Wer sind wir und was wollen wir sein? Sind wir einer oder viele? Wie entstehen Identitätsprozesse? Ist es möglich, in Identitätsprozesse positiv einzugreifen anhand medienpädagogischer Mittel?
Mein Interesse an entwicklungspychologischen Themen war schon immer sehr ausgeprägt. Gerade die frühkindliche Entwicklung hat einen enormen Einfluss auf die weitere Entwicklung, auf das gesamte Leben des Menschen, und somit einen sehr hohen Stellenwert für mich. Die Themen Persönlichkeit und Identität, deren Entwicklung und Festigung, bauen für mich persönlich sehr spannendende Fragen auf. Diese entwicklungspsychologischen Fragen gekoppelt mit den Themen Medien und Medienpädagogik stellen für mich eine große Herausforderung dar und genau deshalb möchte ich mich damit auseinandersetzen. Ich bin davon überzeugt, dass es einen Zusammenhang zwischen diesen Themata gibt und diesen möchte ich gerne in den nächsten Kapiteln erforschen.
Zu Anfang dieser Arbeit möchte ich einen Einstieg in die Themen Entwicklung und Identität geben. Nach den Definitionen sowie Begrifflichkeiten folgen zwei wichtige Theorien und Einzelaspekte der Identitätsbildung. Im weiteren Verlauf werden nun die Themen Neue Medien und Medienpädagogik definiert. Ein kleiner Einblick in die Geschichte beider Thematiken leitet anschließend in den theoretischen Teil der Medienpädagogik ein. Nun folgen auch ihre Methoden und Didaktik.
Im dritten großen Kapitel sollen nun diese zwei Hauptthemenblöcke zusammengeführt werden und zur Fragestellung hinführen. Dabei wird zunächst die mediale Situation junger Menschen in Deutschland dokumentiert. Anschließend gehe ich auf die Auswirkungen der Medienwelt auf die Identitäts- und Persönlichkeitsentwicklung ein und stelle schließlich die identitätsfördernden Chancen von Medienpädagogik dar.
Zum Ende möchte ich noch ein Medienprojekt vorstellen, welches aktuell an Berliner Grundschulen durchgeführt wird und anhand eines Interviews die Themen Medien und Schule noch näher beleuchten. Abschließend folgt mein persönliches Fazit über diese Forschungsarbeit mit Ausblick auf den weiteren Verlauf dieser Thesis.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Entwicklung und Identität
2.1 Definitionen und Begriffe
2.2 Theorie
2.3 Einzelaspekte der Identitätsbildung
2.3.1 Familie
2.3.2 Schule
3 Neue Medien und Medienpädagogik
3.1 Definitionen und Begriffe
3.2 Historie - Von damals bis heute
3.3 Theorie
3.4 Methodik und Didaktik
3.4.1 Lineare Medienpädagogik
3.4.2 Interaktive Medienpädagogik
4 Identität und Medienpädagogik
4.1 Mediale Situation junger Menschen
4.2 Identitätsbildung in der Medienwelt
4.3 Identitätsfördernde Chancen von Medienpädagogik
5 Neue Medien und Schule
5.1 Schulprojekt Spandau
5.1.1 Idee und Konzept
5.2 Experteninterview
5.2.1 Methode und Expertenauswahl
5.2.2 Auswertung des Interviews
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Identitätsprozessen und medienpädagogischen Mitteln. Das primäre Ziel ist es zu erforschen, ob und wie medienpädagogische Interventionen die Identitätsbildung positiv beeinflussen können, insbesondere unter Berücksichtigung der heutigen Medienwelt und schulischer Rahmenbedingungen.
- Psychologische Grundlagen der Identitätsentwicklung und deren Wandel in der Postmoderne.
- Einfluss neuer Medien auf die mediale Situation und Identitätskonstruktion Heranwachsender.
- Ansätze und Methoden der Medienpädagogik im historischen Kontext und heute.
- Praktische Untersuchung der Medienintegration an Berliner Grundschulen durch Expertenbefragung.
Auszug aus dem Buch
Eriksons „Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung“
Ein bedeutender Vertreter der Entwicklungspsychologie war der deutsch-amerikanische Psychoanalytiker Erik H. Erikson, welcher bekannt wurde durch sein „Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung“, auch „Ich-Identität“ genannt. Darin beschreibt Erikson die psychosoziale Entwicklung des Menschen in acht Stufen bzw. Stadien. Er geht davon aus, dass sich der Mensch als Individuum mit zunehmendem Alter immer wieder neu psychisch und sozial orientieren und entwickeln muss, da seine Wünsche und Bedürfnisse in Spannung mit den Anforderungen der Gesellschaft stehen. Jede der acht Stufen stellt eine Krise dar, mit der das Individuum sich aktiv auseinandersetzt.
