Diagnostik im Juniorenleistungsfußball

Diagnostik und Trainingsintervention am Beispiel der U16 Junioren des SSV Jahn Regensburg


Hausarbeit, 2016

27 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Diagnostik & Trainingsintervention im Juniorenleistungsfußball
2.1 Leistungsstruktur
2.2 Ziele der Diagnostik
2.3 Trainingsplanung & Steuerung

3. Diagnostik der Teilbereiche
3.1 Ausdauer
3.1.1 Yo-Yo Intermittent Recovery Test
3.1.2 Borg-Skala
3.2 Kraft
3.2.1 OptoJump
3.2.2 Jump-and-Reach-Test
3.3 Schnelligkeit
3.3.1 OptoJump
3.3.2 Lichtschrankenmessung
3.4 Psychologie
3.4.1 Erholungs-Belastungs Fragebogen
3.4.2 AMS Sport

5. Konklusion

Literaturverzeichnis

1.Einleitung

„Sowohl sportmotorische, als auch psychologische Fertigkeiten haben erheblichen Einfluss auf die Talententwicklung eines Spielers“[1]

Im Jugendleistungsfußball spielt die Weiterentwicklung der Spieler eine bedeutende Rolle, das Nachwuchstraining hat perspektivischen Charakter und ist nicht vordergründig auf das Erreichen bestimmter Wettkampfergebnisse ausgerichtet.[2] In den Nachwuchsteams der Profimannschaften arbeiten sowohl Trainer als auch Spieler darauf hin Bestleistungen zu erreichen und nach Ende der Juniorenausbildung im Profibereich Fuß zu fassen. Somit richtet sich die gesamte Ausbildung nicht nur nach den unterschiedlichen Ausbildungsschwerpunkten der einzelnen Altersklassen, sondern auch nach den Anforderungen im Profibereich, auf die hinführend gearbeitet werden muss. Zudem bestehen bei Jugendlichen in den Bereichen der körperlichen Entwicklung, der Persönlichkeit und des sozialen Umfelds teilweise große Unterschiede, die Beachtung finden müssen. Der Verfasser stellt vor dieser Arbeit die These auf, dass eine Weiterentwicklung der sportlichen Leistungsfähigkeit in Verbindung mit effektiver Diagnostik und angepassten Trainingsmethoden im Juniorenbereich besonders differenziert betrachtet werden muss. Grund dafür sind zum einen die oben genannten erziehungs- und entwicklungsbedingten Unterschiede in Verbindung mit der zusätzlichen schulischen Belastung, sowie der Unterschied zwischen körperlicher und psychosozialer Reifung in der Pubertät.[3] In dieser Arbeit werden jedoch nur die Diagnostik und die Trainingsmethoden näher behandelt, eine Individualisierung in diesen Bereichen wird hier nicht aufgegriffen.

Diagnostik & Trainingsintervention wird am Beispiel der U16 Junioren des SSV Jahn Regensburg in der Saison 2015/16 beschrieben.Es handelt sich hier um 18 Spieler des Jahrgangs 2000, die über einen Zeitraum von 12 Monaten im Bereich der Trainingsintervention betreut wurden. Die Aufzeichnungen der ersten 8 Monate stellen die Grundlage dieser Arbeit dar.Im Juniorenbereich fälltdie gesamte Planung- und Steuerung dieses Prozesses zum größten Teil auf den Trainer, der wiederum einzelne Methoden und Inhalte an Spezialtrainer oder Physiotherapeuten deligieren kann. Der Trainer wird dieser Rolle in der Gestaltung und Planung der Trainingsinhalte gerecht. Um diese Inhalte zielführend planen zu können müssen die passenden Methoden auf Grundlage einer spezifischen Diagnostik gewählt werden.

