Die kunstgeschichtliche Hermeneutik nach Oskar Bätschmann. Ein Vergleich mit dem dreistufigen Interpretationsschema von Erwin Panofsky


Hausarbeit, 2015

18 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung
1.1 Der Begriff Hermeneutik
1.2 Definition der kunstgeschichtlichen Hermeneutik nach Oskar Bätschmann

2. Das große abstrakt-reale Bezugssystem der Auslegung

3. Erwin Panofskys dreistufiges Interpretationsschema

4. Das dreistufige Interpretationsschema und das große abstrakt-reale Bezugssystem im Vergleich

5. Die Grenzen Oskar Bätschmanns Theorie zur Auslegung von Kunstwerken

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

8. Abbildungsnachweis

1. Einleitung

Diese Hausarbeit setzt sich mit zwei verschiedenen methodischen Ansätzen zur Interpretation bzw. Auslegung von Werken der bildenden Kunst auseinander. Ausgangspunkt ist das Grundlagenwerk „Einführung in die kunstgeschichtliche Hermeneutik“ von Oskar Bätschmann. Seine darin formulierte Theorie zur Auslegung von Bildern wird im folgenden Text genau dargestellt und diskutiert. Es wird zudem das große abstrakt-reale Bezugssystem der Auslegung aus seinem Grundlagenwerk näher betrachtet.

Die erste Auflage des Werkes erschien 1984, darauf folgten dann weitere fünf Auflagen, in denen er teilweise das Literarturverzeichnis und Anmerkungen ergänzt hat. Bätschmann selbst ist ein Kunsthistoriker und Experte der Modernen Kunst und hat schon zahlreiche Publikationen über Künstler oder methodologische Probleme etc. veröffentlicht. Geboren wurde Bätschmann 1943 in der Schweiz. Er studierte Kunstgeschichte, Philosophie und Germanistik und war danach an der Universität in Freiburg, Gießen und Bern als Professor tätig.[1]

Um die Theorie Bätschmanns besser beurteilen zu können wird die Methode von Erwin Panofsky hinzugezogen. Panofsky war ein bedeutender Kunsthistoriker des 20. Jahrhunderts und Mitbegründer der Ikonologie. 1892 wurde er in Hannover geboren und studierte in Berlin und Freiburg. Vor seiner Flucht, vor den Nationalsozialisten in die Vereinigten Staaten, lehrte er als Professor an der Hamburger Universität, danach an der New Yorker University. Dort erforschte er umfangreich die Kunstgeschichte von der Antike bis zum Barock. Seine Bibliografie umfasst etwa 155 Schriften, in denen er über methodologische Überlegung und Künstler schreibt. 1968 starb er in New Jersey.[2]

Panofskys dreistufiges Interpretationsschema wird erläutert und dann in Bezug zu Oskar Bätschmanns Methodik der Auslegung gesetzt. Dabei werden die Unterschiede herausgearbeitet und die jeweils positiven und negativen Aspekte der beiden Modelle beleuchtet.

Zum Schluss werden einige Aspekte Bätschmanns Theorie kritisch hinterfragt um etwaige Grenzen seines Modells zu erfassen.

Die Arbeit dient im Allgemeinen dazu einen Einblick in die kunstgeschichtliche Hermeneutik zu gewinnen und sich gleichzeitig mit den Grenzen dieser Theorie zu befassen.

1.1 Der Begriff Hermeneutik

Der Begriff der Hermeneutik stammt von dem altgriechischen Wort „hermeneúein“ und bedeutet erklären, aussagen oder übersetzen. In der griechischen Mythologie existiert zu diesem Begriff auch eine Erzählung von Hermes, dem Götterboten. Hermes war der Übermittler und Übersetzer der Botschaften von den griechischen Göttern an die Menschen. Er übersetzte die Nachrichten der Götter von der göttlichen in die menschliche Sprache.[3]

