Der Mensch besitzt nichts Edleres und Kostbareres als die Zeit
Ludwig van Beethoven
Diese Aussage charakterisiert die Bewertung der Zeit durch den Menschen. Zeit spielt eine übergeordnete Rolle im täglichen Leben des Menschen.
Besonders wichtig ist die Zeitfrage im täglichen Erwerbsleben, denn einerseits bildet die Arbeitszeit den Rahmen, in dem die Arbeit stattfindet, andererseits bestimmt sie die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit. Die Arbeitszeit und damit unweigerlich zusammenhängend die Familien- bzw. Freizeit sind ein fortwährend aktuelles Thema unserer Gesellschaft.
Immer mehr Beschäftigungsverhältnisse sind befristet und die Dauer, Lage und Verteilung der Arbeitszeit wechselt immer öfter, zum Teil auf Wunsch der Beschäftigten, aber auch aus betrieblicher Notwendigkeit.
Thema dieser Diplomarbeit ist die Untersuchung und Beurteilung flexibler Arbeitszeitformen. Dabei stütze ich mich überwiegend auf theoretische Ansätze aus der Literatur.
Im Zentrum meiner Arbeit steht die Frage, ob eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch flexible Arbeitszeitformen besser zu erreichen ist.
Im Mittelpunkt steht dabei, wie der Titel schon sagt, die Flexibilisierung der Arbeitszeit in unserer heutigen Gesellschaft. Eine Flexibilisierung kann sich u.a. durch eine veränderliche Arbeitszeit auszeichnen, die beweglich und anpassungsfähig ist.
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG
1. ARBEIT – TEIL DES LEBENS
1.1. Der Takt der Maschine
1.2. Flexible Produktionskonzepte
1.3. Ein „neues“ Normalarbeitsverhältnis?
2. ARBEITSZEITFLEXIBILISIERUNG MUSS VERHANDELBAR SEIN
2.1. Ein bröckelndes Zeitkorsett
2.2. Die Definition der Arbeitszeitflexibilisierung
2.3. Betriebsaufgabe und Mitarbeiterwunsch
3. BERUFSTÄTIGE MÜTTER
3.1. Geschlechtsspezifische Arbeitsteilung
3.2. Vom Drei-Phasen-Modell zur Individualisierung
3.3. Teilzeitarbeit – Flexibilisierungswünsche
3.4. Motive der Arbeitgeber und Arbeitnehmer
3.5. Kritik
4. SOZIALISIERT ZUR DOPPELROLLE
4.1. Begriffsklärung und Anmerkung
4.2. Zeiten des Umbruchs
4.3. Zusammenfassung
5. CHANCEN UND EINFLÜSSE
5.1. Dauerkonflikt
5.2. Täglicher Flexibilisierungszwang
5.3. Durch Männer beeinflusst
5.4. „Frauen können das sowieso besser“
5.5. Die ökonomische Sichtweise
5.6. Positive und negative Fakten der flexiblen Teilzeitmodelle
5.7. Zusammenfassung und Kritik
6. FAMILIENFREUNDLICHE ARBEITSZEITGESTALTUNG – NUR EIN THEMA FÜR FRAUEN?
6.1. …und es gibt sie doch!
6.2. Ein langer Durchsetzungsprozess
6.3. Kritik
7. FLEXIBLE ARBEITSZEITFORMEN IM ÜBERBLICK
7.1. Unterschiedliche Interessen und viele Möglichkeiten
7.2. Teilzeitformen
7.2.1. Job-Sharing
7.2.2. Kritik
7.2.3. Jahresarbeitsverträge
7.2.4. Kritik
7.3. Gleitzeitformen
7.3.1. Grundmuster der Gleitzeit und Arbeitszeitkonten
7.3.2. Variable Arbeitszeit
7.3.3. Kritik
7.4. Telearbeit
7.5. Vertrauensarbeitszeit
7.6. Zusammenfassung und Kritik
8. EINE STUDIE AUS AMERIKA
8.1. Das familienfreundliche Unternehmen
8.2. Der Trend zur Umkehr von Privatleben und Beruf
8.3. Anerkennung und Wertschätzung am Arbeitsplatz
8.4. Deutschland – Eine bessere Zeitkultur?
8.5. Kritik
9. RESÜMEE UND AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht die Auswirkungen flexibler Arbeitszeitformen auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Deutschland, wobei ein besonderer Fokus auf der Situation teilzeitarbeitender Frauen und der Rolle von Männern liegt, um zu klären, ob Flexibilität tatsächlich eine bessere Balance ermöglicht.
- Analyse flexibler Arbeitszeitmodelle im Kontext der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
- Untersuchung der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung und Doppelbelastung.
- Diskussion über den Einfluss von Vorgesetzten und Unternehmenskulturen auf die Arbeitszeitgestaltung.
- Vergleich der deutschen Situation mit einer US-Fallstudie (Amerco) zur Arbeitskultur.
- Kritische Bewertung der Wirksamkeit von Teilzeit und Vertrauensarbeitszeit.
Auszug aus dem Buch
1.1. Der Takt der Maschine
Das Jagen und Schlachten von Tieren, sowie die Herstellung von Werkzeugen war am Beginn der menschlichen Evolution eine Arbeitstätigkeit, die dem ständigen Kampf ums Überleben in einer feindlichen Umwelt glich. Beeinflussen konnte der Mensch diese Situation kaum, denn er musste jagen und essen, um zu überleben.
