Das Christentum der Antike. Eine Gefahr für das Römische Reich?

Antworten aus der zeitgenössischen Geschichtsdarstellung und heutige Einschätzungen


Hausarbeit, 2015
18 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Einführung in die antike Welt – Das Römische Reich
2.1 Die Entwicklung des Christentums im römischen Reich
2.2 Die Quellenlage der antiken Geschichtsschreibung

3. Die politische Lage in Rom – Zwischen Heidentum& Christentum
3.1 Das antike Christentum als Gefahr für die weltpolitische Hierarchie?
3.2 Minucius Marcus Felix – Retter des römischen Reiches?
3.3 Das Ende Roms und der Durchbruch des Christentums

5. Fazit und Ergebnis dieser Untersuchung

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Geschichte der Antike umfasst einen Zeitraum von mehreren Jahrhunderten. Die Alte Geschichte würde ohne „die Ausdifferenzierungen der altertumswissenschaftlichen Fächer“ wohl einen Zeitraum von über 2000 Jahren betrachten.1 Im Engeren Sinne lässt sich unter der Antike die Zeit der Griechen und Römer verstehen.2 Die Geschichte der Griechen und Römer lässt sich dabei in mehrere Epochen unterteilen. Während es bei den Griechen beispielsweise durch Alexander den Großen zu einer epochalen Zäsur kommt und man von der Epoche des Hellenismus spricht, begegnen dem „Imperium Romanum“ nicht nur kriegerische, sondern auch gesellschaftliche Auseinandersetzungen mit religiösen Minderheiten. Die Erfolgsgeschichte des Christentums, die heutzutage etwa mit zwei Milliarden Mitgliedern zur größten Weltreligion zählt, nahm seine entscheidende Entwicklung im antiken Rom. Die turbulente Entwicklung von einer geheimen und verfolgten Sekte bis hin zum anerkannten Staatskult ist ein knapp 300 Jahre langer Prozess. In dieser Zeitspanne kommt es jedoch unter Nero, Domitian, Trajan oder Diokletian zu großen Wellen der Christenverfolgung.3 Im 4. Jahrhundert nach Christus änderte sich die Situation jedoch, als Kaiser Konstantin den Christen zunächst die freie Ausübung ihrer Religion zusicherte, anhand des 313 n. Chr. beschlossenen Mailänder Toleranzediktes, und Theodosius I. das Christentum schließlich im Jahr 380 n. Chr. zur Staatsreligion ernannte.4

Es ist beinahe unmöglich eine solch historisch bedeutsame und ereignisreiche Epoche in wenigen Abschnitten zusammenzufassen. Die Ausarbeitung soll sich deshalb im Folgenden auf die für das Christentum bedeutsamsten Ereignisse fokussieren. Der geschichtliche Gesamtabriss des römischen Reiches soll jedoch trotzdem in den Grundzügen nachgezeichnet werden. Dies soll ermöglichen einzelne Aspekte des frühen Christentums, welche für den Erfolg, als auch die, welche für die Christenverfolgung maßgeblich sind, nachvollziehen zu können. Das Christentum erhob sich aus den Katakomben Roms bis an die Spitze des römischen Weltreiches. Im Fokus der Ausarbeitung steht daher die Frage, inwieweit dieser Prozess tatsächlich zum Zerfall des römischen Reiches beigetragen hat.

