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Cur ultra speculum videtur imago? Optik und Spiegelbilder bei Lukrez

Title: Cur ultra speculum videtur imago? Optik und Spiegelbilder bei Lukrez

Bachelor Thesis , 2014 , 32 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Anja Bülles (Author)

Latin philology - Medivial and Modern Latin
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Summary Excerpt Details

In der vorliegenden Arbeit soll die Darstellung der Optik bei Lukrez untersucht werden und zwar am Beispiel von Spiegelbildern. Daher wird, im Anschluss an eine kurze Einführung in "De rerum natura", zunächst erläutert werden, wie Lukrez ein so komplexes Phänomen wie den Sehvorgang anhand eines rein atomistischen Weltbilds überzeugend erklären kann und welche Annahmen er dabei macht.

Aufbauend auf diesen Annahmen erklärt Lukrez schließlich die Spiegelbilder. Dabei werden sich die Untersuchungen hinsichtlich Argumentationsgang, Leserlenkung und Sprache auf die Erklärung der Lage des Spiegelbilds jenseits der Spiegeloberfläche beschränken. Die weiteren im Zusammenhang mit den Spiegeln auftretenden Phänomene werden nur in ihren wesentlichen Grundzügen dargestellt werden, und, wo es sich anbietet, den Erläuterungen bei Platon und Seneca gegenübergestellt werden. Das Farbsehen jedoch, welches ebenfalls ein Bestandteil der Optik ist und von Lukrez auch behandelt wird, wird nicht betrachtet werden, da die Farbwiedergabe bei Spiegelungen nicht verfälscht wird und somit keine Rückschlüsse auf ihre Funktionsweise zulässt. Zuletzt soll Lukrez’ Optik mit der unserer heutigen Physik gegenübergestellt werden, wozu im Anhang die zeitgemäßen Erklärungen der Spiegelbilder nachgereicht werden.

„Fort fahre ich, aus den Verstrickungen der Gottesfurcht den Geist zu befreien.“ Im Proöm zum vierten Buch seines Lehrgedichtes De rerum natura bringt Lukrez seine Absicht auf den Punkt. Bereits der Vorsokratiker Xenokrates setzte Naturerscheinungen mit dem Wesen der Götter gleich und dasselbe allegorische Denken war auch der römischen religio zueigen: So wurde Iris als Göttin des Regenbogens verehrt und die Stellen, an denen Blitze eingeschlagen hatten, waren dem Iuppiter Fulgur heilig. Wie ließen sich Naturphänomene für den antiken Menschen auch anders erklären, in einer Zeit, in der die Naturwissenschaft noch in den Kinderschuhen steckte? Es mangelte dem antiken Menschen an Konzepten über die Abläufe in der Natur, sodass er gezwungen war, die Phänomene auf eine übernatürliche Kraft zurückzuführen, wenn er nicht in Furcht vor dem Unerklärlichen verharren wollte. Jedoch führte dies nur zu einer Verschiebung des Problems, da der Mensch nun zwar nicht mehr unerklärliche Naturerscheinungen, dafür aber die Unberechenbarkeit der Götter fürchten musste, die fortwährend über das Leben und Handeln der Menschen urteilten, es zum Guten wie zum Schlechten beeinflussen konnten.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Lukrez und sein Werk De rerum natura

III. Optik und Spiegelbilder bei Lukrez

III.1. Die simulacra und der Sehvorgang

III.2. Die Bedeutung des Lichts

III.3 Die jenseitige Lage des Spiegelbildes

III.3.a Einordnung in den Kontext von De rerum natura

III.3.b Textversion

III.3.c Übersetzung Luc.rer. 4, 269-288

III.3.d Textkritik

III.3.e Interpretation

III. 4 Die weiteren Eigenschaften der Spiegelbilder

III.4.a Die Spiegelverkehrtheit

III.4.b Die Mehrfachspiegelung

III.4.c Die Parabolspiegel oder rechtwinkeligen Spiegel

III.5 Lukrez und die moderne Optik

IV. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die optischen Theorien des römischen Dichters Lukrez in seinem Lehrgedicht "De rerum natura", mit einem besonderen Fokus auf die Entstehung und Wahrnehmung von Spiegelbildern. Dabei wird analysiert, wie Lukrez auf Basis eines rein materialistischen, atomistischen Weltbildes komplexe visuelle Phänomene widerspruchsfrei erklären kann und welche rhetorischen Strategien er nutzt, um seine Leser von diesen Thesen zu überzeugen.

  • Atomistische Grundlagen der Sinneswahrnehmung und des Sehvorgangs
  • Erklärung der Spiegelbilder und der jenseitigen Lage der Spiegelreflexion
  • Analyse der Spiegelverkehrtheit und Mehrfachspiegelung
  • Gegenüberstellung antiker optischer Theorien mit modernen physikalischen Konzepten
  • Rhetorische und sprachliche Analyse der lukrezischen Beweisführung

Auszug aus dem Buch

III.3.b Textversion

Die Frage, warum wir unser Spiegelbild hinter dem Spiegel erblicken, beantwortet Lukrez folgendermaßen:

Nunc age cur ultra speculum videatur imago

270 percipe: nam certe penitus remmota videtur.

quod genus illa foris quae vere transpiciuntur,

ianua cum per se transpectum praebet apertum,

multa facitque foris ex aedibus ut viedeantur;

is quoque enim duplici geminoque fit aëre visus.

