In der vorliegenden Arbeit handelt es sich um eine Bachelorarbeit der Universität Paderborn. Das religionspädagogische Konzept des problemorientierten Religionsunterrichtes wird eingehend erläutert, sowie seine Entstehung. Dabei werden auch seine wichtigsten Vertreter wie Nipkow und Kaufmann vorgestellt und es wird ein Blick darauf geworfen, wie das Konzept nach den 70er Jahren weiterentwickelt und weiterverwendet wurde. Hinzu kommt ein konkretes Unterrichtsbeispiel.
"Der Religionsunterricht (RU) und seine Konzeptionen sind wiederholten Wandlungen ausgesetzt, die sich nur im Zusammenhang mit den theologischen, kirchlichen, schulgeschichtlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Veränderungen seit seiner Entstehung begreifen lassen. In der folgenden Arbeit, die ich zum Abschluss meines Bachelorstudiums der evangelischen Theologie an der Universität Paderborn abgefasst habe, möchte ich mich mit dem didaktischen Konzept des problemorientierten Religionsunterrichts befassen, das Ende der 1960er Jahre entwickelt wurde und seit den 1970er Jahren in unterschiedlicher Weise aufgenommen und verarbeitet wurde. Dabei werde ich der Frage nachgehen, ob der problemorientierte Religionsunterricht erledigt oder unabgegolten ist."
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kontext zur Entstehung des problemorientierten Religionsunterrichts
2.1 Geschichtlicher und gesellschaftlicher Hintergrund
2.2 Bildungspolitischer Hintergrund
2.3 Religionspädagogischer Hintergrund
3. Die Entwicklung und Entstehung des problemorientierten Religionsunterrichts
3.1 Der Anstoß durch Hans Bernhard Kaufmann und seine sechs Thesen
3.2 Karl Ernst Nipkow und das Verhältnis von Pädagogik und Theologie
4. Das Konzept des problemorientierten Religionsunterrichts
4.2 Zum Begriff des „problemorientierten“ Religionsunterrichts
4.2 Grundlegende Motive des problemorientierten Religionsunterrichts
4.3 Unterrichtsinhalte
5. Kritik am problemorientierten Religionsunterricht
6. Die Folgejahre – bis heute
7. Potenzial in der gegenwärtigen Religionspädagogik
7.1 Nutzen für den heutigen Religionsunterricht
7.2 Ein Blick in den Lehrplan
7.3 Beispiel einer Unterrichtsstunde
7.3.1 Unterrichtsplanung
7.3.2 Unterrichtsentwurf
8. Fazit / Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht das didaktische Konzept des problemorientierten Religionsunterrichts, welches Ende der 1960er Jahre entwickelt wurde, um die zentrale Forschungsfrage zu beantworten, ob dieser Ansatz im heutigen schulischen Kontext als erledigt oder unabgegolten zu betrachten ist.
- Historische Entstehungsbedingungen und religionspädagogischer Kontext
- Analyse der Kernkonzepte von Hans Bernhard Kaufmann und Karl Ernst Nipkow
- Kritische Auseinandersetzung mit der Kritik am problemorientierten Ansatz
- Überprüfung des Potenzials für die gegenwärtige Religionspädagogik
- Verbindung von Theorie und Praxis durch einen beispielhaften Unterrichtsentwurf
Auszug aus dem Buch
3.1 Der Anstoß durch Hans Bernhard Kaufmann und seine sechs Thesen
Bereits vor seinem Vortrag zum Thema „Muss die Bibel im Mittelpunkt des Religionsunterrichts stehen?“ im Oktober 1966 verfasste Hand Bernhard Kaufmann sechs Thesen, die zur Gründung des problemorientierten Religionsunterrichts führten. In einer späteren Veröffentlichung wurde den Thesen der Titel „Thesen zur Diskussion um eine zeitgemäße Didaktik des Religionsunterrichts“ hinzugefügt. Sie wendeten sich gegen den Bibelunterricht als Grundform und damit gegen das Übergewicht der Tradition im RU. Im Jahre 1968 fanden diese Thesen ihren Eingang in die Konzeption eines neuen Religionsunterrichts, den Kaufmann selbst den „Thematischen Unterricht“ taufte. Die wohl provozierendste These kritisierte das bis dato verwendete Konzept des hermeneutischen Religionsunterrichts: „Die traditionelle Mittelpunktstellung von Katechismus und Bibel als Gegenstand und Stoff des RU ist ein Selbstmissverständnis und weder theologisch noch didaktisch gerechtfertigt.“ Kaufmann ging noch weiter und warf dem hermeneutischen Konzept mangelnden Realitätsbezug vor. In seinen Thesen verlangte er, dass die reformatorische Lehre mit dem damaligen Welt- und Selbstverständnis durch Anknüpfungspunkte verbunden werden sollte und die Themen des RU dementsprechend anzupassen. Die didaktische und theologische Theorie solle zusammen forschen, welche „Medien und Methoden für optimale Aufgeschlossenheit für christlichen Glauben sorgen“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das didaktische Konzept des problemorientierten Religionsunterrichts und Formulierung der Leitfrage zur Aktualität des Ansatzes.
