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Zum Ursprung menschlicher Sprache. Initiale Faktoren der Sprachevolution

Titel: Zum Ursprung menschlicher Sprache. Initiale Faktoren der Sprachevolution

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2014 , 23 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: B.A. Henriette Frädrich (Autor:in)

Sprachwissenschaft / Sprachforschung (fachübergreifend)
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die menschliche Sprache tritt in der uns bekannten Welt als besondere und einzigartige Kommunikationsform in Erscheinung. Kaum ein Lebewesen verständigt sich mit seinen Artgenossen auf so vielfältige und komplexe Weise wie der Mensch. Dem historischen Ursprung jener menschlichen Fähigkeit möchte ich in dieser Arbeit auf den Grund gehen.

Da der Begriff Sprache zum Teil recht unterschiedlich verstanden wird, motiviert dessen Auffassung letztlich verschiedene Forschungsschwerpunkte hinsichtlich der Sprachevolution. Allein in der Sprachwissenschaft wird Sprache unter anderem als Sprechen, Sprachfähigkeit oder Einzelsprache verstanden. So heben zum Beispiel Grammatiker hervor, dass es sich bei Sprache um ein Regelsystem konventionell überlieferter Zeichen handelt. Neuro- und Psycholinguisten konzentrieren sich hingegen auf die genetischen, sowie neurophysiologischen, kognitiven Prozesse, die der Sprachfähigkeit zugrunde liegen. Andere beschäftigen sich wiederum eingehender mit der kommunikativen, pragmatischen Funktion der Sprache. Der grundlegendste Unterschied in der Auffassung von Sprache liegt meines Erachtens in der Diskriminierung von Sprache als grammatisches Regelsystem und von Sprache als Kommunikationsform. Dies spiegelt sich auch in dem bisherigen Diskurs zur historischen Entstehung der menschlichen Sprachfähigkeit wider.

Um dennoch eine für das Anliegen dieser Arbeit geeignete Definition des Begriffes Sprache zur Verfügung zu haben, möchte ich BUSSMAN zitieren: „[Sprache ist ein auf] kognitiven Prozessen basierendes, gesellschaftlich bedingtes, historischer Entwicklung unterworfenes Mittel zum Austausch bzw. Ausdruck von Gedanken, Vorstellungen, Erkenntnissen und Informationen sowie zur Fixierung und Tradierung von Erfahrungen und Wissen. In diesem Sinne bezeichnet S. eine artspezifische, dem Menschen eigene Ausdrucksform, die sich durch Kreativität, die Fähigkeit zu begrifflicher Abstraktion und die Möglichkeit zu metasprachlicher Reflexion von anderen Kommunikationssystemen unterscheidet“.

In Bußmanns Definition werden zahlreiche Charakteristika von Sprache genannt, wie: deren kognitive Verankerung, deren gesellschaftliche und kommunikative Funktion oder der Aspekt der historischen Entwicklung und Überlieferung von Sprache.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung und Fragestellung

1.Sprache und Evolutio…

2.Aktuelle Fragestellungen zur Sprachevolution in der Linguistik…

3.Schwerpunkt dieser Arbeit und Fragestellung

2.Anatomische und neuronale Voraussetzungen der menschlichen Sprache

1.Evolutionäre Entwicklungsschritte des Sprechapparates im Vergleich

2.Evolutionäre Entwicklungsschritte des Gehirns im Vergleich

3.Kognitive Entwicklung und Sprachfähigkeit

3.Menschliche und tierische Kommunikation

1.Tierische Kommunikationsformen – Gesten und Vokalisierungen

2.Charakteristika menschlicher Sprache

4.Soziale Evolution der Sprache

1.Common ground und shared intentionality

2.Imitation und Sprachevolution

5.Fazit

1.Ausblick

Zielsetzung und Forschungsfokus

Diese Arbeit untersucht aus einer naturalistischen, bio- und psycholinguistischen Perspektive die evolutionären Ursprünge der menschlichen Sprachfähigkeit. Ziel ist es, die wesentlichen anatomischen, neuronalen sowie sozialen Faktoren zu identifizieren, die zur Entstehung der menschlichen Sprache beigetragen haben, und dabei die Einzigartigkeit der menschlichen Kommunikation im Vergleich zu anderen Lebewesen zu erörtern.

  • Untersuchung der evolutionären Entwicklung von Vokaltrakt und Gehirn.
  • Analyse der Rolle kognitiver Fähigkeiten bei der Entstehung von Sprache.
  • Vergleich menschlicher Kommunikationsformen mit denen nicht-menschlicher Primaten.
  • Bewertung der Bedeutung sozialer Interaktion und Imitation für die Sprachevolution.
  • Erforschung der „Shared Intentionality“ als Grundlage konventioneller Kommunikation.

Auszug aus dem Buch

1. Common ground und shared intentionality

Ikonische Gesten erfordern ein in der sozialen Gruppe gemeinsam geteiltes Wissen, dessen Aufbau und Stabilisierung auf der Imitation und dem intentionalen Verständnis des Gegenübers basiert. Dies beruht wiederum auf der empfundenen Notwendigkeit einzelner Individuen, ihr Wissen oder auch ihre Bedürfnisse mit anderen Artgenossen zu teilen: „First, we need to acknowledge the simple fact that communication only arises with entities that desire to communicate in the first place“ (EVERETT 2012: 47). TOMASELLO (2008: 83ff) benennt drei soziale Triebfedern, die ursächlich für das Bedürfnis zur Kommunikation mit arteigenen Individuen gewesen sein könnten: das Bitten oder Auffordern („requesting“), das Informieren („informing“), und das Teilen („sharing“). Bei den letzten beiden schimmern bereits soziale, sowie altruistisch-kooperative Motive durch. Soziale Kooperation unterscheidet die menschliche Sprache laut TOMASELLO (2008: 98) von anderen Lebewesen, wobei auch bei Pavianen eine gewisse Form des sozialen Wissens nachgewiesen werden konnte (SEYFARTH/CHENEY 2013: 66).

