Darstellung der Pegida-Bewegung in den Medien. Eine linguistische Diskursanalyse agonaler Zentren


Seminararbeit, 2016

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theorie und Methodik
2.1 Agonale Zentren im Diskurs
2.2 Konnektoren als Indikatoren für agonale Zentren
2.3 Der Pegida Diskurs als Untersuchungsgegenstand
2.4 Analysemethoden

3. Die Darstellung der Pegida-Bewegung im Diskurs: Agonale Zentren
3.1 Verständnis für Pegida: Empörungs- oder Aufschreibewegung?
3.2 Positionierung der Pegida als Verbündeten: Gleiche Werte mit der AfD?
3.3 Demokratie in Deutschland: Hat die Pegida hier ihren Platz?

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Ein großer Teil unseres individuellen Wissens basiert auf der Rezeption von Sprachzeichen, wie sie in sprachlichen Äußerungen mündlicher und schriftlicher Art verbreitet werden. Die Basis unseres Erfahrungsschatzes und der Ausgangspunkt unserer Wissensbildungsprozesse sind Inter- aktionen, die zwischen Individuen oder innerhalb von Gruppen oder in Massenmedien stattfin- den.“ (Felder 2009: 13)

Damit verdeutlicht Felder, dass die Auf- und Übernahme unseres individuellen Gedankenguts durch sprachliche Äußerungen in jeglicher Art stattfindet. Dabei werden diese sprachlichen Zeichen durch die Medien oder den Austausch in Kreisen vermittelt und wahrgenommen. Auf diesem Wege eignen wir uns auch das Wissen über die politischen und gesellschaftlichen Probleme und Geschehen an, die auch folglich zur Formung von Standpunkten verleiten und somit die Perspektivierung unseres Wissens und Gedankenguts bestimmen (vgl. Felder 2015: 90).

Die linguistische Diskursanalyse untersucht deshalb mit sprachwissenschaftlichen Methoden primär die Sprachoberfläche der Mediendiskurse, um sich so an die Inhaltsebene heranzutasten und mögliche Interessenkonflikte und Perspektiven verschiedener Diskursakteure in Bezug auf bestimmte Sachverhalte zu beleuchten (Felder 2015: 89). Damit sollen diskursprägende Interessen, Konflikte und Muster durch die Analyse der Sprachoberfläche aufgedeckt werden (vgl. Felder 2012: 122f.).

In dieser Hausarbeit wird die Sprachoberfläche des Pegida-Diskurses untersucht, um agonale Zentren, festgehalten als mehrere Konzepte, die „[...] in einem Diskurs konfligieren und für einen Diskurs als charakteristisch gelten“ (Felder 2013: 21), herauszukristallisieren. Dabei wird die Frage untersucht, wie die Pegida-Bewegung aus der Sicht der unterschiedlichen Diskursakteure dargestellt wird.

Zuerst werden die Theorien und Methoden erläutert, um ein Hintergrundwissen zu besitzen und die Analysen verfolgen zu können. Danach werden die durch das hermeneutische Lesen der Zeitungsartikel abgeleiteten agonalen Zentren, die die unterschiedlichen Darstellungen der Pegida-Bewegung aufzeigen sollen, analysiert und beleuchtet. Um die Annahmen korpuslinguistisch zu ergänzen und stringent nachzuweisen, werden die Kookkurenzpartner adversativer, konzessiver und substitutiver Konnektoren analysiert, da diese als Indizien für die Agonalität fungieren (vgl. Felder 2012: 152). Abschließend sollen die Ergebnisse in einem Fazit resümiert werden.

2. Theorie und Methodik

2.1 Agonale Zentren im Diskurs

„Wer auf die Welt mit Sprache zugreift und damit Sachverhalte schafft, deutet sie unvermeidlich durch die Auswahl spezifischer sprachlicher Mittel. Der Sprachgebrauch prägt also die Gestalt des Sachverhalts, der sprachlich erst konstituiert wird und nicht sprachunabhängig schon gegeben ist.“ (Felder 2009: 17)