275 primus enim citra postes tum cernitur aër,

inde fores ipsae dextra levaque secuntur,

post extraria lux oculos perterget et aër

alter, et illa foris quae vere transpiciuntur.

sic ubi se primum speculi proiecit imago,

280 dum venit ad nostras acies protrudit agitque

aëra qui inter se cumquest oculosque locatus

et facit ut prius hunc omnem sentire queamus

quam speculum; sed ubi speculum quoque sensimus ipsum

continuo a nobis itidem quae fertur imago

285 pervenit, et nostros oculos reiecta revisit

atque alium prae se propellens aëra volvit,

et facit ut prius hunc quam se videamus, eoque

distare ab speculo tantum semota videtur.

quare etiam atque etiam minime mirarier est par

[quaeque foris res tam simili ratione videri]

290 illis quae reddunt speculorum ex aequore visum,

aëribus binis quoniam res confit utraque.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Absicht des Lukrez ein, den Menschen von der Furcht vor übernatürlichen Naturerklärungen zu befreien und stattdessen eine materialistische Weltsicht zu etablieren.

II. Lukrez und sein Werk De rerum natura: Das Kapitel skizziert das Leben des Autors und bietet eine Übersicht über die Inhalte der sechs Bücher von "De rerum natura", die als Grundlage für die optischen Erläuterungen dient.

III. Optik und Spiegelbilder bei Lukrez: Dieses Kapitel stellt das Herzstück der Arbeit dar und erläutert die atomistische Lehre des Sehens, die Bedeutung des Lichts sowie detailliert die Entstehung und Eigenschaften von Spiegelbildern.

III.1. Die simulacra und der Sehvorgang: Hier werden die simulacra als atomare Ströme eingeführt, die den Sehvorgang ermöglichen und die Basis für die weitere optische Analyse bilden.

III.2. Die Bedeutung des Lichts: Der Text beleuchtet die Rolle des Lichts als Medium und dessen Einfluss auf die Dichte der Luftschichten, die für die Wahrnehmung entscheidend sind.

III.3 Die jenseitige Lage des Spiegelbildes: Dieses Kapitel analysiert anhand einer Textstelle die lukrezische Erklärung, warum Spiegelbilder als "hinter" dem Spiegel liegend wahrgenommen werden.

III. 4 Die weiteren Eigenschaften der Spiegelbilder: Hier werden Phänomene wie die Spiegelverkehrtheit, die Mehrfachspiegelung und spezielle Spiegelformen wie Parabolspiegel untersucht.

III.5 Lukrez und die moderne Optik: Ein Vergleich zwischen der antiken atomistischen Optik und dem heutigen physikalischen Verständnis von Licht und Wellen.

IV. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und würdigt die in sich konsistente argumentative Leistung des Lukrez bei der Erklärung optischer Phänomene.

Schlüsselwörter

Lukrez, De rerum natura, Optik, Spiegelbilder, Atomismus, simulacra, Sehvorgang, Reflexion, Parabolspiegel, Materialismus, Licht, Wahrnehmung, Antike, Wissenschaftsgeschichte, Spiegelverkehrtheit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die optischen Phänomene in Lukrez' Lehrgedicht "De rerum natura", insbesondere wie er auf Grundlage einer atomistischen Naturlehre das Sehen und die Funktionsweise von Spiegeln erklärt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die zentralen Themen sind die "simulacra" (atomare Bildströme), der Sehvorgang selbst, die Erklärung von Spiegelbildern sowie der Vergleich zwischen antikem Verständnis und moderner Optik.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Lukrez komplexe optische Phänomene innerhalb eines rein materialistischen Rahmens widerspruchsfrei darstellt und welche stilistischen Mittel er einsetzt, um seine Thesen zu vermitteln.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine philologische Untersuchung, die Textanalyse, Interpretation der antiken philosophischen Konzepte und den Vergleich mit zeitgenössischen physikalischen Erklärungsmodellen kombiniert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Entstehung von Bildern (simulacra), die Rolle von Luftschichten bei der Tiefenwahrnehmung im Spiegel, die physikalischen Besonderheiten von Spiegelungen und die rhetorische Gestaltung der Argumentation.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Besonders prägend sind Begriffe wie "simulacra", "atomistisch", "Spiegelbild", "Optik" und "materialistische Naturlehre".

Wie erklärt Lukrez die "jenseitige" Lage eines Spiegelbildes?

Lukrez nutzt den Vergleich mit dem Blick durch eine offene Tür; er argumentiert, dass die Addition verschiedener Luftschichten zwischen dem Betrachter und dem Spiegelobjekt dazu führt, dass das Spiegelbild für unser Auge scheinbar in der Tiefe hinter der Spiegelfläche liegt.

Warum spielt die Spiegelverkehrtheit eine Rolle?

Die Spiegelverkehrtheit wird genutzt, um die konsistente Anwendung der atomistischen Theorie auf die räumliche Ausrichtung von Objekten und deren Abbildern zu demonstrieren.

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Details

Title
Cur ultra speculum videtur imago? Optik und Spiegelbilder bei Lukrez
College
University of Münster  (Klassische Philologie)
Grade
2,3
Author
Anja Bülles (Author)
Publication Year
2014
Pages
32
Catalog Number
V337408
ISBN (eBook)
9783668267343
ISBN (Book)
9783668267350
Language
German
Tags
optik spiegelbilder lukrez
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anja Bülles (Author), 2014, Cur ultra speculum videtur imago? Optik und Spiegelbilder bei Lukrez, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337408
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