontext zu analysieren, weil dadurch diese Bedeutung für die heutige Zeit besser zu verstehen ist. Zum ersten Mal wird der Begriff Höflichkeit in der Antike unter Aristoteles (~ 334 v. Chr.) und Cicero (44 v. Chr.)[7] bekannt und später im

Mittelalter bei Hofe, wo sie als Symbol der Rangfolge galt.[8] Die höfische Gesellschaft erhielt eine typische Prägung, eben des höflichen Menschen.[9] Aristoteles betont in seinem

Ansatz „Tugenden geselligen Verkehrs.“[10] Cicero entwickelte einen ethischen Konzept. Er weist auf einen Unterschied zwischen dem Schicklichen und dem Gerechten hin. Bei diesem Konzept handelt sich um „Handlung, Äußerung und Körperhaltung, um Forderung nach Gelassenheit, nach Wendung gegen Rechthaberei.“[11] Nach Cicero bildet das alles eine Einheit. Das Äußere ist nämlich eng mit dem innerem Guten verflochten.[12] Im Mittelalter finden sich die erste Höflichkeitsformen im ritterlich- höfischen Bereich im 11. und 12. Jahrhundert. Als Einheit gelten hier Sitte, Sittlichkeit und Moralität.[13] Mit der Entwicklung der ersten Höflichkeitsformen entstand auch ein Verhaltensstandard, der bestimmte Regeln enthielt aber auch erklärte, wie man sein Verhalten nach höflichen Kriterien bilden könnte.[14] Charakteristisch für diese Epoche ist, dass keine Unterscheidung zwischen Höflichkeit und Tugend, Sitte, Sittlichkeit und Moralität existiert, wobei die Höflichkeit das ganze Individuum umfasst, sowohl das Innere als auch das Äußere.[15] Im 15. und 16. Jahrhundert erlebte die Höflichkeit eine Wandlung und weicht von den höfischen Verhaltensregeln ab. In dieser Zeit besinnt sie sich auf den antiken Humanismus, aus welchem sich die bürgerlichen Werte der Erziehung, Bildung, Höflichkeit und Zivilisation entwickeln. Daraufhin werden die Verhaltensregeln der Höflichkeit verbreitet. Im französischen Absolutismus werden sie verfälscht und verfehlten damit ihren Zweck.[16] Die Höflichkeit des Barocks zeichnete sich durch ihre Komplimente aus. Der Begriff des Kompliments bedeutet im altdeutschen Reich nicht nur eine Artigkeit, sondern auch mündliche und schriftliche „ nonverbale Interaktionsrituale für alltägliche wie festliche

Kommunikationssituationen.“[17] Es geht dabei sowohl um Begrüßungen, Verabschiedungen, Gratulation, Kondolenz, Bitte, Dank als auch um Kontaktaufnahme und Kontaktpflege d.h. Vorstellungen, Grüße, Empfehlungen, Einladungen, Bekanntmachung, Tanzaufforderungen, gute Wünsche, Versprechung, Dienstangebote,

Geschenkadressen, Versprechungen, Entschuldigungen.[18] Besonders wurde in dieser

Epoche das Sozialprestige und die Anerkennung bei Höheren und Ranggleichen betrachtete.[19] Mit dem Beginn der Aufklärung im 17. und 18. Jahrhundert entwickelte sich eine Gegenrichtung zu der absolutistischen Verhaltensordnung. Daraufhin werden von 1750 bis 1820 die verpönten absolutistisch-ständische Gesellschaften abgelöst. In dieser Epoche bekommen die Höflichkeitsformen neue Bedeutung, die von der sklavischen Anwendung konventioneller Formen befreit wurden.[20] Statt des höfischen Zeremoniells entwickelte sich die Demokratisierung der Höflichkeit und die Einfachheit der Offenheit.[21]

