Utopien und Dystopien. Wie wollen die Utopien die asozialen Gefühle bekämpfen und die tugendhaften Emotionen fördern?


Hausarbeit, 2015
32 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Analyse der Hauptthesen
2.1 Thomas Morus – Utopia
2.2 Tommaso Campanella – Sonnenstadt

3. Analyse der Argumentationsstruktur – „Utopia“ und „Sonnenstadt“

4. Diskussion der Argumente und verschiedenen Positionen

5. Fazit

Quellenverzeichnis

1. Einleitung

In der Hausarbeit wird die Frage geklärt: „Inwieweit die Utopien die asozialen Gefühle und Emotionen bekämpfen wollen, um somit die tugendhaften Gefühle und Emotionen zu fördern .“ Zu Beginn werden die Hauptthesen aus der Lektüre „Utopia“ von Thomas Morus argumentativ und strukturiert dargelegt. Anlehnend daran werden die wesentlichen Thesen des Werkes „Sonnenstaat“ von Tommaso Campanella ausführlich erläutert. Nachfolgend findet eine Gegenüberstellung der Romane statt, indem die Inhalte und Standpunkte miteinander verglichen und mögliche Unterschiede erörtert werden. Darüber hinaus werden ebenso auch die Annahmen aus den Romanen „Neu- Atlantis“, „Aus der neuen Liebeswelt“, und „Anarchie, Staat, Utopie“ summarisch dargestellt und mit „Utopia“ und „Sonnenstadt“ zum Vergleich herangezogen. Auch ein Einblick in die Sekundärliteratur wird gegeben um noch einmal zu vertiefen, wodurch die Utopien ihre Ziele zum Ausdruck bringen wollen. Zum Ende der Hausarbeit werden die diskutierten Positionen noch einmal aufgegriffen und mit einem schlüssigen Fazit abgeschlossen.

2. Analyse der Hauptthesen

2.1 Thomas Morus – Utopia

Das „Zweite Buch“ des Romans „Utopia“ von Thomas Morus, das im Folgenden untersucht wird, handelt von einer Rede des Raphaels Hythlodeus über die beste Staatsverfassung. Er beschreibt das Leben der Utopier auf einer Insel. Dieses Buch soll also zum Ausdruck bringen, welche Gesichtspunkte zu einem geordneten und gerechten Staat und somit auch zu einem rechtmäßigeren Leben in der Gesellschaft beitragen. „Utopia“ soll demnach die Abwendung von einem unkultivierten und rohen Volksstamm und die Hinwendung zur Gesittung verdeutlichen. Morus stellt in seinem Werk dar, dass es sich um eine geschützte Gesellschaft, also um ein geschlossenes System handelt.[1] Besonders der Umgang und die Regeln dieser Gesellschaft in Bezug auf Natur, Arbeit, Krieg, Sklaven, politischen und wirtschaftlichen Strukturen, Emotionen, Eheschließungen, Bildung, Krankheiten, Moral und Religion(en) werden veranschaulicht. Die strengen Regeln dienen der stabilen Erreichung des Zwecks zum höchsten Glück. Um die Hauptthesen von Thomas Morus zum Ausdruck zu bringen, sollte speziell auf die Frage eingegangen werden, wie die Utopier in „Utopia“ die asozialen Gefühle und Emotionen zu bekämpfen versuchen, um die tugendhaften Gefühle und Emotionen zu fördern und durch welche Aspekte sie dies demonstrieren.[2]

