Die Wirtschaftspolitik Peters I. Die Reformen und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014
16 Seiten, Note: 1.3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Russland vor Peter I

3. Wirtschaftspolitik
3.1 Reformen
3.2 Bedeutung für die Bevölkerung
3.2.1 Adel zur Zeit Peters I
3.2.2 Bäuerliches Leben unter Peter I

4. Kritisches Fazit

5. Literaturangaben

1. Einleitung

Peter der Große war von 1682 bis 1725 russischer Zar und hat aus einem rückständigen, mittelalterlichen Land ein mächtiges europäisches Reich erschaffen. Er stellte den Kontakt mit der westlichen Welt her und gilt als einer der einflussreichsten Zaren in der russischen Geschichte.

Bereits im Alter von zehn Jahren bekleidete Peter unter der Regentschaft seiner Schwester Sofia das Amt des Zaren zusammen mit seinem Bruder Ivan. Bis zum politischen Sturz von Sofia und der damit verbundenen beginnenden Herrschaft Peters verbrachte der junge Peter die meiste Zeit damit, Krieg zu spielen und Spielregimenter aufzustellen. Ihn faszinierten schnell handwerkliche Tätigkeiten, technische Dinge und Naturwissenschaften. So erlernte er Grundzüge der Geometrie und das Segeln von den Niederländern Franz Timmermann und Karsten Brant.[1] Letzterer war es auch, durch den Peter eine Fregatte für seine Kriegsspiele erbauen ließ, welche später in eine einsatzfähige umgebaut wurde und die Grundlage für die künftige russische Seemacht bildete.[2]

Sein Drang nach Wissen spiegelte sich auch in dem Punkt wider, dass er viel Zeit bei den Bewohnern der Moskauer Ausländer Vorstadt verbrachte. Die englischen, schottischen oder dänischen Handwerker befriedigten seine Neugier. Peter schaute sich das Leben dort sehr genau an und erhielt erste Eindrücke von der westlichen Art und Weise zu leben und zu arbeiten. So konnte Peter deren Kenntnisse als Grundlage seines Handelns nutzen und machte gegenüber der russischen Bevölkerung auch deutlich, dass er einer westlich orientierten Politik durchaus positiv gesonnt war.[3] Passend dazu eine Anekdote aus dem Jahr 1697, als Peter mit einigen seiner Gefolgsleute nach Westen reiste und in einem Theater das Sezieren einer Leiche verfolgte. Er sah, dass seinen adligen Begleiter durchaus unwohl war bei dem Anblick und befahl ihnen, die Nerven der Leiche mit den Zähnen zu durchtrennen.

Mit derartigen Methoden verfolgte er stets ein Ziel. Er wollte seinem Gefolge verdeutlichen, dass Russland vom Westen lernen muss.[4]

In der folgenden Arbeit sollen die Wirtschaftspolitik Peters des Großen dargestellt werden. Es wird aufgezeigt, mit welchen Mitteln der Zar versucht hat, Russland in eine wirtschaftliche Großmacht zu verwandeln. Es soll untersucht werden, ob ihm dies gelang und welche Auswirkungen seine Reformen für die russische Bevölkerung hatten. Es stellt sich auch die Frage, welchen Ursprungs der Reformwille Peters entstand. War es (s)eine idealtypische Vorstellung eines modernen Staates, welche er besaß, oder vielmehr das Streben nach Macht und Kontrolle? Zunächst einmal wird jedoch ein Überblick über die russische Situation vor der Regentschaft Peters gegeben.

2. Russland vor Peter I.

Vor der Regentschaft Peters I. verfügte der russische Staat über keine ausgedehnte, international ausgerichtete Wirtschaftspolitik und war vom Handel mit anderen Ländern schier isoliert. Die Handelsaktivitäten beschränkten sich im bis zum 15. Jahrhundert auf Tauschgeschäfte, welche über die Hanse[5] abgewickelt wurden.[6] Eingeführt wurden Tafelsalz, Schmuck, Bier, Wein oder in seltenen Fällen auch Getreide. Im Gegenzug tauschte man Pelze, Leder, Gewürze oder Seide. Durch kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Polen und Russland wurde der Handel mit den westlichen Nationen oft behindert. Im Schwarzmeer- und Mittelmeerraum beherrschten Genua und Venedig den Handel.[7] Aufgrund der Sozialordnung des Moskauer Staates lag die Wirtschaftlichkeit Russlands im 16. Jahrhundert in der Hand des Adels und somit in autokratischer Hand.