Ikonische Gesten sind gegenüber deiktischen Gesten - wie das Zeigen - in der Lage das Vorstellungsvermögen des Gegenübers auf abwesende Referenten zu lenken, indem eine referentielle Handlung oder deren Handlungsträger, sowie deren Bezug (pantomimisch) nachgestellt wird (TOMASELLO 2008: 61). Die Verwendung ikonischer Gesten beruht demzufolge verstärkt auf einer konzeptuellen Repräsentation abwesender Referenten oder abstrakter Konzepte (MÜLLER 2003: 60, 233; TOMASELLO 2008: 204). Konzeptuelle Repräsentationen sind in dem gemeinsamen Weltwissen – dem sog. „common ground“ (vgl. TOMASELLO 2008: 74) - angelegt. Dieser „common ground“ wird durch soziale, kooperative Mechanismen aufgebaut und erweitert, die wiederum Prozesse involvieren, bei denen die Intentionalität der Individuen mit anderen geteilt und von diesen antizipiert werden – man spricht hier auch von „shared intentionality“ (vgl. 2008: 72).

Zusammenfassung der Kapitel

1.Einleitung und Fragestellung: Das Kapitel führt in das Thema ein, definiert Sprache unter Bezugnahme auf fachwissenschaftliche Quellen und umreißt die leitenden Fragestellungen der Arbeit.

2.Anatomische und neuronale Voraussetzungen der menschlichen Sprache: Hier werden die biologischen Veränderungen, wie die Absenkung des Kehlkopfes und die Entwicklung des Gehirns, als evolutionäre Grundlagen der Sprechfähigkeit untersucht.

3.Menschliche und tierische Kommunikation: Dieses Kapitel vergleicht die Kommunikationsformen von Primaten mit denen des Menschen und beleuchtet die Rolle von Gestik und Lautäußerungen.

4.Soziale Evolution der Sprache: Es wird die These entwickelt, dass soziale Kooperation, Imitation und „Shared Intentionality“ entscheidende Triebfedern für die Entstehung komplexer, konventioneller Sprache waren.

5.Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse über das Zusammenspiel von biologischer und sozialer Evolution zusammen und gibt einen Ausblick auf künftige Forschungsbedarfe.

Schlüsselwörter

Sprachevolution, Kommunikation, Primaten, Vokaltrakt, Gehirnentwicklung, Shared Intentionality, Imitation, Kooperation, Gestik, Biolinguistik, Kognition, Spiegelneuronen, Arbitrarität, Sprachursprung, konventionelle Kommunikation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der evolutionären Entstehung der menschlichen Sprache aus einer bio-psycholinguistischen Perspektive.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Arbeit analysiert anatomische Voraussetzungen, neuronale Strukturen, soziale Kommunikationsmechanismen und kognitive Fähigkeiten, die zur Sprachbildung führten.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Hauptziel besteht darin, die wesentlichen Schritte und Faktoren aufzuzeigen, die die Entwicklung der menschlichen Sprachfähigkeit begünstigt haben.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?

Der Autor nutzt eine vergleichende Analyse, insbesondere durch den Vergleich mit anderen Tierarten und die Auswertung bestehender evolutionsbiologischer und linguistischer Studien.

Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung anatomischer und neuronaler Grundlagen, den Vergleich zwischen menschlicher und tierischer Kommunikation sowie die Analyse sozialer Evolutionsfaktoren.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Sprachevolution, Shared Intentionality, biologische und kulturelle Evolution sowie kommunikative Kooperation.

Welche Rolle spielt die Gestik bei der Entstehung von Sprache laut der Arbeit?

Die Arbeit folgt dem Ansatz, dass die Kommunikation der Menschenaffen durch Gestik eine Basis für konzeptuell-intentionale Kommunikation bildet, aus der sich später die moderne Sprache entwickelte.

Warum wird die „Mirror System Hypothesis“ in diesem Kontext erwähnt?

Sie dient zur Erklärung, wie die Fähigkeit, Handlungen anderer wahrzunehmen und zu imitieren, die soziale Zusammenarbeit förderte und somit die Sprachentwicklung stützte.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Zum Ursprung menschlicher Sprache. Initiale Faktoren der Sprachevolution
Hochschule
Universität Potsdam  (Institut für Slavistik)
Veranstaltung
Seminar: Sprache aus neurologischer Sicht
Note
1,0
Autor
B.A. Henriette Frädrich (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2014
Seiten
23
Katalognummer
V337300
ISBN (eBook)
9783656987574
ISBN (Buch)
9783656987581
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sprachevolution Sprachfähigkeit Kognitive Entwicklung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
B.A. Henriette Frädrich (Autor:in), 2014, Zum Ursprung menschlicher Sprache. Initiale Faktoren der Sprachevolution, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337300
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Leseprobe aus  23  Seiten
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