Im Hinblick auf die beruflichen Tätigkeiten wird festgestellt, dass Morus die Gleichheit aber parallel auch die Freiheit der Utopier in Bezug auf die Arbeitsverhältnisse aufzeigt. Er stützt die These indem er darlegt, dass jeder, sowohl Männer als auch Frauen zeitweilig in der Landwirtschaft arbeiten, da die Landwirtschaft allen dient. Die ausgeführten Arbeiten zielen oftmals zu überschüssigen Erzeugnissen hin. Diese werden an Nachbarn weitergegeben. Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit sind also signifikante Eigenschaften für eine friedliche Gesellschaft.[3] Frauen und Männer tragen jeweils die gleiche Kleidung, damit kein Neid aufkommt. Der Zweck besteht darin, dass jeder genügend für ein bescheidendes Leben hat und Ungerechtigkeiten völlig verbannt werden. Der Vorsteher, genannt Syphogrant sorgt dafür, dass jeder seiner Arbeit nachgeht und die arbeiten rechtmäßig und fleißig ausgeführt werden. Jedoch wird darauf geachtet, dass nicht zu viel gearbeitet wird. Es ist von Bedeutung, dass die Utopier über genügend Freizeit verfügen.[4] Die Utopier achten also darauf, dass alle gerecht und gleich behandelt werden. Es findet somit also keine Hierarchie der Aufgaben statt und mögliche Eifersucht kann nicht aufkommen. Es wird ihnen jedoch hinsichtlich ihrer Berufswahl Freiheit gewährt, indem sie, wenn sie es denn befürworten, einen anderen, für sie ansprechenderen Beruf erlernen können. Darüber hinaus wird deutlich, dass in anderen Kulturen, Arbeit nicht von großem Belangen ist und auf Faulheit zurückzuführen ist. In „Utopia“ geht es hingegen darum, Untätigkeit und Arbeitsscheu zu unterbinden, denn die Arbeit dient dem Wohl aller.[5] Die wenigen Tagesstunden, die der Arbeit gewidmet werden, ermöglichen folglich, dass sich eine Weiterentwicklung der kognitiven Kompetenzen ereignet und dies gilt infolgedessen auch zum Wohl des Staates. Ihrer Auffassung nach trägt dies zu einem glücklicheren Leben bei. Ausschlaggebend für den Staat ist also nicht, überflüssige Arbeit zu verteilen, sondern die individuelle Bewahrung und Erhaltung der geistigen Fähigkeiten[6]

Das Geld spielt in Utopia so gut wie keine Rolle. Niemand besitzt Reichtümer im Sinne von Geld. Besitztümer in Form von Erzeugnissen aus der Natur vermeiden das Aufkommen von Missgunst und diese Analogie ist Sinn und Zweck dieser Utopie. Allgegenwärtige Maßstäbe wie Hedonismus und Maßlosigkeit sind bedeutungslos. Vielmehr stehen die Nützlichkeit der Arbeit und das „echte und natürliche Vergnügen“ im Vordergrund.[7] Es findet eine Planung statt, sodass jeder genug für ein bescheidenes Leben hat.[8] Um allen Bedürfnissen gerecht zu werden, haben die Utopier die Möglichkeit auf einem Markt, die Waren und Produkte zu besorgen, die sie benötigen. Signifikant ist hierbei, dass weder eine Bezahlung noch eine Gegenleistung verlangt wird. Da die Erzeugnisse zu Genüge vorhanden sind, bezweifelt niemand, dass Arbeitsprodukte im Überfluss genommen werden. Aus dem Vorhergehenden lässt sich also schließen, dass Geld gar nicht vonnöten ist, da alle Ressourcen zahlreich verfügbar sind. So lässt sich feststellen, dass die Utopier durch die Abschaffung von Geld, Habsucht und räuberische Eigenschaften vermindern. Durch den Überfluss bleiben folglich auch Prahlerei und Anmaßung aus, da es ihnen niemals an etwas fehlen wird.[9] Aufgrund dessen, dass Geld nicht benötigt wird, da es ihrer Meinung nach negative Gefühle und Taten bei dem Menschen auslöst, wird Geld als etwas betrachtet, dass von einem niedrigen Wert ist. Sie empfinden jenes als wichtig und essentiell, das von der Natur als leicht zugänglich hervorgebracht wird. Daraus lässt sich entnehmen, dass Edelmetalle, die von der Mehrheit der Menschen als wertvoll und selten angesehen werden, für die Utopier unbedeutend sind. Geld und Gold gelten als „unnütz“ und „nichtig“ und werden diesbezüglich auch immer als etwas Negatives deklariert.[10] Das Gold wird für die Bezahlung von Söldnern und Verrätern verwendet. Darüber hinaus werden durch die Abgabe von Gold Sklaven erworben. Um das Gold noch mehr in Verruf zu bringen, erhalten Verbrecher und Sklaven beispielsweise goldene Schellen oder Schmuck.[11]

