Petroglyphen im steinzeitlichen Norwegen. Wie datiert man Felsbilder?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016
18 Seiten

Leseprobe

Inhalt

1. Einführung

2. Welche Bedeutungen haben Felsbilder? Sind sie mit Riten verbunden?

3. Der Fundplatz Bergbukten 1, Hjemmeluft, Alta, Nord-Norwegen

4.Analyse der Felsbilder

5.Diskussion

6.Zusammenfassung

7. Literaturverzeichnis

8. Onlineverzeichnis

1. Einführung

Felsdarstellungen vermitteln häufig das Sozialverhalten des Zeichners und seines Umfeldes. Sie erzählen von Menschen, die auf Bärenjagd gehen oder fischen (Lødøen/Mandt 2010, 15.). Menschen, die Schneeschuhe tragen und tanzen (Layton 2001, 312).

Derartige Petroglyphen sind demnach keine bloße Abbildungen, die intentionslos gemalt wurden und nichts aussagen. Sie gewähren den Menschen, die sich trotz viel später mit ihnen auseinandersetzen, Einblicke in die geistige Welt des Zeichners vor tausenden Jahren.

Zum Einen manifestiert sich aus der Felsmalerei religiöses Gedankengut. Auch Steinzeitmenschen philosophierten über Leben und Tod und entwickelten Riten (Evers 1988, 17). Nach Evers praktizierten prähistorische Menschen die schamanistische Naturreligion und projizierten diese auf Felsen (ebd., 69). Zum Anderen hat die Kunst möglicherweise zur Kommunikation untereinander gedient und Geschichten innegehalten, weswegen die Interpretation der Felsbilder eine "Mehrschichtigkeit" aufweisen (Braun 2015, 11).

Mit mehr als 1100 Petroglyphen (Lødøen/Mandt 2010, 4) befindet sich in Norwegens Kommune Alta die größte Konzentration an Felsbilder aus Nordeuropa (Alta Museum). Sie beherbergt zahlreiche Felsporträts von Menschen, Bären, Rentiere, Elche, Fische und sogar geometrische Formen, seien sie gemalt oder graviert worden (ebd.). Die Abbildungen datieren laut Helskog 4200 v. Chr. - 200 n. Chr. (2000). Weitere Felsbilder befinden sich in Östfold, Vestfold, Telemark und Lista, sowie an einigen Orten der Küste des Westlands und in den Ackerbaugegenden östlich des Trondheimsfjords (Hagen 1968, 4).

Da in der Steinzeit das Überleben als die höchste Priorität gegolten hat, besteht die Felskunst auch in Norwegen aus Jagdzeichnungen und Tierdarstellungen (ebd., 26).

Bisher ist eine grobe Einteilung der Felsbilder in Epochen hauptsächlich durch Stilmerkmale relativchronologisch erfolgt. Ein weiteres bekanntes Datierungsverfahren stellt die Radiokarbonmethode dar. Soweit die Felsbilder gemalt wurden, wird die

Zeichenkohle für eine absolute Datierung genutzt (Züchner 2000, 109). Wie geht man allerdings voran, wenn Bilder graviert oder geschabt wurden? Gibt es weitere Wege zur Altersbestimmung von Zeichnungen?

2. Welche Bedeutungen haben Felsbilder? Sind sie mit Riten verbunden?

Laut Mahlstedt stehen Felsbilder in Verbindung mit der Naturreligion, die im Norden Skandinaviens bis zu 10.000 Jahre zurück reicht (2010, 125). Die Jagd ist eine Notwendigkeit zum Überleben gewesen, weshalb Tiere im Leben der Steinzeitmenschen das Zentrum dargestellt haben. Möglicherweise haben die nordischen Menschen in ihren Felszeichnungen die Jagdmagie verewigen wollen, wodurch sie auf Hilfe von übermenschlicher Macht gehofft haben (Sturm-Berger 1996, 4; Mandt 2009,161).

Die enge Verbundenheit zur Natur wiederspiegelt sich in den Felsbildern, die Seen, Berge, Tiere und den Menschen, also sich selbst, enthalten (Mahlstedt 2010, 127). Es gibt keinen Indiz für einen Schöpfergott. Dafür steht die Beziehung des Menschen zum Leben, zur Natur und Erde im Vordergrund (ebd., 9). Aus diesem Grund ordnen Braun, sowie Evers, Layton und andere Wissenschaftler und Autoren diese Charakteristika dem Schamanismus zu (1988, 69; 2015, 12; 2001, 312.).

Zusätzlich zu der sichtbaren Lebenswelt hat für die Menschen eine unsichtbare, geistige Anderswelt existiert, in der sie von Geistern um Hilfe und Rat gebeten haben (Braun 2015, 12; Layton 2001, 312; Mahlstedt 2010, 127; Sturm-Berger 1996, 38). Diese Prämisse unterstützt die These, dass die Nutzung von Felsbildorten als "Heiligtümer" gegolten haben (Sturm-Berger 1996,38).

