Migration in Schulbüchern des Politikunterrichts. Untersuchung und Vergleich


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

19 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Essay: Notwendigkeit von Migration als Thematik in Schulbüchern und im Politikunterricht

II. Untersuchung und Vergleich von Schulbüchern
II.I. Bedeutung von Schulbüchern und die Notwendigkeit einer kritischen Betrachtung
II.II. Kriterien zur Analyse von Schulbüchern und Anwendung dieser Kriterien

III. Alternative Unterrichtsmaterialien: Wochenschauhefte

IV. Fazit

Literatur

Einleitung

Der Begriff „Migration“ hat sich, in unserer heutigen Gesellschaft, über die einstiege Bedeutung des Ein- und Auswanderns von Menschen in ein Land erweitert. So werden mit Migration vielschichtige soziale Prozesse und Phänomene verbunden die eine Gesellschaft charakterisieren und prägen und somit Auswirkungen auf die Alltagswelt eines jeden Individuums haben. Migration begründet sowohl die Bildung einer multikulturellen Gemeinschaft mit aller Variation und Heterogenität, zugleich bestehen aber auch Probleme wie Ungleichheiten, Fremdenhass und mangelnde Integration.

Diese Hausarbeit soll sich mit der Darstellung des Komplexes Migration in Schulbüchern des Politikunterrichtes beschäftigen. Dabei soll zu Beginn in Form eines Essays geklärt werden ob und warum eine Behandlung des Themas Migration im Politikunterricht überhaupt notwendig ist und welche Rolle die Thematisierung schlussendlich für die Schüler spielt. Dabei soll sich auch dem Begriff und dem Sinn der Kultur gewidmet werden wofür einige Ideen aus dem Fachbereich der anglistischen Kulturforschung berücksichtigt wurden. Weiterhin sollen einzelne Schulbücher nach spezifischen Kriterien verglichen und kritisch untersucht werden. Die entscheidende Fragestellung ist hierbei wie Migranten dargestellt werden und ob dies jeweils eine Entfremdung bzw. Verbundenheit bewirkt. Die dafür verwendeten Kriterien stammen aus einem Beitrag des Didaktikers Dr. Dirk Lange für die Zeitschrift kursiv. Als ein weiterführender Punkt soll auf alternative Unterrichtsmaterialien verwiesen werden. Hierbei werden exemplarisch „Wochenschau“-Hefte ausgewählt die den Versuch unternehmen mit Innovation und Multiperspektivität ein adäquates Lehr-/Lernmaterial zu bieten.

I.Essay:Notwendigkeit von Migration als Thematik in Schulbüchern und im Politikunterricht

Migration und die Prozesse die Migration begleiten stellen eine wichtige Thematik dar, von der es notwendig ist, dass sie in der schulischen Laufbahn eines jeden Mitgliedes der Gesellschaft behandelt werden. Für diese These gibt es aussagekräftige Begründungen die nun im Folgenden benannt und erörtert werden sollen.

Wir leben in einer multikulturellen Gesellschaft, die uns ein breites Spektrum an kulturellen sowie sozialen Eigenheiten ihrer Mitglieder bietet. Zuwanderung und die damit verbunden Konsequenzen sind ein Teil des Alltags geworden und gestalten bzw. verändern unsere Lebenswelt. Ebenso heterogen wie unsere Gesellschaft setzt sich entsprechend auch die Schülerschaft in den Klassenräumen zusammen. Viele Schüler mit Migrationshintergrund schwanken zwischen der Einordnung ihrer eigenen Person und Herkunft. Vielen fällt es schwer sich einem Land als heimisch zuzuordnen.

