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Ethisches Erzählen bei Adalbert Stifter. Die Erzählung "Granit" und die "Vorrede" zu seiner Erzählsammlung "Bunte Steine"

Titre: Ethisches Erzählen bei Adalbert Stifter. Die Erzählung "Granit" und die "Vorrede" zu seiner Erzählsammlung "Bunte Steine"

Dossier / Travail de Séminaire , 2016 , 23 Pages , Note: 1,0

Autor:in: Selma Höfer (Auteur)

Philologie Allemande - Littérature Allemande Moderne
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Bei der Interpretation der Erzählungen, im Besonderen der Erzählung „Granit“ wurde Adalbert Stifter häufig ein rein pädagogisches Anliegen unterstellt. Ziel dieser Arbeit soll es sein zu illustrieren, durch welche Elemente Stifters' Fokus und Stil, wie durch seine besondere Art der Beschreibung der Natur und der Menschen, die Welt letztlich als ordnungsgemäß und sittlich wahrzunehmen ist. Dies mit Bezug auf die Vorrede der Erzählsammlung „Bunte Steine“, welche seine persönlichen moralischen Vorstellungen der Menschheit zu erklären versucht und in die narrative Ethik der folgenden Erzählungen einführt.

Ethik an sich zu erfassen und im Rahmen einer Hausarbeit zu definieren ist schwer möglich. Die verschiedenartigsten Wissenschaften haben sich damit befasst. Eindeutig geht eine Ethikdiskussion mit der Frage nach Moral einher. Moralisches Empfinden und Urteilen muss von jedem Menschen erlernt werden um dieses erkennen, bewerten und selbstreflektiv beurteilen zu können. Moralität in Erzählungen und Geschichten setzt eine ausgebildete Identität, Empathiefähigkeit, ein erfahrenes und erlerntes Wertesytem wie auch (persönliche) Geschichte voraus. Inwiefern Stifter eine narrative Ethik in seiner Erzählung „Granit“ und der, „Vorrede“ beschreibt, versuche ich zu erfassen. Die genannten, nötigen Attribute des moralischen Empfindens sollen hierbei eine zentrale Rolle spielen.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

Einleitung: Ethisches Erzählen

1.1 Ethik und Literatur. Berührungspunkte im Begriff „ethischen Erzählens“

1.2 Narration und narrative Diskurse. Merkmale und Funktionen erzählter Ethik

1.2.1 Selbstorganisation

1.2.2 Narration und Empathie

1.2.3 Identität und Geschichte

2. Ethische Erzählerposition. Stifters Verständnis von Autorschaft als Kunst der Herstellung von „Gesetz“

2.1 Der sittliche Standort des Erzählers. Die moralische Ordnung des Gesetzes in der „Vorrede“ zu den Bunten Steinen

2.1.1 Entsprechung von äußerer und innerer Natur: Zusammenhang des Ordnungssystems

2.1.2 Menschliche Größe – Die Ethik des „Sanften Gesetzes“

3. Perspektiven ethischen Erzählens in Granit

3.1 Narrative Ethik in Granit

3.1.1 Narrativität und Kontingenz: Der Rahmen der Erzählung

3.1.2 Empathie- und Identitätsbildung: Verstehen durch Zuhören

3.1.3 Verzeihen als Überwindung des Selbst

Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Konzept einer "narrativen Ethik" im Werk von Adalbert Stifter. Das primäre Ziel ist es, anhand der Erzählung "Granit" und der "Vorrede" zu den "Bunten Steinen" aufzuzeigen, wie Stifter durch spezifische Erzählstrategien ein sittliches Ordnungssystem vermittelt und den Leser zur moralischen Reflexion anregt.

  • Grundlagen der narrativen Ethik und des "ethischen Erzählens".
  • Die Rolle der Empathie und Identitätsbildung beim Leser.
  • Stifters Konzept des "Sanften Gesetzes" als moralischer Ordnungszusammenhang.
  • Die Funktion von Erzählstrukturen (Rahmen- und Binnenerzählung) in "Granit".
  • Verzeihen und Vergessen als Bestandteile eines heilenden Erzählprozesses.