Die wichtigsten Handelszweige wurden von den Zaren verwaltet. Somit konnten Kaufleute kein eigenes Kapital anhäufen und waren von den Zaren abhängig. Darüber hinaus verfügten die Stadtbewohner über keinerlei Mitspracherecht. Somit wurde jedwede Eigeninitiative seitens der Bevölkerung bereits im Keim erstickt. Manufakturen oder andere großgewerbliche Unternehmen konnten somit nur durch staatliche Unterstützung aufgebaut werden.[8] Die ökonomische Stärke beruhte demzufolge auf ein staatliches Handelsmonopol. Ein Beispiel bietet die Stadt Nowgorod. Sie war bis dato die wichtigste Verbindung zum Westen. Ivan III. erklärte Nowgorod zu seinem Erbbesitz und fortan war die Stadt nicht mehr Russlands „Tor zum Westen“.[9]

Im 16. Jahrhundert entstanden erste staatliche geleitete Betriebe wie der Moskauer Kanonenhof und Buchdruckereien.[10] Für die Intensivierung der Handelsaktivitäten konnten von der Regierung unter den Zaren Michail Fedorovic und Aleksej Mihajlovic verstärkt Ausländer angeworben werden, welche Beziehungen zu deutschen oder holländischen Bankhäusern pflegten. Im Jahr 1632 beauftragten die Zaren die ausländischen Unternehmer Andries Winius, Peter Marselis und Thielemann Akkema mit dem Bau erster mit Hochöfen ausgestatteter Eisenwerke. Das Jahr 1632 gilt als der Ursprung des großbetrieblichen Gewerbes in der Metallgewinnung- und Verarbeitung. Besonders Peter Marselis gilt als einer der bedeutendsten Industriellen vor der Zeit Peters. Er war maßgeblich an der Waffenherstellung beteiligt.

Ein überwiegender Großteil der Manufakturen oder Produktionswerke im vorpetrinischem Russland wurde von Ausländern betrieben, welche anfangs hauptsächlich aus Italien und Deutschland und später aus den Niederlanden oder den skandinavischen Ländern rekrutiert wurden.

Lediglich bei der Branntweinherstellung oder Salzgewinnung spielten einheimische Unternehmer eine entscheidende Rolle.[11]

3. Wirtschaftspolitik

Mit der Machtübernahme von Peter dem Großen hat sich die russische Wirtschaft stark gewandelt und das Zarenreich entwickelte sich durch eine intensive Gewerbeförderung zu einer bedeutenden wirtschaftlichen Großmacht. Russland verfügte vor der Regierungszeit Peters I. lediglich über 46 Produktionswerke, darunter 27 Eisenwerke.[12] Im Jahr 1725 zählte man an die 200 Großbetriebe.[13]

Die Gründe für den wirtschaftlichen Hochbetrieb in der petrinischen Zeit sind auf der einen Seite recht einfach. Es wurde fast immer Krieg geführt. Die Förderung der meisten Betriebe diente der Versorgung des Heeres und der Flotte im großen Nordischen Krieg zwischen 1700 und 1721. Somit waren die Kriege und die Reformen miteinander verbunden.[14] Privates Unternehmertum erlangte erst in der zweiten Hälfte der Regierungszeit Peters an Bedeutung.[15] Peter rekrutierte wie bereits seinen Vorgänger reichlich Ausländer in sein Land, welche die Entwicklung vorantreiben sollten. Auf der anderen Seite hatte Peter schon früh eine klare Vorstellung von einem besseren Russland. Er wollte, die für ihn unverständlichen, Traditionen des alten Moskau brechen und kam zu der Erkenntnis, dies nur durch technische und kulturelle Errungenschaften aus dem Westen verwirklichen zu können. Seine Auslandsreisen bestärkten sein Vorhaben.[16]

