Memoria als Herrschaftsfunktion. Das Handlungspotential und die Eigenmächtigkeit der Markgräfin Hedwig von Meißen aus dem Adelsgeschlecht der Wettiner


Hausarbeit, 2012

27 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Memoria als Herrschaftsfunktion
2.1 Was heißt Memoria im 12. Jahrhunderte
2.2 Sinn und Tradition von Memoria für die frühen Wettinern

3. Hedwig - Markgräfin von Meißen leget eine neue Tradition festgehalten
3.1 Persönlichkeit der Gemahlin Otto des Reichen
3.2 Hedwigs Handeln im Kontext der Zeitabstand
3.3 Gründungsmotive für Kloster Altzelle

4. Gründung des Hausklosters Altzelle - laut Urkunde 1162
4.1 Eigenmächtigkeit im Handeln Hedwigs
4.2 Vogteirechte immer wieder neu geregelt

5. Bedeutung der Entscheidung von Hedwig
5.1 Herrschaftslegitimation durch die Nachkommen - Pflege von Memorialkonzeption
5.2 Verhältnis Stifterfamilie und Kloster Altzelle
5.3 Entdeckung des Silbererzvorkommens auf dem Gebiet des Klosters

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Internetquelle

Abbilungsverzeichnis

Bildanhang

1. Einleitung

Die Wettiner, ein bedeutendes Adelsgeschlecht, herrschten seit dem 11. Jahrhundert im Raum Meißen und der Lausitz. Der viel geachtete Konrad der Große1 stand an erster Stelle für den Aufstieg der Wettiner und man würdigte ihn in unzähligen literarischen Werken. Die Wettiner, nach dem gleichnamigen Ort benannt, stammten aus dem Gebiet zwischen Elbe und Saale.2 Über die Regentschaft der Markgrafen und Herrscher von Meißen berichtete man seit Beginn der Herrschaft in der Lauterberger Chronik, Cronica Montis Sereni genannt, auch unter dem Namen Petersberger Chronik bekannt. Die Bedeutung der Markgrafen und späteren Kurfürsten und Könige konnte nicht oft genug veranschaulicht werden. Ein überzeugendes Beispiel der Repräsentation ihrer Macht und Stärke findet man beim Betrachten des Fürstenzuges, welcher auf der Rückfront des Stallhofes am Dresdner Schloss in Fließen aus Meißner Porzellan gefertigt wurde.

Doch wo bleiben die Ehefrauen der bedeutenden Wettiner? Sie sind nicht weniger einflussreich und erfolgreich bei ihren Entscheidungen im Bereich der politischen, geistlichen sowie familiären Fragen in Erscheinung getreten.

Deshalb lautet die Fragestellung: Welche Gründe veranlassten Hedwig, Gemahlin Otto des Reichen, die Grablege der Wettiner im Kloster Lauterberg (ab 14. Jahrhundert Kloster Petersberg) nach Altzelle zu verlegen und weshalb hatte die Gründung des Zisterzienserstifts Altzelle 1162 weitreichende Bedeutung für die Herrschaft der Wettiner?

Die Historie zeigt deutlich, dass es oft Frauen waren, welche am Verlauf der Geschichte ent- scheidend mitwirkten. In der Markgrafschaft Meißen Ende des 12. Jahrhunderts agierte Hedwig3, denn sie wirkte tatkräftig beim Aufbau des Kirchenwesens mit. Ihr Ehemann Otto regierte als Markgraf von Meißen. Seinen Beinamen, der Reiche, erhielt er erst im 19. Jahrhundert. Als ältester Sohn Konrads des Großen übernahm er wichtige Aufgaben beim Ausbau der Markgrafschaft Mei- ßen. Es war die Zeit der bäuerlichen Kolonisation, der Erschließung, Entstehung und Stabilisierung von Land und Städten, sowie die stete Zunahme neuer Pfarrkirchen. Der Beginn des Silbererzberg- baus im Freiberger Gebiet war richtungsweisend für eine mehrere Jahrhunderte andauernde Blüte- zeit dieser Region.4 In diesem Kontext werden Stiftungen von Hausklöstern seitens der Wettiner genannt. Der Bruder Konrads, Dedo IV. bewirkte die Gründung des Augustinerchorherrenstifts St. Peter auf dem Lauterberg, welches unter Konrad vollendet wurde. Es sollte religiöser Mittelpunkt und zentraler Ort für das kollektive Gedenken und Bewahren der Erinnerung, der Memoria, der Vorfahren dienen.5 Konrads Söhne, besonders Otto, pflegte das Vermächtnis des Vater. Er amtierte auch über die Vogteirechte auf dem Lauterberg.

