Die Diagnose von Legasthenie in der Schule


Seminararbeit, 2004

10 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Begriff Legasthenie

2. Allgemeine Erkennungsmerkmale von Legasthenie
2.1 Erkennung von Leseschwächen
2.2 Erkennung von Rechtschreibschwächen

3. Spezielle Testverfahren zur Diagnose von Legasthenie
3.1 Zürcher Lesetest
3.2 Bremer Artikulationstest
3.3 Bremer Mosaiktest

3.4 Hamburger Schreibprobe

4. Zusammenfassung

5. Literatur

Einleitung

Viele Jahre war das Thema Legasthenie in deutschen Schulen ein Tabuthema. Seit Mitte der neunziger Jahre gab es in Bezug auf diese Erscheinung bei Schulkindern eine Wende. Immer häufiger wird nun auf das Problem der Legasthenie bei Kindern eingegangen. Besonders verbessert haben sich in den letzten Jahren Diagnoseverfahren und Förderungsmöglichkeiten für Legastheniker

In meiner Seminararbeit möchte ich mich mit der Diagnose von Legasthenie befassen. Dabei werde ich zunächst den Begriff der Legasthenie umreißen und im Anschluss allgemeine Erkennungsmerkmale sowohl der Lese - als auch der Rechtschreibschwäche vorstellen. Nach Abschluss der allgemeinen Betrachtungen und Erkennungsmöglichkeiten möchte ich spezielle Testverfahren bzw. Testarten vorstellen, die unterschiedlich eingesetzt werden können, um eine Legasthenie möglichst früh zu diagnostizieren. In meinen Betrachtungen stütze ich mich im Bereich der Leseschwäche auf den Zürcher Lesetest und den Bremer Artikulationstest. Im Bereich der Diagnose von Rechtschreibschwierigkeiten beziehe ich mich vor allem auf den Bremer -Mosaik-Test und die Hamburger Schreibprobe

Nachdem ich diese vorgestellt habe, möchte ich die Tests miteinander vergleichen und gewisse Vorzüge aber auch Nachteile herausstellen

Am Ende meiner Betrachtungen fasse ich meine Ergebnisse noch einmal zusammen und versuche dabei auch, auf Schwierigkeiten der Diagnose von Legasthenie in der Schule einzugehen

1.Begriff Legasthenie

Legasthenie kennzeichnet im Allgemeinen eine Störung der kognitiven Informationsverarbeitung. Es handelt sich bei diesem Phänomen um eine Schwäche im Erlernen des Lesens und des Schreibens bei einer sonst intakten Intelligenz eines Kindes. Beim Lesen werden häufig Worte ausgelassen oder nichtvorhandene Teile hinzugefügt. Weiterhin ist die Lesegeschwindigkeit sehr niedrig und Sinnzusammmenhänge werden nicht bzw. nur kaum erkannt. Beim Rechtschreiben treten häufig Schwierigkeiten beim Schreiben von Buchstaben, Wörtern oder Sätzen auf. Sowohl spontanes Aufschreiben als auch das Abschreiben von Texten ist bei Risikokindern überdurchschnittlich hoch. Oftmals macht sich Legasthenie auch durch eine sehr unleserliche Handschrift bemerkbar

Um Legasthenie heilen zu können, ist eine Früherkennung besonders wichtig. Sie gestaltet sich jedoch nicht sehr einfach, da es auf der einen Seite geschulten Personals bedarf (welches in deutschen Schulen nicht immer zu finden ist), auf der anderen Seite können Leseschwächen und Rechtschreibschwächen getrennt voneinander auftreten oder sich gegenseitig bedingen. Dieses herauszufinden bzw. zu diagnostizieren stellt für Lehrer, Erzieher und Psychologen eines der Hauptprobleme dar. Kinder, die von dieser Störung betroffen sind, versuchen oftmals auch ihr Problem zu überspielen oder verdecken. Wenn dies nicht rechtzeitig von Pädagogen erkannt wird, kann es sogar vorkommen, dass die Legasthenie erst in höheren Klassen (fünf bis acht) entdeckt wird. Fördermaßnahmen gestalten sich bei dieser Späterkennung weitaus schwieriger als bei jüngeren Kindern, von den psychologischen Problemen oder Störungen in diesem fortgeschrittenen Stadium einmal abgesehen

Pädagogen muss daher klar sein, dass es sich bei der Legasthenie nicht um mangelnde Intelligenz (oftmals auch als Dummheit bezeichnet) handelt, sondern um eine Störung, die therapierbar ist. Falsches (Be-) Handeln kann sich sehr negativ auf die weitere Entwicklung des Kindes auswirken

2. Allgemeine Erkennungsmerkmale von Legasthenie

In den folgenden Abschnitten möchte ich allgemeine Erkennungszeichen von Legasthenie herausstellen. Dabei unterscheide ich zwischen speziellen Merkmalen einer Leseschwäche und denen einer Rechtschreibschwäche. Die Schwierigkeiten, die ich hier beschreibe, müssen jedoch nicht als Ganzes vorliegen, um von einer Legasthenie sprechen zu können. Sie können einzeln oder schwerpunktartig auftreten

Professionelle Tests bzw. Diagnoseverfahren werden in einem gesonderten Kapitel behandelt