Ein Beispiel ist hierfür auch eine Anekdote von seiner Reise durch Deutschland, den Niederlanden und Frankreich, als er in Paris einen Mann in einem Garten arbeiten sah und erstaunt darüber war, dass er allein die ganze Arbeit verrichte und sich durch den Verkauf seiner Früchte einige Einkünfte dazu verdienen konnte. Der Zar sah in dem Mann ein Paradebeispiel und ein Vorbild für die russische Bevölkerung und sprach zu seinen Begleitern:

Ich will trachten, unsere müßigen Dorfpopen auf solchen Fuß in Arbeit zu setzen, dass sie sich durch den Feld- und Gartenbau ihr eigenes Brot, Bier und Kwaß (Süßgetränk) und besseres Leben verschaffen sollen, als sie jetzt bei ihrer Faulheit genießen.“ [17]

3.1 Reformen

Peters Wirtschaftsreformen lagen keinem lang gehegten Plan zugrunde. Vielmehr war die Vielzahl der Maßnahmen dem bevorstehenden Beginn des Nordischen Krieges geschuldet. Durch die Auseinandersetzung mit Schweden war man gezwungen, große Mengen an Waffen und Ausrüstung bereitzustellen und neue Rohstoffe zu erschließen. Da der Import ein finanzielles Hindernis darstellte, musste man die erforderlichen Produkte selbst herstellen.

Aus diesen Gegebenheiten lassen sich zwei übergeordnete Ziele Peters für die russische Wirtschaft herleiten. Zum einen die Förderung und Modernisierung der industriellen Produktion und zweitens die Erschließung und Ausschöpfung der natürlichen Rohstoffe.[18] In der zweiten Hälfte seiner Regentschaft hat sich der Zar dann auch zunehmend darum bemüht, private Unternehmer stärker zu unterstützen.

Da Peters „Große Gesandtschaft“, eine Entsendung russischer Botschafter in den Westen, das Ziel, sich mit anderen Mächten gegen das Osmanische Reich zu verbünden, nicht gelang, konzentrierte er sich auf die Sicherstellung der Handelswege über die Ostsee.[19] Mit der Eroberung der baltischen Provinzen Livland und Estland im Zuge des Nordischen Krieges konnte man eine Vielzahl an Ostseehäfen dazugewinnen. Mit dem Ziel, eine eigene Handels- und Kriegsflotte aufzubauen, entstanden somit Schiffswerften. Überhaupt sah der Zar in einer eigenen Flotte eine staatliche Notwendigkeit, um konkurrenzfähig zu sein, da ohne eine überzeugende Flotte eine stabile Handelsbeziehung nicht möglich war.[20]

Die Kosten für den Bau der Schiffe waren geringer als beispielsweise in Großbritannien. Die erforderlichen Materialien stellte Russland selbst her. Durch den Bau von Kanälen hat Peter die Wasserverkehrswege verbessert. Peter konzentrierte sich besonders auf eine Verbindung zwischen der Wolga und der Ostsee. Das Holz für die Schiffe in etwa wurde über einen neu geschaffenen Kanal von Kasan nach St. Petersburg gebracht. Auch erlebte die Textilindustrie einen Aufschwung. Das für die Seefahrt notwendige Segeltuch stellte man nun selbst her, anstatt es kostenintensiv zu importieren.[21] Durch den Anstieg der Produktivität wurde der In- und Export belebt, wobei besonders der Außenhandel mit einem Exportüberschuss bedacht war. Insgesamt kann man sagen, dass der Aufbau einer Kriegsflotte der Wirtschaft in Russland einen enormen Anstoß gab.[22]

Peter I. sah in technischen Errungenschaften logischerweise eine Möglichkeit die Produktion schneller uns rationaler zu gestalten und führte einige technische Neuerungen ein, die er bei seinen Auslandsreisen kennenlernte. Aber auch innerhalb Russlands konnte er bisher unbeachtete oder vernachlässigte Techniken nutzen.