In Bezug auf die Identitätsbildung, wird laut Erikson bereits im zweiten Stadium „Autonomie versus Scham und Zweifel“, also zwischen dem 2. und 3. Lebensjahr, der Grundstein für die Entwicklung einer solchen gelegt. Durch zunehmende Autonomieerfahrungen des Kindes und deren Bedeutung, manifestiert sich nach Erikson langsam ein positives Selbstkonzept, also eine Identität. Die Bedingung für Autonomie allerdings wurzelt in einem festen Vertrauen in die Bezugspersonen und sich selbst, setzt also die Bewältigung der ersten Phase „Vertrauen versus Misstrauen“ voraus. Das Kind muss das Gefühl haben, explorieren oder seinen Willen durchsetzen zu dürfen, ohne dass dadurch der erworbene „Schatz“ des Vertrauen-Könnens und Geborgen-Seins in Gefahr gerät.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Autorin legt ihr Interesse an entwicklungspsychologischen Themen dar und formuliert die zentrale Fragestellung zur positiven Beeinflussbarkeit von Identitätsprozessen durch Medien.
2 Entwicklung und Identität: Dieses Kapitel behandelt theoretische Definitionen von Entwicklung und Identität, insbesondere den Wandel von der Moderne zur Postmoderne unter Einbeziehung von Modellen wie Eriksons Stufenmodell und Keupps Patchwork-Identität.
3 Neue Medien und Medienpädagogik: Es werden zentrale Begriffe definiert und die historische Entwicklung der Medienpädagogik sowie die Rolle von Medien im Erziehungs- und Bildungswesen beleuchtet.
4 Identität und Medienpädagogik: Dieses Kapitel verknüpft die mediale Situation junger Menschen mit der Identitätsbildung und diskutiert identitätsfördernde Chancen pädagogischer Medienarbeit.
5 Neue Medien und Schule: Am Beispiel eines konkreten Berliner Schulprojekts werden die Möglichkeiten und Herausforderungen beim Einsatz neuer Medien im schulischen Alltag analysiert.
6 Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass Medien ein zentraler, nicht mehr wegzudenkender Faktor für die Identitätsbildung sind und eine aktive, handlungsorientierte Medienpädagogik für die Unterstützung dieses Prozesses unerlässlich ist.
Schlüsselwörter
Identitätsbildung, Medienpädagogik, Neue Medien, Entwicklung, Identitätsarbeit, Medienkompetenz, Schule, Sozialisation, Postmoderne, Medienaneignung, Patchwork-Identität, Experteninterview, Bildung, Tablet-PCs, Identität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelor-Thesis grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie medienpädagogische Mittel genutzt werden können, um Identitätsprozesse bei Kindern und Jugendlichen positiv zu begleiten und zu unterstützen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die psychologische Identitätsentwicklung, die Bedeutung und Wirkung neuer Medien sowie medienpädagogische Ansätze und deren Integration in schulische Kontexte.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: „Ist es möglich, in Identitätsprozesse positiv einzugreifen anhand medienpädagogischer Mittel?“
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Neben einer tiefgehenden Literatur- und Theorieanalyse (u.a. Erikson, Keupp, Baacke) führt die Autorin ein Experteninterview mit einer Lehrerin an einer Berliner Grundschule durch, um praxisnahe Einblicke in die Medienintegration zu gewinnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung von Entwicklung und Identität, die Definition von Medien und Medienpädagogik, die Analyse des Medienumgangs bei Heranwachsenden sowie die praktische Erprobung in einem Schulprojekt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Identitätsbildung, Medienpädagogik, Medienkompetenz, Patchwork-Identität, Sozialisation und der aktive Umgang mit neuen Medien.
Welche Rolle spielen „neue Medien“ wie Tablets im untersuchten Schulprojekt?
Tablets dienen in dem Projekt als Werkzeuge zur Förderung von Bildungsprozessen, wobei ihr Einsatz spielerisch und motivierend gestaltet wird, um die Schülerinnen und Schüler bei der Entwicklung von Medienkompetenz zu unterstützen.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der Rolle von Medien für die Identitätsbildung?
Medien sind heute eine wesentliche Grundlage für die Identitätsbildung. Die Autorin schlussfolgert, dass die Medienpädagogik weg von rein bewahrenden Ansätzen hin zu interaktiven, subjektorientierten Methoden gelangen muss, um das kreative Potenzial Heranwachsender zu entfalten.
- Arbeit zitieren
- Janine Henkes (Autor:in), 2015, Identitätsbildung und Medienpädagogik. Die Bedeutung positiver medienpädagogischer Intervention im Identitätsprozess, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/322892