Ziel der politischen Bildung ist es unter anderem den Schülern zur Bildung einer eigenen Identität und Selbständigkeit zu verhelfen. Um Schülern eine Bildung der eigenen Identität zu ermöglichen ist es notwendig, dass ihnen ein Begriff von ihrer Kultur vermittelt wird. Das Verständnis und die Kenntnis der eigenen Kultur ermöglichen dem Schüler sich in seiner Lebenswelt zu definieren und seine Herkunft zu bestimmen. Schulbücher beeinflussen den Prozess der Identifikation insofern, dass sich der Schüler „als Mitglied einer bestimmten Gruppe wieder erkennt. Dazu gehört die Entwicklung eines Bewusstseins von Eigenem und Anderem“ (Mannitz 2005: S. 44). Zum Begriff der multikulturellen Gesellschaft lässt sich nun der Begriff Interkulturalität hinzufügen. Also ein Verständnis sowie eine Erkenntnis und eine Kommunikation zwischen den einzelnen Kulturen. Durch die Behandlung von Migrationsthematiken und den damit verbundenen Einblicken in andere Kulturen und Lebensverhältnisse wird dem Lerner seine eigene Identität noch deutlicher. Durch die Betrachtung anderer Kulturen lernt er auch immer etwas über seine eigene Kultur. Zugleich wird er aber auch offener und toleranter gegenüber Kulturen die ihm mitunter zunächst fremd erscheinen (vgl. Müller-Hartmann, Schocker-von Ditfurth 2004). Dies ist besonders wichtig in einer Gesellschaft wo die verschiedensten Kulturen, auf Grund von Zuwanderung, aufeinander treffen.

Interkulturelles lernen fördert weiterhin die Kompetenz zum Wechsel der Perspektiven bzw. die multiperspektivische Betrachtung eines Sachverhalts, was eine weitere Zielsetzung der politischen Bildung ist. Deswegen wurde auch in den 1980’er mit der breiten Einführung von interkultureller Erziehung begonnen.

Wie bereits angesprochen entstehen durch Zuwanderung nicht nur eine kulturelle Vielfalt im positiven Sinne sondern auch Probleme und Konflikte. Durch die Vielzahl an gesellschaftlichen Kontroversen die entstanden sind ist die Relevanz des Themas für die politische Bildung ebenfalls gewachsen (vgl. Lange 2005: S. 30). Weiterhin wird Migration „auf absehbare Zeit ein zentrales Problemfeld für die deutsche aber auch die Weltgesellschaft bleiben“ (Lange 2005: S. 30). Um nun Vorurteilen und Segregation entgegen zu wirken ist es notwendig Gründe und Zusammenhänge für die Zuwanderung von Ausländern darzulegen. Schüler sollen Mitschüler mit Migartionshintergrund respektieren und nicht als Fremde betrachten. Fremdenhass soll gar nicht erst entstehen. Differenzen sollen reduziert werden, stattdessen „gilt es, Heranwachsenden auch eine Vorstellung von der Kollektivität zu vermitteln, die sie als ‚ihre’ Solidargemeinschaft betrachten“ (Mannitz 2005: S. 47). Schüler sollen weiterhin in der Lage sein Situationen und politische Prozesse (auch bezüglich der Ausländerpolitik) einzuschätzen und kritisch zu hinterfragen und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Eine Darstellung des Themas in Schulbüchern und eine Auseinandersetzung im Unterricht erscheinen in anbetracht der dargelegten Gründe somit unverzichtbar und für die Sozialisation der Schüler notwendig.

II. Untersuchung und Vergleich von Schulbüchern

II.I. Bedeutung von Schulbüchern und die Notwendigkeit einer kritischen Betrachtung

Schulbücher stellen, neben anderen Materialien, ein wichtiges Medium zur Begleitung des schulischen Unterrichts dar. Trotz der Tatsache, dass der Einfluss von Schulbüchern auf die Entwicklung von Selbst-, Fremd- und Weltbildern der Schülerschaft durch die Nutzung von anderen Medien im Unterricht etwas relativiert wird bedarf es einer kritischen Hinterfragung und Analyse der Schulbücher (vgl. Mannitz 2005: S. 45). Nach wie vor wird Schulbüchern in der Erziehung und Gestaltung von Unterricht große Bedeutung und Wirkung beigemessen […]“ (Höhne et al. 2000: S. 7). Die Schulzeit ist eine Zeit der entscheidenden Prägung eines Individuums und das Schulbuch verfügt über eine gewisse Autorität die den Schüler mehr beeinflusst als andere Medien (vgl. Mannitz 2005: S. 45). Schüler nehmen ein Schulbuch zumeist als gegeben hin und hinterfragen nicht die Inhalte und Intentionen eines Lehrwerks. Sie empfinden die darin vorhanden Information und die dargestellt Meinungen somit zumeist als wahr und werden von dieser beeinflusst. „Durch Befragung von Schülerinnen und Schülern ist […] belegt, dass Schulbuchdarstellungen erheblichen Einfluss auf die Perspektiven nehmen können […]“ (Mannitz 2005: S. 46). Zugleich ist zu bedenken, dass die Inhalte von Schulbüchern immer bestimmte Interessen und Thematiken innerhalb einer Gesellschaft und eines Zeitraumes widerspiegeln (vgl. ebd.). Auch die Informationen sind immer nur auf dem Stand der aktuellsten Wissenschaftlichen Erkenntnis.

