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Konstruktionen der Ehe bei Hugo von Hofmannsthal und Arthurt Schnitzler

Title: Konstruktionen der Ehe bei Hugo von Hofmannsthal und Arthurt Schnitzler

Term Paper (Advanced seminar) , 2002 , 31 Pages , Grade: 1

Autor:in: Elwira Zalewska (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Die Ehe und die zwischenmenschliche Bindung bilden eines der zentralen Themen bzw. Motiven in den Lustspielen Hofmannsthals und hat eine besondere Funktion. Die Arbeit soll zeigen, wie Hofmannsthal seine lebensphilosophische Ideen in dem Konzept der Ehe konkretisiert. In diesem Zusammenhang möchte ich näher auf Begriffe aus Hofmannsthals Selbstinterpretationen „Ad me ipsum“ und „Buch der Freude“ eingehen. Hofmannsthal bezeichnet seine Komödien als „das erreichte Soziale“. Die Lustspiele belehren: alle sind miteinander und einander bedürftig. Die Ehe löst zwei „Antinomien des Daseins“, von denen Hofmannstahl in „Ad me ipsum“ spricht: „die der vergehender Zeit und der Dauer – und die der Einsamkeit und der Gemeinschaft“. Die Ehe als soziale Form schlechthin löst die vorhandenen Antinomien, indem sie zwei Menschen verbindet. Der Ehebund verhilft dem Individuum, seine Einsamkeit zu überwinden und bringt ihn in die Gemeinschaft. Wie es in „Buch der Freude“ heißt, bedeutet „der Weg zum Sozialen“ auch „den Weg zu sich selbst“. Der „Weg zu sich selbst“ ist wiederum mit dem Begriff der „neuen Daseinstufe“ verbunden. Die Arbeit soll zeigen, wie Hofmannsthal das Konzept der „neuen Daseinstufe“ auf sein Konzept der Ehe überträgt. Im Sinne dieses Konzepts verkörpert die Ehe für Hofmannsthal die „höchstentwickelte“ Lebensform des Individuums, gerade deswegen, weil sie ihn ermöglichst, die Isolation zu überwinden und zum eigenen Selbst zu finden. Das Erreichen dieser Stufe setzt jedoch eine vorherige eine „Verwandlung“ des Individuums voraus.
Als letztes möchte ich zeigen, dass die Ehe von Hofmannsthal in seinen Komödien auch als Mittel zur Herstellung der „Ordnung“ verwendet wird. Der Dichter nimmt eine erzieherische Position ein, in dem er Wege zur Herstellung der „Ordnung“ zeigt. Den Abschluss der Arbeit bildet eine kurze Gegenüberstellung der hofmannsthalschen Ehekonzeption mit der von Arthur Schnitzler. Dabei stütze ich mich auf Beispiele aus der Tragikomödie „Das weite Land“. Dieser Vergleich scheint mir wichtig, weil Schnitzler eine grundsätzlich andere Einstellung zwischenmenschlicher Beziehung präsentiert. Sein Konzept beruht nicht auf Idealen; er stellt den Menschen mit seinen Trieben und Schwächen dar und zeigt das Chaos in den zwischenmenschlichen Beziehungen und die „dunklen Seiten“ der Ehe.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Zielsetzung der Arbeit

1.2. Zur Forschungsliteratur

2. Hofmannsthals ‚Ehemetaphysik‘

2.1. Ehe als neue Daseinstufe / das „Zu-sich-selbst-Kommen“

2.2. Die Verwandlung

2.2.1. Die Verwandlung durch die Ehe: Voraussetzung für das Erreichen der „Existenz“

2.2.2. Die Verwandlung in der Ehe

3. Das Schicksalhafte der Ehe: Ehe als „höhere Notwendigkeit“

3.1. Die „höhere Notwendigkeit“ als Instrument zur Herstellung der Ordnung

3.2. Hofmannsthals Kritik an Ehe als Geschäft / Ehe auf Kommando

4. Ehe als Spiegel der Gesellschaft: Ordnung versus Chaos

4.1. Ehe und das Problem der Treue

4.2. „Das weite Land“: Ehe als Abbildung des Chaos

5. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept der Ehe in den späten Komödien Hugo von Hofmannsthals, analysiert dabei die lebensphilosophischen Grundlagen und stellt diese einer kritischen Gegenüberstellung mit Arthur Schnitzlers Darstellung in „Das weite Land“ gegenüber.

  • Hofmannsthals „Ehemetaphysik“ und das Konzept der „neuen Daseinstufe“.
  • Die Ehe als „höhere Notwendigkeit“ und Instanz zur Herstellung von Ordnung.
  • Die Rolle der „Verwandlung“ als Voraussetzung für wahre Bindung.
  • Der Kontrast zwischen Hofmannsthals idealistischer Ehekultur und Schnitzlers skeptischer Abbildung des gesellschaftlichen Chaos.

Auszug aus dem Buch

3.1. Die „höhere Notwendigkeit“ als Instrument zur Herstellung der Ordnung

Die „höhere Notwendigkeit“ wird von Hofmannsthal nicht nur zum Ausspielen einer „richtigen, notwendigen“ Bindung eingesetzt; sie hat noch eine weitere Funktion. Gerade dadurch, dass sie dazu dient, die „richtige“ Bindung herzustellen, kann sie als ein Mittel zur Herstellung von Ordnung überhaupt verstanden werden. Wie ich schon im vorherigen Kapitel beschrieben habe, werden der Aufbau der Handlung und die Figurenkonstellation so angelegt, dass sich am Ende der Komödie die eine einzig „richtige“ und notwendige Möglichkeit einer Bindung herauskristallisiert. Dies bedeutet, dass infolgedessen andere Bindungen, die von Hofmannsthal als falsch, ungültig oder auch unnatürlich verstanden werden (da sie keine Gewähr auf Dauer haben) ausgesondert werden. Der Dichter übt auf diese Art und Weise eine Kritik an diesen Formen von Bindungen aus.