Die Entwicklung nahm aber in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts eine Wendung, so dass Stifterfamilien nicht mehr automatisch als Nachfolger der Vogteien fungieren konnten. Vielfältige Regelungen und Änderungen gestalteten sich eher zum Nachteil der wettinischen Adelslinie von Konrads Sohn Otto. Hier setzte das Handeln von seiner Gemahlin Hedwig ein. Die Regelung, dass immer nur dem Ältesten aus dem Geschlecht Konrads die Rechte für die Klostervogtei6 übertragen wurden, fand bei ihr wenig Resonanz. Auf Grund dieser Tradition wären ihre eigenen Söhne von der Nachfolge ausgeschlossen.7 In der Chronik wird über Hedwigs Handeln hinsichtlich einer eige- nen Klostergründung berichtet, so dass die Vogteirechte gewahrt werden konnten und Güterschen- kungen sich nicht der Kontrolle entzogen. Ein Argument für die Idee und Umsetzung der Stiftung bestand in der großen Anziehungskraft des erfolgreichen Zisterzienserordens. Das 12. Jahrhundert kündigte sich als eine Zeit des Umbruchs, Aufbruchs und der Innovation an. Sowohl in geistlicher, wirtschaftlicher und sozialgeschichtlicher Hinsicht gab es einen tiefgreifenden Wandel mit sichtba- ren Veränderungen in der mittelalterlichen Gesellschaft. Die Gründung des zukünftigen Hausklos- ters der Wettiner erfolgte schließlich durch Markgraf Otto und Hedwig, gemäß der Urkunde von 1162 in Altzelle an der Mulde unweit von Meißen.

Nicht nur im Fall der Wettiner, sondern auch bei den meisten anderen bedeutenden Adelsfamilien des römisch-deutschen Reiches kommen ihrem jeweiligen Hauskloster und der dort entstandenen Hausüberlieferung bei der Beschäftigung mit den spezifischen Inhalten und Charakteristika der Erinnerung an die Angehörigen des Geschlechts eine wichtige, wenn nicht gar zentrale Bedeu- tung zu. “ 8

Die Beziehungen zwischen der Stifterfamilie und dem Hauskloster begründeten sich idealerweise auf der Basis kontinuierlicher Ausformung und Festigung des Memorialwesens von Traditionsver- mittlung, Gebete für das Seelenheil und Grablege für die Verstorbenen. Für die Kontinuität der Herrschaftspraxis als herausragende Stellung bedurfte es beharrlicher Pflege des Einvernehmens mit dem Hauskloster, weil es mitunter nicht ganz uneigennützig handelte. Nicht nur für die Siche- rung des Seelenheils, sondern auch für die Stabilisierung und territoriale Entwicklung des Landes maß man der Entscheidung für das Zisterzienserkloster Altzelle große Bedeutung zu. Schon kurze Zeit nach Gründung des Klosters erwies sich das vom Reichslehen in Eigentum übergegangene Land als sehr ertragreich, da wertvolle Bodenschätze entdeckt wurden. Es war die Geburtsstunde des Silbererzbergbaus und zu Recht wurde Otto später in der Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts der Reiche genannt. Wenn auch die Frauen, in diesem Kontext Markgräfin Hedwig, in den schriftlichen Überlieferungen nicht oder nur am Rande erwähnt werden, so darf ihr Wirken und Einfluss nicht unterschätzt werden. Frauen waren einbezogen im mittelalterlichen Leben. Die Stel- lung der Frau kann nicht als zweitrangig betrachtet werden, worüber in der Forschung weitgehend Konsens besteht. Frauen sorgten für den Fortbestand der Dynastie, jedoch agierten sie im weltli- chen und geistlichen Geschehen, um die Interessen der Familie im Sinne der übergeordneten Herr- schaftsfunktion zu stärken. Die Gesellschaft des Mittelalters war untrennbar mit dem religiösen Weltbild des Christentums verbunden und jegliche herrschaftslegitimierende und -stützende Funk- tion diente letztendlich dem Selbstverständnis des Geschlechts und der Sorge um das Seelenheil.

