Die Arbeitersportbewegung in der Weimarer Republik


Hausarbeit, 2014
16 Seiten, Note: 2.0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorgeschichte

3. Arbeitersport in der Weimarer Republik
3.1 Arbeiter- Turn- und Sportbund
3.2 Die Bundesschule in Leipzig

4. Festkultur

5. Spaltung des Arbeitersports

6. Arbeiterfußball in der Weimarer Republik

7. Ende des Arbeitersports

8. Fazit

Literatur / Quellen

1. Einleitung

Das Jahr 1918. Das Ende des ersten Weltkrieges und gleichzeitig das Ende der deutschen Monarchie. In Deutschland wird am 9. November 1918 die Weimarer Republik ausgerufen. Es ist die erste parlamentarisch verfasste Demokratie in der Geschichte des Landes. Diese Entwicklung wirke sich auf verschiedene Bereiche des täglichen Lebens aus. So erlebte der Arbeitersport, als wichtiger Bestandteil der Arbeiterbewegung, seine Blütezeit in der Weimarer Republik. Man wurde jahrelang unterdrückt und hatte keine Möglichkeit, in den politischen Prozess eingreifen oder mitwirken zu können. In der Weimarer Republik änderte sich dies jedoch und die Arbeiter sahen nun eine Chance, ihre eigenen Interessen durchzusetzen.

Die folgende Arbeit befasst sich mit der Arbeitersportbewegung in der Weimarer Republik. Ich werde beginnend einen kurzen Überblick bezüglich der Entstehung des Arbeitersports am Ende des 19. Jahrhunderts geben und folglich den Konflikt innerhalb des Arbeiter- Turn- und Sportbundes beschreiben, welcher letztendlich zur Spaltung des Arbeitersports geführt hat. Ich werde den Fußballsports in der Weimarer Republik darstellen und abschließend auf das Ende der Arbeitersportbewegung im Jahr 1933 aufgrund der Machtübernahme der Nationalsozialisten eingehen.

2. Vorgeschichte

Wenn man die Anfänge der Arbeitersportbewegung ergründen möchte, muss man dazu einen Blick ins frühe 19. Jahrhundert werfen. Die Arbeitsbedingungen waren sehr schlecht. Die Arbeitszeiten betrugen durchschnittlich 85 Stunden in der Woche. Nimmt man nur die Tage von Montag bis Freitag zur Hand, sind das 17 Stunden pro Tag. Es war zu dieser Zeit fast unmöglich, außerbetrieblichen Tätigkeiten nachzugehen.[1]

Die ökonomische Entwicklung mit dem Übergang hin zu rationalen Produktionsmethoden führte dann zu einer Veränderung der Arbeitsbelastung. Die Arbeit wurde durch die technische Entwicklung zwar deutlich produktiver, jedoch auch geistig anstrengender. Aufgrund dessen und wegen der unzureichenden Ausbildung und den damit verbundenen Problemen bei der Handhabung der Geräte forderte man längere Pausen und Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen. Die ersten organisatorischen Vorläufer sind demnach verschiedene Arbeiterfortbildungsvereine, welche nicht selten sportliche Übungen praktizierten und.

1868 gründeten Theodor Georgii und Ferdinand Goetz die Deutsche Turnerschaft (DT). Der Verband galt bis zu seinem Ende 1936 als Dachverband aller bürgerlichen Turnvereine und ist als Gegenstück zu dem Arbeiter- Turn- und Sportbund zu sehen.[2] Die DT verfolgte einen monarchischen und antisozialistischen Kurs. 1878 trat das von Reichskanzler Otto von Bismarck erlassene Sozialistengesetz in Kraft. Das Kaiserreich versuchte so, den Aufstieg der Sozialdemokraten zu verhindern. Linksgerichtete Vereine wurden aufgelöst und Zeitungen verboten. Die Deutsche Turnerschaft unterstützte dieses Gesetz bei derer Umsetzung und radikalisierte ihren Kurs bezüglich ihrer sozialdemokratischen Mitglieder.

Für die Sportler aus dem Arbeitermilieu gab es in dieser Zeit keine Möglichkeit, eigene Vereine zu gründen.[3] Es bildeten sich lediglich kleinere Gruppen, welche im Zuge der Arbeiterfortbildungsvereine sportlichen Aktivitäten nachgingen. Diese waren aber zumeist nur lose organisiert. Durch die steigende Zunahme von Arbeitern in der Industrie bildeten sich innerhalb der Deutschen Turnerschaft Personen, welche sich von den übrigen Mitgliedern abkapselten und eigene Vereine gründeten.

Diese agierten zwar unter dem Dach der Turnerschaft, wurden aber als eher linksgerichtet angesehen. Mit der Abschaffung des Sozialistengesetzes 1890 war es dann auch möglich, eigenständige und selbstorganisierte Vereine außerhalb der Deutschen Turnerschaft zu gründen.