2. Einführung in die antike Welt – Das Römische Reich

Mit der Niederlage der Diadochenreiche begann der Aufstieg des Römischen Reiches von einer lokalen Macht zur „ersten Supermacht der Welt5 “. Michel Humm stellt hierzu fest: „Lange Zeit war Rom eine regionale Macht von zweitrangiger Bedeutung in Italien geblieben, bis es im 3. Jh. die „internationale“ Bühne betrat und diesen Auftritt so rasch mit dem endgültigen Sieg krönte, dass es schon den Zeitgenossen wie dem oben bereits erwähnten Polybios den Atem verschlug“.6 Rom zeichnete sich dadurch aus, dass es sich nicht damit „begnügte“ feindliche Städte auf dem Schlachtfeld zu besiegen und „immer wiederholende Kriege zu führen“. Das römische Interesse lag darin sich das Territorium der Besiegten „einzuverleiben“ und in das römische „Gemeinwesen“ zu integrieren. Die eroberten Gebiete wurden in das Staatsgebiet eingegliedert und die Bevölkerung erhielt einen geminderten Bürgerstatus. Durch diesen Status erhielt man zwar kein Wahlrecht, aber vollen Rechtsschutz, den auch römische Vollbürger besaßen. Die Anfänge der römischen Expansion beginnen mit der raschen Bevölkerungsentwicklung in den Jahren 350-250 v. Chr. und mit dem Willen der Bevölkerung an der Fortführung von Eroberungen.7 Denn die hinzugewonnenen Gebiete wurden römischen Bürgern zur Besiedlung oder der Bewirtschaftung überlassen. Die darauffolgenden kriegerischen Konflikte katapultierten Rom, in der Mitte des 2. Jh.s, an die Spitze der Weltherrschaft.8 Der römische Siegeszug begann mit der Eroberung Kampaniens und der Vorherrschaft in Mittel- und Süditalien.9 Durch die Siege gegen die Samniten 295 v. Chr. und der Eroberung Tarents im Jahre 272 v. Chr. dehnte sich die römische Herrschaft über ganz Süditalien aus.10 Dann folgten die drei Punischen Kriege, in denen Rom die machtpolitische Spitze behauptet und Karthago im letzten Konflikt zwischen 149 und 146 v. Chr. vollständig zerstört. Darüber hinaus wird im dritten Makedonischen Krieg „König Perseus in der Schlacht bei Pydna“ geschlagen und das Königreich Makedonien einfach aufgelöst.11 Makedonien wird schließlich nach einem Aufstand „im Jahre 148“ zur römischen Provinz umgewandelt.12 Rom gelingt, innerhalb kürzester Zeit, eine rasche Ausdehnung des Reichgebietes. Denn es folgt die Einnahme und Zerstörung von Numantia 133 v. Chr., die Einverleibung des Königreichs Pergamons, die Unterwerfung Südgalliens 118 v. Chr und die Aufteilung des Königsreichs von König Jugurtha von Numidien.13 Rom beherrscht nun weite Teile des Mittelmeerraums und befindet sich am Ende des 2. Jh.s unangefochten an der Spitze. Dies bedeutete jedoch nicht, dass die römische Herrschaft unumstritten war. Es stellte sich heraus, dass der römische Staat im Inneren „voller ungelöster Probleme und Spannung“ stand.14 Es beginnt die Epoche der römischen Revolution. Heuss stellt dazu fest: „Das Zeitalter der römischen Revolution hat wie jede Revolution die Menschen aufgewühlt und Kräfte entfesselt und ins Leben gerufen, von denen die römische Geschichte bis dahin noch nichts verraten hatte.“15 Die Krise der römischen Republik hatte ihre Ursache hauptsächlich durch die militärischen Eroberungen. Die enorme Vergrößerung des Reiches erzeugte tiefgreifende soziale Spannungen innerhalb des Reiches. Die Reformversuche der Gracchen im Jahr 133. v. Chr., die das zentrale Problem der Agrarfrage im Fokus hatten, endeten mit dem Erfolg der Gracchengegner und dem Tod C. Cracchus und seinen bewaffneten Anhängern.16 Dieser Konflikt zeigt das immense Konfliktpotential in der römischen Innenpolitik. Als 113 v. Chr. germanische Stämme und der Numinderkönig Jugurtha die diplomatischen und militärischen Erfolge Roms bedrohen, kann der, im Jahre 107 v. Chr. zum Konsul erwählte, Feldherr Marius „die entscheidende Wende“ im Kampf gegen Jugurtha herbeiführen.17 Marius läutet darüber hinaus die „Zeit der großen Einzelnen“ ein.18 Mit ihm werden Soldaten auch zur Durchsetzung innenpolitischer Ziele verwendet.19 Lucius Cornelius Sulla folgt diesem Ideal und löst innenpolitische Konflikte mit Soldatengewalt. Indem er sein Heer, aus laufenden Schlachten zurückzieht, erobert er wiederholt Rom. Sullas Ziel war es „die Wiederherstellung alter Verhältnisse“ durchzusetzten.20 Unter Sulla und Pompeius feiert Rom weitere wichtige militärische Erfolge im Osten.21 Unterdessen erobert Gaius Julius Caesar den Westen. Seine Feldzüge bringen ihn von Gallien bis nach Germanien und Britannien.22 Die römische Politik steuert, nach dem Tod des Crassus 53.v. Chr. und der Niederlage gegen die Perser, auf einen Zweikampf zwischen Pompeius und Caesar zu. Die Diktatur Caesars wird durch seine Ermordung im Jahr 44 v. Chr. beendet. Mit dem Ende der Bürgerkriege beginnt die Zeit des Octavian. Octavian, der vom Senat den Ehrennamen Augustus erhält, weiß die Friedenssehensucht seines Volkes zu stillen und es beginnt die „Pax Romana“. Das römische Reich schaffte es in kürzester Zeit die Spitze der Weltherrschaft zu erklimmen. Rom gewann in einer Vielzahl von kriegerischen Auseinandersetzungen die militärische Oberhand. Rom trotzte inneren Unruhen und konsolidierte zugleich das Reich zu einem „Imperium“. Rom sitzt zu diesem Zeitpunkt fest im Sattel. Die Frage, wie ein Wanderprediger, aus dem fernen Nazareth, diesem Reich gefährlich werden konnte, ist zu diesem Zeitpunkt kaum nachzuvollziehen.

