Klaus Mann und sein "Mephisto". Entstehungsgeschichte, Rezeption und Kritik


Hausarbeit, 2014
11 Seiten, Note: 10

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Entstehungsgeschichte „Mephisto“

3 Kritik in „Mephisto“
3.1 Kritik am Kulturkreis
3.2 Kritik an autoritären Strukturen

4 Rezeptionen zu „Mephisto“

Fazit

1 Einleitung

Nahezu jeder von uns hat schonmal etwas von Thomas Mann gehört oder gelesen. Doch zu der sehr literarischen Familie Mann zählt auch Klaus Mann (1906-1949), der ein sehr interessantes und spannendes Leben führte und bedeutende Werke verfasste.

Klaus Mann wuchs als Kind von Thomas und Katia Mann wohlbehütet in in der literarisch angesehen Familie Mann auf. Stand er bis zu seiner Emigration im Jahr 1933 noch im poetischen Schatten seines Vaters und seines Onkels Heinrich Mann, so entwickelte er sich durch seine Exilliteratur zu einer der bedeutendsten Kritiker des Naziregimes und verschuf sich selbst einiges Ansehen. Diese Begebenheit machte eine Auseinandersetzung mit dem Thema für mich interessant.

In der vorliegenden Hausarbeit möchte ich mich insbesondere auf Klaus Manns Werk „Mephisto - Roman einer Karriere“ konzentrieren und untersuchen, welche Kritik Klaus Mann an den Nazistaat und seine Künstler ausübt. Den besonderen Fokus möchte ich dabei auf den Kulturkreis im Dritten Reich richten und z.B. den Fragen nachgehen: Welche Verantwortung sah Klaus Mann im Intellektuellenmilieu, welche Verhaltensweisen verurteilte Mann besonders und welche Kritik am Regime wird in dem Roman deutlich? Weiterhin möchte ich der Frage nachgehen, welche Bedeutung Gustaf Gründgens für Klaus Mann einnimmt.

Um diesen Fragen nachzugehen, halte ich es für unabdingbar, dass ich im Verlauf meiner Arbeit zuerst einen kurzen Überblick über die Entstehungsgeschichte des Romans gebe, bevor ich mich mit der Herausarbeitung der Kritik in dem Roman auseinandersetze. Da der Roman in der späteren Bundesrepublik einen Skandal auslöste und schließlich verboten wurde, möchte ich am Ende sowohl die zeitgenössische, als auch die spätere Rezeption des Romans beleuchten.

Klaus Mann war zu Lebzeiten literarisch sehr aktiv und reflektierte sein Leben selbstständig in Tagebüchern und seiner Autobiografie „Der Wendepunkt“, welche ich zur Bearbeitung heranziehe.

2 Entstehungsgeschichte „Mephisto“

Klaus Mann emigrierte bereits im März 1933 aus Deutschland ins europäische Exil, da es für ihn unmöglich schien, im nationalsozialistischen Deutschland weiterzuleben. Beschäftigte er sich sich vor seiner Emigration meist nur mit ästhetischer Literatur, die mäßig erfolgreich war, so konzentrierte er sich seit seinem Exilleben zunehmend auf die kritische Auseinandersetzung mit den Zuständen in Deutschland. Es gelang ihm dadurch, aus den Fußstapfen seines berühmten Vaters Thomas Mann, der vorerst in Deutschland blieb, herauszutreten und sich einen eigenen Namen als Kritiker und Autor zu machen. Es folgten zahlreiche Aufsätze, Zeitungsartikel und Romane, die er im Exil verfasste.[1]

Der Roman „Mephisto-Roman einer Karriere“ handelt von der Karriere des fiktiven Schauspielers Hendrik Höfgen, der sich mit dem Naziregime ohne jegliche Skrupel arrangiert und innerhalb kurzer Zeit bis zum Jahr 1936 zum Vorzeigeschauspieler und Intendant am preußischen Staatstheater avanciert. Einen besonderen Fokus legt Klaus Mann dabei auf die Vorgehensweisen und die Charakterzüge des Protagonisten und des gesamten Kulturkreises im Intellektuellenmillieu, um deren eigene Ziele zu erreichen und ihre Karrieren voranzutreiben. Dem entgegengesetzt vernachlässigt Klaus Mann die Darstellung der politischen Zustände, was damit zu begründen ist, dass er durch sein Exildasein eine Distanz zu den genauen Geschehnissen in Deutschland hat.

Die Idee für das Schreiben des Romans entstand am Ende des Jahres 1936 durch den Vorschlag Hermann Kestens:

„ [ …] Sie sollten den Roman eines homosexuellen Karrieristen im dritten Reich schreiben, und zwar schwebte mir die Figur des von Ihnen künstlerisch (wie man mir sagt) schon bedachten Herrn Staatstheaterintendanten Grü ndgens vor. “ [2]

Obwohl er sich zunächst nicht dafür begeistern konnte, schaffte es dennoch sein Verleger, Fritz Landshoff, ihn von der Thematik zu überzeugen.