Am 22. Mai 1882 veröffentlichte die „Brandenburger Zeitung“ einen Artikel mit dem Aufruf, einen märkischen Arbeiter- Turnerbund zu gründen. Der Aufruf erreichte überregionale Aufmerksamkeit so wurde 1893 in Gera der Arbeiter- Turnerbund gegründet.[4] Daraus resultierten eine Reihe von weiteren Verbandsgründungen wie beispielsweise der Touristenverband Naturfreunde 1905 oder der Arbeiter- Radfahrerbund Neue Solidarität 1896, welcher mit mehreren hunderttausend Mitgliedern der größte Radsportverband der Weimarer Republik war und heute als Rad- und Kraftfahrerverband Solidarität Mitglied des Deutschen Olympischen Sportbundes ist.[5]

3. Arbeitersport in der Weimarer Republik

Der Beginn der Weimarer Republik war von enormer Bedeutung für die Arbeitersportbewegung. Er gab neue Entfaltungsmöglichkeiten. Der Arbeiter- Turn- und Sportbund zählte 1920 über 750.000 Mitglieder. Äußere Einflüsse wie etwa die Sport- und Spielbewegung aus England, wirkten sich auch auf den Arbeitersport in Deutschland aus. So erlebte der Fußball zu Beginn der Weimarer Zeit einen regelrechten Aufschwung. Sportarten wie Tennis, Eishockey oder auch Schach, welche aufgrund materieller oder sozialer Gründe vor 1918 nicht möglich waren, wurden nun in die Verbände mit aufgenommen.

Kennzeichnend für den Arbeitersport in der Weimarer Republik waren vor allem die Austragungen großer Sportveranstaltungen mit besonderem Augenmerk auf die Arbeitersportolympiaden in 1925 in Frankfurt und 1931 in Wien (vgl.: Kapitel 3.3).[6]

Sechs Jahre später sollte als Pendant zur den olympischen Spielen in Berlin eine Olympiade in Barcelona stattfinden. Aufgrund des kurzfristig eintretenden Bürgerkriegs wurde diese jedoch abgesagt und als Ersatz 1937 in Antwerpen ausgetragen.

3.1 Arbeiter- Turn- und Sportbund

Der Arbeiter- Turn- und Sportbund (ATSB) war ein deutscher Sportbund in der Arbeitersportbewegung. Er ging aus dem 1893 in Gera gegründeten Arbeiter- Turnerbund hervor. Wurde der ATB vor dem ersten Weltkrieg von der monarchischen Regierung noch stark bekämpft, kannte man den ATSB in der Weimarer Republik als vollwertigen Verband an.[7] Die Umbenennung zum Arbeiter- Turn- und Sportbund erfolgte 1919. Dies lag zum großen Teil an den schwindenden Mitgliederzahlen bis 1914. Aufgrund des Faktes, dass sich der ATB vor dem ersten Weltkrieg gegen jegliche Art von Wettkampf aussprach, bevorzugten Leistungssportler eher den Deutschen Turnerbund. Beschränkten sich die sportlichen Aktivitäten vor dem Krieg vornehmlich auf turnerische Freiübungen, öffnete sich der ATSB neuen Sportinhalten. Folglich dominierten nun Ballsportarten und Leichtathletik.[8] Da man für Fußball, Schwimmen oder Feldhandball keine festen Orte, wie etwa Turnhallen, benötigte, stieg die Attraktivität dieser Sportarten in der Weimarer Zeit rapide an.

Die Mitgliederzahl des ATSB erreichte in den Jahren 1923/1924 mit über 800.000 angemeldeten Personen ihren Höchststand.[9] Um den sozialistischen Erziehungsgedanken im ATSB zu implementieren, initiierte der Verband eine Reihe von Kampagnen, welche die Mitglieder zu den vom ATSB favorisierten Verhaltensweisen bewegen sollten. Beispiele hierfür sind die Kampagnen gegen den Konsum von Alkohol bei Turn- und Sportveranstaltungen und gegen die gleichzeitige Mitgliedschaft von Arbeitern in bürgerlichen Vereinen.[10] Diese Idealvorstellungen konnten vom ATSB in den Vereinen nur sehr schwer bis dato überhaupt nicht erreicht werden. Der Wettkampfgedanke bei den Sportlern setzte sich letztendlich durch. Aufgrund der raschen Expansion und dem steigendem Bekanntheitsgrad war es möglich, 1926 eine Arbeiter- Turn- und Sportbundesschule in Leipzig zu eröffnen. Es wurde auf eine sozialistisch ausgelegte Erziehung wertgelegt.

3.2 Die Bundesschule in Leipzig

Am 19. September 1926 eröffnete der Arbeiter- Turner- und Sportbund die erste und bis dato einzige deutsche Bundesschule. Es war eine modern eingerichtete Sportschule, die technisch auf einem hohen Stand war. Es gab u.a. ein Hallenbad, eine Ruderanlage, eine Mehrzweckhalle, einen Fitnessraum und eine Bibliothek. Mehr als ein Drittel der Baukosten wurden durch Mitgliederspenden gedeckt. Dies zeigt den hohen Stellenwert, den die Sportschule für die Arbeitersportbewegung besaß. Drei Jahre später wurde das Gelände erweitert und es kamen ein Fußballplatz, eine Tennisanlage und eine Laufbahn hinzu.