2.1 Die Entwicklung des Christentums im römischen Reich

„Das Christentum entstand aber gerade nicht dort, in Rom oder in Schmelztiegel der Kulturen, den die anderen größeren Städte bildeten. Es begann seinen Siegeszug durch die antike Welt vielmehr von einigen kleinen Dörfchen im nördlichen Palästina aus.“23 Am Rande des Reiches, in einer unruhigen und relativ jungen Provinz, betätigte sich Jesus als Wanderprediger. Mit seinem Auftreten und seiner Botschaft, dass das Gottesreich bereits unmittelbar bevorstehe, sorgt Jesus, in der sonst schon unruhigen Provinz, für Aufsehen und Kontroversen innerhalb der jüdischen Gemeinde. Die Kreuzigung Jesu fällt unter „die Amtszeit des Präfekten für Judäa, Pontius Pilatus, und des jüdischen Hohepriesters Kaiphas.“24 Mit der Kreuzigung, die in das Jahr 30 n. Chr. zu datieren ist, beginnt in der jüdischen Hauptstadt Jerusalem, die erste größere Anhängerschaft Jesu zu wachsen.25 Diese Anhängerschaft wird zunächst als Randerscheinung und Sekte wahrgenommen, die sogenannten Judenchristen. Die Entwicklung des frühen Christentums wird mit dem Apostelkonzil und den Missionsreisen des Paulus fortgeführt. Der Glaube der Auferstehung Jesu, nach seinem gewaltsamen Tod, festigt die Anhänger Jesu in ihren Überzeugungen. Auf dem Apostelkonzil von Jerusalem um 49 n. Chr. streitet man über die Bedingungen der Heidenmission.26 Unmittelbar danach folgt die Missionsreise des Paulus, die ihn quer durch den östlichen Mittelmeerraum, die Ägäis und Kleinasien führt.27 Bei seinen Reisen bevorzugt Paulus jüdische Synagogengemeinden.28 Paulus ist bei seinen Unternehmungen an der kleinasiatischen Westküste, in Korinth und an der makedonischen Küste sehr erfolgreich und hinterlässt „blühende christliche Gemeinden“.29 Die paulinischen Missionsreisen zeigen, wie groß und römisch dieser, aus dem pharisäischen Judentum entstammende, Jude dachte.30 Dem Römerbrief (Röm 1,10) zu urteilen, plante Paulus nämlich bis in das lateinischsprachige Spanien zu missionieren.31 Mit den jüdischen Aufständen gegen die römische Herrschaft zeichnet sich die allmähliche Trennung zwischen Juden und Christen ab. Die Judenchristen in Palästina folgen den nationalistischen Positionen der jüdischen Aufstände, trotz vieler Gemeinsamkeiten, nicht.32 Durch die Zerstörung Jerusalems 70. n. Chr. verliert die frühe Christenheit ihr einstiges Zentrum. Aus dieser Not heraus bilden sich jedoch weitere Zentren für das Christentum. Sodass am Ende des zweiten Jahrhunderts, sich die dörflich begrenzte Bewegung aus dem Judentum, zu einer städtisch geprägten und eigenen Religion entwickelt.33 Das Christentum erreichte dabei Städte wie Antiochia, Alexandria und weitere Städte in den Landschaften von Asia, Lydia und Phygia.34 Als Paulus 60 /61 n. Chr. nach Rom zurückkehrt, trifft er auf eine bereits bestehende christliche Gemeinde. Die römische Gemeinde umfasste Mitglieder aus allen gesellschaftlichen Schichten.35 Obwohl sich die Christen ihrer Umgebung anpassten, waren sie noch lange Fremdkörper innerhalb der antiken römischen Gesellschaft.36 Da ihre Teilnahme an den kultischen Festen, sowie an den Gladiatorenkämpfen problematisch war. Mit der neronischen Christenverfolgung 64. n. Chr. verliert die christliche Gemeinde in Rom einen bedeutenden Teil ihrer Gemeinde. Nichtsdestotrotz ist die Entwicklung des Christentums innerhalb des römischen Reiches kaum aufzuhalten. Hierzu schreibt der Historiker Gregor Weber: „In den folgenden drei Jahrhunderten nahm die Zahl der Christen wohl stetig zu, selbst wenn die verschiedenen Christenverfolgungen die Zahl der Gläubigen vorübergehend gesenkt haben sollten.“37 Die christliche Religion besaß eine große Mobilität und Dynamik, obwohl ihr „eine planmäßige Missionierungsstrategie für das Imperium Romanum38 “ fehlte. Die Dynamik und Mobilität der frühen Christenheit darf sich während der langen Friedensperiode vor der letzten großen Verfolgung unter Kaiser Diolektian entfalten.39 Es kommt zu einer Expansion der christlichen Gemeinden. Diese erlebt mit der Beharrlichkeit der Christen und der zunehmenden Verschlechterung der Situation des Reiches zusätzlichen Aufwind. Der Höhepunkt dieser Entwicklung bildet die Anerkennung und Förderung des Christentums durch Kaiser Konstantin in seiner Amtszeit von 306-337 n. Christus.40 Die Dynamik zeigt sich auch in der Verbreitung des Christentums. Es ist zwar schwer zu beantworten, in welchen sozialen Schichten das Christentum der ersten drei Jahrhunderte am meisten Anklang findet, doch anhand der Quellen lässt sich konstatieren, wer an der Verbreitung des Christentums beteiligt war. Neben den christlichen Theologen die insbesondere im zweiten und dritten Jahrhundert nach Christus nach Rom reisten, waren es auch Soldaten und Kaufleute, die an der Verbreitung beteiligt gewesen sind.41 Insbesondere Kaufleute, die durch das Imperium reisten, dürften eine wesentlichere Rolle bei der Verbreitung des Christentums gespielt haben.42 Anders als bei Soldaten ließ sich die Tätigkeit des Geschäftes mit dem Christentum vereinen.43 Die Rolle der Gastfreundschaft, die auch „bei Jesus eine zentrale Rolle für den Glauben spielte44 “, wurde zu einer weit verbreitenden Praxis unter Kaufleuten. Anklang fand das Christentum zudem bei Sklaven, Witwen, Waisen, alleinstehenden Frauen, Händlern und Handwerkern.45 Das Christentum sprach durch „das Gefühl der menschlichen Wertschätzung46 “ und dem karitativen Dienst nicht nur ärmere Schichten der Gesellschaft an. Es finden sich auch reichere Gemeindemitglieder in den frühen christlichen Gemeinden. Doch ließ sich Reichtum angesichts biblischer Forderungen nur schwer rechtfertigen, sodass diese Gemeindemitglieder die Gemeinde durch rege Stiftungstätigkeiten bereicherten.

2.2 Die Quellenlage der antiken Geschichtsschreibung

„Wer die römische Geschichte erschließen und rekonstruieren will, muss sich von den Quellen, also den antiken Zeugnissen, leiten lassen.“ 47 Neben den Evangelien, die fast das gesamte Wissen über Jesus Christus und die frühen Christen überliefern, gibt es auch eine große Anzahl an Äußerungen von Autoren, die außerhalb der Evangelien agieren. Neben den großen nichtchristlichen Autoren wie dem römischen Historiker Tacitus oder dem Kaiserbiographen Sueton, findet sich auch der römisch-christliche Autor „Marcus Minucius Felix“ wieder. Als in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts Philosophen und Rhetoren in Wort und Schrift gegen die Christen auftraten, war der christliche Minucius Felix der Überzeugung, dass die christliche Lebenspraxis ihren Standpunkt behaupten und festigen müsse. In seiner einzigen Schrift „Octavius“ verteidigt er das Christentum gegen pagane bzw. heidnische Angriffe und wendet sich an ein breites heidnisches Publikum und insbesondere an gebildete Kreise, die das Christentum für eine Sekte der niedrigsten und sozialen Schicht halten. Zum einen wollte er die Unklarheiten und die Vorurteile, die gegenüber dem Christentum geäußert wurden, beseitigen und zum anderen wollte Minucius Felix etwas Verbindendes zwischen Römern und Christen schaffen. Denn aus der Sicht der römischen Bevölkerung waren die Christen eine religiöse Sekte. Sie galten in ihrer Gesamtheit als staatsschädigend, da sie keinerlei öffentliche Ämter bekleideten. Sie leisteten weder Kriegsdienst, noch nahmen sie an einer Form von Opfern oder rituellen Handlungen teil. Sie verachteten sämtliche römischen Gottheiten und lebten allesamt spartanisch bis ärmlich.

