In der vorliegenden Arbeit soll auf Grundlage einer theoretischen Annäherung herausgearbeitet werden, welche Ausgrenzungs- und Abwertungsmechanismen sich gegenüber Sinti und Roma in der deutschen Gesellschaft ablesen lassen, in welcher Form diese in der Mehrheitsgesellschaft verankert sind und inwiefern Soziale Arbeit in diesem Kontext intervenieren kann und muss. In diesem Zusammenhang wird die Hypothese aufgestellt, dass Antiziganismus einen Auftrag Sozialer Arbeit darstellt.
Diese Arbeit unter dem Titel „Soziale Arbeit im Kontext gesellschaftlicher Diskriminierung von Sinti und Roma in Deutschland“ versteht sich nicht als Versuch Erkenntnis über die Lebensweise der Sinti und Roma zu gewinnen, sondern vielmehr als ein Verweis auf die Notwendigkeit, sich den vorherrschenden Vorurteilsstrukturen gegenüber dieser Minderheit zu widmen.
Der inhaltliche Schwerpunkt dieser Arbeit umfasst Sinti und Roma ungeachtet ihrer Nationalität, denn durch eben diese Betrachtungsweise wird deutlich, dass Ethnizität und nicht Nationalität im Hinblick auf die Diskriminierung der Romgruppen ein wichtiger Indikator zur Stigmatisierung ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Deskriptive Einführung
2.1 Vorbemerkungen
2.2 Kurzcharakterisierung der Sinti und Roma
2.3 Sinti und Roma in Deutschland: Vergangenheit und Einführung in den Status Quo
3 Darstellung der Diskriminierung von Sinti und Roma in Deutschland
3.1 Diskriminierung auf der individuellen Ebene
3.2 Diskriminierung auf der institutionellen Ebene
3.3 Diskriminierung auf der strukturellen Ebene
4 Die Wirkungszusammenhänge der antiziganistischen Vorurteilsstruktur
4.1 Grundmechanismen von Vorurteilen
4.2 Vorurteile und Stereotype des Antiziganismus
4.3 Funktionen des Antiziganismus
4.4 Zwischenfazit
5 Die Relevanz des Antiziganismus für die Soziale Arbeit
6 Antiziganismus als Auftrag Sozialer Arbeit
6.1 Gegenstand Sozialer Arbeit im Kontext des Antiziganismus
6.2 Eine Annäherung von Sozialer Arbeit und Strategien gegen Antiziganismus
6.2.1 Antiziganismus als Forschungsgegenstand Sozialer Arbeit
6.2.2 Antiziganismuskritische Praxis Sozialer Arbeit
6.2.3 Antiziganismus als Thema in der Qualifizierung Sozialer Arbeit
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, welche Ausgrenzungs- und Abwertungsmechanismen gegenüber Sinti und Roma in der deutschen Gesellschaft existieren, wie diese in der Mehrheitsgesellschaft verankert sind und inwiefern Soziale Arbeit in diesem Kontext intervenieren kann und muss. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Hypothese, dass Antiziganismus einen eigenständigen Auftrag Sozialer Arbeit darstellt.
- Analyse antiziganistischer Diskriminierungsmechanismen auf individueller, institutioneller und struktureller Ebene
- Untersuchung der Wirkungszusammenhänge der antiziganistischen Vorurteilsstruktur
- Reflexion der Relevanz und des Auftrags Sozialer Arbeit im Kontext des Antiziganismus
- Entwicklung von Perspektiven für eine antiziganismuskritische Praxis und Qualifizierung in der Sozialen Arbeit
Auszug aus dem Buch
4.1 Grundmechanismen von Vorurteilen
Vorurteile und Ressentiments begegnen uns im täglichen Leben nicht nur im Kontext des Antiziganismus, sondern sind fester Bestandteil vieler Begegnungskategorien, in denen Abgrenzungsmechanismen wirken. Der Entstehungsprozess von Vorurteilen lässt sich in einem Drei-Schritt skizzieren (vgl. End 2012a mit Verweis auf Holz 2001, S. 37 f.).
Zunächst bedarf es der Annahme mindestens zwei homogener Gruppen, die Fremdgruppe und die Eigengruppe. Diese sich gegenüberstehenden sozialen Gruppen werden kategorisiert durch die Zuschreibung eines essentiellen Merkmals, welches als unveränderbar gilt. Dieses Merkmal kann exemplarisch als Kultur, Ethnie oder „Rasse“ codiert werden. Im zweiten Schritt des Entstehungsprozesses werden der Fremdgruppe und somit auch implizit der Eigengruppe Eigenschaften zugeschrieben, welche die Konstruktion eines Fremdbildes markieren. So lässt sich in Gegenüberstellung von Romgruppen und Mitgliedern der Mehrheitsgesellschaft aus dem Vorwurf „alle Roma vernachlässigen ihre Kinder“ auch immer die Annahme ableiten, dass „alle Mitglieder der Mehrheitsgesellschaft ihre Kinder gut erziehen“.