2. Diagnostik & Trainingsintervention imJuniorenleistungsfußball

Eineeffektive Trainingsintervention kann nur erreicht werden, wenn auf Basis einer Diagnostik des Ist-Standes der aktuelle Leistungsstand festgelegt werden kann. Sowohl Diagnostik als auch die anschließenden Trainingsmethoden sollten alle motorischen,psychologischen und sozialen Parameter mit einbeziehen. Die Methoden der Trainingsintervention und Diagnostik sollten im Vorfeld mit den Sportlern besprochen und ihr Sinn erläutert werden.Dieses Verständnis für die bevorstehenden Maßnahmen dient der Motivation und besseren Selbsteinschätzung.[4] Um die einzelnen Bereiche der Diagnostik bestimmen zu können, muss zunächst ein Anforderungsprofil im Hinblick auf die leistungsbestimmenden Faktoren erstellt werden. Dieses gilt es der Sportart, in diesem Fall Fußball und der Altersklasse anzupassen.

Wenn also feststeht welche Faktoren die Weiterentwicklung des Athleten beeinflussen muss die Trainingsplanung in Kombination mit einer regelmäßigen Diagnostik und eine kurz-, sowielangfristige Zielsetzung erstellt werden.

In dieser Arbeit soll, am Beispiel einer U16 Junioren Mannschaft eines Nachwuchsleistungszentrums, der Prozess der Diagnostik in einer zielführenden Trainingsintervention bearbeitet und genauer erläutert werden. Auf Grund begrenzter finanzieller Mittel im Bereich der bearbeiteten Nachwuchsannschaft wurde bei der Auswahl der Diagnostikmethoden größtenteils auf preisgünstige, dennoch effektive Methoden und Ausrüstung zurückgegriffen.

2.1Leistungsstruktur

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 (Quelle: Bauersfeld/Schröter, Modell der sportlichen Leistung, 1987)

Die Leistungsstruktur im Fußball umfasst eine Vielzahl an leistungsbestimmenden Faktoren, deren Kenntnis Einfluss auf die Diagnostik und Intervention im Trainingsbetrieb hat.

Im Bereich der Technik spielt das Erlernen von Bewegungsfertigkeiten und grundlegegenden koordinativen Fähigkeiten eine entscheidende Rolle in der Ausbildung und im Trainingsprozess. Als Teamsportart mit einem sich bewegenden Spielgerät sind die taktisch-kognitiven Fähigkeiten ebenso ein Bestandteil der Leistungsstruktur, wie die sozialen Fähigkeiten in einer Gruppe von Kindern bzw. Jugendlichen.

Auf Grund der hohen Belastung eines Nachwuchssportlers und der Vielzahl an Einflussfaktoren in seinem Umfeld, müssen die psychischen Fähigkeiten gerade im Nachwuchsbereich eine besondere Rolle spielen und auch im Bereich der Leistungsstruktur Beachtung finden.

Um durch Diagnostik und anschließende Trainingsintervention jedoch Ausbildungsprozesse alle Spieler einer Nachwuchsmannschaft zu verbessern, müssen auch die veranlagungs- und entwicklungsbedingten Faktoren Beachtung finden, in denen sich Jugendliche auf Grund ihrer genetischen Veranlagung und körperlichen Reife trotz gleichen Alters unterscheiden.[5]

Um eine zielführende, effektive und dennoch durchführbare Diagnostik und Trainingsintervention erarbeiten zu können muss sich nun der Trainer auf Grundlage der Leistungsstruktur die weitere Vorgehensweise erschließen.Hier sind nun unter Anbetracht aller Faktoren die Ziele der Diagnostik und eine anschließende Trainingsplanung zu erstellen.

2.2 Ziele der Diagnostik

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2 (Quelle: Eigene Darstellung)

Bevor eine Diagnostik grundsätzlich durchgeführt werden kann, muss festgelegt werden welche Ziele mit dieser verfolgt werden soll. Diese werden im Beispiel des SSV Jahn Regensburg U16 Junioren durch die Ausbildungsphilosophie des Vereins und den vom Trainer bestimmten Entwicklungszielen der einzelnen Spieler, sowie der Mannschaft festgelegt.

Im Prozess der sportlichen Entwicklung muss das endgültige Ziel eines Trainingsprozesses für Trainer und Athlet klar erkennbar und besprochen sein, nur so kann der Trainer als Wegbegleiter auf dem Prozess der sportlichen Leistungsfähigkeit vom Athleten wahrgenommen werden.[6]

Die Trainingsziele in dem hier bearbeiteten Beispiel legen den Schwerpunkt auf psychologische und konditionellen Fähigkeiten, daher wird im technisch-taktischen Bereich keine Diagnostik durchgeführt.

2.3 Trainingsplanung & Steuerung

„Die Definition von Trainingsplanung ist die Bestimmung von Zielen, Inhalten, Strukturen und Methoden des Trainings zur Veränderung des Leistungszustandes der Sportler in einem definierten Zeitraum.“[7]

Eine effektive Trainingsplanung enthält somit nicht nur eine genaue Zielsetzung, sondern zudem die Inhalte und Methoden, die zur Umsetzung nötig sind. Diese muss der Trainer zielführend auf eine optimale Wettkampfform auswählen. Das erreichen dieser optimalen Form beim Wettkampf wird in Form von verschiedenen Trainingsperioden, die auf Grund ihrer Inhalte und Belastung unterschiedlich sind, erreicht.[8]

Innerhalb dieser Trainingsperioden sollten die einzelnen Teilbereiche, die zum Erreichen der optimalen Wettkampfform nötig sind, nicht gleichzeitig oder zufällig erarbeitet werden um eine gegenseitig negative Beeinflussung der einzelnen Trainingsmethoden zu vermeiden.[9]

Um die Veränderung und damit die Wirkung der angewandten Methoden zu Überprüfung ist ein weiteres Merkmal der Trainingsplanung ein ständiger Ist-Soll-Wert Vergleich.[10]

Diese Maßnahme entspricht der Diagnostik, die nötig ist um in regelmäßigen Abständen die Maßnahmen und Methoden zu überprüfen und eine Anpassung dieser oder der jeweiligen Trainingsziele vorzunehmen.

Die Diagnostik ermöglicht es also die Trainingsplanung so zu steuern, dass der Leistungszustand kontrolliert und zudem Methoden ohne signifikanten Nutzen erkannt und verändert werden können.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.3 (Quelle: Eigene Darstellung , auf Basis der SSV Jahn Regensburg Fußballphilosophie, 2015, S.86)

Im Juniorenleistungsfußball richtet sich die Trainingsplanung nicht ausschließlich auf die zu erbringende Wettkampfleistung, sondern auch auf den langfristigen Ausbildungsprozess mit Ziel den Profibereich zu erreichen.

Bei der betreuten Mannschaft handelt sich um die U16 Junioren, deren Periodisierung in Abb. 3 dargestellt wird. Die inhalte der einzelnen Trainingsperioden richten sich nach einem methodischen Aufbau auf Grundlage der vorgegebenen Ausbildungsstrategie und nach den Belastungen, sowie Inhalten der einzelnen Abschnitte. Beispielsweise werden im inhaltlichen Bereich des Hallentrainings vorwiegend Teilbereiche wie z.B. Dribbling&Fintieren, Ballkontrolle unter Druck oder die mentalen Fähigkeiten der Willensstärke und Emotionsregulation näher behandelt, da diese auch im Wettkampfbereich des Hallenfußballs direkt angewendet und gefestigt werden können.Die Diagnostik wurde zudem in die drei Bereiche Physis, Psyche und Technik/Taktik aufgeteilt.Im Bereich der physischen Leistungsvorraussetzungen wird die Diagnostik zu Beginn und Ende einer Vorbereitungsperiode, bzw. am Ende einer Wettkampfperiode angesetzt.

Die Diagnostik der psychischen Leistungsvorraussetzungen wird zu Beginn des Jahres und am Ende jeder Trainingsperiode angesetzt um regelmäßige Fortschritte überprüfen zu können.

Die Diagnostik der Technik und Taktik, wird am Anfang, am Ende und in der Mitte des Trainingsjahres durchgeführt.

3. Diagnostik der Teilbereiche

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.4 (Quelle: Eigene Darstellung , auf Basis der SSV Jahn Regensburg Fußballphilosophie, 2015, S.98)

Die einzelnen Teilbereiche der leistungsbestimmenden Faktoren werden in der Diagnostik durch verschiedene Verfahren abgedeckt, die in Abb.4 aufgelistet sind und im folgenden näher erläutert werden.

