Innerhalb wissensintensiver Firmen stellt die Internationalisierung der Unternehmensberatung einen besonders interessanten Fall dar. Einerseits gelten die heute etablierten Strategieberatungen geradezu als Archetypus globaler Unternehmen, deren Internationalität für Kundenunternehmen sowohl Qualitäts- als auch Kompetenzversprechen darstellt und den Beratungsunternehmen selbst zum Reputationsaufbau dient. Demgegenüber stehen die spezifischen Eigenschaften der Beratung als Ausprägungsform wissensintensiver Dienstleistungen, die in Bezug auf Internationalisierungsbestrebungen erhebliche Markteintrittsbarrieren darstellen können.
Neben Erläuterungen der Theorie ist das Ziel der vorliegenden Arbeit, anhand ausgewählter Fallbeispiele aufzuzeigen wie große Unternehmensberatungen internationalisiert haben, um daraus anschließend allgemeingültige Erkenntnisse und Erfolgsfaktoren beratungsbezogener Internationalisierung ableiten zu können.
Zu diesem Zweck muss im Anschluss an diese Einleitung in Kapitel 2, 3 und 4 zunächst der theoretische Rahmen gezeichnet werden, indem eine solche Internationalisierung stattfindet. Dazu werden generische Internationalisierungstheorien und die Besonderheiten des Marktes für Unternehmensberatung aus theoretischer Perspektive beleuchtet. Darauf aufbauend werden in Kapitel 4 Motive, Mechanismen und Formen des internationalen Markteintritts in Bezug auf die Unternehmensberatung dargestellt. Schließlich werden in Kapitel 5, mithilfe des zuvor aufgebauten theoretischen Rahmenwerks, Fallstudien aus der Praxis strukturiert analysiert um diese in einem letzten Schritt auf allgemeingültige Verhaltensmuster bzw. Erfolgsfaktoren zu untersuchen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Hintergrund, Zielsetzung und Vorgehensweise
1.2 Wissensintensive Firmen
1.2.1 Was sind wissensintensive Firmen?
1.2.2 Unternehmensberatungen als Ausprägungsform professioneller Dienstleistungsunternehmen
2 Internationalisierungstheorien
2.1 Das Uppsala Modell der Internationalisierung
2.2 Das Eklektische Paradigma
2.3 Das Netzwerkmodell der Internationalisierung
3 Besonderheiten des Markts für Unternehmensberatung
3.1 Institutionelle Unsicherheit
3.2 Transaktionsunsicherheit
3.3 Vertrauen und Reputation
3.3.1 Arten von Vertrauen
3.3.2 Öffentliche- und Netzwerkreputation
4 Internationalisierung der Unternehmensberatung
4.1 Ausgewählte Motive für die Internationalisierung
4.2 Internationaler Markteintritt
4.2.1 Mechanismen
4.2.2 Formen
5 Fallstudien – Internationalisierung in der Praxis
5.1 Historie der Internationalisierung
5.1.1 Entstehung bis 1960
5.1.2 1960er-Jahre - heute
5.2 Ausgewählte Fallstudien zu Internationalisierung
5.2.1 McKinsey & Company nach Europa
5.2.2 Roland Berger Strategy Consultants nach China
5.2.3 Roland Berger Strategy Consultants in die USA
5.3 Interpretation der Fallstudien vor dem theoretischen Hintergrund
6 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Internationalisierungsprozesse von wissensintensiven Unternehmen, mit einem spezifischen Fokus auf die Strategieberatung. Das Ziel besteht darin, anhand theoretischer Modelle und praktischer Fallbeispiele allgemeingültige Erfolgsfaktoren für den Markteintritt und die Expansion in internationalen Märkten abzuleiten.
- Grundlagen wissensintensiver Dienstleistungsunternehmen
- Theoretische Perspektiven auf Internationalisierungsstrategien
- Herausforderungen durch Marktunsicherheit und Reputationsmanagement
- Analyse der Markteintrittsmechanismen und -formen
- Fallstudien zu den Expansionswegen von McKinsey und Roland Berger
Auszug aus dem Buch
3.1 Institutionelle Unsicherheit
Nach Glückler und Armbrüster (2003, 270) entsteht der erste bedeutsame Unsicherheitsfaktor durch den Mangel an Institutionalisierung der Unternehmensberatungsbranche. Sie ist Ergebnis des Mangels an formalen institutionellen Standards wie dem Status einer Profession und geregelten Berufs-, Produkt- und Marktgrenzen (Glückler/Armbrüster, 2003, 270; Glückler, 2004, 38). Diese könnten, falls vorhanden, die Erwartungssicherheit bezüglich der Beratungsleistung auf Seiten der Klienten erhöhen.
