In Carmen Martín Gaites Roman, für den sie 1978 den Premio Nacional de Literatura erhielt, treten zahlreiche Erinnerungen in einer einzigen Nacht aus dem „cuarto de atrás“, und der Leser wird Zeuge eines Versuchs „der völlig unvermittelten Darstellung des Erinnerungsprozesses“ (Paatz 1994, 67). Dabei handelt es sich um „a book on memory but definitely not a memoir“ (Castillo 1987, 814). Der Roman hat seine eigene Entstehung zum Gegenstand und kann deshalb als “Self- Referential Novel” (Spires 1983, 139) bezeichnet werden. Die Protagonistin Carmen erhält nach dem zu Bett gehen Besuch eines Mannes in Schwarz, der ihr die unterschiedlichsten Fragen stellt und sie unter anderem zu ihren aktuellen Projekten interviewt. Carmen gesteht, dass sie im vergangenen Januar Todorov versprochen hat, einen fantastischen Roman zu schreiben; erklärt aber auch, dass sie seit längerer Zeit Material für ein Buch über ihr eigenes Erleben und ihre Erinnerungen bezüglich des Franco-Regimes sammelt. Während des Gesprächs mit besagtem Mann kommt ihr die zündende Idee: „Se me acaba de ocurrir una idea. ¿Y si mezclara las dos promesas en una?” (S.112). Der Leser nimmt demnach nun in gewisser Weise teil an der Entstehung eines Werkes, das fast schon als groteske Mischung aus fiktional- fantastischen Elementen, metafiktionalen Bestandteilen, historischen Ereignissen und autobiographischen Gegebenheiten bezeichnet werden kann. Das Gespräch zwischen den beiden Protagonisten wird immer wieder durch „mental flashbacks“ (Spires 1983, 140), eben jene „recuerdos“, von Seiten Carmens unterbrochen. In diesen Erinnerungen liegt das hohe intertextuelle und intermediale Potential des Textes, denn sie sind geprägt durch unzählige Zitate aus klassischen Werken, Passagen aus trivialen Liebesromanen, Strophen aus berühmten Liedern, bekannte Filmdialoge, Tage- und Notizbuchauszüge, etc.
In der vorliegenden Arbeit soll das Werk auf diese intertextuellen und intermedialen Elemente hin untersucht werden. Den beiden Untersuchungen geht jeweils ein kurzer Theorieteil voraus, der sowohl als Einführung in das jeweilige Unterkapitel als auch als Zusammenfassung der wichtigsten literaturtheoretischen Erkenntnisse zu werten ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Intertextuelle Elemente in „El cuarto de atrás”
2.1 Zur Theorie der Intertextualität
2.2 Intertextualität in „El cuarto de atrás”
2.2.1 Verweise auf andere literarische Werke in “El cuarto de atrás“
2.2.2 Verweise auf eigene literarische Werke in „El cuarto de atrás“
2.2.3 „La novela rosa“ in „El cuarto de atrás”
2.2.4 Dramatische Elemente in “El cuarto de atrás”
3. Intermediale Elemente in „El cuarto de atrás”
3.1 Zur Theorie der Intermedialität
3.2 Intermedialität in „El cuarto de atrás”
3.2.1 Printmedien in “El cuarto de atrás”
3.2.2 Auditive Medien in „El cuarto de atrás”
3.2.3 Audiovisuelle Medien in „El cuarto de atrás”
3.2.4 Weitere intermedia le Elemente in „El cuarto de atrás“
4. Resümee
5. Bibliographie
5.1 Primärliteratur
5.2 Sekundärliteratur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Carmen Martín Gaites Roman "El cuarto de atrás" im Hinblick auf seine vielfältigen intertextuellen und intermedialen Verweise. Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch die Einbindung unterschiedlicher literarischer und medialer Ebenen ein komplexes, metafiktionales Geflecht entsteht, das die Grenzen zwischen Realität und Fiktion sowie zwischen verschiedenen Kunstformen aufhebt.
- Analyse der intertextuellen Bezüge zu kanonisierter Weltliteratur und trivialen Genres.
- Untersuchung der Selbstreferentialität durch Verweise auf das eigene literarische Schaffen der Autorin.
- Betrachtung intermedialer Elemente wie Zeitschriften, Musik, Film und bildender Kunst.
- Erörterung der Bedeutung von Erinnerungsprozessen für die Struktur des Werkes.
- Reflexion über das Zusammenspiel von Hochkultur und Populärkultur im Roman.
