Homosexualität - die ethische Bewertung durch die Gesellschaft


Studienarbeit, 2004

23 Seiten, Note: 2


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Begriffsklärungen
2.1. Ethik
2.2. Moral
2.3. Homosexualität
2.4. Stigmatisierung der Homosexuellen

3. Geschichtliche Hintergründe der Homosexualität
3.1. Homosexualität im Altertum
3.2. Homosexualität im Mittelalter und in der frühen Neuzeit

4. Homosexualität in den Religionen
4.1. Homosexualität im Christentum
4.2. Homosexualität im Judentum
4.3. Homosexualität im Buddhismus

5. Ist Homosexualität widernatürlich?

6. Diskriminierung und Vorurteile von Homosexuellen
6.1. Diskriminierung
6.2. Vorurteile
6.2.1. Die angeblich „weibliche Identifizierung“ von Schwulen und
„männliche Identifizierung“ von Lesben
6.2.2. Die angebliche Verführungsgefahr für Kinder und Jugendliche
6.2.3. Beziehungsinstabilität homosexueller Beziehungen 13
6.2.4. Der Außenseiterstatus von Lesben und Schwulen
6.2.5. Aids/HIV

7. Das Coming-out

8. Die homosexuelle Subkultur

9. Fallbeispiel
9.1. Die eigenen Gefühle verdrängen
9.2. Die Reaktion der Eltern
9.3. Das erste Mal: Sex und Outing
9.4. Nicht mehr allein
9.5. Diskriminierung

10. Schluss

11. Literaturverzeichnis

„Homosexualität ist gewiß kein Vorzug, aber es ist nicht etwas, dessen man sich schämen muß, kein Laster, keine Erniedrigung und kann nicht als Krankheit bezeichnet werden…

(Freud z. n. Isay 1993, S. 11)

1. Einleitung

In den letzten Jahren ist das Thema Homosexualität immer mehr an die Oberfläche gerückt, wie zum Beispiel durch Medien, Gesellschaft und Aufklärungskampagnen und wird offen thematisiert. Es scheint als wenn Homosexualität kein Tabuthema mehr wäre, der §175 StGB, durch den homosexuelle Handlungen an Männern unter achtzehn bestraft wurden, wurde abgeschafft, homosexuelle Paare dürfen heiraten und sogar Kinder adoptieren, in Zeitungen sind die Partnerrubriken „Er sucht Ihn“ und „Sie sucht Sie“ nicht mehr wegzudenken und in den Kinos sind homosexuelle Themen wie zum Beispiel „der bewegte Mann“ und „Philadelphia“ immer öfters Thema. Im Fernsehen sind die Homosexuellen in den Serien wie „Marienhof“ oder „Gute Zeiten Schlechte Zeiten“ kaum noch wegzudenken.

Doch ist es wirklich so, dass die Gesellschaft die homosexuelle Lebensweise toleriert? Bis vor wenigen Jahren noch war die Homosexualität ein pönalisiertes Verhalten, jedoch konnte zum Beispiel durch die sogenannte „sexuelle Revolution“ in den sechziger und siebziger Jahren und die damit zunehmende Akzeptanz abweichender geschlechtlicher Orientierung, die strafrechtliche Verfolgung homosexueller Handlungen langsam abgebaut werden. (vgl. Schledt 1997, S.16)

Die ethische Bewertung von Homosexualität führt zu unterschiedlichen und sogar zu konträren Ergebnissen unter anderem je nachdem, welche anthropologischen Voraussetzungen und Deutungen der Homosexualität zugrunde gelegt werden. Auch ist die ethische Bewertung nicht selten von einer bestimmten religiösen Sichtweise abhängig oder mit ihr verbunden.

2. Begriffsklärungen

2.1. Ethik:

Der Begriff Ethik stammt von dem griechischen Wort „ ethos“ ab und wurde von Aristoteles eingeführt. Ethik befasst sich mit sittlichen Normen, Werten und Anschauungen. Man könnte auch sagen, dass Ethik die Lehre vom sittlichen Wollen und Handeln des Menschen in verschiedenen Lebenssituationen ist. Damit verbunden ist die Frage was gut und böse ist. Heute wird Ethik oft auf den Umgang mit anderen Menschen bezogen.

(vgl. http://fp.tsn.at/kolleg-stams/5_studierende/Seminararbeiten/ethik.pdf)

2.2. Moral

Moral ist von dem lateinischen Wort „mos“ abgeleitet und bedeutet: Sitte im Sinne von moralischen Regeln.