Bei der Unternehmensberatung handelt es sich jedoch um eine ungeschützte Profession (unbounded profession), da der Berufsstand des Beraters weder über geschützte Berufstitel, festgeschriebene Honorarordnungen noch über eine staatliche Berufsaufsicht verfügt (Glückler/Armbrüster, 2003, 271). Versuche, die Profession des Unternehmensberaters per Gesetz rechtlich schützen zu lassen, schlugen in der Vergangenheit in vielen Ländern fehl. Des Weiteren haben etablierte Beratungsunternehmen eingeschränktes Interesse daran, an der Professionalisierung der Branche mitzuarbeiten. Denn diese haben im Laufe der Zeit private Standards eingeführt um sich vom Wettbewerb zu differenzieren. Die Etablierung von einheitlichen Branchenstandards würde die Transparenz des Angebots erhöhen und somit die Marktmacht der Etablierten verringern. Als Konsequenz daraus ist jede natürliche und juristische Person berechtigt, den Titel Unternehmensberater zu tragen. Dadurch gibt es für Kunden keine institutionell begründeten Merkmale, die eine Unterscheidung zwischen qualifizierten und unqualifizierten Beratern möglich machen. Somit tragen Kunden das Risiko der sogenannten Leistungsunsicherheit (performance risk) (Glückler, 2004, 38 f.).
Ferner hat die fehlende Institutionalisierung klare Konsequenzen für den Beratermarkt. Durch niedrige Zutrittsbarrieren herrschen unter den Anbietern zum einen große Qualitätsunterschiede und zum anderen ist der Markt durch zahlreiche Ein- und Austritte starken Schwankungen unterlegen (Glückler/Armbrüster, 2003, 273).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung definiert den Fokus auf die Internationalisierung von Unternehmensberatungen und legt die methodische Vorgehensweise für die Arbeit fest.
2 Internationalisierungstheorien: Dieses Kapitel erläutert zentrale theoretische Ansätze, insbesondere das Uppsala-Modell, das Eklektische Paradigma und das Netzwerkmodell, um die Basis für die weitere Analyse zu schaffen.
3 Besonderheiten des Markts für Unternehmensberatung: Hier werden die spezifischen Herausforderungen wie institutionelle Unsicherheit und Transaktionsrisiken analysiert, die den Beratungsmarkt prägen.
4 Internationalisierung der Unternehmensberatung: Das Kapitel untersucht die Motive (wie Client-Following), Mechanismen und Formen der Internationalisierung innerhalb der Beratungsbranche.
5 Fallstudien – Internationalisierung in der Praxis: Anhand der Beispiele McKinsey und Roland Berger wird die historische und aktuelle Praxis der Internationalisierung analysiert und theoretisch interpretiert.
6 Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse über Erfolgsfaktoren und Verhaltensmuster bei Internationalisierungsvorhaben zusammen.
Schlüsselwörter
Internationalisierung, Unternehmensberatung, Wissensintensive Firmen, Netzwerktheorie, Reputation, Vertrauen, Markteintritt, Client-Following, Institutionelle Unsicherheit, Transaktionskosten, Strategieberatung, McKinsey, Roland Berger, Markterschließung, Wissensmanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie große Strategieberatungen ihren Weg in internationale Märkte gefunden haben und welche Faktoren dabei über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der Theorie der Internationalisierung, den spezifischen Marktbedingungen von Unternehmensberatungen und der praktischen Anwendung dieser Konzepte in Fallstudien.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Ziel ist es, allgemeingültige Erfolgsfaktoren und Verhaltensmuster der Internationalisierung in der beratungsintensiven Dienstleistungsbranche zu identifizieren.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse theoretischer Konzepte sowie einer strukturierten Fallstudienanalyse anhand ausgewählter Unternehmensbeispiele.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zu Internationalisierungsmodellen und Marktmechanismen, gefolgt von einer detaillierten Untersuchung der Internationalisierungsstrategien von McKinsey und Roland Berger.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Internationalisierung, Wissensintensive Firmen, Reputation, Vertrauen und Netzwerktheorie.
Warum spielt das "Client-Following"-Motiv eine so wichtige Rolle?
Es dient vielen Beratungen als reaktive Strategie, um bestehende Kundenbeziehungen zu wahren und finanzielle Risiken beim Markteintritt durch bereits gesicherte Auftragsvolumina zu minimieren.
Welche Lehren lassen sich aus dem Roland Berger Markteintritt in die USA ziehen?
Das Beispiel verdeutlicht, dass ohne etablierte Reputation und starke Netzwerkbeziehungen selbst große Beratungsunternehmen Schwierigkeiten haben, gegen arrivierte Wettbewerber zu bestehen und notwendige Wachstumsziele zu erreichen.
Inwiefern beeinflusst die "Liability of Foreignness" Beratungsfirmen?
Die Nachteile der Marktfremdheit stellen eine massive Eintrittsbarriere dar, die im Beratungsgeschäft aufgrund der hohen Leistungsunsicherheit nur durch den Aufbau lokaler Beziehungsnetzwerke und nachgewiesene Expertise überwunden werden kann.
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- Bachelor of Arts Christian Acht (Author), Markus Dietz (Author), 2016, Internationalisierung von wissensintensiven Firmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/323184