Die Bedeutung des Goodwills (Geschäfts- oder Firmenwert) hat in den letzten Jahren einen immer höheren Stellenwert erlangt. Die zunehmende Zahl von Unternehmenskäufen und -zusammenschlüssen hat einen wesentlichen Einfluss auf diese Thematik. Die Bilanzierung und Bewertung des Goodwills weisen zum Teil starke Unterschiede auf. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass nach HGB der Gläubigerschutz (Fremdkapitalgeber) im Vordergrund steht, während IAS/IFRS vorrangig die Investoren (Eigenkapitalgeber) schützen. Schon geringe Änderungen in der Goodwill-Bilanzierung können zu weit reichenden Auswirkungen auf die Darstellung der Vermögens- und Ertragslage führen.
Ziel dieser Arbeit ist es, die Besonderheiten und Differenzen der Goodwillbehandlung nach dem deutschen Handelsgesetzbuch (HGB) und nach den International Accounting Standards/International Financial Reporting Standards (IAS/IFRS) zu untersuchen. Dabei wird auf den am 31. März 2004 vo m International Accounting Standards Board (IASB) verabschiedeten IFRS 3 „Business Combinations“, der den bisherigen IAS 22 ersetzt, eingegangen. Es werden sowohl die ursprüngliche Behandlung als auch die sich durch den neuen IFRS 3 ergebenden Änderungen in die Untersuchung einbezogen. Festzustellen ist, dass durch den IFRS 3 eine Angleichung an die US-amerikanischen Regelungen SFAS 141 und 142 erfolgt ist. Das ist ein weiterer Schritt zur Harmonisierung der Bilanzregeln, die am 29.10.2002 zwischen dem Financial Accounting Standards Board (FASB) und dem IASB zur Angleichung der Rechnungslegungsstandards nach IAS und US-GAAP vereinbart worden sind, die bis 2005 abgeschlossen sein sollen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Zielsetzung
1.2. Gang der Untersuchung
2. Begriff und Arten des Goodwills
2.1. Originärer und derivativer Goodwill
2.2. Positiver und negativer Goodwill
3. Bilanzierung und Bewertung des Goodwills nach HGB
3.1. Originärer Goodwill
3.2. Derivativer Goodwill
3.2.1. Bilanzansatz
3.2.2. Bilanzbewertung
3.2.3. Angabepflichten
3.3. Sonderfall negativer Goodwill
4. Bilanzierung und Bewertung des Goodwills nach IAS/IFRS
4.1. Bilanzierung nach IAS
4.1.1. Originärer Goodwill
4.1.2. Derivativer Goodwill
4.1.2.1. Bilanzansatz
4.1.2.2. Bilanzbewertung
4.1.2.3. Angabepflichten
4.1.3. Sonderfall negativer Goodwill
4.2. Bilanzierung nach IFRS 3
4.2.1. Derivativer Goodwill
4.2.1.1. Ansatz und Bewertung des Goodwills
4.2.1.2. Angabepflichten
4.2.2. Sonderfall negativer Goodwill
5. Vergleich zwischen HGB und IAS/IFRS
6. Resümee
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Untersuchung der konzeptionellen Unterschiede und praktischen Auswirkungen bei der Bilanzierung und Bewertung des Goodwills gemäß den deutschen handelsrechtlichen Vorschriften (HGB) im Vergleich zu den internationalen Standards (IAS/IFRS). Dabei liegt ein besonderer Fokus auf den Neuregelungen durch IFRS 3 und der daraus resultierenden Harmonisierung mit US-amerikanischen Standards.
