Das Phänomen "Kulturindustrie" nach Theodor Adorno. Treffen die Hypothesen von Adorno aus seinem Werk „Resumée über Kulturindustrie“ auf das aktuelle Verhältnis zwischen Medien, Gesellschaft und Staat zu?


Ausarbeitung, 2016

13 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theodor W. Adorno
2.1. Phänomen Kulturindustrie
2.2. Modell: Zusammenspiel der vier Instanzen

3 Hypothesen
3.1. Hypothese 1: Kunst wird zur Ware
3.2. Hypothese 2: Anti-Aufklärung der Massen

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Im Rahmen des Seminars „Anatomie aktueller Mediokratie“ im Modul „Medialitätsorientierte Zugänge zu den Sozialwissenschaften“ standen medientheoretische und kulturkritische Werke im Fokus, welche sich mit dem Einfluss der Medienwirtschaft auf die Gesellschaft befassen. Diese Arbeit präsentiert die Ergebnisse des Referates von Levi Yosef. Hierbei liegt der Fokus auf „der Kulturindustrie“ und wie diese in dem Werk „Resumée über Kulturindustrie“[1] von Theodor W. Adorno definiert wurde sowie auf der Frage, inwiefern die von Adorno aufgestellten Hypothesen in der heutigen Zeit noch aktuell sind. Um die Einwirkung der Kulturindustrie auf die Gesellschaft zu veranschaulichen, wird die Thematik anhand eines Modells beschrieben, das die Kulturindustrie in einen Kontext mit dem Staat, der Gesellschaft und der Kulturschaffung stellt.

Mit der Entstehung der audiovisuellen Massenmedien zu Beginn des 20. Jahrhunderts vermehrten sich die Kritiker der Einwirkung von derartigen Innovationen wie Funk, Fernsehen und Kino. Kritiker wie Thomas Meier[2] stellten in ihren Werken Hypothesen über die verbundene Kraft dieser Innovationen auf. Sie befürchten, dass die Gesellschaft durch eine höhere Macht gesteuert wird. Dabei fällt auf, dass viele dieser Gedanken, trotz der zeitlichen Differenz der Bezugspunkte, auf heutige Verhältnisse übertragbar sind.

Aus diesem Kontext ergab sich die Diskussionsfrage für das Referat: Treffen die Hypothesen von Adorno aus seinem Werk „Resumée über Kulturindustrie“ auf das aktuelle Verhältnis zwischen Medien, Gesellschaft und Staat zu? Zunächst werden die Hypothesen von Adorno vorgestellt und in einen Kontext gesetzt. Anschließend werden die Erkenntnisse aus den Diskussionen dargelegt und eine finale Bewertung vorgenommen.

2 Theodor W. Adorno

Geboren als Theodor Ludwig Wiesengrund, gehörte der deutsche Philosoph zu den Hauptvertretern der ‚Kritischen Theorien’. [3] Aufgrund seiner schonungslosen Kritik wurde Adorno bei Befürwortern und Kritikern als geistiger Vater der deutschen Studentenbewegung bezeichnet. Betrachtet man seinen Deutungsstil, so könnte man Adorno zur Klasse der Schwarzmaler zählen. Er erkannte Mechanismen in Systemen schnell und legte durch Selbstinterpretation die Folgen auf das Extremste aus. Mit seiner Kritik stieß er auf starke Resonanz und viele seiner Gedanken können in der heutigen Kulturkritik wiedergefunden werden. In dieser Ausarbeitung wird von der Kulturindustrie als ein Phänomen gesprochen. Das liegt daran, dass die Kulturindustrie nach Adorno kein festes Organ ist, welches in einer Institution implementiert ist. Vielmehr wird ein Effekt beobachtet, der aus dem Zusammenspiel von Staat, Medien, Gesellschaft und der Kultur resultiert und somit nicht greifbar ist.

2.1. Phänomen Kulturindustrie

Wir ersetzen den Ausdruck [der Massenkultur] durch Kulturindustrie um von vorne herein die Deutung auszuschalten, die den Anwälten der Sache genehm ist, das es sich um etwas wie spontan aus den Massen aufsteigende Kultur handele um die gegenwärtige Gestalt von Volkskunst von einer solchen unterscheidet sich Kulturindustrie aufs äußerste. (S.337)[4]

In Adornos Texten nimmt er eine klare Trennung zwischen der Kulturindustrie und der Kultur, wie sie in der Gesellschaft entsteht, vor. Die Kulturindustrie sei kein Produkt der situativen Spontanität, vielmehr ein Produkt der geplanten und gezielten Schaffung von Wertgütern. Er verwendet das Wort ‚Kulturindustrie’ anstelle des Wortes ‚Massenkultur’, um den kommerziellen Aspekt der Kultur zu verdeutlichen. Sinngemäß stellte Adorno folgende zwei Hypothesen auf:

1. Die Kunst wird durch standardisierte Vorgänge und Neueinkleidung alter Kunst mit dem Ziel der Profitmaximierung zur Ware.
2. Es existiert eine Anti-Aufklärung der Massen. Kunstobjekte werden nicht länger geschaffen, um die Gesellschaft zu befriedigen, sondern um den Geist der Gesellschaft zu den Gunsten der Kulturindustrie zu verändern.

Die Auswirkungen der Kulturindustrie hinsichtlich der aufgestellten Hypothesen von Adorno werden anhand eines Schaubildes veranschaulicht. In Abb. 1. sind die vier wichtigen Instanzen der Kulturgesellschaft und ihr Verhältnis zueinander abgebildet, bevor das Phänomen Kulturindustrie aufgetreten ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Modell Kulturgesellschaft vor der Einwirkung der Kulturindustrie mit den vier Instanzen: Gesellschaft, Staat, Medien und Kultur

Zu erkennen ist der Einfluss der Gesellschaft auf die Kultur und auf den Staat, welche wiederum Einfluss auf die Medien ausüben. Diese geben anschließend ihr Produkt, bestehend aus den Einflüssen des Staats und der Kultur, an die Gesellschaft zurück.