Im Folgenden wird auf die Politik im Buch „Utopia“ eingegangen. Die Position des gewählten Staatsoberhauptes wird ein Leben lang aufrechterhalten, es sei denn es werden totalitäre Neigungen verdächtigt. Bei Staatsgelegenheiten werden Entscheidungen mit Bedacht getroffen und erst nach ausführlicher Besprechung besiegelt. Um Tyrannei gar nicht erst aufkommen zu lassen, die zur Unterdrückung des Volkes beitragen würde, ist es so signifikant diese Vormaßnahmen des Entscheidungsprozesses zu treffen, um eine mögliche Staatsumstürzung zu verhindern. Es ist also von Bedeutung nach den Interessen des Volkes zu handeln und nicht unüberlegte Urteile zu fällen.[12]

Wesentliche Merkmale bei dieser Politik sind ein freundlicher und angenehmer Umgang untereinander und dass die Beschlüsse zum Wohl der Gemeinschaft erfolgen. Keiner der Obrigkeiten gilt als überheblich und es wird ihnen freiwillig einen ehrenvollen Dienst erwiesen. Sie tragen auch keine hochwertigere Kleidung als das Volk oder besonderen Kopfschmuck. Zudem benötigen die Utopier kaum Gesetze, denn sie kommen aufgrund ihrer Regierungsform sehr gut damit aus. Sie legen Wert darauf, dass es lieber wenige und präzise Gesetze gibt, die jeder begreift, denn die Verpflichtung zu vieler Gesetze halten sie für unangemessen. Die Utopier sind der Ansicht, dass die gröbste Auffassung immer die beste ist und ohne größere Umstände am ehesten die tatsächliche Wahrheit ans Licht käme. Diese Schlussfolgerung lässt sich aus den vorhergehenden Annahmen deduzieren. Auch das Privateigentum und die Habsucht stellen für die Utopier so große Übel dar, da sie die Gerechtigkeit einschränken, die jedoch die monumentalsten Triebfelder eines Staatmechanismus bilden. Sie lassen sich in keiner Weise von anderen Völkern dazu verleiten, diesen verderblichen Dingen nachzugehen.[13] Ferner gehen sie auch keine Bündnisse ein, da die Natur die Menschen untereinander vollauf vereint. Sie vertreten den Standpunkt, dass die Einheit des Menschen ein Bündnis ersetze. Andere Nationen schließen Bündnisse, um sich vor einer gegenseitigen Zerstörung zu schützen. Sie betrachten also gegenseitige Zuwendung durch Worte wirksamer als Verträge.

Die Sklaven dienen in „Utopia“ ebenso ihrem Zweck. Als Sklaven werden die Menschen bezeichnet, die aufgrund eines Verbrechens der Sklaverei verurteilt worden sind oder die in anderen Städten eine Schandtat begangen haben und diesbezüglich dem Tode schuldig gesprochen wurden und nun in Utopia als Sklaven arbeiten. Sklaven sind günstig zu erwerben und häufig auch kostenlos. Sie sind dafür zuständig jegliche Arbeit in Utopia zu verrichten. Menschen, die im eigenen Land Straftaten verübt haben, bestrafen sie stärker, zumal diese Personen, die Chance auf eine exzellente Erziehung zuteilwurde und sie sich dennoch nicht von Verbrechen zurückhalten ließen. Diesen Sklaven werden härtere und deutlich mehr Arbeitsstunden zugeteilt. Diese Art der Sklavenbestrafung soll als Abschreckung dienen und die Utopier dazu verleiten, tugendhaft und ehrlich zu handeln.[14]

Strafen unterliegen keinem vom Staat festgesetzten Gesetz, sondern es wird in jedem Fall individuell entschieden, je nach Straftat, wie schwerwiegend das Maß der Strafe ausfällt. Familien bestrafen sich im Falle der Strafe untereinander, es sei denn, dass sie bei einem folgenschweren Verbrechen der Moral wegen, an die Öffentlichkeit gehen müssen. Die Sklaverei wird als das übelste aller Verbrechen erachtet. Die Bestrafung mit Zwangsarbeit halten sie für sinnvoller als die Todesstrafe, da diese einerseits dem Staat dient und andererseits der Abschreckung förderlich ist, um andere davon abzuhalten ähnliche Straftaten zu begehen.