Auszug aus dem Buch

2.1.1 Entsprechung von äußerer und innerer Natur: Zusammenhang des Ordnungssystems

Die, um einiges später (1852) als viele Erzählungen seiner Sammlung Bunte Steine verfasste, „Vorrede“ zu denselben erscheint von Beginn an als Ausdruck der Überzeugung von der Relativität des Großen wie des Kleinen im menschlichen Lebenszusammenhang. Dabei stehe groß für Unbedeutenderes oder Vergängliches, klein für Bedeutendes in übergeordnetem Sinne. Stifter beschreibt anhand von Naturerscheinungen eine Ordnung bzw. ein Ordnungssystem, das „diese[n] Dingen“ (S. 6) inhärent ist: „So wie es in der äußeren Natur ist, so ist es auch in der inneren, in der des menschlichen Geschlechtes“ (S. 10). Wie in der Natur trifft die Struktur einer gesetzmäßigen Ordnung ebenfalls auf die Menschheit zu. Wenn die Menschheit, so Stifter, nach diesen Ordnungsprinzipien handelte, welche wie Sittengesetze gelten, kann sie sich entwickeln. Stifter sieht also eine übergeordnete Ethik, die durch den Zusammenhang eines alles umgreifenden Ordnungssystems verbürgt wird. In ihr ist das moralische Empfinden als naturgegebene und gesetzmäßig verankerte Kraft wirksam.

Das bedeutet, dass in allen Bereichen des Lebens die scheinbar kleinen Dinge und unscheinbaren Details auf das wahrlich Große oder auf „echte Größe“ hindeuten und dieser zu Grunde liegen. Das bedeutet zugleich auch, dass es kein Außerhalb dieser sittlichen Ordnung von Welt und Natur gibt bzw. geben kann. Stifters narrative „Ordnung des Wirklichen“ geht vielmehr von einer grundsätzlichen Harmonie von naturaler und sozialer Sphäre aus.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Ethisches Erzählen: Einführung in den Begriff der narrativen Ethik und die Analogie zwischen Erzählen und medizinischem Heilungsprozess bei Walter Benjamin.

1.1 Ethik und Literatur. Berührungspunkte im Begriff „ethischen Erzählens“: Erörterung der literaturwissenschaftlichen Funktion von Literatur jenseits bloßer Pädagogik als Medium für moralische Reflexion.

1.2 Narration und narrative Diskurse. Merkmale und Funktionen erzählter Ethik: Analyse der strukturellen Merkmale von Narrativen und deren disziplinübergreifender Bedeutung.

1.2.1 Selbstorganisation: Darstellung von Narration als selbstorganisierender Strukturzusammenhang von Sinn und Zeit, der moralisches Empfinden ermöglicht.

1.2.2 Narration und Empathie: Untersuchung der emotionalen Struktur der Empathie und ihrer Bedeutung für die moralische Identitätsbildung durch Identifikation mit Protagonisten.

1.2.3 Identität und Geschichte: Analyse der wechselseitigen Abhängigkeit von persönlicher Identitätsbildung, Erfahrungshorizont und der Fähigkeit zur Lesart moralischer Zusammenhänge.

2. Ethische Erzählerposition. Stifters Verständnis von Autorschaft als Kunst der Herstellung von „Gesetz“: Einordnung von Stifters Werk in den zeitgenössischen Realismus und die ethische Ausrichtung seines Erzählkonzepts.

2.1 Der sittliche Standort des Erzählers. Die moralische Ordnung des Gesetzes in der „Vorrede“ zu den Bunten Steinen: Untersuchung von Stifters Neupositionierung nach 1848 und der Bedeutung des sittlichen Gesetzes.

2.1.1 Entsprechung von äußerer und innerer Natur: Zusammenhang des Ordnungssystems: Erläuterung der Verbindung zwischen naturaler und sozialer Ordnung als Spiegel einer sittlichen Weltanschauung.

2.1.2 Menschliche Größe – Die Ethik des „Sanften Gesetzes“: Analyse der Leitthese, dass wahre sittliche Größe in den kleinen, alltäglichen Dingen liegt.