Sowie aus der Einleitung schon hervorgeht, werden unsere Wissensbestände durch die Medien oder die Gespräche mit den Mitmenschen beeinflusst. Mit der zitierten Prämisse verdeutlicht Felder, dass durch die explizite Verwendung des Mediums Sprache be- stimmte Sachverhalte gestaltet und ausgedrückt werden, die jedoch nicht der gewünsch- ten Neutralität entsprechen, da „ [v]iele Perspektiven (Multiperspektivität) auf den ver- meintlich gleichen Sachverhalt [...] das Maximale in unserem anthropologischen und nicht realisierbaren Streben nach Wahrheit oder Objektivität [sind]“ (Felder 2013: 16). Deshalb besitzt das Medium Sprache ein Perspektivierungspotenzial, da durch die „Ent- scheidung für eine Formulierung [...] indirekt eine Entscheidung gegen eine andere mögliche Formulierung einhergeht“ (Felder 2009: 19). Dadurch werden in Diskursen bestimmte Konzepte vermittelt, weshalb diese handlungsleitenden Konzepte in der lin- guistischen Diskursanalyse vordergründig untersucht werden (Felder 2009: 20).

Die handlungsleitenden Konzepte, die aus den unterschiedlichen Standpunkten der Diskursakteure und der Perspektivität der Sprache resultieren, führen zu zentralen Streitpunkten, die Felder als agonale Zentren deklariert (vgl. Felder 2012: 118). Entsprechend sind agonale Zentren „sich in Sprachspielen manifestierende[r] Wettkämpf[e] um strittige Akzeptanz von Ereignisdeutungen, Handlungsoptionen, Geltungsansprüchen, Orientierungswissen und Werten in Gesellschaften“ (Felder 2012: 136).

2.2 Konnektoren als Indikatoren für agonale Zentren

Durch Konnektoren werden Sätze in semantische Relationen zueinander gesetzt. Dabei bilden die Konnektoren in der Grammatik keine eigene Klassifikation, sondern gehören zu koordinierenden und subordinieren Konjunktionen, sowie zu bestimmten Klassen von Partikeln und Adverbien (vgl. GRAMMIS).1

Indem durch Konnektoren zwei Sätze in eine Beziehung gesetzt werden, können Sach- verhalte in spezifischen Perspektiven ausgedrückt werden (vgl. Pasch 2003: 1). Um unterschiedliche Perspektiven und agonale Zentren in Diskursen darzulegen, können also Konnektoren als Werkzeuge zur Analyse herangezogen werden. Dafür sollen ins- besondere konzessive, adversative und substitutive Konnektoren dienen, da diese Ge- gensätze in den Argumentationen offenlegen (vgl. Felder 2012: 152ff.). Adversative Konnektoren sind entgegensetzende Ausdrücke, die die Widersprüche ei- nes Sachverhalts in miteinander verbundenen Sätze manifestieren (vgl. DUDEN- GRAMMATIK 2009: 1104). Zu den adversativen Konnektoren gehören nach GRAMMIS:2 aber, alldieweil, allein, allerdings, andernteils, andrerseits, bald, bloß dass, dafür, dagegen, dahingegen, dementgegen, demgegenüber, derweil(en), doch, einerseits, einesteils, einmal, freilich, halb, hingegen, hinwieder, hinwiederum, indes, indessen, jedoch, nur dass, nur, mal, während, wieder, wiederum, wogegen, wohingegen, zum einen.

Im Gegensatz dazu sind konzessive Konnektoren einräumend. Durch diese werden Er- wartungshaltungen korrigiert, die durch Bedingungen vorgegeben sind (vgl. DUDEN- GRAMMATIK 2009: 1106). Nach GRAMMIS sind die konzessiven Konnektoren folgende:

dabei, dafür dass, dennoch, des ungeachtet, dessen ungeachtet, entgegen, gleichwohl, nichtsdestominder, nichtsdestotrotz, nichtsdestoweniger, obgleich, obschon, obwohl, obzwar, so- sehr, trotz, trotzdem, unbeschadet dessen, ungeachtet dessen, ungeachtet, dass; wenn zwar, wenn, wenngleich, wennschon, wider, wiewohl, wo, wobei.

Auch substitutive Konnektoren können als Indikatoren für agonale Zentren dienen, da sie ähnliche Eigenschaften wie konzessive und adversative Konnektoren aufzeigen. Der Sachverhalt in dem einen Konnekt, wird durch den Sachverhalt des anderen Konnekts subsituiert (vgl. Schedl 2011: 8; 17). Nach GRAMMIS gehören die folgenden Ausdrücke dazu: anstatt dass, anstatt, statt dass, statt, anstelle dessen, stattdessen, sondern.3

Somit kann die Bedeutung und die Analyse der Kotexte von Konnektoren zur Untersuchung von handlungsleitenden Konzepten im Diskurs verwendet werden, was auch in dieser Hausarbeit zu Nutze gemacht wird.