Der Drang nach einem eigenen Standort für die Arbeitersportler lag insbesondere in dem Wunsch, sich deutlich von den bürgerlichen Sportverbänden abzusetzen.[11] In der Schule wurde neben der technischen und sportlichen Ausbildung die politische Ausbildung der Lehrgangsteilnehmer als mindestens genauso wichtig eingestuft. Ziel war es, den Teilnehmern eine sozialistische Denkweise bzw. das sozialistische Gedankengut näher zu bringen. Man wollte einerseits neue Mitglieder für die SPD gewinnen und andererseits Multiplikatoren schaffen, welche die sozialistischen Ideen weiterverbreiten.

Die Erziehung der jungen Generation war dem ATSB sehr wichtig. Durch die Integration von sportlichen Übungen in die Erziehung erhoffte man sich einen Zugang zur Jugend zu bekommen. Diese Idee sollten auch staatliche Institutionen erreichen und im besten Fall die Erziehung im Allgemeinen beeinflussen. Mit dem Ende der Arbeitersportbewegung 1933 wurde auch die Bundesschule nicht weiter genutzt.[12]

4. Festkultur

In der Weimarer Republik waren spektakulär aufgezogene Sportveranstaltungen wirksame Gelegenheiten, um den Arbeitersport auf sehr positive Weise zu präsentieren. Die wichtigsten Veranstaltungen der Weimarer Zeit waren die Bundesfeste in Leipzig und Nürnberg 1922 und 1929 und die Arbeitersportolympiade in Frankfurt 1925. Das erste Bundesfest 1922 in Leipzig war ein voller Erfolg, welcher besonders im Hinblick auf die internen Querelen innerhalb des ATSB sehr hoch eingestuft wurde (vgl.: Kapitel 4). Es nahmen Sportler aus insgesamt 15 Nationen an dem Fest teil.

[...]


[1] Vgl.: Wernicke, Rudolf: Die Wochenendhauserholung in Bayern. Ein raum- und landschaftsplanerisches Problem. Clausthal-Zellerfeld. 1969. S. 18

[2] Vgl.: Ueberhorst, Horst: Frisch, Frei, stark und treu. Die Arbeitersportbewegung in Deutschland 1893- 1933. Düsseldorf. 1973. S. 18

[3] Vgl.: Dierker, Herbert: Arbeitersport im Spannungsfeld der Zwanziger Jahre. 1. Aufl. Essen. 1990. S. 56-58

[4] Vgl.: Timmermann, Heinz: Geschichte und Struktur der Arbeitersportbewegung 1893-1933. Marburg/Lahn. 1969

[5] Vgl.: http://www.dosb.de/de/organisation/mitgliedsorganisationen/sportverbaende-mit-besonderen-aufgaben/?txdkdaddresspi2%5BshowUid%5D=170&cHash=b3bf2a08496751e0a240b891c0dcc3f2

[6] Vgl.: Faulenbach, Bernd: Arbeitersport als Teil der Kulturbewegung. In: Materialien zum Sport in Nordrhein-Westfalen. Arbeitersport gestern und heute. Heft 6. Köln. 1982. S. 13-15

[7] Vgl.: Jakob, Stefan: Sport im 20. Jahrhundert. Werden, Wirklichkeit, Würdigung eines sozialkulturellen Lebens. Marburg. 2000. S. 76

[8] Vgl.: Hopf, Wilhelm: Fußball. Soziologie und Sozialgeschichte einer populären Sportart. 3. Aufl. Münster. 1998. S. 103

[9] Vgl.: Stiller, Eike: Jugend im Arbeitersport. Lebenswelten im Spannungsfeld von Verbandskultur und Sozialmilieu 1893-1933. Münster, Hamburg 1991. S. 132-133

[10] Vgl.: Stiller, Eike: Jugend im Arbeitersport. Lebenswelten im Spannungsfeld von Verbandskultur und Sozialmilieu 1893-1933. Münster, Hamburg 1991. S. 182-183

[11] Vgl.: Timmermann, Heinz: Geschichte und Struktur der Arbeitersportbewegung 1893-1933. Marburg/Lahn. 1969. S. 58-60

[12] Vgl.: Ueberhorst, Horst: Frisch, Frei, stark und treu. Die Arbeitersportbewegung in Deutschland 1893- 1933. Düsseldorf. 1973. S. 123-129

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Arbeitersportbewegung in der Weimarer Republik
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
2.0
Autor
Jahr
2014
Seiten
16
Katalognummer
V334872
ISBN (eBook)
9783668246522
ISBN (Buch)
9783668246539
Dateigröße
576 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
arbeitersportbewegung, weimarer, republik
Arbeit zitieren
Toni Maschitzke (Autor), 2014, Die Arbeitersportbewegung in der Weimarer Republik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/334872

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