Rebellieren sie und widersetzen sich ihrer Sanktionierung, werden sie allerdings umgebracht. Allerdings besteht auch Hoffnung für die Gehorsamen, wenn sie durch die Leidenszeit Einsicht erhalten haben und sich Reue bemerkbar macht. So kommt es vor, dass die Strafe der Sklaven durch Amnestie des Fürsten oder durch den Entschluss des Volkes abgeschwächt oder aufgehoben wird. Die Verführung der Strafe und das Ausführen des Verbrechens selbst, sind bezogen auf das Maß der Strafe gleichgesetzt, auch wenn es nicht zur Tat kam.[15] Ziel der Utopier ist es nicht nur die Menschen vom Verbrechen abzuhalten, sondern sie in dem Sinne zu motivieren und zu verleiten, dass ihnen Anerkennung und Ruhm zuteilwird, wenn sie tugendhaft handeln. So erhalten nämlich insbesondere ehrenvolle und durch tugendhafte Taten bekannte Männer Standbilder, die an öffentlichen Plätzen zur Schau stehen. Somit wollten die Utopier bezwecken, dass weniger Missetaten stattfinden und den ruhmreichen, moralischen Männern nachgeifert wird.[16]

Krieg wird bei den Utopiern verachtet und als etwas Abscheuliches betrachtet. Sie grenzen sich folglich von der Mehrheit der Völker hinsichtlich ihrer Gepflogenheiten ab, denn diese sehen ihren Zweck darin, im Krieg Ruhm und Macht zu erhalten. Diese Einstellung gilt bei den Utopiern jedoch als etwas Abstoßendes. Allerdings werden sowohl Männer als auch Frauen durch eine militärische Ausbildung auf einen möglichen Krieg vorbereitet, damit sie sich bei Angriffen vor den Feinden wehren können. Sie versuchen nichtsdestotrotz niemals einen Krieg entstehen zu lassen. Wenn es doch einmal so weit kommt, schützen sie ihre eigenen Grenzen und die Grenzen von Freunden, wenn Eindringlinge in Begriff sind, Schaden zu stiften. Auch Mitleid ist ein Grund, um ein von Tyrannei befallenes Volk zu befreien. Dies tun sie aus Liebe zu dem Menschen. Allerdings sind sie aber auch zum Krieg mit anderen Nationen bereit, für den Fall, dass ein Utopier außerhalb des Landes missbraucht oder ermordet wird und wenn der Täter für sein Handeln nicht rechtmäßig bestraft wird. Es geht ihnen nicht um einen blutigen Sieg, im Gegenteil desavouieren sie sich diesbezüglich sogar. Sie betiteln es als Torheit, selbst die wertvollsten Habseligkeiten zu kostspielig zu erwerben.[17] Bedeutungsvoll und erfreulich ist es für sie, wenn sie die Feinde durch Intrigen und Hinterlist überwältigen. Die geistige Überlegenheit und Vernunft ist signifikant für die Utopier. Das Ziel der Utopier ist es, durch ihre Kriegsführung Frieden zu erzeugen, sodass der Krieg nicht länger präsent ist. Dabei steht das Ziel im Fokus, dass die Menschen von den grausamen Folgen des Krieges abgeschreckt werden sollen und hierbei geht es den Utopiern nicht um die Erhaltung von Anerkennung und Ruhm, sondern vielmehr darum, den Bedrohungen entgegenzuwirken. Damit die Beendigung des Krieges möglichst schnell eintritt, versprechen sie demjenigen gigantisch hohe Belohnungen, der den feindlichen Fürsten eliminiert. Sie sind bestrebt, das Wagnis durch die Gewichtigkeit der Belohnung zu nivellieren. Die Utopier sehen diese Art von Brauchtum als etwas Ehrenvolles und Intelligentes an, da infolgedessen, der Krieg nur kurzweilig anhält und weniger Menschen an blutigen Schlachten zugrunde gehen. Sie schätzen ihr Verhalten als menschenwürdig und empathisch ein, weil sie durch das Auslöschen der Schuldigen, das Überleben von der Vielzahl der Unschuldigen gewährleisten. Für die Utopier sind ihre Mitglieder unersetzlich und keiner muss mit seinem Leben bezahlen, weshalb nur sehr wenige Bürger und nur Freiwillige aus dem Volk der Utopier für den Krieg eingesetzt werden. Die Utopier setzen zudem auch „unsittliche Menschen“ ein, um diese auszunutzen, natürlich gegen Bezahlung. Auch in diesem „abscheulichen“ Volk sehen die Utopier ihren Zweck, nämlich die Erde von der Sorte Mensch zu bereinigen, welche ein schamloses und abstoßendes Verhalten an den Tag legt.[18] Den Utopiern wurde gelehrt, dass

