Sozioprudenz in George R.R. Martins "A Game of Thrones". Machiavelli und Castiglione als „die Herren von Winterfell“


Hausarbeit, 2016

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Handlung in „Das Lied von Eis und Feuer - Die Herren von Winterfell“

3. Machiavellis „Der Fürst“ und „Die Herren von Winterfell“

4. Castigliones „Der Hofmann“ und „Die Herren von Winterfell"

5. Schlussbemerkung

6. Anhang

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Frühneuzeitliche Weltklugheitslehren vermitteln Handlungsanweisungen und Ratschläge, um den Umgang mit anderen Menschen zu erleichtern [vgl. Fischer und Albrecht 2014]. Sozioprudentes Verhalten wird demnach durch eine soziale Intelligenz bestimmt, die nicht zwingend mit moralisch richtigem Verhalten einhergehen muss, sondern lediglich kontextadäquates Verhalten verlangt. Die Grundbedingung der Sozioprudenz ist es, die Differenz zwischen Moral und Realität zu reflektieren: Wann lohnt es sich, moralisch richtig zu Handeln und wann sind andere Strategien ratsam? Sozioprudenz kann daher mit Moral einhergehen, muss sie aber nicht [vgl. Seminar 1, 03.12.2014]. Deshalb wird beispielsweise Castigliones „Der Hofmann“ als gute und weiße Sozioprudenz deklariert, im Gegensatz zu Machiavellis politischer Handlungslehre, die auf den Erfolg eines Herrschers ausgerichtet ist und daher häufig als amoralisch beschrieben wird [ebenda][1]. Mit Hilfe beider Werke soll das Verhalten der Akteure in George R.R. Martins Erfolgsromanserie „Das Lied von Eis und Feuer“, welche vom US-fernsehsender HBO, unter dem Namen „Game of Thrones“ mit nicht geringerem Erfolg produziert wurde, genauer betrachtet werden. Neben diesen beiden Theoretikern der Sozioprudenz gibt es eine Vielzahl von weiteren, deren Rat sich die Akteure im Roman in der ein oder anderen Situation sicher wünschen würden, darunter z.B Goffman mit seiner Rollentheorie in „Wir alle spielen Theater“ (1959), Gracián und sein Verständnis der Daumenschrauben in „Handorakel und Kunst der Weltklugheit“ (1647) und Elias und Plessner mit ihren Beiträgen zu Takt und Diplomatie. Um den Umfang dieser Hausarbeit nicht zu sprengen habe ich mich für die „gute“ Sozioprudenz Castigliones und die „böse“ Machiavellis entschieden.

Außerdem wird in der folgenden Hausarbeit lediglich das erste Buch des Game of Thrones-Epos untersucht: Die Herren von Winterfell. Zu Beginn der Arbeit wird die Romanhandlung kurz skizziert, und anschließend mit besagten Weltklugheitslehren genauer betrachtet. Hierbei wird folgende Leitfrage im Mittelpunkt stehen: Wie sozial intelligent sind die Akteure in „Das Lied von Eis und Feuer“? In einem abschließenden Fazit werden die Ergebnisse zusammengefasst und die Leitfrage beantwortet.

2. Die Handlung in „Das Lied von Eis und Feuer - Die Herren von Winterfell“

George R.R. Martin begann 1991 mit dem ersten Teil „A Game of Thrones“ des bisher fünfbandigen aber noch nicht abgeschlossenen Fantasy-Epos „Das Lied von Eis und Feuer“, für dessen Fertigstellung er fünf Jahren benötigte. Der erste Teil wurde in der deutschenübersetzung in „Die Herren von Winterfell“ und „Das Erbe von Winterfell“ untergliedert.

Jedes der 38 Kapitel von „Die Herren von Winterfell“ hat eine zentrale Hauptfigur, aus deren Sichtweise die Handlung beschrieben wird. Während der erste Band mit lediglich 8 dieser Reflektorfiguren begann (Bran, Catelyn, Daenerys, Eddard, Jon, Arya, Tyrion, Sansa), sind es nach Abschluss des fünften Bandes bereits 31, wobei auch Nebenrollen eine detaillierte und facettenreiche Charakterzeichnung erhalten. Die Einteilung in Gut und Böse findet keine Anwendung in „Das Lied von Eis und Feuer“, ebenso wenig kann der Leser sich an gängige Klischees (zum Beispiel einen bedeutender Hauptcharakter, der sowieso nicht stirbt) halten.

Die Handlung spielt in einer an das Mittelalter angelehnten Fantasiewelt. Diese besteht aus dem Königreich Westeros, das sich aus sieben Königslanden zusammensetzt, und Essos (vgl. Anhang 1: Westeros und Essos). Während die unterschiedlichen Häuser des Königreiches damit hadern, wer der rechtmäßige König ist, fordern auch die vertriebenen Targaryens in Essos den eisernen Thron wieder für sich. Und damit nicht genug, wird mit dem Einbruch des bevorstehenden mehrjährigen Winters eine Invasion der „weißen Wanderer“[2] vermutet, welche die Nachtwache an der Nordgrenze des Reiches wohl nicht aufhalten kann.