Nach End gehören die Zuschreibungen der Eigenschaften der Fremdgruppe und die Aussage über die gegensätzlichen Eigenschaften der Eigengruppe stets zusammen (vgl. End 2012a S. 28 ff. und End 2015c, S. 203). Im dritten Schritt der Vorurteilsentstehung werden nun die zugewiesenen Eigenschaften und somit auch die Merkmale bewertet, wobei mehrheitlich die Eigenschaften der Eigengruppe als wünschenswerter Zustand beschrieben werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema ein, stellt die Hypothese auf, dass Antiziganismus einen Auftrag Sozialer Arbeit darstellt, und erläutert die methodische Vorgehensweise.
2 Deskriptive Einführung: Dieses Kapitel bietet grundlegende Informationen zur Ethnie der Sinti und Roma, deren Geschichte und den aktuellen Status Quo in Deutschland.
3 Darstellung der Diskriminierung von Sinti und Roma in Deutschland: Hier werden Erscheinungsformen der Diskriminierung anhand der Ebenen der individuellen, institutionellen und strukturellen Diskriminierung analysiert.
4 Die Wirkungszusammenhänge der antiziganistischen Vorurteilsstruktur: Das Kapitel untersucht die Entstehungsmechanismen von Vorurteilen, deren Funktionen für die Mehrheitsgesellschaft und zieht ein Zwischenfazit.
5 Die Relevanz des Antiziganismus für die Soziale Arbeit: Dieses Kapitel stellt die besondere Bedeutung des Antiziganismus als Form des Rassismus für das professionelle Handeln in der Sozialen Arbeit heraus.
6 Antiziganismus als Auftrag Sozialer Arbeit: Der Schwerpunkt der Arbeit erörtert, wie Soziale Arbeit den Antiziganismus auf den Ebenen der Wissenschaft, Praxis und Qualifizierung aktiv bearbeiten kann.
7 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und formuliert Postulate für die zukünftige Ausrichtung der Sozialen Arbeit im Umgang mit Antiziganismus.
Schlüsselwörter
Antiziganismus, Soziale Arbeit, Diskriminierung, Sinti, Roma, Vorurteilsstruktur, Rassismus, Exklusionsprozesse, Minderheiten, Selbstreflexion, Handlungsauftrag, Interventionsmaßnahmen, Stereotype, Stigmatisierung, Kritische Soziale Arbeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem gesellschaftlichen Phänomen des Antiziganismus in Deutschland und der Frage, wie die Profession Soziale Arbeit mit dieser Form der Diskriminierung umgehen sollte.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die soziologische Diskriminierungsforschung, die historische und aktuelle Situation von Sinti und Roma sowie die Reflexion der eigenen fachlichen Handlungslogik der Sozialen Arbeit.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, den Antiziganismus als ein gesellschaftliches Problem transparent zu machen und zu belegen, dass die Auseinandersetzung damit einen notwendigen Handlungsauftrag für Soziale Arbeit darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deduktive Gliederung und stützt sich auf eine theoretische Annäherung sowie die Analyse aktueller Forschungsergebnisse, um die Komplexität der Diskriminierung zu verdeutlichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Diskriminierungsformen auf verschiedenen Ebenen, untersucht Vorurteilsstrukturen, definiert die Relevanz des Themas für die Soziale Arbeit und leitet konkrete Strategien für die Praxis und Qualifizierung ab.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist maßgeblich durch Begriffe wie Antiziganismus, Diskriminierung, Soziale Arbeit, Sinti und Roma, Stigmatisierung und Exklusionsprozesse charakterisiert.
Warum wird die Bezeichnung „Zigeuner“ in der Arbeit verwendet?
Der Begriff wird nur dann verwendet, wenn historische Bezeichnungen zitiert werden oder wenn der Schweregrad gesellschaftlich verankerter Abwertung verdeutlicht werden soll.
Welche Rolle spielt die „Kritische Soziale Arbeit“ in dieser Arbeit?
Die Kritische Soziale Arbeit dient als Grundlage, um Machtverhältnisse und Exklusionsstrukturen innerhalb der Profession selbst aufzudecken und zu hinterfragen, um so eine reflexivere Praxis zu ermöglichen.
Warum wird betont, dass nicht die Rombevölkerung, sondern die Mehrheitsgesellschaft Gegenstand Sozialer Arbeit sein sollte?
Die Autorin argumentiert, dass nicht die Minderheit das Problem ist, sondern die antiziganistische Haltung der Mehrheitsgesellschaft, die zu Exklusion und Benachteiligung führt.
- Quote paper
- Nadin Linz (Author), 2016, Soziale Arbeit im Kontext gesellschaftlicher Diskriminierung von Sinti und Roma in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/336387