„sie ihr Leben weder so gering zu schätzen, dass sie es leichtsinnig vergeuden, noch es so unbillig zu überschätzen, dass sie damit gereizten und sich schimpflich daran klammerten, wenn die Ehre gebietet, es aufs Spiel zu setzen.“[19]

Es ist für die Utopier also eine Sache der Ehre und sie tun es freiwillig, wenn sie sich beispielsweise für das Wohl der Gemeinschaft einsetzen. Sie würden dennoch niemals unachtsam mit ihrem Leben umgehen und betrachten es als äußerst wertvoll. Darüber hinaus haben sie auch nicht im Sinn das feindselige Land zu vernichten. Einem Hilflosen fügen sie kein Leid zu, wenn es sich nicht um einen Spion handelt. Schlussendlich lässt sich sagen, dass die Utopier immer gewillt sind ihr Volk und ihre Insel vor Angriffen zu bewahren und in solchen Situationen vor Anfeindungen nicht zurückschrecken. Bevor keine Misere im eigenen Land stattfindet, geschieht allerdings auch kein Krieg.[20]

Im Hinblick auf Krankheiten stellt Morus dar, dass auf kranke Menschen sehr große Rücksicht genommen wird, weshalb es vier große und öffentliche Kliniken gibt, in denen die Pflegebedürftigen in geräumigen und wohnlichen Zimmern von Krankenpflegern und von den pflichtbewusstesten und bewandertsten Ärzten fürsorglich betreut werden. Alle Heilmittel stehen allzeit in großer Menge zur Verfügung.[21] Die Utopier lassen von nichts ab, um den erkrankten Menschen zu helfen, sondern sie geben gründlich darauf Acht, dass sie mit den besten Medikamenten hingebungsvoll versorgt werden. Selbst von unheilbarer Krankheit befallene Menschen versucht man verbal, sowie durch Mimik und Gestik aufzubauen und zu besänftigen. Wenn dieser unheilbar Kranke von so großem seelischen Schmerz erfüllt ist, wirken Priester und Behörden auf den Kranken ein, um ihn darin zu bestärken, den Tod mit einem befreienden und guten Gefühl entgegenzublicken, der ihn von all der Last und der Qual und seinen ansteckenden Seuchen befreit und ihn ein Leben nach dem Tode gewährt. Die Utopier bezeichnen diese Art von Beeinflussung als eine gläubige und anständige Tat, da dem Kranken die Weisheit zuteilwird, durch seinen Tod das Leid abkürzen zu können, da dieser ja ohnehin nicht mehr befähigt ist, seinen Tätigkeiten nachzugehen. Durch diese Art von Manipulation seitens des Priesters, nehmen sich die Todkranken freiwillig das Leben. Dieser Beschluss wird jedoch niemals ohne Einwilligung des Kranken getroffen. Niemand wird gegen seinen Willen getötet. Bei Desentscheidung wird auch die Pflege des Kranken nicht vernachlässigt. Wer sich allerdings für den Tod auf Rat des Priesters entscheidet, wird hochschätzungsvoll in Erinnerung verweilen. Wenn jemand dagegen Suizid begeht, der nicht auf den des Priesters oder des Senats erlaubten Gründen beruht, erhält jedoch keine würdevolle Beerdigung.[22]

Das Eheleben der Frauen von Utopia findet nicht vor Erreichung des 18. Lebensjahres statt. Der Mann darf sogar erst mit 22 Jahren eine Eheschließung eingehen. Ereignet sich außerehelicher Geschlechtsverkehr hat das einschneidende Konsequenzen und beide müssen sich mit einem durchgängigen Eheverbot abfinden, falls sie vom Fürsten nicht amnestiert werden. Die Fehlhandlung wird deswegen so erbarmungslos von den Utopiern bestraft, weil befürchtet wird, dass kaum jemand den Ehebund eingehen würde, bei der Vorstellung, lebenslang nur mit einem Partner zusammen zu sein. Überdies sind auch die mit der Ehe eingeschlossenen Unannehmlichkeiten zu erdulden.