Die etymologische Verbindung der Geschichte von Hermes und dem griechischen Wort ist nicht geklärt. Dennoch wird durch das Wort ein Vorgang zwischen drei Beteiligten beschrieben: Die erste Person vermittelt der zweiten Person eine Botschaft, mündlich, durch die Verwendung von Zeichen oder schriftlich. Diese zweite Person begreift die Botschaft, die dritte Person jedoch nicht, da sie die Sprache nicht versteht oder nicht bei dem Kommunikationsakt dabei war. Der Zweite überliefert nun die Aussage des Ersten an den Dritten indem er die Botschaft übersetzt.[4]

So könnte man den Kunsthistoriker als Hermes betrachten, der die Werke den Betrachtern genauer erläutert, somit zwischen Produktion und Betrachter vermittelt. In gewisser Weise ist das auch eine der Aufgaben eines Kunsthistorikers, aber dennoch nicht seine wichtigste Funktion, meint Bätschmann.[5]

1.2 Definition der kunstgeschichtlichen Hermeneutik nach Oskar Bätschmann

Die kunstgeschichtliche Hermeneutik beschäftigt sich mit der Auslegung von Werken. Anders als die allgemeine philosophische Hermeneutik wird diese als fachspezifisch beschrieben, da das Fach einen Gegenstand aufweist und „[...] die Eigenart des Gegenstandes in der Auslegung berücksichtigt [...]“[6] wird. Mit dem Gegentand des Faches ist hier die Kunst und ihre Geschichte zu nennen. Daraus erschließt sich, dass nicht nur eine einzige Auslegungsart in der Kunstgeschichte existieren kann, sondern viele verschiedene Möglichkeiten vorhanden sind, Werke auszulegen. Daher muss jede Kunstgattung einen anderen Weg der Auslegung entwickeln um vollständig zu sein. In Bätschmanns Buch wird deshalb beispielhaft nur die Malerei näher untersucht.[7]

Kunstgeschichtliche Hermeneutik ist keine traditionelle Interpretation, die ihren Gegenstand in der Bedeutung des Werkes findet. Die kunstgeschichtliche Hermeneutik hat ihren Gegenstand im Werk selbst. Die Destination der hermeneutischen Auslegung ist nicht Inhalt oder Bedeutung des Werkes zu erfassen, denn dieser beschreibt nur einen Moment, jedoch nicht die vollständige Auslegung von Werken.[8]

Die kunstgeschichtliche Hermeneutik wird von Bätschmann in drei Punkte gegliedert. Es ist wichtig die hermeneutische Auslegung von Werken der bildenden Kunst nicht nur als eine Theorie zu betrachten, sondern die Praxis der Auslegung mit einzubeziehen.[9]

Der erste Punkt, den die kunstgeschichtliche Hermeneutik umfasst, ist die „[...] Theorie der Auslegung von Werken der bildenden Kunst.“[10] Diese wäre zu erarbeiten durch die kritische Anschauung der philosophischen Hermeneutik, der Kunsttheorie, sowie des künstlerischen Schaffungsprozesses und der Kunstgeschichte. Des weiteren kommt die „Verfahrensweise [...]“[11], die Methode der Interpretation von Werken hinzu. Diese muss durch die „[...] kritische Relation zur Theorie und zur Praxis des Auslegens [...]“[12] erarbeitet werden. Der dritte Punkt beschreibt die Praxis des Interpretierens, wiederum zu erarbeiten durch den kritischen Zusammenhang von Theorie und der Methode. All diese Punkte beschreiben den Begriff kunstgeschichtliche Hermeneutik vollständig. Somit liegt die wesentliche Aufgabe der kunstgeschichtliche Hermeneutik nicht darin „[...] kunsthistorische Erkenntnisse [...]“[13] an einen Empfänger zu vermitteln.

2. Das große abstrakt-reale Bezugssystem der Auslegung

Für das Interpretieren von Werken ist sowohl die Theorie als auch die Praxis ein wichtiger Bestandteil. Es fängt an, wenn wir uns ein Bild anschauen und uns damit kritisch auseinandersetzen. Wir beschäftigen uns mit der Ikonographie und der Ikonologie des Werkes, aber auch mit dem Bildprozess und der Arbeit des Künstlers. All das sind Teile einer Auslegung von Werken. Es ist wichtig, sie in Relation zueinander zusetzen und kritisch zu betrachten, um einen begründete Interpretation zu gewinnen.