Er sah sich in einem Dorf im nördlichen Teil Russlands ein Sägewerk an und brachte diese Technik der Holzverarbeitung der breiten Masse näher.[23] So konnte man für die rasche Herstellung der Schiffe nun auf technische Mittel für die Holzverarbeitung zugreifen. Peter erkannte, dass Russland über eine immense Zahl an Rohstoffreserven verfügen musste und so suchten ausländische Geologen im Auftrag des Zaren in den Gebirgen nach neuen, wertvollen Bodenschätzen.[24]

[...]


[1] Vgl. Stöckl, Günther. Russische Geschichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. 6. Auflage. Stuttgart. 1997. S. 337-338

[2] Vgl. Hamel, Christine. Russland. Von der Wolga bis zur Newa: Moskau und Goldener Ring, St. Petersburg und Karelien, Nowgorod, Pskow und Kasan. Köln. 1998. S. 170

[3] Vgl. Haumann, Heiko. Geschichte Russlands. München, Zürich. 1996. S. 218-220

[4] Vgl. Wallace, Robert. Zaren, Popen und Bojaren. Russland von den Warägern bis zu Peter dem Großen. Reinbek bei Hamburg, Rowohlt, 1973. S. 155

[5] Kaufmannsgemeinschaften im Norden Europas

[6] Vgl. Donnert, Erich. Russland an der Schwelle zur Neuzeit. der Moskauer Staat im 16. Jahrhundert. Berlin. 1972. S. 438

[7] Vgl. Haumann, Heiko. S. 174-177

[8] Vgl. Fenster, Aristide. Adel und Ökonomie im vorindustriellen Russland. Die unternehmerische Betätigung der Gutsbesitzer in der großgewerblichen Wirtschaft im 17. und 18. Jahrhundert. In: Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Band 23. Wiesbaden. 1983. S. 22

[9] Vgl. Stöckl, Günther. Der Russische Staat im Mittelalter und früher Neuzeit. Ausgewählte Aufsätze. In: Quellen und Studien zur Geschichte des östlichen Europa. Wiesbaden. 1981. S. 301

[10] Vgl. Donnert, Erich. S. 62

[11] Vgl. Fenster, Aristide. S. 24-25

[12] ebd. S. 31

[13] Vgl. Haumann, Heiko. S. 241

[14] Vgl. Nolte, Hans-Heinrich. Geschichte Russlands. Stuttgart, Reclam. 2012. S. 96

[15] Vgl. Stöckl, Günther. S. 381

[16] Vgl. Wallace, Robert. S. 158

[17] Vgl. von Stählin, Jacob. Originalanekdoten von Peter dem Großen. Winkler, München. 1968. S.36-37

[18] Vgl. Wittram, Reinhard. Peter der Große. Der Eintritt Russlands in die Neuzeit. In: Verständliche Wissenschaft. Band 52. Springer, u.a. Berlin. 1954. S. 120

[19] Vgl. Haumann, Heiko. S. 222

[20] Vgl. Wittram, Reinhard. Peter I. Czar und Kaiser. Zur Geschichte Peters des Großen in seiner Zeit. Band II. Göttingen. 1964. S. 17-19

[21] ebd. S. 22

[22] Vgl. Nolte, Hans-Heinrich. S. 110-111

[23] Vgl. Wittram, Reinhard. Peter I. Band II S. 28-29

[24] Vgl. Stöckl, Günther. S. 380

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Wirtschaftspolitik Peters I. Die Reformen und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
1.3
Autor
Jahr
2014
Seiten
16
Katalognummer
V334874
ISBN (eBook)
9783668246584
ISBN (Buch)
9783668246591
Dateigröße
775 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wirtschaftspolitik, peters, reformen, auswirkungen, gesellschaft
Arbeit zitieren
Toni Maschitzke (Autor), 2014, Die Wirtschaftspolitik Peters I. Die Reformen und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/334874

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