Für den Lehrer ist es vor allem zentral wichtig sich der Bedeutung der Schulbücher bewusst zu sein und die Inhalte sowie die Darstellungen (von Ausländern z.B.) zu überprüfen mit denen seine Schüler konfrontiert und somit auch geprägt werden.

II.II. Kriterien zur Analyse von Schulbüchern und Anwendung dieser Kriterien

Der Didaktiker Dr. Dirk Lange liefert acht Thesen zur Analyse und Kritik von Schulbüchern die im Folgenden genauer betrachtet werden und auf zwei exemplarische Bücher genauer bezogen werden sollen. Die dafür verwendeten Schulbücher sind „Politik und Wirtschaft“ aus dem Jahr 2005, sowie „Politikbuch 2“ von 1995. Beide sind im Cornelsen-Verlag erschienen.

Lange gibt bereits am Anfang seines Beitrages zu bedenken, dass der Komplex Migration in den einzelnen Schulbüchern sehr unterschiedlich behandelt wird. Dies ließe sich bereits am verwendeten Platz in den Büchern erkennen. So würden einige Bücher ganze Kapitel aufwenden während andere die Thematik lediglich kurz erwähnen würden. Die für diese Hausarbeit ausgewählten Schulbücher benutzen das Themenfeld Migration lediglich ergänzend zu anderen Inhalten. So behandelt „Politik und Wirtschaft“ das Thema „Migration in Europa“ nur als zweisaitiges Unterkapitel im Themenfeld „Internationale Wirtschaftsbeziehungen“. Das „Politikbuch 2“ behandelt Probleme mit Rechtsextremismus als Unterkapitel im Thema „Jugend“. Dieses Buch von 1995 spiegelt die breitere Rezeption von Rassismustheorien in den 1990’er Jahren wider.

Die erste Fragestellung die Lange aufwirft lautet: Wie wird zwischen Einheimischen und Migranten unterschieden? Er beschreibt dass „in einem Großteil der analysierten Textstellen […] eine Differenz zwischen Migranten und Deutschen aufgebaut“ wird (Lange 2005: S. 31). Dies widerspricht nicht nur dem Gedanken einer solidarischen Gemeinschaft, sondern vernachlässigt auch die Tatsache, dass sich viele zugewanderte Menschen längst selbst als Deutsche fühlen und betrachten. Somit werden Menschen mit Migrationshintergrund automatisch als eine gesellschaftliche Randgruppe empfunden.

Lange empfiehlt die Darstellungen des „Andersseins“ zu reduzieren und in Schulbüchern „exaktere und differenziertere Bezeichnungen für die Gruppen der Einwanderer zu verwenden“ (Lange 2005: S. 32).

Auf Grund der ausschließlichen Darstellung des Problems des Rechtsextremismus im „Politikbuch 2“ lässt sich eine Unterscheidung zwischen den „den Deutschen“ und „den Ausländern“ nicht festmachen. In „Politik und Wirtschaft“ wird hingegen sehr differenziert welche Gruppen nach Deutschland zuwanderten. So wird zwischen Kriegsflüchtlingen, Gastarbeitern, Familienzusammenführungen, Flüchtlingen und Aussiedlern unterschieden. Deutsche und Ausländer werden nicht getrennt und gegenüber gestellt; es werden die Begriffe „Menschen“ und „Bevölkerung“ benutzt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Migration in Schulbüchern des Politikunterrichts. Untersuchung und Vergleich
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Institut für Schulpädagogik und Didaktik der Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Politische Bildung in der Einwanderungsgesellschaft
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
19
Katalognummer
V320381
ISBN (eBook)
9783668197961
ISBN (Buch)
9783668197978
Dateigröße
412 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
migration, einwanderung, migranten, schulbuch, einwanderungsgesellschaft, didaktik, unterricht, schule, schulpädagogik, sozialwissenschaften
Arbeit zitieren
Marc Lempka (Autor), 2007, Migration in Schulbüchern des Politikunterrichts. Untersuchung und Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/320381

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