Moral beschreibt zum einen die Gesamtheit der sittlichen Normen, Werte und Grundsätze, die das zwischenmenschliche Verhalten einer menschlichen Gesellschaft regulieren und von ihrem überwiegenden Teil als verbindlich akzeptiert oder zumindest hingenommen werden.

Zum anderen beschreibt es das sittliche Empfinden oder Verhalten eines Einzelnen, bzw. einer Gruppe.

Ethik und Moral werden heute oft als Synonym verwendet. Der Unterschied zwischen Moral und Ethik ist jedoch, dass die Moral das tatsächlich gelebte Wert- und Normsystem des einzelnen Menschen oder einer Gruppe ist.

(vgl. http://www.matheboard.de/lexikon/Moral,definition.htm)

2.3. Homosexualität

Den Begriff Homosexualität zu definieren ist recht schwierig, da sich verschiedene Ansatzpunkte finden lassen. In seiner wörtlichen Betrachtungsweise beschreibt Homosexualität die Gesamtheit aller Verhaltensweisen, Triebe und Bedürfnisse bei Mensch und Tier, welche sich auf den Geschlechtsakt oder, auch im weiteren Sinne, auf die Befriedigung des Sexualtriebes gleichgeschlechtlicher Partner beziehen. (vgl. Schledt 1997, S. 15)

Freud jedoch ging davon aus, dass jeder Mensch sowohl heterosexuelle als auch homosexuelle Präferenzen hat und durch frühkindliche Einflüsse schließlich eine der Neigungen ausgeprägt wird. Laut Kinsey ist die Homosexualität der gegenüberliegende Pol zum Pol der Heterosexualität.

Dannecker besteht darauf, dass Homosexualität und Heterosexualität etwas anderes sind als sexuelle Gewohnheiten. Er unterscheidet zwischen dem Homosexuellen und der Homosexualität. Homosexualität repräsentiert eher die psychische und unbewusste Seite und die Kategorie Homosexueller eher die soziale und unbewusste Seite eines Menschen. Weiterhin erkennt Dannecker drei Dimensionen der Kategorie Homosexualität. Zum einen eine sexualwissenschaftliche Dimension, welche die Einteilung in Sexualverhalten bzw. Sexualphantasien hat. Als zweites beschreibt Dannecker eine soziologische Dimension, welche die Kategorie Stigma bzw. das Feld soziale Diskriminierung erfasst. Die dritte psychologische Dimension, beinhaltet die Kategorie Identität und Persönlichkeit. Wichtig zu erwähnen ist, dass die ersten beiden Dimensionen erst zur Auswirkung kommen, wenn jemand sich bewusst als homosexuell erlebt oder Angst hat, homosexuell zu sein. (vgl. ebd. 1997, S. 18)

Erweitert um eine vierte Dimension wird Danneckers Konzept durch Köllner. Er beschreibt eine pädagogische Dimension, welche die Anwaltsfunktion und das Wächteramt des Pädagogen für den Homosexuellen erfasst. (vgl. ebd. S. 19)

2.4. Stigmatisierung der Homosexuellen

Der Begriff der Stigmatisierung beschreibt einen Prozess, in dem bestimmten Personenrandgruppen, wie zum Beispiel die Homosexuellen, deutlich als moralisch minderwertig gebrandmarkt werden, zum Beispiel durch gehässige Bezeichnungen und Bewertungen oder auch durch öffentlich verbreitete negative Informationen. Oft führt diese Stigmatisierung zu Diskriminierung dieser Randgruppen. (vgl. ebd. S.25)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Geschichtliche Hintergründe der Homosexualität

Homosexualität hat es schon immer gegeben. Viele alter Stammeskulturen gestatteten den zum Mann heranwachsenden Jungendlichen aktive wie passive homosexuelle Praktiken. Der Grund dafür lag in dem Glauben verborgen, dass erst die Männerliebe den Heranwachsenden zu einer umfassenden Männlichkeit führen würde.