„Die Herren von Winterfell“ beginnt damit, dass König Robert Baratheon seinen alten Freund Eddard Stark von Winterfell darum bittet, seine rechte Hand zu werden. Eddard möchte am liebsten ablehnen, da er aber weiß, dass der Thron von allen Seiten bedroht wird und sogar Roberts Frau, Cersei Lennister ungehörige Machenschaften ausübt, macht er sich mit Robert und seinen beiden Töchtern Arya und Sansa auf den Weg nach Königsmund, dem Sitz des Königs. Dabei lässt er seine Frau Catelyn, die Söhne Robb, Bran, Rickon und sein Bastardsohn Jon Snow in Winterfell zurück. Während Bran sich von einem mysteriösen Sturz nur sehr langsam erholt, beginnt Jon Snow an der Grenzmauer zu verstehen, was es heißt ein Bruder der Nachtwache zu sein. Als Bran fast von einem Handlanger in seinem eigenen Bett ermordet wird, macht Catelyn sich auf um dessen Auftragsgeber zu finden. Der junge Robb muss nun allein den Norden von Westeros hüten und auf seinen kleinen Bruder Rickon aufpassen. Catelyns Verdacht fällt auf den zwergenhaften Bruder der Königin Cersei, Tyrion Lennister, den sie gefangen nimmt und vor das Gericht am Hofe ihrer Schwester stellt.

In Königsmund angekommen findet Eddard Stark sich in einem Spinnennest von Heuchlern wieder. Unermüdlich versucht er die Wahrheit herauszufinden und gleichzeitig seine Familie zu schützen. Währenddessen bekommen seine Töchter das Leben am königlichen Hofe mit. Sansa, die mit Prinz Joffrey verlobt wird, gefällt das Leben in Königsmund sehr, während ihre Schwester Arya sich weigert eine feine Dame zu werden und sich stattdessen lieber im Schwertkampf trainiert.

In Essos wird Daenerys Targaryen von ihrem Bruder Viserys an Khal Drogo (ein Fürst der Dothraki) verkauft, der sich dadurch einen Weg erhofft nach Westeros zurück zu kehren und Robert Baratheon vom Eisernen Thron zu stoßen. Nach ihrer Hochzeit beginnt Daenerys, die Sprache und die Sitten der Dothraki zu lernen und revanchiert sich mit ihrem neuen Leben während ihr Bruder Opfer seiner Selbstüberschätzung wird.

Anhang zwei mit den unterschiedlichen Verwandtschaftsbeziehungen der großen Herrscherhäuser von Westeros und Essos zeigt deutlich, was wohl auch an dieser Stelle bereits auffällt: In Martins Fantasyepos treten viele Menschen auf die Bühne und kaum einer tritt lebend ab. Denn wie Goffmann schon sagte: „Wir alle spielen Theater“ und das Spiel gewinnt der, der seine Rolle am besten spielt. So kommt es zu zahlreichen Intrigen und der Leser muss aufpassen, dass er sich nicht mit den vielen Handlungssträngen selbst einwickelt.

G.R.R. Martin zitiert gerne W. Faulkner, der meint, „nur wenn das menschliche Herz in Widerstreit mit sich selbst gerät“, lohnt es sich darüber zu schreiben [vgl. Jacoby 2014, S.7]. Jener Konflikt wird beschrieben wenn sich zum Beispiel ein Kleinwüchsiger versucht in der Gesellschaft zu behaupten, ein Bastardsohn auf der Suche nach Ehre ist und der König mit jedem Tag verantwortungsloser handelt. Eben jener Widerstreit fesselt den Leser, leitet aber auch dazu an,über Moralität und Sozioprudenz der Akteure nachzudenken.

Genau wie zu Machiavellis Zeit ist die Welt in „Game of Thrones“ durch ständige Fehden, politische Machenschaften und Intrigen zerrissen [vgl. ebenda, S. 43]. Mit Hilfe seiner Philosophie lässt sich erklären warum manche der Spieler auf der politischen Bühne Erfolg haben und andere scheitern.

[...]


[1] Machiavelli selbst würde sie als weder moralisch noch unmoralisch bezeichnen. Ein Herrscher solle in der Lage sein sich unabhängig von diesem Klassifikationssystem zu behaupten. [Machiavelli 2003, S.87]

[2] Auch „die Anderen“ genannt. Eine Horde von Untoten die einst als ausgerottet galten.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Sozioprudenz in George R.R. Martins "A Game of Thrones". Machiavelli und Castiglione als „die Herren von Winterfell“
Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
17
Katalognummer
V321906
ISBN (eBook)
9783668212657
ISBN (Buch)
9783668212664
Dateigröße
657 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sozioprudenz, george, martins, game, thrones, machiavelli, castiglione, herren, winterfell
Arbeit zitieren
Valerie Enthaler (Autor), 2016, Sozioprudenz in George R.R. Martins "A Game of Thrones". Machiavelli und Castiglione als „die Herren von Winterfell“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/321906

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