Hofmannsthal fordert „Gleichgewicht“ in der Bindung, da nur das Gleichgewicht die Dauerhaftigkeit der Bindung und damit die Erhaltung einer gewissen Ordnung garantieren kann. Die Ehe bekommt also eine wichtige Aufgabe zugeschrieben: sie soll unter anderem als „Schutz gegen die Chaotisierung“47, zur Erhaltung einer bestimmter Ordnung dienen. Wie Hans Karl sagt: „Alles was geschieht, das macht der Zufall. (...) Darin ist aber so ein Grausen, dass der Mensch etwas finden muss, um sich aus diesem Sumpf herauszuziehen. Und so hat er das Institut gefunden, das aus dem Zufälligen und Unreinen das Notwendige, das Bleibende und das Gütige macht: die Ehe.“ (L II 243)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die zentrale Bedeutung der Ehe als Motiv in Hofmannsthals Komödien sowie Vorstellung der methodischen Ansätze.

2. Hofmannsthals ‚Ehemetaphysik‘: Untersuchung, wie die Ehe als „neue Daseinstufe“ und Weg zu sich selbst durch den Prozess der Verwandlung erreicht wird.

3. Das Schicksalhafte der Ehe: Ehe als „höhere Notwendigkeit“: Analyse der Ehe als mystische Schicksalsgemeinschaft, die Ordnung schafft und falsche Bindungen reduziert.

4. Ehe als Spiegel der Gesellschaft: Ordnung versus Chaos: Gegenüberstellung von Hofmannsthals idealistischer, ordnungsstiftender Eheauffassung mit Schnitzlers Darstellung der zerrütteten, chaotischen Beziehungen in „Das weite Land“.

5. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Bewertung der gegensätzlichen Ansätze beider Autoren hinsichtlich der Ehekultur als Antwort auf gesellschaftliche Krisen.

Schlüsselwörter

Hugo von Hofmannsthal, Arthur Schnitzler, Ehe, Daseinstufe, höhere Notwendigkeit, Verwandlung, Ordnung, Chaos, zwischenmenschliche Bindung, Treue, Existenz, Literaturwissenschaft, Dramenanalyse, Jahrhundertwende, Gesellschaftskritik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert, wie Hugo von Hofmannsthal das Konzept der Ehe in seinen Komödien als lebensphilosophisches Ideal und ordnungsstiftende Kraft konstruiert und vergleicht dies mit der Darstellung menschlicher Bindungen bei Arthur Schnitzler.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf dem Begriff der „neuen Daseinstufe“, der „höheren Notwendigkeit“ bei der Partnerwahl, dem Prozess der inneren Verwandlung durch eine Ehe sowie dem Gegensatz zwischen Ordnung und existenziellem Chaos.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, die spezifische Ehekonzeption Hofmannsthals zu explizieren und durch die Gegenüberstellung mit Arthur Schnitzlers Werk die unterschiedlichen gesellschaftlichen und moralischen Sichtweisen der Wiener Moderne aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, gestützt auf Hofmannsthals Selbstinterpretationen wie „Ad me ipsum“ und „Buch der Freude“, ergänzt durch eine vergleichende Interpretation der Dramen beider Autoren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil erörtert die Metaphysik der Ehe bei Hofmannsthal, das Wirken der Schicksalhaftigkeit als ordnendes Prinzip und die kritische Analyse von Ehebruch und Bindungsunfähigkeit in Schnitzlers „Das weite Land“.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wesentlichen Begriffe sind Ehe, Daseinstufe, Verwandlung, höhere Notwendigkeit, Ordnung, Chaos, Bindung und die spezifische Identitätsbildung in den Werken der Jahrhundertwende.

Wie unterscheidet sich Schnitzlers Blick auf die Ehe von dem Hofmannsthals?

Während Hofmannsthal die Ehe idealisiert und als heilsame Instanz zur Überwindung von Einsamkeit und Chaos versteht, zeichnet Schnitzler ein skeptisches Bild von zwischenmenschlichen Beziehungen, in denen Bindungen oft nur als kurzlebig und das „Ich“ als zerfallen dargestellt werden.

Welche Rolle spielt die „Verwandlung“ innerhalb von Hofmannsthals Ehedramen?

Die Verwandlung ist die notwendige Voraussetzung für das Individuum, um aus einem „präexistenziellen“ oder „chaotischen“ Zustand herauszutreten und in eine verantwortungsvolle, „existenzielle“ Gemeinschaft mit einem Partner zu gelangen.

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Details

Title
Konstruktionen der Ehe bei Hugo von Hofmannsthal und Arthurt Schnitzler
College
University of Hamburg
Grade
1
Author
Elwira Zalewska (Author)
Publication Year
2002
Pages
31
Catalog Number
V33081
ISBN (eBook)
9783638336512
ISBN (Book)
9783656058151
Language
German
Tags
Konstruktionen Hugo Hofmannsthal Arthurt Schnitzler
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Elwira Zalewska (Author), 2002, Konstruktionen der Ehe bei Hugo von Hofmannsthal und Arthurt Schnitzler, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33081
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