2. Memoria als Herrschaftsfunktion

2.1 Was heißt Memoria im 12. Jahrhundert?

Memoria als Begriff aus dem Lateinischen hat sehr viele verschiedene Bedeutungen. Daraus kann man schließen, dass Memoria nicht eindeutig und klar zu definieren ist und immer im Kontext der Zeit mit ihren jeweiligen spezifischen sozialen und herrschaftstypischen Bedingungen zu interpre- tieren ist. Gedächtnis, Erinnerungsvermögen, Andenken oder auch Geschichte als Überlieferung sind nur einige Übersetzungen, welche gebräuchlich sind, um den Begriff inhaltlich näher zu be- stimmen. Formen von Memoria sind als soziales Handeln bereits in der Antike und im Frühmittel- alter bekannt. Memoria ist Teil der Kultur im 12. Jahrhundert, denn die Herrschaftslegitimation konstituierte sich entscheidend über Aufzeichnungen, welche schriftlich und bildlich über Perso- nengruppen, einzelne Personen oder geschichtliche Ereignisse berichteten.9 Zu den besonders cha- rakteristischen Überlieferungsträgern zählten Chroniken, Biografien, Annalen oder Genealogien, wobei diese als historische Erinnerungsträger benannt wurden. Nicht scharf abzugrenzen von der historischen Memoria ist die liturgische Memoria, welche im kirchlichen Kontext charakteristisch war.10 Die Hoffnung auf das ewige Leben, woran im christlichen Weltbild geglaubt wurde, befreite von der Todesangst und setzte innerweltliche Entfaltungskraft der mittelalterlichen Menschen frei. Das Gedenken an Verstorbene im christlichen Verständnis des Mittelalters ist entscheidend, weil der Tod nicht das Ende, sondern der Anfang des Lebens sei. Die Gemeinschaft bestehe, so die Auf- fassung dieser Zeit, über den Tod hinaus.11 Die Sorge um das eigene Seelenheil und das der Vorfah- ren überragte das christliche Lebens- und Todesverständnis. Hauptträger für die Sicherstellung des Seelenheils waren stellvertretend die Geistlichen in den Hausklöstern der Stifterfamilien. Ein Aspekt der Bedeutung von Memoria bestand darin, dass das Leben nach dem Tod ausgerichtet wur- de und die Toten als Teil der Familie in der Erinnerung und im rechtlichen Verständnis relevant blieben. Je nach Adelsgeschlecht oder Königsfamilien gab es unterschiedliche Memorialtraditionen in Bezug auf Grablege oder andere Erinnerungsträger. Bezeichnend ist aber, dass der Adel sich über die Qualität und die Dauer der Erinnerung selbst legitimierte und die Memoria deshalb als ein herrschaftsstützendes und -legitimierendes Element zu betrachten ist.12 Eindringlich gibt das fol- gende Zitat von Otto Gerhard Oexle diese Einstellung wieder.

Ohne Memoria gibt es keinen Adel und deshalb auch keine Legitimation für adlige Herrschaft “ . 13

2.2 Sinn und Tradition von Memoria für die frühen Wettiner

Als frühe Wettiner bezeichnet man die Anfänge der Festigung und Etablierung des wettinischen Herrschergeschlechts ab dem 11. Jahrhundert im sächsischen Raum. Die Herausbildung bedeuten- der Linien innerhalb der adligen Verwandtengruppen und die Stabilisierung von Herrschaftsmittel- punkten führte zur Ausrichtung und Verfestigung des wettinischen Adelsgeschlecht.14 Konrad der Große, Markgraf von Meißen und der Ostmark (Niederlausitz) konnte auf Grund der Umstände zweier Todesfälle nach 1124 zum Oberhaupt der Familie emporsteigen. Nach Klärung des Besitz- anspruchs der Reichslehen der Markgrafschaft Meißen durch den sächsischen Adligen Herzog Lo- thar15 mittels Ignoranz der Entscheidung Heinrichs V.16 war der Weg zur Regentschaft gebahnt. Der Rahmen dieser Auseinandersetzungen war der Kampf um die Vorherrschaft in Sachsen. Durch die Übernahme der Herrschaft der Markgrafschaft Meißen stieg Konrad zum mächtigen und einfluss- reichen Fürsten im Reich auf. Durch ihn konstituierte sich die Macht der Wettiner neu und verwur- zelte als herrschende Dynastie über viele Jahrhunderte im sächsischen Raum.17

Im 12. Jahrhundert waren hochrangige Adelsgeschlechter des Reiches an den Ursprüngen ihrer Herkunft interessiert. Um die Eingebundenheit des adligen Selbstverständnisses als Herrschaftsmo- ment in der zeitgeschichtlich gegenwärtigen Situation zu sichern, orientierte man sich bewusst an kollektiver Erinnerungskultur und Gedenken der Vorfahren. Die Hochachtung auf der Ebene me- morialer Handlungsweisen hatte einen hohen Stellenwert für die Nachfahren und wirkte richtungs- weisend auf das Verhalten und die Normen der nächsten Generation.18 Das adlige Selbstbewusst- sein und die Traditionsvermittlung fußte wesentlich auf der Erinnerung und dem Gedenken des hochherrschaftlichen Personenverbandes. Als Familie aus dem Hochadel war es unabdingbar eige- ne Dynastie bezogene Hausklöster zu stiften. In der Überlieferung der Lauterberger Chronik wer- den sowohl Konrad als auch sein Bruder Dedo als gleichrangige Begründer des Augustiner-Chor- herrenstiftes St. Peter auf dem Lauterberg bezeichnet. Markgraf Konrad beabsichtigte die hausklös- terliche Funktion des Stiftes für seine Nachkommen zu manifestieren.19 Diese Hausklöster bildeten das geistliche Zentrum für einen identitätsstiftenden und gemeinschaftsbildenden Erinnerungsort.20 Die Funktion des Ahnengedenkens mittels der Schaffung einer ununterbrochenen Ahnenreihe diente auch der Begründung von Rang- und Herrschaftsansprüchen. Die Memoria als Herrschafts- funktion, wie schon in Kapitel 2.1 erörtert, kann unterschiedlich verstanden werden. Im Kontext des kirchlichen Gedächtnisses umfasste sie die spezifische Charakteristika der Erinnerung an den verwandtschaftlichen Personenverband mittels Gedenken und Grablege im eigenen Hauskloster. Memoria bedeutete aber auch in der zeitgenössischen politischen Situation, mittels Chroniken und Genealogien die Zugehörigkeit zum Reichsstand zu legitimieren, um eigene Ansprüche, in diesem Zusammenhang gegenüber dem Stauferkaiser Friedrich II.21, durchzusetzen. Diese Tatsachen führten dahin, dass eine wettinische Geschlechterreihe, die „ Genealogia Wettinensis “, erstellt und damit eine eigene Memorialüberlieferung geschaffen wurde.22

Etwa 1230 schrieb ein Kanoniker23, wahrscheinlich aus dem Augustiner-Chorherrenstift, die wichtigsten geschichtlichen Ereignisse der Wettiner hinsichtlich der Verankerung im historischen Ablauf der vergangenen 100 Jahre in einer Chronik nieder. Die Entstehungszeit der Quelle fiel in eine Zeit, welche als gefestigte und etablierte Position des wettinischen Herrschergeschlechts zu bezeichnen war.24 Im Gegensatz zur Festigung des wettinischen Markgrafengeschlechts, kriselte es schon längere Zeit in der Lauterberger Stiftsgemeinschaft. Trotz intensivierter Memorialtätigkeit des Konvents, im Sinne des mit den Wettinern abgeschlossenen Memorialvertrages, konnte das Kloster seine Exklusivposition nicht halten. Trotzdem oder gerade deshalb berichtet der Autor in der Chronik sehr oft über das Hauskloster der Wettiner mit Konrad als Begründer. Die zentrale Be- deutung des Lauterbergs wurde für das eigene Selbstbewusstsein und die Herrschaftspräsentation besonders hervor gehoben.