In der Aufklärung sterbt man nach Selbstbeachtung, Selbstständigkeit, Selbstverantwortung, Autonomie, Gleichberechtigung und nach persönlicher Freiheit.[22] Ein weiterer Wandel der Höflichkeit vollzieht sich im 19. Jahrhundert. In dieser Phase entwickelte sich eine bürgerliche Höflichkeit, die nicht nur gesellschaftlichen, sondern auch häuslichen Tugenden als Geltung charakterisierte.[23] Dieser Wandlung wurde besondere Rolle zugeschrieben, weil „der Höflichkeitsdiskurs bis zum heutigen Tage mehr oder weniger davon bestimmt wird.“[24] Charakteristische Merkmale für die bürgerliche Höflichkeit, die sich wesentlich von anderen Arten der Höflichkeit unterscheidet, sind die Rationalisierung, die Umsicht und das Reflektieren. Der Begriff von Höflichkeit bezieht hier sowohl ein rationales als auch ein überlegtes Benehmen ein.[25] Im 20. Jahrhundert vor dem Ersten Weltkrieg kam es zu einer Lockerung der Benimmregeln, während nach dem Zweiten Weltkrieg ein Aufstieg der Formalität zu betrachten ist, der sich aber schon in den 60er und 70er Jahren endgültig aufgelöst hat. Daraufhin folgte eine Informalisierungsphase in den 60er und 70er des 20. Jahrhunderts.[26] Es entwickelte sich eine Auflockerung der Gesellschaft in alle ihren Schichten, sowie eine. Reduzierung des formal- informal Kontrasts. Danach kam die Lockerung und die Informalisierung zum Stillstand. In den letzten 20 Jahren des 20. Jahrhunderts gewannen die Höflichkeitsformen abermals an Bedeutung.[27] Bedeutsam für diese Phase ist die Etikette aber auch ritualisierten Höflichkeit, die in allen gesellschaftlichen Ebene zu bemerken ist.[28] In der heutigen Zeit erwartet man von Menschen, dass sie die Regeln und Verhaltensnormen, welche immer wichtiger zu werden scheinen, beherrschen. Dabei funktioniert Höflichkeit als Fundament zum Beispiel zwischen den unterschiedlichen Bewegungen, Lobby und Verhaltensnormen in der Gesellschaft zu kommunizieren. Es ist also wichtig zu erwähnen, dass durch eine Vernachlässigung der Verhaltensnormen bzw. Höflichkei jemandem verletzen kann oder die Kommunikatiosbrücke zerstören wird. Deswegen darf man nicht vergessen, dass die Menschen aufeinander angewiesen sind und dass Höflichkeit und Umgangsformen das Miteinander erleichtern können.

3. Differenzierung von Höflichkeit (Höflichkeit 1, Höflichkeit 2)

Der Unterschied zwischen Höflichkeit1(H1) und Höflichkeit2(H2) besteht darin, dass es sich bei erster Konzeptualisierung um das Wissen der Sprecher handelt, und bei der H2 um die wissenschaftliche Theorie.[29] Genauer gesagt, geht es um den Unterschied zwischen

„einer alltagsweltlichen und einer wissenschaftlichen Auffassung von Höflichkeit, zwischen einer evaluativen Höflichkeit bei sog. lay-persons und einem terminus technicus, bzw. zwischen Konzeption und Anwendung von Höflichkeit.“[30] Von anderen Wissenschaftlern wird diese Unterscheidung als politeness 1 und politeness 2 bezeichnet und ist auch ins Deutsche übernommen worden.[31] Nach Eelen H1 ist die aktionale Seite von Höflichkeit, wobei H 2 beschreibt er als die konzeptuelle Seite.[32] Die erste ist Höflichkeit in der Interaktion, H2 bezeichnet er eher als die Ideologien und Konzepte von Höflichkeit.