Wie intensiv die Menschen arbeiten mussten hing von der jeweiligen Jahreszeit und dem Wetter ab. Die Wetterlage war ausschlaggebend, so dass die Menschen nur auf dem Feld arbeiten konnten, wenn es das Wetter zuließ. Die Natur und ihre Launen gestaltete den Arbeitstag und im Vergleich zu heute waren die Jäger und Sammler natürlich extrem arm, doch vom Gesichtspunkt ihrer Fähigkeit zur Selbsterhaltung betrachtet, ging es ihnen sehr gut: Sie hatten viel Freizeit, um etwa am Lagerfeuer zu sitzen und sich zu unterhalten.
Die Überlebenschancen verbesserten sich mit der Weiterentwicklung der Landwirtschaft. Die Menschen erhielten bessere Mittel ihre Umwelt zu verändern. Getreide und Feldfrüchte wurden geplant angepflanzt, geerntet und die Menschen wurden sesshaft, so dass die Familie und Arbeit zwei untrennbare Bereiche wurden. Die Agrargesellschaft war entstanden. Erwerbstätigkeit und Hausarbeit waren eine räumliche und wirtschaftliche Einheit, bei der alle ihren Beitrag leisteten. Eine Arbeitsteilung wurde durch die Erziehung der Kinder verfestigt. Um Zeit zu sparen, lehrten die Männer den Jungen „Männerarbeit“ und die Frauen zeigten den Mädchen ihre Aufgabenbereiche.
Zusammenfassung der Kapitel
1. ARBEIT – TEIL DES LEBENS: Das Kapitel beleuchtet die historische Entwicklung der Arbeit von der Naturabhängigkeit bis hin zur industriellen Trennung von Wohn- und Arbeitsstätte.
2. ARBEITSZEITFLEXIBILISIERUNG MUSS VERHANDELBAR SEIN: Hier werden die Flexibilisierungsstrategien von Unternehmen sowie das Arbeitszeitgesetz von 1994 als Rahmenbedingung für neue Zeitstrukturen diskutiert.
3. BERUFSTÄTIGE MÜTTER: Dieser Abschnitt analysiert die spezifische Situation berufstätiger Mütter und die Auswirkungen der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung sowie Teilzeitarbeit.
4. SOZIALISIERT ZUR DOPPELROLLE: Das Kapitel untersucht die Sozialisation von Frauen in eine Doppelrolle und hinterfragt traditionelle Rollenbilder und deren Einfluss auf die Berufswahl.
5. CHANCEN UND EINFLÜSSE: Hier werden die Belastungen durch den Dauerkonflikt zwischen Erwerbsarbeit und Familie sowie der Mangel an Betreuungsmöglichkeiten thematisiert.
6. FAMILIENFREUNDLICHE ARBEITSZEITGESTALTUNG – NUR EIN THEMA FÜR FRAUEN?: Die Rolle der Männer und ihr zögerlicher Umgang mit flexiblen Arbeitsmodellen stehen hier im Mittelpunkt der Analyse.
7. FLEXIBLE ARBEITSZEITFORMEN IM ÜBERBLICK: Das Kapitel bietet eine detaillierte Vorstellung und kritische Bewertung verschiedener Modelle wie Job-Sharing, Jahresarbeitszeit, Gleitzeit und Vertrauensarbeitszeit.
8. EINE STUDIE AUS AMERIKA: Anhand einer Fallstudie der Firma Amerco wird das Verhältnis von Arbeitskultur und dem tatsächlichen Wunsch nach mehr Zeit beleuchtet.
9. RESÜMEE UND AUSBLICK: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und fordert eine grundlegende Neuverteilung der Erwerbs- und Familienarbeit auf beide Geschlechter.
Schlüsselwörter
Flexible Arbeitszeit, Teilzeitarbeit, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Doppelrolle, Geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, Zeitsouveränität, Vertrauensarbeitszeit, Individualisierung, Arbeitszeitflexibilisierung, Normalarbeitsverhältnis, Sozialisation, Betriebliche Arbeitskultur, Zeitkultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Diplomarbeit untersucht, inwieweit flexible Arbeitszeitformen dazu beitragen können, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in der heutigen Gesellschaft zu verbessern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Schwerpunkte liegen auf der Flexibilisierung der Arbeitswelt, der Rolle von Teilzeitarbeit, den Auswirkungen geschlechtsspezifischer Sozialisation und dem Konflikt zwischen Berufs- und Familienanforderungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die kritische Untersuchung der Frage, ob flexible Arbeitszeitmodelle Frauen (und Männern) tatsächlich die erhoffte Balance zwischen den beiden Lebensbereichen bieten oder zu neuen Belastungen führen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf eine tiefgehende Literaturanalyse sowie die Einbeziehung soziologischer Studien und betrieblicher Beispiele aus Deutschland und den USA.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Arbeitszeitmodellen (Gleitzeit, Job-Sharing, Vertrauensarbeitszeit), Analysen zur weiblichen Doppelrolle und eine Vergleichsstudie zu amerikanischen Arbeitsbedingungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Flexibilität, Zeitsouveränität, Vereinbarkeit, Teilzeitarbeit und Doppelrolle.
Warum ist das Beispiel der Firma Amerco in der Studie so wichtig?
Die US-Studie dient als Kontrastpunkt, um aufzuzeigen, wie eine starke Unternehmenskultur trotz offizieller familienfreundlicher Programme zu einer Überstundenmentalität führen kann.
Wie bewertet die Autorin die Vertrauensarbeitszeit?
Die Autorin sieht in der Vertrauensarbeitszeit zwar eine Chance für mehr Flexibilität, warnt jedoch vor einer "Entgrenzung" der Arbeit und einer faktischen Verlängerung der Arbeitszeit ohne Schutzmechanismen.
- Quote paper
- Bianca Simon (Author), 2004, Flexible Arbeitszeitformen - Wege zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf? - Dem Wunsch nach "mehr Zeit" auf der Spur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33430