[...]


[1] Vgl. Morus, Thomas (1986): „Zweites Buch – Rede des Raphael Hythlodeus“. S.58-59

[2] Vgl. Merle, Jean-Christophe: „Sitzung 3: Utopien und Dystopien – Autarkie (eigene Mitschrift inbegriffen)“. gehalten am: 11.11.2014

[3] Vgl. Morus, Thomas (1986): „Zweites Buch – Rede des Raphael Hythlodeus“. S.60-61

[4] Vgl. Morus, Thomas (1986): „Zweites Buch – Rede des Raphael Hythlodeus“. S.66ff

[5] Vgl. Morus, Thomas (1986): „Zweites Buch – Rede des Raphael Hythlodeus“. S.69

[6] Vgl. Morus, Thomas (1986): „Zweites Buch – Rede des Raphael Hythlodeus“. S.69-72

[7] Vgl. Morus, Thomas (1986): „Zweites Buch – Rede des Raphael Hythlodeus“. S.69-70

[8] Vgl. Merle, Jean-Christophe: „Sitzung 3: Utopien und Dystopien – Autarkie (eigene Mitschrift inbegriffen)“. gehalten am: 11.11.2014

[9] Vgl. Morus, Thomas (1986): „Zweites Buch – Rede des Raphael Hythlodeus“. S.74-75

[10] Vgl. Morus, Thomas (1986): „Zweites Buch – Rede des Raphael Hythlodeus“. S.82-83

[11] Vgl. Morus, Thomas (1986): „Zweites Buch – Rede des Raphael Hythlodeus“. S.83 -Vgl. Merle, Jean-Christophe: „Sitzung 3: Utopien und Dystopien – Autarkie (eigene Mitschrift inbegriffen)“.gehalten am: 11.11.2014

[12] Vgl. Morus, Thomas (1986): „Zweites Buch – Rede des Raphael Hythlodeus“. S.65-66

[13] Vgl. Morus, Thomas (1986): „Zweites Buch – Rede des Raphael Hythlodeus“. S.111-113

[14] Vgl. Morus, Thomas (1986): „Zweites Buch – Rede des Raphael Hythlodeus“. S.105

[15] Vgl. Morus, Thomas (1986): „Zweites Buch – Rede des Raphael Hythlodeus“. S.109-110

[16] Vgl. Morus, Thomas (1986): „Zweites Buch – Rede des Raphael Hythlodeus“. S.111

[17] Vgl. Morus, Thomas (1986): „Zweites Buch – Rede des Raphael Hythlodeus“. S.115-117

[18] Vgl. Morus, Thomas (1986): „Zweites Buch – Rede des Raphael Hythlodeus“. S.118-123

[19] Morus, Thomas (1986): „Zweites Buch – Rede des Raphael Hythlodeus“. S. 123

[20] Vgl. Morus, Thomas (1986): „Zweites Buch – Rede des Raphael Hythlodeus“. S.123-125

[21] Vgl. Morus, Thomas (1986): „Zweites Buch – Rede des Raphael Hythlodeus“. S.75-76

[22] Vgl. Morus, Thomas (1986): „Zweites Buch – Rede des Raphael Hythlodeus“. S.106

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Utopien und Dystopien. Wie wollen die Utopien die asozialen Gefühle bekämpfen und die tugendhaften Emotionen fördern?
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
32
Katalognummer
V336361
ISBN (eBook)
9783668259553
ISBN (Buch)
9783668259560
Dateigröße
1129 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
utopien, dystopien, gefühle, emotionen
Arbeit zitieren
Iris Gutsche (Autor), 2015, Utopien und Dystopien. Wie wollen die Utopien die asozialen Gefühle bekämpfen und die tugendhaften Emotionen fördern?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/336361

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