Daraus entstehen zwei Konzepte: „lay concept“- also das, was die Leute über Höflichkeit denken, das zweite Konzept, dass die theoretische wissenschaftliche Konzeptualisierung beschreibt.[33] So folgert Eelen:

„Since politeness1 is a concept concerned specially with social interaction, its mediating position will be between consciousness and the social world.” (Eelen 2001:34)[34]

Es ist wichtig zu betonen, dass die Konzeptualisierung von H1 als „practice of politeness“ oder „politeness as practice“ zu begreifen ist. Es gibt auch eine dreigegliederte Unterscheidung von Höflichkeit1, die von Eelen eingeführt wird: expressive, klassifikatorische und metapragmatische H1 . Expressive bedeutet, dass die Menschen mit Höflichkeit sprechen, diese gebraucht und welches Inventar sie sich zu Hilfe nehmen. Klassifikatorisch bezeichnet ein evaluatives Mittel, Menschen zu kategorisieren. Beim metapragmatischen wird Höflichkeit besprochen.[35]

[…]


1 Holtgraves Thomas. M., „Social psychology, cognitive psychology and linguistis politeness”, in: Journal od Politeness Researscg 1, 2005 (1), 73-93. Aus: Fidancheva Iva: Die verletzende Macht der Höflichkeit (2013): S. 19.
2 Fidancheva (2013): S. 19.
3 Held Gudrun: Verbale Höflichkeit. Studien zur linguistischen Theorienbildung und empirische Untersuchung zum Sprachverhalten französischer und italienischer Jugendlicher in Bitt- und Dankessituationen (1995): S. 22.
4 Held (1995): S. 22.
5 Held (1995): S. 22.
6 Riehl Claudia Maria: Sprachkontaktforschung; Eine Einführung (2009): S. 20.
7 Fidancheva (2013): S. 37.
8 Fidancheva (2013): S. 33.
9 Elias Norbert: Die höfische Gesellschaft, Gesammelte Schriften Bd. 2. 1. Aufl., Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1992 (1969). Aus: Fidancheva (2013): S. 34.
10 Fidancheva (2013): S. 37.
11 Fidancheva (2013): S. 37.
12 Fidancheva (2013): S. 37.
13 Fidancheva (2013): S. 37.
14 Fidancheva (2013): S. 38.
15 Fidancheva (2013): S. 38.
16 Fidancheva (2013): S. 39.
17 Beetz Manfred: Frühmoderne Höflichkeit. Komplimentierkunst und Gesselschaftsrituale im altdeutschen Sprachraum (1990): S. 14. Aus: Fidancheva (2013): S.40.
18 Beetz Manfred: Frühmoderne Höflichkeit. Komplimentierkunst und Gesselschaftsrituale im altdeutschen Sprachraum (1990): S. 14. Aus: Fidancheva (2013): S. 40-41.
19 Fidancheva (2013): S. 41.
20 Fidancheva (2013): S. 42.
21 Fidancheva (2013): S. 42.
22 Fidancheva (2013): S. 43.
23 Fidancheva (2013): S. 44.
24 Fidancheva (2013): S. 44.
25 Fidancheva (2013): S. 44.
26 Fidancheva (2013): S. 45, 47.
27 Fidancheva (2013): S. 47.
28 Fidancheva (2013): S. 45.
29 Ehrhardt Claus, Neuland Eva, Yamashita Hitoshi: Sprachliche Höflichkeit zwischen Etikette und kommunikativer Kompetenz (2011): S. 32.
30 Fidancheva (2013): S. 99.
31 Ehrhardt Claus (2011): S.32.
32 Eelen 2001:32 aus: Fidancheva (2013): S. 100.
33 Fidancheva (2013): S. 100.
34 Aus: Fidancheva (2013): S. 100.
35 Fidancheva (2013): S. 100.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
(Un)Höflichkeit durch Code-Switching? Linguistische Untersuchung von sprachlicher Varietät
Hochschule
Universität Regensburg
Note
2,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
24
Katalognummer
V319914
ISBN (eBook)
9783668192102
ISBN (Buch)
9783668192119
Dateigröße
953 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
höflichkeit, code-switching, linguistische, untersuchung, varietät
Arbeit zitieren
Magdalena Zając (Autor), 2014, (Un)Höflichkeit durch Code-Switching? Linguistische Untersuchung von sprachlicher Varietät, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319914

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