Das für die Wettiner viel bedeutendere Konkurrenzinstitut in Altzelle wurde in der Schrift sichtlich vernachlässigt. Die Intention des unbekannten Schreibers richtete sich eindeutig auf die herausragende Stellung des Hausklosters der Wettiner auf dem Lauterberg, was es aber seit der Gründung von Altzelle 1162 nicht mehr war, zumindest spätestens seit der geänderten Grablege mit dem Tod Ottos 1190 zur realen Faktizität wurde.25 Aus dieser Diskrepanz zwischen Realität und Quelle muss der Frage nachgegangen werden, wie authentisch Hausklosterüberlieferungen zu betrachten sind. Sowohl Stifterfamilie als auch Stiftsgemeinschaft beabsichtigten in der Memorialtradition ihren Verpflichtungen für die liturgische Memoria zu entsprechen. Eine gemeinsame Basis zu finden, die unterschiedlichsten Interessen zu berücksichtigen, aber vor allem die Hierarchie zu wahren, gehörte sicherlich zu den schwierigsten Aufgaben im Mittelalter.

3. Hedwig - Markgräfin von Meißen legt eine neue Tradition fest

3.1 Persönlichkeit der Gemahlin Otto des Reichen

Hedwig von Ballenstedt war die Tochter Albrechts des Bären,26 welcher aus dem Geschlecht der Askanier stammte. Ihr Vater heiratete Sophia geborene Winzenberg, ihr Sterbejahr ist auf das Jahr 1160 datiert. Analog dem Buchtitel von Autor Partenheimer gründete Albrecht der Bär die Mark Brandenburg und das Fürstentum Anhalt.27 Das genaue Geburtsjahr Hedwigs ist nicht bekannt, aber Schätzungen zufolge ist es um 1130 anzusetzen. Ihr Sterbedatum ist mit Ende März 1203 angege- ben. Selbstverständlich fand ihr Grabdenkmal im Chor der Stiftskirche von Altzelle einen gebüh- renden Platz neben dem ihres Gemahls Otto des Reichen. Um 1270 fertigte man eine Grabplatte, welche Markgräfin Hedwig als Stifterin darstellt. In ihrer Hand befindet sich das Modell der Altzel- ler Klosterkirche. Als unmittelbare Folge der Reformation, Mitte des 16. Jahrhunderts, wurden die Klostergebäude und auch die Klosterkirche weitestgehend abgebaut, welche heute nur noch als Ru- dimente zu besichtigen sind.. Das Grabmal in Form einer skulpturalen Sandsteingrabplatte stellt das Stifterpaar dar. Es ist heute in der 1786 erbauten Fürstenkapelle, jetzt Mausoleum, auf histori- schen Standort im Chorbereich der ehemaligen Altzeller Klosterkirche zu besichtigen.28

Das Datum der Eheschließung Hedwigs mit Otto ist nicht eindeutig zu benennen. Vor dem Hintergrund der Heiratspolitik des deutschen Hochadels im 12. Jahrhundert interpretierte man in der Geschichtsschreibung die Motive dieser Ehe als askanisch-wettinische Interessengemeinschaft, um der Politik Heinrichs des Löwen29 hinsichtlich der Ausweitung der Territorialgebiete Einhalt zu bieten.30 Andererseits heißt es in der Literatur, dass Albrecht der Bär nach vielfältigen Auseinander- setzungen, Scheitern und Verlust von Besitzungen in Sachsen, heute im Raum Niedersachsen, nach Neuanfang wieder im Kreise des deutschen Hochadel in Erscheinung trat, um wahrscheinlich Aus- söhnung zu verüben. Jedenfalls kam es zur Vereinbarung zwischen dem Meißner Markgrafen und ihm, die Tochter Hedwig mit Konrads ältesten Sohn zu vermählen.31 Auch die Präsenz der Erinne- rung, dass schon Konrad der Große machtpolitische Konflikte bei der Durchsetzung seiner Macht- ansprüche gemeinsam mit Hedwigs Vater und anderen hochrangigen Fürsten militärisch lösen konnte, war sicherlich von entscheidender Bedeutung. Es schuf eine Verbindung, welche sich machtpolitisch vorteilhaft für beide Dynastien auswirkte.32

[...]