3.1. Homosexualität im Altertum

Im klassischen Altertum zum Beispiel in Griechenland, war Homosexualität weit verbreitet und wurde gesellschaftlich voll akzeptiert. In Rom war Homosexualität zwar weniger verbreitet, wurde aber gesellschaftlich ebenfalls akzeptiert, jedoch weniger zwischen freien Römern allerdings mehr zwischen Herren und Sklaven. Das Christentum ächtete die Homosexualität. Diese Einstellung entstand aus dem Glauben, dass Lust und Sexualität Sünde waren und nur in der Ehe zur Zeugung von Kindern geduldet werden dürften. Homosexuelle Liebesspiele wurden als schweres Verbrechen gegen Gott und die Natur des Menschen angesehen. (vgl. http://www.webbewerb04.kbs-koeln.de/berufskolleg-bonn-duisdorf/html/altertum.html)

Auch im alten Persien war die Homosexualität weit verbreitet und wurde nicht verfolgt. Einen philosophischen Überbau erhielten diese Praktiken u.a. durch Sokrates. In Mesopotamien zum Beispiel, dem sagenumwobenen Land zwischen Euphrat und Tigris, wurde Homosexualität weder verfolgt noch geächtet. Die Sexualität wurde im Gegenteil als Manifestation des Göttlichen angesehen und besaß daher auch kultischen Charakter. (vgl. http://www.m-ww.de/gesund_leben/maennersache/homosexualitaet.html)

3.2. Homosexualität im Mittelalter und in der frühen Neuzeit

Zur Bezeichnung homosexueller Handlungsweisen kannte das Mittelalter und die frühe Neuzeit verschiedene andere Begriffe um Homosexualität auszudrücken. In mittelalterlichen und Texten aus der frühen Neuzeit werden diejenigen, welche wir heute Homosexuelle nennen, nicht mit einem allgemein anerkannten Begriff definiert. Sie figurieren meist als „Sünder“, „Verbrecher“, „Ketzter“ und „Sodomiter“.

Burchard von Worms (gest. 1025) verwendet bereits in seinen Dekreten den Terminus „sodomita“, und zwar in dem Zusammenhang mit einer rhetorischen Bußfrage: „Hast du Unzucht getrieben, wie sie die Sodomiter treiben, das heißt, hast du deine Rute in den Rücken oder in das Hinterteil eines Mannes eingeführt und so nach sodomitischer Art den Beischlaf vollzogen?“ (Hergemöller 1998, S. 23)

Jedoch standen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit keine allgemeinen Begriffe für diejenigen zur Verfügung, die sich auf Dauer und im vollen Bewusstsein ihres Tuns mit Jünglingen oder Männern vergnügten. Gewisse Ansatzpunkte bilden wie schon erwähnt der genannte Begriff Sodoma, aber dies wurde nicht ausschließlich auf die gleichgeschlechtlich Handelnden, sondern auf alle „Sünder wider der Natur“ angewandt.

Im Mittelalter wurde sexuelles Verhalten zwischen Frauen sehr wenig angesprochen und wenn doch, dann wurde meist zu verbalen und partizipialen Umschreibungen gegriffen. Wie zum Beispiel: mulier cum muliere fornicans (eine Frau, die mit einer anderen „unzüchtigt“) oder mulier cum muliere fornicationem commitens (eine Frau, die mit einer anderen „Unzucht“ begeht). Ein Grund hierfür ist, das die Frau als ein Wesen angesehen wurde, das sexuell ausschließlich auf den Mann ausgerichtet sei. Die erotische und sexuelle Vereinigung von Frau und Frau wurde nicht als ein spezifischer Tatbestand betrachtet, sondern als eine der verschiedenen Möglichkeiten für Frauen, den ihnen unterstellten unersättlichen Trieb zu befriedigen. Das heißt die gleichgeschlechtliche Handlung unter Frauen wurde nicht als Ausdruck einer eigenständigen Sexualität empfunden, sondern als eine unerlaubte Form des zusätzlichen, außerehelichen Lustgewinns.

Dafür spricht die Tatsache, dass in einigen mittelalterlichen „Bußbüchern“ weibweibliche „Unzucht“ unter Jungfrauen und Witwen weitaus milder bestraft wurden als die unter Ehefrauen und Müttern.

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Homosexualität - die ethische Bewertung durch die Gesellschaft
Hochschule
Hochschule Mittweida (FH)
Veranstaltung
Ethik
Note
2
Autor
Jahr
2004
Seiten
23
Katalognummer
V32861
ISBN (eBook)
9783638334778
ISBN (Buch)
9783638652018
Dateigröße
514 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Homosexualität, Bewertung, Gesellschaft, Ethik
Arbeit zitieren
Jacqueline Hofmann (Autor), 2004, Homosexualität - die ethische Bewertung durch die Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32861

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