2.3 Der Pegida-Diskurs als Untersuchungsgegenstand

Die Pegida-Bewegung wurde durch ihre öffentlichen Montagsdemonstrationen, den aufsehenerregenden Sprüchen und den asly-, fremden-, und islamfeindlichen Motivatio- nen bekannt. Die große Auseinandersetzung der Medien mit der Bewegung und den vielen politischen und gesellschaftlichen Diskussionen bietet dadurch ein breites Spekt- rum an medialen Texten, die zur Analyse des Diskurses genutzt werden können. Im Pegida-Diskurs soll nun die Darstellung der Pegida-Bewegung seitens von Politikern und den Medien dargelegt werden, um somit handlungsleitende Konzepte herauszukris- tallisieren und diese mittels korpuslinguistischen Methoden zu plausibilisieren. Das Korpus zum Pegida-Diskurs besteht aus 2780 geschriebenen Texten der Zeitschrif- ten DER SPIEGEL, der FAZ, DIE ZEIT , SPIEGEL ONLINE und DIE WELT.4 Dabei umfasst das Korpus 89.203 Types und 2.469.202 Tokens und stellt somit eine relativ große Be- legsammlung von Texten dar. Da der Diskurs nicht als Ganzes überprüft werden kann, stellen die Analysen nur einen Ausschnitt dar, weshalb auch das Korpus nicht identisch mit dem Diskurs ist (vgl. Felder 2012: 123).

2.4 Analysemethoden

Für die Spezifikation von Themen und der Orientierung im Korpus orientiert sich die Arbeit an dem Methodentria Felders (1) Benennung des Diskursthemas, (2) Generie- rung von Subthemen, (3) Bestimmung agonaler Zentren (Felder 2015: 99f.). Mithilfe des hermeneutischen Arbeitens mit den Zeitungsartikeln im Korpus konnten schon erste Erkenntnisse gewonnen werden, in der die Darstellung der Pegida- Bewegung durch verschiedene Akteure, wie von den Medien oder den Politikern beson- ders deutlich wurde. Dabei wird die Rolle der Bewegung in der Gesellschaft, die Zu- ordnung zur AfD und die Intentionen der Pegidisten zwiespältig diskutiert, die zu unter- schiedlichen agonalen Zentren führen. Um diese agonale Zentren an der Textoberfläche zu überprüfen und die Hypothesen evident zu machen, werden die Lexeme in der Um- gebung der Kookkurenzpartner adversativer, konzessiver und substitutiver Konnektoren durch semi-automatisierte Verfahren betrachtet (vgl. Felder 2015: 110). Dies wird mit- hilfe der Funktion Collocates des Computerprogramms AntConc durchgeführt, indem ein Intervall von 10 Tokens vor und nach dem Konnektor überprüft wird. Dann werden die dadurch hervortretenden Lexeme nach der Sinnverwandtschaft gruppiert, welche dann zu handlungsleitenden Konzepte im Diskurs zugeordnet werden (vgl. Felder 2015: 110). Zudem sollen ausgewählte Textausschnitte mit den Konnektoren als Belege für die formulierten agonalen Zentren fungieren.

[...]


1 http://hypermedia.ids-mannheim.de/call/public/sysgram.ansicht?v_typ=d&v_id=1183.

2 http://hypermedia.ids-mannheim.de/call/public/gramwb.ansicht?v_app=g&v_kat=Konnektor. Sowohl die adversativen, als auch die konzessiven Konnektoren wurden mittels des Grammatischen Wörterbuchs zusammengestellt.

3 Besonders nützlich erweist sich im Pegida-Diskurs der substitutive Konnektor sondern für die Analyse.

4 Das Korpus zum Pegida-Diskurs wurde von der Seminarleiterin zur Verfügung gestellt.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Darstellung der Pegida-Bewegung in den Medien. Eine linguistische Diskursanalyse agonaler Zentren
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Germanistisches Seminar)
Veranstaltung
Diskurse und Grammatik
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
17
Katalognummer
V336607
ISBN (eBook)
9783668296589
ISBN (Buch)
9783668296596
Dateigröße
618 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
darstellung, pegida-bewegung, medien, eine, diskursanalyse, zentren
Arbeit zitieren
Sümeyra Gelir (Autor), 2016, Darstellung der Pegida-Bewegung in den Medien. Eine linguistische Diskursanalyse agonaler Zentren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/336607

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Darstellung der Pegida-Bewegung in den Medien.
Eine linguistische Diskursanalyse agonaler Zentren



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden