Am 16. und 17. Mai 2003 führte unsere WiPäd-Gruppe eine Blockübung zum Thema „Didaktische Modelle der Unterrichtsplanung und –analyse“ durch. Ziel dieser Übung war es, verschiedene didaktische Theorien und Modelle der Unterrichtsplanung kennen zulernen und beurteilen zu können. Auch wurden einzelne Modelle in einem Praxisversuch veranschaulicht. In meinen anschließenden Ausführungen möchte ich ein didaktisches Modell vorstellen, welches sich aus früheren Theorien herausbildete und eigene weiterentwickelte Ansätze verarbeitet. Es ist das so genannte „Hamburger Modell“, welches von Wolfgang Schulz, einem Professor der Erziehungswissenschaften, in den späten 1960er Jahren formuliert wurde. Dieses Modell gibt den Lehrkräften Empfehlungen, wie ihr Unterricht geplant und aufgebaut werden kann, um vorgegebene Leitziele zu erreichen. Bei der Beschreibung des Modells habe ich mich auf die Recherche verschiedener Literatur zu den Themen Didaktische Modelle und Theorien konzentriert und werde mein Ergebnisse im folgendem vorstellen. Beginnen werde ich die Ausführungen mit der Weiterentwicklung des Hamburger Modells aus dem Berliner Modell und werde die neu formulierten Leitgedanken von Wolfgang Schulz vorstellen. Anschließend zeige ich die Voraussetzungen in der Gesellschaft für die Anwendbarkeit Schulz’ Modells auf. Des weiteren zeige ich den strukturellen Aufbau des Hamburger Modells und gehe auf die einzelnen Phasen der Planungen ein. Hier kann entnommen werden, wie und auf welche Art und Weise dieses didaktische Modell laut Wolfgang Schulz angewandt werden sollte. Diese praktische Anwendung habe ich in unserer Blockübung versucht. Ich werde desha lb im letzten Punkt meiner Niederschrift auf meinen Unterrichtsversuch eingehen und versuchen, Schulz’ theoretische Ansätze anhand meiner durchgeführten Unterrichtseinheit praktisch erkennbar werden zu lassen. Hier zeige ich dann Stärken und Schwächen des Hamburger Modells auf.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2. Das Hamburger Modell als Weiterentwicklung des Berliner Modells
3. Die Leitgedanken des Hamburger Modells
4. Voraussetzungen für das Modell
5. Der strukturelle Aufbau des Hamburger Modells
6. Die vier Planungsebenen
6.1 Die Perspektivplanung
6.2 Die Umrissplanung
6.3 Die Prozessplanung
6.4 Die Planungskorrektur
7. Meine Umsetzung des Hamburger Modells im Praxisversuch
8. Schlussbemerkung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit dem „Hamburger Modell“ der Unterrichtsplanung auseinander, erläutert dessen theoretische Herleitung sowie Struktur und reflektiert die praktische Anwendbarkeit anhand eines durchgeführten Unterrichtsversuchs.
- Historische Herleitung des Hamburger Modells aus dem Berliner Modell
- Leitgedanken von Wolfgang Schulz zur Emanzipation der Lernenden
- Struktureller Aufbau und die vier Phasen der Unterrichtsplanung
- Reflexion der praktischen Anwendung und Grenzen des Modells im Schulalltag
Auszug aus dem Buch
6.1 Die Perspektivplanung
Wie oben erwähnt, bezieht sich die Perspektivplanung auf einen längeren Zeitraum, wie z.B. ein Semester.
Schulz sieht die Aufgabe des Lehrers in dieser Planungsphase in der kritischen und kreativen Interpretation der vorgegebenen Lehrpläne, da diese nur relativ allgemein gefasst sind. Dabei ist es erstrebenswert, dass die Planungsschritte mit den Gruppenmitgliedern diskutiert werden, „der Bezug zu jedem einzelnen und zur Gruppe als Ganzes soll sich in der so erarbeiteten Perspektivplanung niederschlagen“. 14 Die Lehrer sollen durchaus ihre professionellen Ansätze bei der Interpretation der Lehrpläne und ihren Wissensvorsprung mit einfließen lassen, dabei aber nicht die Förderung der Ich-Entwicklung der einzelnen Gruppenmitglieder, die Gruppen-Entwicklung gesamt oder den thematischen Bezug gefährden. Um diese Gefährdung zu vermeiden, entwickelte Schulz einen Richtzielkatalog in Form einer Matrix. In ihr hat er seinen Leitgedanken nach emanzipatorischen Unterricht einfließen lassen.