2.2. Modell: Zusammenspiel der vier Instanzen

Für ein besseres Verständnis der vier Instanzen des Modells werden diese im Folgenden auf ihre Kernaufgaben reduziert.

Gesellschaft.

Die Basis des Modells bildet die Gesellschaft. Durch die Epoche der Aufklärung erlang die Gesellschaft die Fähigkeit, auf der Basis von Vernunft und Menschenverstand, ihr Urteilsvermögen zu bilden. Die Gesellschaft hat das Ziel, ihre eigene Meinung zu bilden und auf der Basis ihres aufgeklärten Urteilsvermögens sich selbst zu regieren. Im Zuge dessen implementierte die Gesellschaft eine Kontrollinstanz, in diesem Fall ein Regierungsmodell der Demokratie.[5] Die Aufgabe der Gesellschaft ist es einerseits, diese zu regulieren und andererseits als Quelle der Kultur zu dienen.

Kontrollinstanz.

Die Kontrollinstanz wird in Abb. 1. durch den Staat repräsentiert. In einer demokratischen Form wird sie von der Gesellschaft befähigt. Ihre Aufgabe ist es, im Sinne der Gesellschaft[6] die Ordnung in der Gesellschaft zu erhalten.[7]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Rolle der Gesellschaft: Regulierung des Staats.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Rolle des Staats: Vertreten der Interessen der Gesellschaft.

Kultur.

Für Adorno entsteht Kultur aus der Masse, der Bevölkerung, heraus. Die Gesellschaft war ursprünglich ein freier Geist. Die Aufgabe der Kultur, als Teil der Gesellschaft, ist es, die Kontrollinstanz und gleichzeitig die sozialen Begebenheiten der Gesellschaft kritisch zu hinterfragen[8].

Medien.

Die ursprüngliche Funktion der Medien war es, als Fenster zur Welt zu fungieren. Es stellte die Informationen, die vom Staat und der Kultur gegeben wurden der Gesellschaft zur Verfügung. Ursprünglich sollten die Medien keine eigene Meinung besitzen, sondern lediglich abbilden und darstellen, was in der Welt geschieht. Nachdem die Gesellschaft sich durch die Aufklärung emanzipierte, wurden die Medien als neutrales Hilfsmittel genutzt um sich eine eigene Meinung bilden zu können. Zu beachten ist weiterhin, dass die Medien getrennt von der Kultur aufgeführt werden. Durch das Zusammenspiel der einzelnen Instanzen ergab sich ein Gleichgewicht. Die Gesellschaft hatte die Regulierung des Staates und deren Handlungen zur Aufgabe und schaffte sich die Basis für eine kritische Betrachtung aus der Kultur. Dies war möglich, durch die neutrale Bereitstellung der Informationen durch die Medien. Die Kultur beobachtete selbstständig die Gesellschaft und den Staat. Aufbauend auf ihre Erkenntnisse bildete sie ihre Kulturprodukte und gab diese weiter an die Medien. Der Staat hatte in Bezug auf die Kommunikation eine reine informelle Rolle. Sie sollte die Gesellschaft darüber informieren, was passierte. Bei den Medien wurden alle Informationen zusammengetragen und formen die Mitte des Netzwerkes. So bilden die Medien den einzigen Wissenskanal für die Gesellschaft, um sich eigene Meinungen entwickeln zu können.[9]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Rolle der Kultur.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Rolle der Medien.

[...]


[1] Vgl. Adorno, Theodor W. Gesammelte Schriften. 10,2: Kulturkritik Und Gesellschaft. 2: Eingriffe; Stichworte; Anhang. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1977.

[2] Vgl. Meyer, Thomas. Mediokratie: Die Kolonisierung Der Politik Durch Das Mediensystem. 1. Aufl., Erstausg., Originalausg. Edition Suhrkamp 2204. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2001.

[3] Paetzel, Ulrich. Kunst und Kulturindustrie bei Adorno und Habermas Perspektiven kritischer Theorie. Wiesbaden: Deutscher Universitätsverlag, 2013. http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:1111-2011122586. S. 179

[4] Adorno, 1977

[5] Dargestellt in Abb. 2: Rolle der Gesellschaft. Regulierung des Staats

[6] Dargestellt in Abb. 3: Rolle des Staats. Vertreten der Interessen der Gesellschaft

[7] Springer Gabler Verlag (Herausgeber), Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort: Demokratie, online im Internet: (Online unter: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/4253/demokratie-v11.html zuletzt aufgerufen am 31.01.2016)

[8] Dargestellt in Abb. 4: Rolle der Kultur

[9] Dargestellt in Abb. 5: Rolle der Medien

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Details

Titel
Das Phänomen "Kulturindustrie" nach Theodor Adorno. Treffen die Hypothesen von Adorno aus seinem Werk „Resumée über Kulturindustrie“ auf das aktuelle Verhältnis zwischen Medien, Gesellschaft und Staat zu?
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Veranstaltung
Kulturkritik, Mediokratie
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
13
Katalognummer
V320585
ISBN (eBook)
9783668197411
ISBN (Buch)
9783668197428
Dateigröße
602 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Adorno, Kulturindustrie
Arbeit zitieren
Levi Yosef (Autor), 2016, Das Phänomen "Kulturindustrie" nach Theodor Adorno. Treffen die Hypothesen von Adorno aus seinem Werk „Resumée über Kulturindustrie“ auf das aktuelle Verhältnis zwischen Medien, Gesellschaft und Staat zu?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/320585

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