Die Diagnostik wurde bei der betreuten Mannschaft in die Bereiche Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit, Psychologie und Koordination aufgeteilt. Für jeden dieser fünf Bereiche wurden Diagnostikverfahren ausgewählt, die in der Regel kostengünstig durchführbar und dennoch wissenschaftlich fundiert sind. Einzigst beim Messgerät Optojump und der Schnelligkeitsdiagnostik durch Lichtschranken wurden kostenintensivere Verfahren verwendet.

3.1Ausdauer

Um die Ausdauer im Fußball über eine Diagnostik bestimmen und passende Trainingsinterventionen erarbeiten zu können wurden bei der betreuten Mannschaft der Yo-Yo Intermittent Recovery Test angewendet. Dieser liefert Messwerte zur Bestimmung der realen Belastungsfähigkeit und maximalen Herzfrequenz bei Fußballspielern.[11]

Der zweite Test befragt den Athleten bei gewissen Belastungssituationen nach seinem subjektiven Belastungsempfinden im Rahmen der Borg-Skala.

Diese lässt eine Verbindung zwischen der realen Belastung und der psychologischen Belastung der gemessenen Belastungssituation zu.[12]

3.1.1 Yo-Yo Intermittent Recovery Test

Der erste Test zur Bestimmung der fußballspezifischen Ausdauer ist der Yo-Yo Intermittent Recovery Test Level 1, welcher entwickelt wurde um die Ausdauerleistungsfähigkeit bei wiederholten Belastungen mit kurzer Regenerationszeit zu messen und somit die Belastungen beim Fußball zu simulieren.[13]

[...]


[1] Oliver Höner,DFB Wissenschaftskongress 2016, Vortrag Psychologische Diagnostik

[2] DOSB, Nachwuchsleistungssportkonzept 2012, S.9

[3] Stier/Weissenrieder, Jugendmedizin, 2006, S.6

[4] Thienes, Trainingswissenschaft und Sportunterricht, 2008, S.313

[5] Seiffge-Krenke, Akzeleration im Jugendalter, 1997, S. 13

[6] Baumgärtner/Borgmann, Psychologische Leistungsdiagnostik, 2012, S. 76

[7] Harre/Schnabel/Krug, Trainingswissenschaft, 2011, S.421

[8] Martin/Carl/Lehnertz, Handbuch der Trainingslehre, 1993, S.247

[9] Batsilas, Trainingsplanung im Fußballsport, 1999, S.5

[10] Starischka, Trainingsplanung, 1988, S.7

[11] Rampinini/Sassi/Azzalin/Castagna/Menaspa/Carlomagno/Impellizeri, Physiological determinants of Yo-Yo intermittent recovery tests in male soccer players, European Journal of Applied Physiology, 2010, S.402

[12] Borg, Psychophysical bases of perceived exertion, Medicine and Science in Sports&Exercise, S.377-381

[13] Bangsbo, Jrnl of the ACoSM, The Yo-Yo Intermittent Recovery Test, 2003, S.697

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Diagnostik im Juniorenleistungsfußball
Untertitel
Diagnostik und Trainingsintervention am Beispiel der U16 Junioren des SSV Jahn Regensburg
Hochschule
Deutsche Hochschule für Gesundheit und Sport (vormals H:G Hochschule für Gesundheit & Sport, Technik & Kunst)  (Sportwissenschaften)
Veranstaltung
Sportwissenschaftliche Methodik & Analytik
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
27
Katalognummer
V338130
ISBN (eBook)
9783668284265
ISBN (Buch)
9783668284272
Dateigröße
7868 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die in dieser Arbeit verwendeten Werte sind zufällig nummeriert und anonymisiert, um nicht einzelnen Personen zuordenbar zu sein.
Schlagworte
Diagnostik, Nachwuchsleistungszentrum, Leistungsdiagnostik, Leistungssport
Arbeit zitieren
Marc Niering (Autor), 2016, Diagnostik im Juniorenleistungsfußball, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/338130

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