Die Sozialisationsfunktion der Familie im ökonomisch gesellschaftlichen Wandel


Hausarbeit, 2004
15 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmungen
2.1 Das heutige Verständnis von Familie
2.2 Funktionen von Familie
2.3 Die politische Sozialisation in der Familie

3. Die Sozialisationsfunktion der Familie im ökonomisch gesellschaftlichen Wandel
3.1 Die Familie im ökonomisch gesellschaftlichen Wandel
3.2 Die Bedeutung des ökonomisch gesellschaftlichen Wandels für die Sozialisationsfunktion der Familie
3.3 Das Individualisierungstheorem als Erklärungskonzept für den Wandel familialer Sozialisation
3.4 Die Anforderungen der Individualisierung an die politische Bildung

4. Schluss

Die Sozialisationsfunktion der Familie im ökonomisch - gesellschaftlichen Wandel

1. Einleitung

In dieser Arbeit geht es um die Darstellung der Sozialisationsfunktion im ökonomischen – gesellschaftlichen Wandel. Vor diesem Hintergrund ergibt sich vor allem folgende Frage: Welche Bedeutung hat der ökonomisch gesellschaftliche Wandel für die Institution Familie und ihre Sozialisationsfunktion.

Im Kapitel zwei werden zunächst grundlegende Begriffe, wie Familie und ihre Funktionen und politische Sozialisation erläutert. Das Kapitel drei beschäftigt sich mit der Sozialisationsfunktion der Familie im ökonomischen – gesellschaftlichen Wandel und bildet den Schwerpunkt dieser Arbeit. In diesem Kapitel geht es um die Beantwortung folgender Fragen: Wie hat sich die Familie im ökonomischen - gesellschaftlichen Wandel verändert? Was bedeutet der ökonomische - gesellschaftliche Wandel für die Sozialisationsfunktion der Familie? Vor diesem Hintergrund wird die These der Individualisierung und Pluralisierung der Lebensformen dargestellt und erläutert und ihre Anforderungen an die politische Bildung beschrieben.

2. Begriffsbestimmungen

In diesem Kapitel wird das heutige Verständnis von Familie erläutert und ihre verschiedenen Funktionen, vor allem die Sozialisationsfunktion dargestellt. Außerdem wird der Begriff „Politische Sozialisation“ definiert und die gesellschaftliche Bedeutung der Institution Familie herausgearbeitet.

2.1 Das heutige Verständnis von Familie

Die mit dem Begriff der Familie bezeichenbaren Lebensformen nehmen für die Sozialisation eine besondere Stellung ein. Die Familie konstituiert zum einem die personale Identität eines Menschen und begründet zugleich kollektive und soziale Identitäten.

Als Familie im Sinne der amtlichen Statistik zählen- in Anlehnung an Empfehlungen der vereinten Nationen- Ehepaare ohne und mit Kind(ern) sowie alleinerziehende ledige, verheiratet, getrenntlebende, geschiedene und verwitwete Väter und Mütter, die mit ihren ledigen Kindern im gleichen Haushalt zusammenleben.“ ( Statistisches Bundesamt 1999, Zeitreihenservice im Internet) Um den Realitäten vieler Menschen gerecht zu werden, wird das Primat der Ehe aufgegeben und stattdessen davon ausgegangen, dass Elternschaft Familie begründet. Unabhängig davon, ob verwandtschaftliche Beziehungen bestehen oder nicht, treten die gelebten Beziehungen zwischen den Generationen und deren Dynamik in den Vordergrund.

2.2 Funktionen von Familie

Im Handwörterbuch des politischen Systems werden fünf Funktionen der Familie benannt, welche nach dem dritten Familienbericht der Bundesregierung zusammengefasst worden sind: Die Haushaltsfunktion, die generative Funktion (Reproduktionsfunktion), die Erziehungsfunktion (Sozialisationsfunktion), die Platzierungsfunktion, die Erholungsfunktion.[1]