3. Die politische Lage in Rom – Zwischen Heidentum& Christentum

Um sich nun der Fragestellung zu widmen, ob das antike Christentum tatsächlich eine Gefahr für das Römische Reich darstellte, muss man zunächst den Blick auf die politische Entwicklung Roms werfen. Das zweite Kapitel der Ausarbeitung stellte die machtpolitische Situation Roms in den Anfängen dar. Dabei sind die folgenden Entwicklungen des frühen Roms für die Fragestellung relevant: 1. Die Expansion des Reichsgebietes und die Einverleibung anderer Kulturen und Stämme, 2. Die Durchsetzung von innenpolitischen Interessen durch Gewalt und die Verwendung von Soldaten zur Durchsetzung innenpolitischer Ziele, 3. Die Vollständige Unterwerfung der Griechen und Vermischung der eigenen Kultur mit der griechischen Mythologie. Diese Aspekte werden im Verlauf der römischen Geschichte den Umgang mit dem Christentum nachweislich prägen. „Seit Sulla hatte die römische Innenpolitik sich noch den Mechanismus des Freistaates bedient und war nach den Gesetzen der Republik durchgekämpft worden; aber ihre entscheidenden Anstöße und Zielsetzungen hatte sie von der militärischen Macht und dem militärischen Kommando erhalten, zuerst in der Person des Pompeius, dann in der Caesars“48. Die zunehmende Militarisierung des Römischen Reiches hatte zur Folge, dass sich in Rom die Praxis der Durchsetzung innenpolitischer Ziele mit Soldatengewalt etabliert. Diese Praxis findet mit Sulla und seinem Wunsch, die alten Verhältnisse in Rom wiederherzustellen, seinen Anfang. Unter Caesar erfährt Rom jedoch die Schattenseite der innenpolitischen Gewaltanwendung, als sich der Konflikt, zwischen Caesar und Pompeius, zum blutigen Bürgerkrieg zuspitzt.49 Die Gewaltanwendung zur Bewältigung von innenpolitischen Konflikten scheint nun ein brauchbares Mittel der Herrschaftslegitimierung zu sein. Als Rom unter Nero in Brand steht, kommt es 64. n. Chr. zur einer „staatlich initiierten Verfolgung50 “ von Christen. Inwieweit Nero von der Praxis der inneren Gewaltanwendung durch Sulla oder Caesar inspiriert war lässt sich schwer festmachen. Doch Nero stilisierte die unpopuläre Minderheit der Christen zum Sündenbock, um dem Gerücht zu entgegnen er habe den Brand in Rom gelegt.51 So konnte er schließlich den Verdacht von sich abwenden und den Hass der Römer auf die christliche Minderheit lenken. Warum das „nomen christianum“, also das Bekenntnis zum Christentum, als „todeswürdiges Delikt“ galt, wird weder von Nero noch von Trajan dargelegt.52 Stattdessen diffamierten die römischen Behörden den christlichen Glauben als gefährlichen Aberglauben.53 Um zu verstehen weshalb das Römische Reich Maßnahmen zur Unterdrückung des wachsenden Einflusses des Christentums unternahm, muss man das Selbstverständnis der Römer untersuchen. „Römischen Denken lag es nahe, die großartige Kette der militärischen Erfolge Roms von den Samniterkriegen an mit den Vorzügen seiner Rechtsordnung in Verbindung zu bringen.