Die Auseinandersetzung mit der Thematik um den Schauspieler Gustav Gründgens war insofern für Klaus Mann interessant und greifbar, als dass er ihn aus früheren gemeinsamen Zeiten aus dem Theater kannte und mit ihm gemeinsam auf der Bühne stand.[3]

Interessant ist die Tatsache, dass der Roman sehr wahrscheinlich teilweise unter Drogeneinfluss und Depressionen erarbeitet wurde, was er in seinem Tagebuch selbst festhält: „Ich wache auf - und habe das unbeschreibliche, scheussliche `Haschis-Gefü hl` [ … ]. H ängt es mit den Drogen zusammen? Bin ich so sehr vergiftet?“[4]

Erwähnenswert ist auch, dass „Mephisto“ der einzige Roman ist, in dem der homosexuelle Klaus Mann keine homoerotischen Züge verarbeitete. Zu erklären ist dies wahrscheinlich damit, dass er die Homosexualität, die bei Gründgens ebenfalls vorlag, in keinem Fall in Verbindung mit einer Karriere im Nationalsozialismus bringen wollte.[5]

3 Kritik in „Mephisto“

3.1 Kritik am Kulturkreis

Klaus Mann setzte sich selbst als Ziel, einen satirischen Roman zu schreiben, der sich mit der Künstlerszene der späten 1920er-Jahre und den 1930ern auseinandersetzte. Dabei versucht er das Geflecht zwischen einem autoritären Staat und dem Künstlermillieu darzustellen. Dies wird bereits in dem ersten Kapitel „Vorspiel - 1936“ deutlich, welches Parallelen zu dem „Vorspiel auf dem Theater“ in Goethes „Faust“ aufweist. Genau wie in Goethes Werk treten ein Intendant, ein Theaterdichter, Schauspieler und Publikum auf. Den Handlungsort stellt das Berliner Opernhaus dar, in dem der 43. Geburtstag des preußischen Ministerpräsidenten (Hermann Göring)[6] gefeiert wird. Während der Veranstaltung wird dem Leser die Verschmelzung des überwiegenden Teils des Kulturkreises mit den nationalsozialistischen Machthabern deutlich. Alle Künstler, die Rang und Namen haben, sind bei dieser Feier anwesend, so auch Hendrik Höfgen, der im Jahr 1934 durch die Gunst des Ministerpräsidenten zum Intendant des preußischen Staatstheaters ernannt wurde. Die Gäste verkörpern im Vorspiel selbst die Schauspieler, da sie sich sich den Machthabern anbiedern, um einen eigenen Vorteil dabei zu erhaschen:

„Ein ausgesprochen herrliches Fest: alle Anwesenden schienen es auf intensivste zu genießen, sowohl die mit den Ehrenkarten, als auch die anderen, die fünfzig Mark hatten zahlen müssen, um dabei sein zu dürfen. Man tanzte, schwatzte, flirtete ; man bewunderte sich selber, die anderen und am meisten die Macht, die sich so üppige Veranstaltungen wie diese g ö nnen durfte.“[7]

Es wird deutlich, dass Klaus Mann durch diese Darstellung an der Selbstinszenierung aller Beteiligter Kritik ausübt und ihr opportunistisches Verhalten anklagt.

Zudem werden in „Mephisto“ die verschiedenen Möglichkeiten aufgezeigt, wie Künstler und Kollegen Höfgens mit der Nazidiktatur umgehen. Zu nennen wäre dabei z.B. der Kommunist Otto Ulrichs, der wegen seiner politischen Einstellung bereits 1933 in ein Konzentrationslager gesperrt wird. Hendrik Höfgen lässt zwar seine Beziehungen spielen, um diesen aus dem Konzentrationslager herauszuholen, aber da Ullrichs weiterhin für seine eigene politische Meinung eintritt, wird er von der Gestapo ermordet.[8]

[...]


[1] Vgl. Katharina Blaschke, Eine Familie gegen die Diktatur. Die Familie Mann und ihr journalistisches Engagement gegen das nationalsozialistische Deutschland, Marburg 2010, S. 78/79.

[2] zit. nach. Nicole Schaenzler, Klaus Mann. Eine Biographie, Frankfurt/Main 1999, S. 265.

[3] Vgl. Uwe Naumann, Klaus Mann, Reinbeck bei Hamburg 2006, S. 28 ff.

[4] Joachim Heimannsberg / Peter Laemmle / Wilfried F. Schoeller (Hrsg.): Klaus Mann, Tagebücher 1936 bis 1937 (edition Spangenberg), München 1990, S. 54.

[5] Vgl. Naumann, Klaus Mann, S. 95-96.

[6] Vgl u.a.: Uwe Naumann, „Ruhe gibt es nicht, bis zum Schluss“. Klaus Mann (1906-1949), Reinbek bei Hamburg 1999, S. 188/189.

[7] Mann, Mephisto. Roman einer Karriere, S. 16.

[8] Vgl. ebd., S. 324 ff. ; Vgl. Naumann, Klaus Mann, S. 89 ff.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Klaus Mann und sein "Mephisto". Entstehungsgeschichte, Rezeption und Kritik
Hochschule
Universität Kassel  (Germanistik)
Veranstaltung
Literaturwissenschaft
Note
10
Autor
Jahr
2014
Seiten
11
Katalognummer
V321182
ISBN (eBook)
9783668237407
ISBN (Buch)
9783668237414
Dateigröße
377 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Klaus Mann, Mehisto, Gründgens, Wendepunkt
Arbeit zitieren
Martin Kliebe (Autor), 2014, Klaus Mann und sein "Mephisto". Entstehungsgeschichte, Rezeption und Kritik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/321182

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