Die Sozialisationsfunktion

Menschliche Neugeborene, aber auch kleinere Kinder, können allein nicht überleben. Sie sind erziehungsbedürftig und benötigen die Pflege, Fürsorge, Zuwendung und Unterstützung ihrer Eltern. Diese stimulieren, beeinflussen und lenken die motorische, sprachliche, kognitive, affektive und soziale Entwicklung der Kinder, prägen ihre Persönlichkeitsstruktur und bestimmen ihre interpersonalen Beziehungen. Die hier angedeuteten familialen Funktionen werden vor allem von der Sozialisationsforschung untersucht. Claußen definiert die Sozialisationsfunktion folgendermaßen: „Die Sozialisationsfunktion der Familie umfasst wechselseitige Lernprozesse all ihrer Mitglieder unter Bedingungen einer spezifischen sozialen Konstellation in historischem Kontext. Insbesondere geht es um die aktive wie passive Einübung der nachfolgenden Generationen in gesellschaftliche Rollen und Strukturen, den Gebrauch von Werten und die Positionierung im Funktionssystem der Gesellschaft.“[2]

Familien sind seit Jahrhunderten die zentrale Instanz der Sozialisation. Da sie sensible, soziale Systeme sind, sind sie geeignet auf persönliche Bedürfnisse einzugehen. Die Sozialisation in der Familie wird als „primäre Sozialisation“ bezeichnet, weil Familien in der Regel die frühste und nachhaltigste Prägung der Persönlichkeit eines neu geborenen Gesellschaftsmitgliedes vornehmen[3]

Den meisten Sozialisationskonzepten sind die Individuum- Umwelt- Beziehungen gemeinsam. Die Frage: Wie und warum aus einem Neugeborenen ein autonomes, gesellschaftliches Subjekt wird, steht im Vordergrund. Nach Durkheim bringt der Mensch von Geburt an zunächst nur seine Physis mit und auf spätere Eigenschaften nur unbestimmte Dispositionen. Er bezeichnet den Säugling als eine Tabula rasa. Es müsse auf das gesellschaftliche Leben erst vorbereitet, vergesellschaftet, d.h. sozialisiert werden. Sozialisation umschreibt also den Vorgang, in dessen Verlauf der Mensch zum Mitglied einer Gesellschaft und Kultur wird.[4] „In diesem Zusammenhang wird „Sozialisation als ein lebenslanger Lernprozess verstanden, in dem das Individuum in Auseinandersetzung mit seiner soziökonomischen Umwelt sozialrelevantes Verhalten erlernt und sich unter den sozioökologischen Umweltbedingungen sozialrelevante Verhaltensmuster aneignet.“[5]

Demnach beinhaltet der Sozialisationsprozess zwei Aspekte:

1. die Vergesellschaftung und
2. die Individuation.

Von Gesellschaftung spricht man, wenn Werte, Verhaltensmuster, Motive und soziale Rollen durch Prozesse des sozialen Lernens, der Imitation, Identifikation und der Rollenübernahme verinnerlicht werden. Im Verlauf seiner Sozialisation wird der Mensch also zu einem Gesellschaftsmitglied.

[...]


[1] Vgl. Andersen, Uwe/ Woyke, Wiechert: Handwörterbuch des politischen Systems.: In: Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.) 5. Auflage. Bonn: Leske + Budrich 2003. S. 182-183

[2] Vgl: Claußen, B.: Die `Sozialisationsfunktion` der Familie im ökonomisch- gesellschaftlichen Wandel. Ausgewählte Probleme, Erklärungsansätze und Perspektiven. In: Politische Sozialisation in der Familie als Voraussetzung und Gegenstand politischer Bildung

[3] Vgl. Hurrelmann, Klaus: Einführung in die Sozialisationstheorie. 8. Auflage. Weinheim und Basel: Beltz Verlag 2003. S. 127

[4] Vgl. Hurrelmann, Klaus: Einführung in die Sozialisationstheorie. Über den Zusammenhang von Sozialstruktur und Persönlichkeit. 3.Aufl. Weinheim und Basel: Beltz 1990. S. 13ff.

[5] Azizefendioglu, H.: Die Zukunftsperspektiven türkischer Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland. Hrsg. von Guido Schmidt. Herbolzheim: Centaurus Verlag 2000. S.37

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Sozialisationsfunktion der Familie im ökonomisch gesellschaftlichen Wandel
Hochschule
Universität Lüneburg
Note
2
Autor
Jahr
2004
Seiten
15
Katalognummer
V32121
ISBN (eBook)
9783638329194
Dateigröße
605 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sozialisationsfunktion, Familie, Wandel
Arbeit zitieren
Havva Yuvali (Autor), 2004, Die Sozialisationsfunktion der Familie im ökonomisch gesellschaftlichen Wandel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32121

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