“ Durch die rasche Expansion des Reichsgebietes und den zahlreichen militärischen Erfolgen der Römer kommt es zu einer frühen Verbindung zwischen Politik und Religion. Jörg Rüpke stellt hierzu fest: „Kein höherer römischer Magistrat begann größere Unternehmungen, ohne den Willen der Götter zu befragen“.54 Der Glaube an die römischen Götter spielte demnach also eine wichtige Rolle im Alltagsleben. „Im profanen Sektor empfahl sie sich durch Sachnähe, Eindeutigkeit und Ausgewogenheit, im sakralen Sektor schaffte sie die Gewißheit darüber, wie man sich den Göttern oder schließlich auch dem Göttlichen überhaupt korrekt zu verhalten habe, um auf dessen Beistand rechnen zu dürfen55 “. Der Erfolg der Römer gründete somit auf dem Willen ihrer Götter und sie sahen sich als Auserwählte den Willen der Götter zu erfüllen: „Die militärischen Erfolge bezeugten den göttlichen Beistand, und wir haben alles Recht zu vermuten, dass noch in ciceronischer Zeit auch der gebildete Römer an der Vorstellung festhielt, dass die geschichtlich einzigartige Ausdehnung des Imperiums mit der gewissenhaften Erfüllung der religiösen Pflichten und der daraus sich ergebenen Pax deum zusammenhinge, also theologisch gesprochen irgendwie providentieller Natur sei.“56 Über das ganze Imperium war die „Loyalitätsreligion57 “ verbreitet. In den Provinzen galt der Kaiserkult als Ausdruck der Loyalität gegenüber Rom. Wer ihn verweigerte, schloss sich damit aus der Gesellschaft aus und galt leicht als odium generis („Hasser des Menschengeschlechts“). Die Loyalitätsreligion charakterisierte die kaiserzeitliche Religion und war das Element, das „die gerichtliche Verfolgung der Christen auslöste58 “. Probleme mit der Ausübung des Kaiserkultes hatten im Römischen Reich Juden, als auch Christen. Aufgrund des Monotheismusgebots durften sie keine Menschen als Götter verehren. Die Römer erkannten die jüdische Religion jedoch als religio licita an und erließen den Juden die Teilnahme am Kaiserkult. Den Christen wurde dieses Privileg seit Trajan (98–117 n. Chr) nicht mehr gewährt, nachdem das Christentum als eigene Religion hervorgetreten war. Die Römer sahen den christlichen Glauben als Aberglaube an und so wurde der christlichen Glaube als gefährlich eingestuft. Der Kaiserkult wurde somit bald zu einem Mittel um die Staatsloyalität einzufordern. Die Ausbreitung der Christen wurde für das Römische Reich nun zum Problem, da die konsequente Ablehnung, der vorgeschriebenen Kundgebungen der Loyalitätsreligion, den Konflikt zunehmend intensivierte. Dort wo Christen das Kaiseropfer verweigerten, kam es zeitweise zu schweren Christenverfolgungen, besonders unter Decius (249 bis 251 n. Chr.) und Diokletian (284-305 n. Chr).59 Pogrome gegen Christen vollzogen sich zunächst spontan und lokal oder regional begrenzt. Später waren sie kaiserlich angeordnet, gesamtstaatlich und systematisch. Unter Decius hatte die Verfolgung der Christen, die sich nicht nur ausschließlich gegen Christen richtete, die Mission das „verloren geglaubte Wohlwollen der Götter wiederherzustellen60 “. Unter Diolektian intensivieren sich die Progrome gegen Christen zunehmend und zielten auf „die systematisch Zerschlagung der Organisations- und Leitungsstruktur der christlichen Gemeinden61 “. Dieses Ziel wurde jedoch nicht erreicht, sodass es schließlich unter Galerius zum „Toleranzedikt“ kommt.