Die mythisch-verwandtschaftliche Beziehung zwischen den Menschen und ihrer Natur deutet laut Braun auf eine "Totembruderschaft" (2015, 12). Dies ist nach Mahlstedt der Grund, weshalb auf Felsen nur ausgewählte Tiere wie Ren, Bär, Elch und Fische abgebildet sind (2010, 129). Diese Tiere bilden eine besondere Stellung in der Naturwelt und stehen über die anderen Lebewesen. Demnach haben Jäger ihre "Totembrüder" getötet, obwohl sie für Menschen heilig gewesen sind. Die Jagd wird daher rituell ausgeführt und das Tier mit großer Achtung gegessen (Braun 2015, 12).

Wenn diese Vermutung zutrifft und der Wahrheit entspricht, ist dies ein Indiz dafür, dass man den Tod nicht als etwas Grausames angesehen hat. Vielmehr hat der Tod zum Leben dazugehört und die Seele des Tiers ist für die Anderswelt befreit worden (Mahlstedt 2010).

Nichtdestotrotz können Felsbilder auch aus profaner Absicht gezeichnet worden sein. Letztendlich sind Thesen lediglich Erklärungsversuche zur Annäherung zur Wahrheit, dessen vollkommene Erkenntnis für Außenstehende unzugänglich ist.

3. Der Fundplatz Bergbukten 1, Hjemmeluft, Alta, Nord-Norwegen.

Alta enthält die wichtigsten Fundorte von Felsbildern aus Norwegen. Überdies zählt die Kommune zum größten Welterbe und bietet eine öffentliche Präsentation der Ausstellung (Johansen/Tansem 2008, 67). Einer der bekanntesten Fundplätze stellt die Bucht Hjemmeluft dar. Dabei unterteilt sie sich in folgende wichtigste Orte auf: Bergbukten, Ole Pedersen, Bergheim, Apana Gård und Apanes. Die Zeichenplatten sind sowohl auf festem Fels als auch auf einigen kleinen Felsbrocken auf beiden Seiten der Bucht auffindbar (Alta Museum).

Nach den Angaben des Alta Museums liegt die Platte, die als Bergbukten 1 gekennzeichnet ist, 23-25 Meter über den Meeresspiegel, beträgt eine Größe von 508.00 x 254.26 cm und datiert zwischen 5000-3000 v. Chr. (ebd.). Sie wurde erstmals 1973 entdeckt (Johansen/Tansem 2008, 67). Die Platte umfasst mehrere Szenarien. Aus diesem Grund wurde sie von Alta Museum in mehrere Abschnitte unterteilt, in denen Menschen und Tiere verschiedene Aktivitäten ausführen. Sie jagen, sammeln, tanzen oder vollziehen Rituale (ebd.). Die meisten Tiermotive bilden Rentiere, Elche und Bären. Überdies sind an einigen Stellen paarende und trächtige Tiere, Bärenhöhlen und Zäune abgebildet. In demselben Maße sind auch Boote, Fransen und geometrische Formen präsent (Evers 1988, 118; 1991, 49).

Den wichtigsten Teil der Felsplatte stellt jedoch der linke Part dar. In diesem Abschnitt ist nämlich die Dichte an Zeichnungen höher als in den anderen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1. Felsbilder in Bergbukten. Der linke Part der Platte. (Alta Museum).

Hier ist ein großer Jagdzaun abgebildet, in dem sich viele Rentiere befinden. Diese gelangen durch die rechte Zaunöffnung in den Zaun hinein. Rechts unten innerhalb des Zaunes ist ein Jäger zu sehen, der mit seinem Speer ein Rentier angreift.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2. Felsbilder in Bergbukten. Der mittige Teil der Platte. (Alta Museum).

Das Foto stellt die Mitte der Platte vor. Links oben auf der Abbildung sind mehrere Jäger skizziert, die auf Bärenjagd sind. Die Spuren deuten darauf hin, dass Bären gerade ihre Höhlen verlassen haben (ebd.). Unter der Bärenhöhle und rechts oberhalb der Jagd befinden sich geometrische Formen, deren Bedeutung unschlüssig sind. Weiter sind mehrere Rentiere und Elche sowie zwei Boote auf dem Bild zu erkennen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.3. Felsbilder in Bergbukten. Der rechte Part der Platte. (Alta Museum).

Diese Abbildung stellt die rechte Seite der Gesamtplatte dar. Sie zeigt weiterhin Rentiere und Elche, die verstreut auf dem Fels abgebildet sind. Mittig auf dem Foto ist ein lineares Netzwerk zu sehen. Die restlichen geometrischen Formen deutet Evers auf einen Halsschmuck hin, die Steinzeitmenschen getragen haben (1988, 150).

Aufgrund der Tatsache, dass die Meeresspiegelhöhe auf beiden Seiten der Bucht mit den Stilmerkmalen der Felskunst übereinstimmt, unterscheidet Helskog die Felszeichnungen in fünf Phasen:

[...]

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Details

Titel
Petroglyphen im steinzeitlichen Norwegen. Wie datiert man Felsbilder?
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (UFG)
Autor
Jahr
2016
Seiten
18
Katalognummer
V324122
ISBN (eBook)
9783668233461
ISBN (Buch)
9783668233478
Dateigröße
963 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
archäologie, skandinavien, norwegen, felsbilder, petroglyphen, datierung
Arbeit zitieren
Fatma Ayyildiz (Autor), 2016, Petroglyphen im steinzeitlichen Norwegen. Wie datiert man Felsbilder?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/324122

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