Eine nähere Anschauung liefert das große abstrakt-reale Bezugssystem der Auslegung (Abb.1). Ausgangspunkt ist das Bild, hierauf bezieht sich alles, was mit der Interpretation einhergeht. Gegliedert ist das Bezugssystem in die Seite des Schaffens und die Seite der Analyse, der subjektiven Bedingungen, als auch der allgemeinen historischen Bedingungen, dafür stehen vier Felder mit den Aufschriften: „Arbeit des Malers“, „Historisch-systematische Bedingungen“ (einmal auf der Seite der Analyse und der Seite des Schaffens), „Validierung der Auslegung“ und „Analyse der Bildprozesse“. Diesen Feldern sind jeweils weitere Komponenten zugeordnet und in Relation zu einander gesetzt. Vollständig ist das System nicht in der Hinsicht auf die Komponenten. Ein freier Sektor in jedem Feld dient dazu es zu erweitern und das Fehlende in Bezug auf eine vollständige Auslegung zu ergänzen. Da das Bezugssystem nicht vollständig ist wird es abstrakt genannt, da „[...] es aber hinsichtlich der Momente und Komponenten real ist, heißt es auch so.“[14] Das Adjektiv „groß“ wurde hinzugefügt, da es größer sei als „[...] jedes bisher vorgelegte Schema [...]“[15] [16].

[...]


[1] Vgl. Bätschmann, Oskar: Eine Einführung in die kunstgeschichtliche Hermeneutik. Siehe Klappentext.

[2] Vgl. Brassat/ Kohle: Methoden-Reader Kunstgeschichte. S. 62.

[3] Vgl. Bätschmann, Oskar: Einführung in die kunstgeschichtliche Hermeneutik. S. 3.

[4] Vgl. Bätschmann, Oskar: Einführung in die kunstgeschichtliche Hermeneutik. S. 3.

[5] Vgl. Bätschmann, Oskar: Einführung in die kunstgeschichtliche Hermeneutik. S. 9.

[6] Bätschmann, Oskar: Einführung in die kunstgeschichtliche Hermeneutik. S. 8.

[7] Vgl. Bätschmann, Oskar: Einführung in die kunstgeschichtliche Hermeneutik. S. 8f.

[8] Vgl. Bätschmann, Oskar: Einführung in die kunstgeschichtliche Hermeneutik. S. 9.

[9] Vgl. Bätschmann, Oskar: Einführung in die kunstgeschichtliche Hermeneutik. S. 9.

[10] Bätschmann, Oskar: Einführung in die kunstgeschichtliche Hermeneutik. S. 9.

[11] Bätschamann, Oskar: Einführung in die kunstgeschichtliche Hermeneutik. S. 9.

[12] Bätschmann, Oskar: Einführung in die kunstgeschichtliche Hermeneutik. S. 9.

[13] Bätschmann, Oskar: Einführung in die kunstgeschichtliche Hermeneutik. S. 10.

[14] Bätschmann, Oskar: Eine Einführung in die kunstgeschichtliche Hermeneutik. S. 156.

[15] Bätschmann, Oskar: Eine Einführung in die kunstgeschichtliche Hermeneutik. S. 156.

[16] Vgl. Bätschmann, Oskar: Eine Einführung in die kunstgeschichtliche Hermeneutik. S. 156.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die kunstgeschichtliche Hermeneutik nach Oskar Bätschmann. Ein Vergleich mit dem dreistufigen Interpretationsschema von Erwin Panofsky
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (KHI)
Veranstaltung
Einführung in die ikonologisch-ikonographische Methode
Note
2,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
18
Katalognummer
V334633
ISBN (eBook)
9783668243026
ISBN (Buch)
9783668243033
Dateigröße
1401 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kunstgeschichtliche Hermeneutik, Oskar Bätschman, Erwin Panofsky, Ikonographie, Ikonologie
Arbeit zitieren
Lena Schott (Autor), 2015, Die kunstgeschichtliche Hermeneutik nach Oskar Bätschmann. Ein Vergleich mit dem dreistufigen Interpretationsschema von Erwin Panofsky, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/334633

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