2. Kontext zur Entstehung des problemorientierten Religionsunterrichts: Untersuchung der geschichtlichen, gesellschaftlichen, bildungspolitischen und religionspädagogischen Faktoren, die den Wandel und die Entstehung des Konzepts bedingten.
3. Die Entwicklung und Entstehung des problemorientierten Religionsunterrichts: Darstellung der Rolle von Hans Bernhard Kaufmann und Karl Ernst Nipkow als Begründer und Theoretiker des Konzepts.
4. Das Konzept des problemorientierten Religionsunterrichts: Erläuterung der grundlegenden Motive, Begriffe und Auswahlkriterien für Unterrichtsinhalte.
5. Kritik am problemorientierten Religionsunterricht: Analyse der fachlichen und didaktischen Vorbehalte, wie das Spannungsfeld zwischen Tradition und Gegenwart.
6. Die Folgejahre – bis heute: Überblick über die Weiterentwicklung des Ansatzes und die Vielfalt der religionspädagogischen Strömungen nach 1970.
7. Potenzial in der gegenwärtigen Religionspädagogik: Bewertung der Relevanz für den heutigen Religionsunterricht sowie Übertragung in eine praktische Unterrichtsplanung.
8. Fazit / Schluss: Zusammenfassende Beantwortung der Leitfrage mit dem Ergebnis, dass der problemorientierte Religionsunterricht unter Anpassungen unabgegolten bleibt.
Schlüsselwörter
Religionsunterricht, problemorientierter Religionsunterricht, Hans Bernhard Kaufmann, Karl Ernst Nipkow, Religionspädagogik, Didaktik, Schülersubjekt, Traditonskritik, Lebensweltorientierung, Emanzipation, Gerechtigkeit, moderne Schule, Unterrichtsplanung, interreligiöser Dialog, Säkularisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das didaktische Modell des problemorientierten Religionsunterrichts hinsichtlich seiner historischen Entwicklung und seiner heutigen Relevanz.
Welche sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder umfassen die Entstehungsgeschichte, die theoretischen Ansätze von Hauptvertretern, die Kritik am Modell sowie dessen Potenzial im modernen, pluralistischen Schulalltag.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Hauptziel ist die Beantwortung der Frage, ob der problemorientierte Religionsunterricht als überholtes Konzept („erledigt“) oder als weiterhin wertvoller Ansatz („unabgegolten“) einzustufen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse religionspädagogischer Fachliteratur, ergänzt durch die Rekonstruktion theoretischer Positionen und eine beispielhafte Anwendung in einem Unterrichtsentwurf.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der theoretischen Grundlagen, die Diskussion von Kritikpunkten, die Analyse der Folgeentwicklung sowie die Untersuchung des Nutzens für heutige Lehrpläne.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Religionsunterricht, Problemorientierung, Lebensweltorientierung, Emanzipation, Didaktik, Schülersubjekt und religionspädagogische Reform.
Warum ist das Thema heute noch relevant?
Da moderne Lehrpläne Kompetenzen wie eigenständiges Lernen und Lebensweltbezug fordern, bietet der problemorientierte Ansatz wichtige Anknüpfungspunkte für die heutige Unterrichtspraxis.
Welchen Stellenwert nimmt die Tradition in diesem Konzept ein?
Das Konzept kritisiert ein starres Übergewicht der Tradition, fordert aber eine sinnvolle Verbindung zwischen den christlichen Grundlagen und aktuellen Lebensfragen der Schüler.
Welche Rolle spielt die Schülersubjektivität?
Die Subjektivität und die Interessen der Schüler stehen im Zentrum, da sie als Ausgangspunkt für die Themenwahl dienen, um die Lernbereitschaft und Mündigkeit zu fördern.
Was ist das Ergebnis der Untersuchung?
Die Autorin kommt zu dem Fazit, dass der Ansatz „unabgegolten“ ist, sofern er durch moderne Aspekte wie die stärkere Einbeziehung der Tradition und interreligiöse Offenheit ergänzt wird.
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- Luisa Dietsch (Author), 2016, Problemorientierter Religionsunterricht. Erledigt oder unabgegolten?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/322375