Schulz geht davon aus, dass im Unterricht drei mögliche Intentionen verfolgt werden, nämlich das Erlangen und Fördern von
- Kompetenz, als Sammelbegriff von Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten, die zur Lebensführung des Individuums nötig sind,
- Autonomie, also individuelle Fähigkeiten zum eigenständigem und eigenverantwortlichem Handeln und als drittes
- Solidarität, als gruppenbezogenes Verhalten, in dem gegenseitige Hilfe und Respekt Beachtung finden.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Vorstellung der Zielsetzung der Blockübung und der theoretischen sowie praktischen Auseinandersetzung mit dem Hamburger Modell.
2. Das Hamburger Modell als Weiterentwicklung des Berliner Modells: Erläuterung der historischen Entstehung als Reaktion auf die Forderungen nach Emanzipation und Kritik an der Wertfreiheit des Berliner Modells.
3. Die Leitgedanken des Hamburger Modells: Darstellung der Zielsetzung, Lernende zur eigenverantwortlichen Lebensführung zu befähigen und die Professionalisierung der Lehrerschaft zu fördern.
4. Voraussetzungen für das Modell: Beschreibung der gesellschaftlichen Bedingungen, die notwendig sind, um einen emanzipatorischen Unterricht nach Schulz zu ermöglichen.
5. Der strukturelle Aufbau des Hamburger Modells: Analyse der Handlungsmomente des Unterrichts und der Rolle der Lehrkraft innerhalb dieser komplexen Tätigkeiten.
6. Die vier Planungsebenen: Übersicht über die methodischen Phasen der Unterrichtsplanung von der Perspektivplanung bis hin zur spontanen Planungskorrektur.
6.1 Die Perspektivplanung: Detaillierte Betrachtung der langfristigen Planung und der Verwendung des Richtzielkatalogs zur Erreichung von Kompetenz, Autonomie und Solidarität.
6.2 Die Umrissplanung: Beschreibung der konkreten Ausgestaltung einer Unterrichtseinheit unter Einbeziehung der Interaktion mit Schülern.
6.3 Die Prozessplanung: Erläuterung der zeitlichen Strukturierung der Unterrichtsschritte und der Zuteilung von Lernhilfen im Verlaufsplan.
6.4 Die Planungskorrektur: Einordnung der laufenden Anpassung des Unterrichtsgeschehens als notwendigen Bestandteil eines dynamischen Lernprozesses.
7. Meine Umsetzung des Hamburger Modells im Praxisversuch: Reflexion der eigenen Unterrichtsversuche zum Kommunikationsquadrat und dem Abgleich zwischen Theorie und pädagogischer Realität.
8. Schlussbemerkung: Kritische Würdigung der Anwendbarkeit des Modells im allgemeinen Schulsystem im Vergleich zur Erwachsenenbildung.
Schlüsselwörter
Hamburger Modell, Wolfgang Schulz, Unterrichtsplanung, Didaktik, Emanzipation, Lehr-Lerngruppe, Perspektivplanung, Umrissplanung, Prozessplanung, Planungskorrektur, Kompetenz, Autonomie, Solidarität, Unterrichtsversuch, Schulpädagogik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das „Hamburger Modell“ von Wolfgang Schulz als didaktisches Modell zur Unterrichtsplanung und -analyse, inklusive einer praktischen Erprobung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die Weiterentwicklung der Berliner Didaktik, die Leitgedanken der Emanzipation, die strukturelle Planungsebenen sowie die praktische Anwendung im Unterricht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel besteht darin, das Hamburger Modell theoretisch zu durchdringen, die vier Planungsebenen darzustellen und die eigene Praxiserfahrung kritisch mit dem Modell abzugleichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine Kombination aus Literaturrecherche zu didaktischen Modellen und eine handlungsorientierte Reflexion mittels eines eigenen Unterrichtsversuchs genutzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Leitgedanken des Modells, die notwendigen gesellschaftlichen Voraussetzungen, die strukturellen Planungsebenen sowie die eigene Durchführung einer Unterrichtsstunde nach diesem Modell.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Hamburger Modell, Unterrichtsplanung, Emanzipation, didaktische Planungsebenen und Reflexion der Unterrichtspraxis.
Warum sieht der Autor das Modell im Schulalltag nur eingeschränkt anwendbar?
Der Autor führt an, dass der hohe Planungsaufwand, die Anforderung an homogene Gruppen und die notwendige Reife der Schüler in normalen Schulklassen oft schwer realisierbar sind.
Wo sieht der Autor die größte Eignung für das Hamburger Modell?
Aufgrund der Voraussetzungen wie Freiwilligkeit und Reife hält der Autor das Modell besonders für zeitlich begrenzte Schulungsmaßnahmen in der Erwachsenenbildung für geeignet.
- Arbeit zitieren
- Falk Edner (Autor:in), 2003, Das Hamburger Modell, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32103