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Verweise auf andere literarische Werke in “El cuarto de atrás“
Wie bereits erwähnt, sind die intertextuellen Elemente im Roman sehr zahlreich vertreten und es kann an dieser Stelle nur eine Auswahl der Verweise auf die Werke anderer Autoren dargestellt werden, bevor in 3.2.2 die Bezüge zum eigenen literarischen Schaffen der Autorin untersucht werden.
Schon in der Widmung (vgl. Paratextualität unter 3.1) wird die Verbindung zu anderen Autoren hergestellt: „Para Lewis Carroll, que todavía nos consuela de tanta cordura y nos acoge en su mundo al revés.” Eben diese „mundo al revés” und die damit einhergehende Faszination wird in Lewis Carrolls “Alice´s adventures in wonderland” deutlich und wird in „El cuarto de atrás“ aufgegriffen (vgl. das Gemälde „El mundo al revés“ unter 3.2.4 zur Intermedialität). Die verkehrte Welt symbolisiert außerdem die von der Autorin implizierte verschwimmende Grenze zwischen Realität und Fiktion und dies wird an Hand eines Zitats von Carroll deutlich: „[...] todo es posible y verosímil; vamos por el aire como en una ficción de Lewis Carroll, planeando sobre los tejados de una ciudad, [...].” (S.145).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Diese Einleitung führt in die Thematik des Romans ein, beleuchtet seinen selbstreflexiven Charakter und skizziert das Ziel der Arbeit, die intertextuellen und intermedialen Potenziale des Werkes zu untersuchen.
2. Intertextuelle Elemente in „El cuarto de atrás”: Dieses Kapitel analysiert theoretische Grundlagen der Intertextualität und wendet diese auf den Roman an, wobei insbesondere Verweise auf andere Autoren, die „novela rosa“ und dramatische Strukturen untersucht werden.
3. Intermediale Elemente in „El cuarto de atrás”: Der Fokus liegt hier auf der theoretischen Einordnung von Intermedialität und der konkreten Untersuchung verschiedener Medientypen wie Print, Musik, Film und bildender Kunst innerhalb des Romans.
4. Resümee: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse, in der die Vielfalt der intertextuellen und intermedialen Verweise noch einmal betont und als wesentliches Merkmal für die künstlerische Komplexität des Romans hervorgehoben wird.
5. Bibliographie: Das Verzeichnis listet sämtliche verwendete Primär- und Sekundärquellen auf, die der Untersuchung zugrunde liegen.
Schlüsselwörter
Intertextualität, Intermedialität, El cuarto de atrás, Carmen Martín Gaite, Metafiktion, Selbstreferentialität, spanische Gegenwartsliteratur, Literaturtheorie, Erinnerungsprozess, Medialität, Populärkultur, Romananalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Carmen Martín Gaites Roman "El cuarto de atrás" und konzentriert sich dabei spezifisch auf die im Werk enthaltenen intertextuellen und intermedialen Referenzen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die literarische Intertextualität (Bezüge zu anderen Autoren), die Intermedialität (Einbeziehung von Filmen, Musik, Zeitschriften) sowie die Metafiktion und das Thema der Erinnerung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Autorin durch ein Netzwerk aus Zitaten und medialen Verweisen die Grenzen traditioneller literarischer Strukturen aufbricht und den Entstehungsprozess des Romans selbst zum Thema macht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf literaturwissenschaftliche Theorien zur Intertextualität (u.a. Nünning, Genette, Kristeva) und Intermedialität, um das Werk systematisch zu analysieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil ist in zwei große Abschnitte gegliedert: Ein Teil widmet sich intertextuellen Bezügen (zu klassischer Literatur, Trivialliteratur und eigenen Werken), der zweite Teil analysiert intermediale Elemente wie Presseerzeugnisse, Musik und audiovisuelle Medien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Intertextualität, Intermedialität, Metafiktion, Selbstreferentialität und die Analyse der spanischen Gegenwartsliteratur.
Welche Rolle spielen die Lieder von Conchita Piquer?
Die Lieder von Conchita Piquer fungieren als signifikante intermediale Elemente, die eine strukturelle Funktion erfüllen, indem sie die Welt der Protagonistin mit der Populärkultur und der "dunklen Seite" des Nachkriegsspaniens verknüpfen.
Wie wird das Bild des "Mannes in Schwarz" interpretiert?
Der Mann in Schwarz kann als fantastisches Element und als Symbol gedeutet werden, das in den intimsten Raum der Protagonistin, ihr Schlafzimmer, eindringt und dabei eine ambivalente Rolle spielt, die zur Verschleierung und Offenbarung von Wahrheit gleichermaßen beiträgt.
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- Doreen Walter (Author), 2004, Intertextuelle und intermediale Elemente in Carmen Martín Gaites "El cuarto de atrás", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33578