- Konzeptionelle Grundlagen und Arten des Goodwills
- Regelungen zur Goodwill-Bilanzierung nach HGB
- Analyse der Bilanzierung nach IAS und den Änderungen durch IFRS 3
- Der Impairment-Test als zentrales Instrument der Folgebewertung
- Umgang mit negativen Goodwill-Beträgen (Badwill)
Auszug aus dem Buch
4.2.1.1. Ansatz und Bewertung des Goodwills
Der Goodwill ergibt sich als Residualgröße aus den Anschaffungskosten des Unternehmenserwerbs und dem mit dem fair value bewerteten Reinvermögen zum Erwerbszeitpunkt. Während in der Rechnungslegung nach HGB der Charakter des Goodwills umstritten ist, wird dieser in der Rechnungslegung nach IFRS 3.51 a als immaterieller Vermögenswert aufgefasst. Unter IFRS 3 ist die planmäßige Abschreibung des Goodwills nicht mehr erlaubt, da er als „an indefinitelived asset“ (Vermögenswert mit einer unbestimmbaren Nutzungsdauer) aufgefasst wird. Er ist einmal jährlich einem Impairment-Test nach IAS 36 (2004) zu unterziehen. Bei Vorliegen bestimmter Anzeichen einer Wertminderung (Triggering Events) ist ein zusätzlicher, unterjähriger Impairment-Test durchzuführen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Relevanz der Goodwill-Bilanzierung und Abgrenzung der Zielsetzung der Arbeit.
2. Begriff und Arten des Goodwills: Definition des Goodwills sowie Unterscheidung zwischen originären/derivativen und positiven/negativen Goodwill-Arten.
3. Bilanzierung und Bewertung des Goodwills nach HGB: Analyse der Bilanzierungspraxis für originären und derivativen Goodwill nach deutschem Handelsrecht unter Berücksichtigung des Aktivierungsverbots und der Abschreibungsmethoden.
4. Bilanzierung und Bewertung des Goodwills nach IAS/IFRS: Ausführliche Untersuchung der IAS 22 Anforderungen sowie der grundlegenden Änderungen durch IFRS 3 inklusive Impairment-Test-Verfahren.
5. Vergleich zwischen HGB und IAS/IFRS: Gegenüberstellung der unterschiedlichen Ansätze zur Goodwill-Behandlung im HGB und in den internationalen Rechnungslegungsstandards.
6. Resümee: Zusammenfassende Einschätzung der Harmonisierungsbemühungen und kritischer Ausblick auf die Komplexität der Goodwill-Bewertung.
Schlüsselwörter
Goodwill, Geschäfts- oder Firmenwert, HGB, IAS, IFRS 3, Bilanzierung, Bewertung, Impairment-Test, derivativer Goodwill, originärer Goodwill, Unternehmenskauf, Harmonisierung, Cash Generating Unit, CGU, Badwill
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Unterschiede in der bilanziellen Behandlung von Goodwill nach deutschem HGB und den internationalen Standards IAS/IFRS.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die Ansatz- und Bewertungsvorschriften, die Problematik der planmäßigen Abschreibung gegenüber dem Impairment-Only-Ansatz sowie die Behandlung von negativem Goodwill.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Auswirkungen unterschiedlicher Rechnungslegungsnormen auf die Darstellung der Vermögens- und Ertragslage bei Unternehmenskäufen aufzuzeigen und den Harmonisierungsprozess durch IFRS 3 zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die eine synoptische Darstellung und einen systematischen Vergleich der einschlägigen Gesetzestexte, Standards (IAS 22, IAS 36, IFRS 3) und Fachliteratur vornimmt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der HGB-Regelungen, der internationalen IAS-Standards sowie der Neuerungen durch IFRS 3 inklusive der operativen Durchführung des Impairment-Tests.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Goodwill, Impairment-Test, HGB, IFRS 3, derivativer Goodwill und Harmonisierung der Rechnungslegung.
Welche Rolle spielt der Übergang von IAS 22 zu IFRS 3 für die Bewertung?
Der Übergang markiert den Wechsel von der planmäßigen Abschreibung hin zu einem reinen Werthaltigkeitstest, was die Relevanz von Ermessensspielräumen bei der Unternehmensbewertung massiv erhöht.
Warum ist die Unterscheidung zwischen "Bottom-Up" und "Top-Down"-Tests wichtig?
Diese Testmethoden sind entscheidend, um den Goodwill auf zahlungsmittelgenerierende Einheiten (CGU) zu verteilen, da ein Goodwill selten einem einzelnen Vermögenswert direkt zugeordnet werden kann.
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- Kathrin Gähme (Author), 2004, Bilanzierung des Goodwills nach HGB und IAS/IFRS, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32711