3.1 Das antike Christentum als Gefahr für die weltpolitische Hierarchie?

Das große und mächtige Imperium Romanum wird von der Ideologie eines Wanderpredigers erobert, dessen Herkunft, aus der Sicht eines gebildeten Römers, an der Peripherie des Reiches liegt. Diese Ideologie steigt von einem verfolgten Kult zur römischen Staatsreligion auf. Der rasante Aufstieg des Christentums wird in der Geschichtswissenschaft als einer der Gründe für den Zusammenbruch des römischen Reiches benannt. Doch die griechisch-römische Antike kannte bereits viele Religionen.

[...]


1 Wirbelauer, Eckhard, Einführung: Wirbelauer, Eckhard (Hg.), Oldenbourg Geschichte Lehrbuch: Antike, (München 2004). S.15.

2 Ebd., S. 15.

3 Aland, Kurt, Kirchengeschichte in Zeittafeln und Überblicken (Gütersloh 1984). S. 16.

4 Ebd., S. 16-20

5 Humm, Michel, Die Hellenisierung der Mittelmeerwelt: Wirbelauer, Eckhard (Hg.), Oldenbourg Geschichte Lehrbuch : Antike, (München 2004). S. 62.

6 Ebd., S. 62.

7 Ebd., S. 62.

8 Ebd., S. 65.

9 Ebd., S. 63.

10 Ebd., S. 63.

11 Ebd., S. 65.

12 Ebd., S. 65.

13 Ebd., S. 65.

14 Heuss, Alfred, Römische Geschichte (Braunschweig 1971 [3. Verbesserte Auflage]). S. 130.

15 Ebd., S. 131.

16 Huttner, Ulrich, Römische Antike (Tübingen 2008). S. 115.

17 Deißmann, Marieluise/ Wibelauer Eckhard, Die Mittelmeerwelt im Imperium Romanum: Wirbelauer, Eckhard (Hg.), Oldenbourg Geschichte Lehrbuch : Antike, (München 2004). S. 67.

18 Ebd., S. 68.

19 Ebd., S. 68.

20 Ebd., S. 69.

21 Ebd., S. 69.

22 Ebd., S. 69.

23 Markschies, Christoph, Das antike Christentum. Frömmigkeit, Lebensformen, Institutionen (München 2012 [2., durchgesehene und erweiterte Auflage). S. 14.