1 Abbildung 1: Anhang S. 26

2 Abbildung 2: Anhang S. 27

3 Anmerkung: Hedwig siehe ausführlich Kapitel 3.1

4 Kroll, Frank-Lothar (2007): Die Herrscher Sachsens. Markgrafen, Kurfürsten, Könige 1089-1918, S. 18

5 Pätzold, Stefan (1997): Die frühen Wettiner, S. 31

6 Anmerkung: Vogteirechte siehe Kapitel 4.2

7 Pätzold, Stefan (1997): Die frühen Wettiner, S. 194 f.

8 Kruppa, Nathalie (2007): Adlige - Stifter - Mönche, S. 136

9 Oexle, Otto Gerhard (1995): Memoria als Kultur, S. 38 f.

10 Kruppa, Nathalie (2007): Adlige-Stifter-Mönche, S. 184

11 Angenendt, Arnold (2009): Die Geschichte der Religiosität im Mittelalter, S. 659 ff.

12 Oexle, Otto Gerhard (1995): Memoria als Kultur, S. 38

13 Ebd.

14 Pätzold, Stefan (1997): Die frühen Wettiner, S. 29 f.

15 Anmerkung: Lothar III. von Süpplingenburg, 1075-1135, Kaiser, deutscher König, Herzog von Sachsen

16 Anmerkung: Heinrich V. 1106-1125, ab 1111 Kaiser

17 Rogge, Jörg (2005): Die Wettiner, S. 32

18 Ebd., S. 13 f.

19 Winkel, Harald (2010): Herrschaft und Memoria, S. 76

20 Ebd., S. 13 f.

21 Anmerkung: Friedrich II. Regierungszeit 1211-1250, ab 1220 Kaiser 22 Rogge, Jörg (2005): Die Wettiner, S. 14

23 Anmerkung: Kanoniker - auch Stiftsherren oder Chorherren, leben in Gemeinschaft 24 Winkel, Harald (2010): Herrschaft und Memoria, S. 102

25 Ebd., S. 130-135

26 Anmerkung: Albrecht der Bär, Markgraf von Brandenburg lebte ca. von 1100-1170

27 Partenheimer, Lutz (2001): Albrecht der Bär siehe Literaturverzeichnis

28 Weller, Chrisiane: Hedwig von Ballenstedt in: Sächsische Biografie, www.isgv.de/saebi und Winkel, Harald (2010): Herrschft und Memoria, S. 253 f.

29 Anmerkung: Heinrich der Löwe seit 1142 Herzog von Sachsen

30 Weller, Christiane: Hedwig von Ballenstedt in Sächsische Biografie, www.isgv.de/saebi

31 Partenheimer, Lutz (2001): Albrecht der Bär, S. 85 ff.

32 Pätzold,Stefan (1997): Die frühen Wettiner, S. 32

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Memoria als Herrschaftsfunktion. Das Handlungspotential und die Eigenmächtigkeit der Markgräfin Hedwig von Meißen aus dem Adelsgeschlecht der Wettiner
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Lehrgebiet Geschichte und Gegenwart Alteuropas)
Veranstaltung
Hausarbeit im Rahmen einer Modulprüfung
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
27
Katalognummer
V321180
ISBN (eBook)
9783668203648
ISBN (Buch)
9783668203655
Dateigröße
1254 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Memoria, Wettiner, Frauen im Mittelalter, Altzelle
Arbeit zitieren
Claudia Christine Stosik (Autor:in), 2012, Memoria als Herrschaftsfunktion. Das Handlungspotential und die Eigenmächtigkeit der Markgräfin Hedwig von Meißen aus dem Adelsgeschlecht der Wettiner, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/321180

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