3. Perspektiven ethischen Erzählens in Granit: Anwendung der theoretischen Konzepte auf die Erzählung Granit.

3.1 Narrative Ethik in Granit: Untersuchung der ethischen Dimension innerhalb des spezifischen Erzählwerkes.

3.1.1 Narrativität und Kontingenz: Der Rahmen der Erzählung: Analyse der Rahmenstruktur der Geschichte und ihrer Funktion für das Verständnis des Kindheitserlebnisses.

3.1.2 Empathie- und Identitätsbildung: Verstehen durch Zuhören: Darstellung der Rolle des Großvaters als moralische Instanz, die durch Erzählen Empathie und Verständnis beim Kind fördert.

3.1.3 Verzeihen als Überwindung des Selbst: Erörterung, wie das Erzählen als "heilender Prozess" dem Kind hilft, Schock und traumatische Erlebnisse durch Verständnis zu überwinden.

Fazit: Zusammenfassung der Ergebnisse hinsichtlich der Etablierung einer narrativen Ethik bei Adalbert Stifter.

Schlüsselwörter

Narrative Ethik, Adalbert Stifter, Granit, Bunte Steine, Sanftes Gesetz, Narration, Empathie, Identitätsbildung, Literarische Ethik, Heilungsprozess, Moralische Ordnung, Sinnkonstitution, Literaturtheorie, Erzählstrategie, Verantwortung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert das Konzept der "narrativen Ethik" in Adalbert Stifters literarischem Werk, wobei der Fokus darauf liegt, wie erzählerische Formen moralische Reflexionen anregen.

Welche sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zu den Kernbereichen gehören das Verständnis von Literatur als ethisches Medium, die psychologischen Aspekte der Empathie und Identitätsbildung sowie Stifters spezifische poetologische Konzepte.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage zielt darauf ab, durch welche narrativen Verfahren Stifter sittliche Ordnungen in seinen Texten (insbesondere in "Granit") für den Leser erfahrbar und ethisch beglaubigbar macht.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die durch kulturwissenschaftliche und hermeneutische Ansätze der narrativen Ethik ergänzt wird, um Stifters Texte systematisch zu interpretieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (narrative Ethik), eine Analyse von Stifters "Vorrede" zu den "Bunten Steinen" und eine detaillierte Textanalyse der Erzählung "Granit".

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit am besten?

Narrative Ethik, Stifter, Empathie, Sanftes Gesetz, Identitätsbildung, moralische Ordnung, Erzählstrategien, Sinnkonstitution.

Welche besondere Rolle spielt die Figur des Großvaters in "Granit"?

Der Großvater fungiert als moralische Instanz und Vermittler. Durch das Erzählen von Geschichten hilft er dem Enkel, traumatische Erfahrungen zu verarbeiten und ein Verständnis für die sittliche Weltordnung zu entwickeln.

Warum wird die Pestgeschichte in "Granit" als wichtiges Element für die Ethik des Erzählens hervorgehoben?

Die Pestgeschichte dient als drastisches Beispiel, das moralische Grenzsituationen schafft. Sie erfordert vom Leser und den Protagonisten eine ethische Reflexion, da einfache Erklärungen versagen und nur die Einordnung in einen größeren Sinnzusammenhang Heilung verspricht.

Wie definiert Stifter laut dieser Arbeit das "Sanfte Gesetz"?

Es bezeichnet einen Ordnungszusammenhang, in dem das Große im Kleinen und Unscheinbaren verborgen liegt. Das sittliche Handeln ergibt sich aus der vernünftigen Anerkennung dieser Verbundenheit von Natur und Mensch.

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Résumé des informations

Titre
Ethisches Erzählen bei Adalbert Stifter. Die Erzählung "Granit" und die "Vorrede" zu seiner Erzählsammlung "Bunte Steine"
Université
University of Constance
Cours
Ethik des Erzählens
Note
1,0
Auteur
Selma Höfer (Auteur)
Année de publication
2016
Pages
23
N° de catalogue
V321270
ISBN (ebook)
9783668205154
ISBN (Livre)
9783668205161
Langue
allemand
mots-clé
Adalbert Stifter Bunte Steine Granit Narrative Ethik Ethisches Erzählen
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Selma Höfer (Auteur), 2016, Ethisches Erzählen bei Adalbert Stifter. Die Erzählung "Granit" und die "Vorrede" zu seiner Erzählsammlung "Bunte Steine", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/321270
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Extrait de  23  pages
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