24 weber, Gregor, Die antiken Menschen und ihre Götter – Christlich: Wirbelauer, Eckhard (Hg.), Oldenbourg Geschichte Lehrbuch: Antike, (München 2004). S. 250.

25 Markschies, Das antike Christentum (München 2012). S.15

26 weber, Die antiken Menschen und ihre Götter: Wirbelauer(Hg.), OGL: Antike. S. 251.

27 Markschies, Das antike Christentum (München 2012). S.16.

28 Ebd., S. 16.

29 Ebd., S. 16.

30 weber, Die antiken Menschen und ihre Götter: Wirbelauer(Hg.), OGL: Antike. S. 251.

31 Markschies, Das antike Christentum (München 2012). S.16.

32 weber, Die antiken Menschen und ihre Götter: Wirbelauer(Hg.), OGL: Antike. S. 252.

33 Markschies, Das antike Christentum (München 2012). S.16.

34 Ebd., S. 20.

35 Markschies, Das antike Christentum (München 2012). S.22ff.

36 weber, Die antiken Menschen und ihre Götter: Wirbelauer(Hg.), OGL: Antike. S. 255.

37 Ebd., S. 252.

38 Markschies, Das antike Christentum (München 2012). S.25.

39 weber, Die antiken Menschen und ihre Götter: Wirbelauer(Hg.), OGL: Antike. S. 252.

40 Aland, Kurt, Kirchengeschichte in Zeittafeln und Überblicken (Gütersloh 1984). S. 16.

41 Markschies, Das antike Christentum (München 2012). S.25.

42 Ebd., S. 26.

43 Ebd., S. 26.

44 Ebd., S. 26.

45 weber, Die antiken Menschen und ihre Götter: Wirbelauer(Hg.), OGL: Antike. S. 256.

46 Ebd., S. 256.

47 Huttner, Ulrich, Römische Antike (Tübingen 2008). S. 7.

48 Heuss, Alfred, Römische Geschichte (Braunschweig 1971 [3. Verbesserte Auflage]). S. 204.

49 Ebd., S. 204.

50 weber, Die antiken Menschen und ihre Götter: Wirbelauer(Hg.), OGL: Antike. S. 256

51 Huttner, Ulrich, Römische Antike (Tübingen 2008). S.

52 weber, Die antiken Menschen und ihre Götter: Wirbelauer(Hg.), OGL: Antike. S. 256.

53 Ebd., S. 256.

54 Rüpke, Jörg, Die antiken Menschen und ihre Götter – Griechisch-römsch: Wirbelauer, Eckhard (Hg.), Oldenbourg Geschichte Lehrbuch : Antike, (München 2004). S. 241.

55 Giggon, Olof, Die antike Kultur und das Christentum (Gütersloh 1966 [2. Auflage 1969]). S. 77.

56 Ebd., S. 77.

57 Ebd., S. 78.

58 Ebd., S. 78.

59 Aland, Kurt, Kirchengeschichte in Zeittafeln und Überblicken (Gütersloh 1984). S. 15ff.

60 weber, Die antiken Menschen und ihre Götter: Wirbelauer(Hg.), OGL: Antike. S. 256.

61 Ebd.,S. 257.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Das Christentum der Antike. Eine Gefahr für das Römische Reich?
Untertitel
Antworten aus der zeitgenössischen Geschichtsdarstellung und heutige Einschätzungen
Hochschule
Universität zu Köln
Veranstaltung
Einführung in das Studium der Kirchengeschichte
Note
2,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
18
Katalognummer
V321169
ISBN (eBook)
9783668203914
ISBN (Buch)
9783668203921
Dateigröße
817 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Minucius Felix, Rom, Antike, Christen
Arbeit zitieren
Alexander Weschnin (Autor), 2015, Das Christentum der Antike. Eine Gefahr für das Römische Reich?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/321169

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