2.1 Erkennung von Leseschwächen

Leseschwächen stellen einen Teilbereich der Legasthenie dar. Im Folgenden möchte ich einige Aspekte darstellen, die bei einem Risikokind in Bezug auf Leseschwächen festgestellt werden können. Kinder, die Leseschwächen haben, können oftmals nicht passende Worte finden, wenn sie sich zu bestimmten Sachverhalten äußern sollen. Diese Wortfindungsschwierigkeiten treten vor allem bei spontanen Äußerungen auf. Weiterhin können Kinder mit einer Leseschwäche Töne nicht richtig wahrnehmen und ihre Beteiligung am Unterricht ist durch einen niedrigen Verbalanteil, dafür von einem höheren Handlungsteil geprägt.[1] Darüber hinaus lesen Legastheniker anders als andere Kinder. Ihr Lesestil ist im Allgemeinen sehr langsam, bei neuen Sätzen wird oftmals gezögert oder im laufenden Text wird eine Zeile verloren oder übersprungen. Des weiteren lesen Legastheniker ganzheitlich. Ganzheitliches Lesen ist charakterisiert von einer Nichterkennung bzw. Erfassung des Wortes. Es wird von den Kindern nur angelesen und der fehlende Rest dazugedacht oder geraten. Vielfach tritt dieses Phänomen bei ähnlichen Wörtern in einem Text auf. Kommt in einem Text fortlaufend das Wort Hasenfalle vor, wird ein ähnliches Wort, z.B. Hasenkralle (mit einem ganz anderen Sinn) am Ende des Textes in der gleichen Weise vorgelesen- es wird einfach in den Text hineingeraten.[2]

Begleitet werden diese Erscheinungen von einer großen Angst der Kinder, sich endlich durch einen Text gelesen zu haben. Der Sinn und die Betonung der Wörter ist dabei absolut nebensächlich. In der Hauptsache gilt es den Text zu bewältigen und „durch zu sein“. Lautes Vorlesen bedeutet für Risikokinder und Legastheniker eine unwahrscheinlich große psychische Belastung

2.2 Erkennung von Rechtschreibschwächen

Große Schwächen in der Rechtschreibung werden besonders deutlich, wenn ein Kind Texte von der Tafel oder dem Schulbuch falsch abschreibt (und eine sehr hohe Fehleranzahl dabei produziert). Die Fehlerzahl ist im Weiteren auch bei ungeübten Diktaten sehr hoch. Daneben häufen sich Fehler in der Grammatik und Interpunktion. Spontanität beim Aufschreiben ist, wie auch bei mündlichen Äußerungen, eine große Schwierigkeit. Legastheniker benötigen sehr viel Zeit, um ihre Gedanken oder Ideen in Worte zu fassen

Besonders deutlich zeigen sich Rechtschreibschwächen hinsichtlich der Ausdauer beim Schreiben. Hierbei wird auch von einem graphomotorischen Problem gesprochen. Charakterisierend für eine Schwäche in der Rechtschreibung ist auch die Vertauschung von ähnlich aussehenden Buchstaben, z.B. Vertauschung von m und n oder v und u. Deutlich wird eine Legasthenie vor allem, wenn ein und dasselbe Wort in dem gleichen Text mehrfach und unterschiedlich falsch geschrieben ist oder es sich bei dem Aufgeschriebenen nur um Wortruinen handelt, die zum einen schlecht lesbar und stark fehlerhaft sind. Eine Fehleranalyse oder eine Erkennung von Fehlerschwerpunkten ist daher kaum möglich

Aus meiner Sicht ergibt sich bei der Diagnose einer Rechtschreibschwäche für den Lehrer, welcher sich ja als erstes mit dem Problem konfrontiert sieht und Risikokinder nach Möglichkeit erkennen soll, um sie durch Psychologen u.ä. professionell testen zu lassen, ein Problem. Durch meine Praktika in verschiedenen Klassenstufen konnte ich beobachten, dass die Anzahl von Rechtschreibfehlern sehr hoch ist. Wie soll nun ein Lehrer in einer Klasse mit über 22 Schülern ein oder mehrere Risikokinder erkennen? Zum einen muss der Stoff des Lehrplans abgearbeitet werden und für größeres Beachten und die Analyse von Rechtschreibfehlern bleibt wenig Zeit, zum anderen sind die heutigen Lehrer ja für die Erkennung von Legasthenie gar nicht ausgebildet. Es kann also nur auf einen Verdacht des Lehrers gehandelt werden. Ich denke, dass gerade im Bereich der Früherkennung in den Grundschulen Testverfahren und Analysen durch geschultes Fachpersonal durchgeführt werden sollten, um rechtzeitig Risikokinder herauszufinden und zu fördern

[...]


[1] Dies konnte ich während meines Orientierungspraktikums an einer Schülerin, die als L

ausgewiesen war, beobachten. Während sie im Deutschunterricht sehr passiv war und trotz groß

Anstrengungen keine guten Leistungen erbrachte, war sie in handlungsorientierten Fächern, wie Musik,

Kunst und WAT, weitaus kommunikativer und leistungsstärker

[2] Andere Beispiele für ganzheitliches Lesen sind u.a. klein/ kein; Klasse/ Kasse; Gras/ Gas; allen/ aller;

beben/ leben (Nichtbeachtung des hinzugekommenen/ veränderten Konsonanten)

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Die Diagnose von Legasthenie in der Schule
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Institut für Deutsche Philologie)
Veranstaltung
Wie lernt und lehrt man Rechtschreibung
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
10
Katalognummer
V32955
ISBN (eBook)
9783638335423
ISBN (Buch)
9783656344599
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dichter Text - einzeiliger Zeilenabstand
Schlagworte
Diagnose, Legasthenie, Schule, Rechtschreibung, LOS, LRS, Rechtschreibprobleme
Arbeit zitieren
Thomas Mrotzek (Autor), 2004, Die Diagnose von Legasthenie in der Schule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32955

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Diagnose von Legasthenie in der Schule



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden