Psychische Gesundheitsförderung an Ganztagsschulen. Das "Selbst 1.0"-Verfahren


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013

13 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zum Begriff: Psychische Gesundheit

3. Psychische Gesundheit an Ganztagsschulen: Kontextmerkmale nach Eccles, Gootman (2002) für ein gutes gesundes Aufwachsen

4. Das Verfahren Selbst 1.0

5. Positive und Negative Aspekte zur Verfahrensanwendung

6. Fazit und Ausblick

7. Anhang: Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Bei der Förderung der psychischen Gesundheit kommt der Ganztagsschule eine große Bedeutung zu, denn die Schüler und Schülerinnen wie auch Pädagogen und Pädagoginnen verbringen hier einen wesentlichen Teil ihres Alltags. Prävention und Gesundheitsförderung sind grundlegende Aufgaben von Schule und Schulentwicklung, damit diese zu einem gesunden Ort des Lernens werden können. Ausdruck der Qualität von Schulen ist ein gutes Schulklima, ein respektvoller Umgang miteinander, sowie eine verantwortungsvolle Lernkultur, welche Schüler und Schülerinnen gesund halten. Die Lernenden werden in ihrem gesundheitsfördernden Verhalten und ihrer Persönlichkeit gestärkt. Die Ganztagsschule als Lebenswelt verfügt über vielfältige Möglichkeiten Themen der psychischen Gesundheit in den Schulalltag zu integrieren.

Sich um die psychische Gesundheit der Lernenden und Lehrkräfte zu sorgen, ist in den letzten Jahren vor dem Hintergrund empirischer Forschungsergebnisse immer mehr in den Vordergrund gerückt.[1] Im Mittelpunkt steht vor allem die Frage, wie die Ganztagsschule gestaltet werden muss, um der kindlichen Entwicklung gerecht zu werden.

Die Hausarbeit durchleuchtet die Gestaltung von Ganztagsschulen mit dem Schwerpunkt der psychischen Gesundheitsförderung von Schüler und Schülerinnen. Anhand des Verfahrens „Selbst 1.0-Selbsteinschätzung zur Schulentwicklung mit psychischer Gesundheit“ wird versucht die Gesundheit der Lernenden durch Vorgabe bestimmter Kontextmerkmale zu ermitteln und zu fördern. Inwieweit sich tatsächlich positive Effekte durch das Verfahren herauskristallisieren lassen, soll in dieser Arbeit untersucht werden.

Zu Beginn der vorliegenden Ausarbeitung soll eine Begriffsdefinition der psychischen Gesundheit geschaffen werden, um daraufhin auf die Faktoren einer psychischen Gesundheit an Ganztagsschulen hinzuweisen. Dabei wird der Schwerpunkt auf die Kontextmerkmale von Eccles und Gootman gelegt, welche auf eine gesunde Ganztagsschulgestaltung abzielen.

Im weiteren Verlauf erfolgt eine Vorstellung des Verfahrens „Selbst 1.0“ mit seinen Inhalten, Zielen und seiner Anwendung.

Im Fazit und Ausblick wird die Effektivität des Verfahrens diskutiert und positive, wie auch negative Kriterien für die Verfahrensanwendung herausgestellt.

Ein Literaturverzeichnis befindet sich im Anhang der Hausarbeit.

2. Zum Begriff: Psychische Gesundheit

Mit der Definition der Weltgesundheitsorganisation kann die psychische Gesundheit folgendermaßen definiert werden:

„Zustand des Wohlbefindens, in dem der Einzelne seine Fähigkeiten ausschöpfen, die normalen Lebensbelastungen bewältigen, produktiv und fruchtbar arbeiten kann und imstande ist, etwas zu seiner Gemeinschaft beizutragen.“[2]

Psychische Gesundheit wird nicht nur als Gefühl des Wohlbefindens beschrieben, sondern als einen aktiven Prozess und der Fähigkeit, sich kompetent mit den gesellschaftlichen Anforderungen auseinander setzten zu können, sowie im Leben eigene Wünsche, Bedürfnisse und Hoffnungen konstruktiv zu realisieren. Psychisches Wohlbefinden ist eine Basis für die Lebensqualität und die Produktivität.[3] Die psychische Gesundheit stellt auf gesellschaftlicher Ebene eine Ressource für den sozialen Zusammenhalt und für einen wirtschaftlichen und sozialen Wohlstand dar.

Merkmale, welche zur psychischen Gesundheitsbeschreibung verwendet werden sind: Produktivität, Kompetenz, Effizienz, Problemzentrierung, Autonomie, realistische Selbst- und Weltwahrnehmung, Selbstakzeptierung, Integration, Harmonie, Bezogenheit (Mitmenschlich-keit).[4] Peter Paulus hat ein Modell psychischer Gesundheit entwickelt, in dem die zentralen Begriffe produktive Anpassung und Selbstverwirklichung aufgeführt werden. Das Individuum muss sich produktiv und konstruktiv mit den unterschiedlichsten Lebensanforderungen auseinandersetzten und sich selbst für ein gelingendes Leben entfalten. Um psychisches Wohlbefinden zu erreichen, muss eine individuelle dynamische Balance mit Selbsterhaltung (produktive Anpassung) und Selbstgestaltung (Selbstverwirklichung) erhalten bleiben.[5]

In Ganztagsschulen machen Schüler und Schülerinnen die Erfahrungen von Erfolg und Misserfolg bei der Auseinandersetzung mit schulischen Leistungsanforderungen und in Bezug auf soziale Akzeptanz oder Ausgrenzung in Schüler-Schüler- und Schüler-Lehrer-Beziehungen.[6] Entwicklungsaufgaben beschreiben die Herausforderungen, denen Menschen im Lebensverlauf an bestimmten Zeitabschnitten gegenüberstehen und bewältigen müssen. Für die Bewältigung dieser Aufgaben hat die Schule als eine wichtige Sozialisationsinstanz eine große Bedeutung.

3. Psychische Gesundheit an Ganztagsschulen: Kontextmerkmale nach Eccles, Gootman (2002) für ein gutes gesundes Aufwachsen

Durch den Zugewinn an Raum, Zeit und Kooperation verfügen Ganztagsschulen über ein hohes Potential und können die Entwicklung der Schüler und Schülerinnen positiv beeinflussen.

Acht wesentliche Kontextmerkmale einer entwicklungsfördernden Umwelt von Jacquelynne Eccles und Jennifer Appleton Gootman (2002) haben sich in der Forschung als besonders bedeutsam für die Gestaltung von Ganztagsschulen und ein gesundes Aufwachsen am Ort Schule bewiesen.[7] Die acht Merkmale sind Folgende: Sicherheit in psychischer und physischer Hinsicht, Konsistente Strukturen und angemessene Beaufsichtigung durch Erwachsene, Unterstützende Beziehungen zu Erwachsenen, Möglichkeiten für Zugehörigkeit, positive soziale Normen, Unterstützung für Bedeutsamkeits- und Eigenständigkeits-erfahrungen, Gelegenheiten zum Aufbau von Kompetenzen, Integration von Familie, Schule und Gemeinde.

Die Merkmale erfüllen den Beitrag, dem „Präventionsdilemma“ und „sozialen Dilemma der Gesundheitsförderung“ entgegenzukommen. Bauer beschreibt das „Präventionsdilemma“ als eine „hohe Teilnahmeakzeptanz bei wenig gefährdeten Adressatengruppen sowie die umgekehrt proportionale Ablehnung und fehlende Motivation bei jugendlichen Risikogruppen“ für entsprechende Angebote.[8] Das „soziale Dilemma der Gesundheitsförderung“ ist nach Bauer und Bittlingmayer eine Diagnostizierung einer herabgesetzten Ansprechbarkeit von sozial benachteiligten Personen für ein gesundheitsförderliches „Angebot der Ressourcenstärkung“.[9] Mit Hilfe der Merkmale können alle Lernenden an Ganztagsschulen in nicht-stigmatisierender Weise durch eine systematische Verstärkung der Rahmenbedingungen profitieren, ungeachtet ihrer Ressourcen- und Motivationslage.

Es fehlen dennoch empirische Untersuchungen, die aussagen könnten, welche dieser acht Merkmale besonders intensiv dazu beitragen positive Entwicklungen anzustoßen. Trotz dessen ist bewiesen, dass nur durch die Bündelung aller Kontextmerkmale eine Förderung der psychischen Gesundheit erfolgen kann.[10]

Im Anhang befindet sich eine Tabelle, welche die folgenden acht Kontextmerkmale visualisiert und beschreibt[11].

4. Das Verfahren Selbst 1.0

Wird das Thema der psychischen Gesundheit systematisch in die Entwicklung von Ganztagsschulen integriert, lassen sich positive Effekte auf die Gesundheit und dem Schulerfolg erwarten.[12] Auf der Basis dieses Leitgedankens wurde das Verfahren Selbst 1.0 entwickelt.

Das Verfahren „Selbst 1.0- Selbsteinschätzung zur Schulentwicklung mit psychischer Gesundheit“ zeigt Ganztagsschulen exemplarisch, wie durch eine integrative Berücksichtigung der bereits oben vorgestellten Kontextmerkmale die psychische Gesundheit von Schülerinnen und Schülern im Schulalltag gefördert und der Schulerfolg unterstützt werden kann. In allgemeiner Hinsicht wird mit dem Verfahren der stetig wachsende Anspruch aufgenommen mit Gesundheitsförderungs- und Präventionsmaßnahmen eine bestmögliche und nachhaltige Wirksamkeit zu erzielen wie auch die Qualität von Schulen zu steigern.

[...]


[1] Vgl. Paulus, Peter: Psychische Gesundheit – Für eine gute gesunde Schule, https://www.lzg-rlp.de/fileadmin/pdf/2014_pdf/2014-02_GLL_psychische_gesundheit_bro.pdf, S.2.

[2] Zit. nach Europa, Zusammenfassung der EU-Gesetzgebung – Grünbuch zur psychischen Gesundheit, Schlüsselwörter des Rechtsakts, 04.01.2006, http://europa.eu/legislation_summaries/public_health/health_determinants_lifestyle/c11570c_de.html.

[3] Vgl. Diel Irena; Dr. Ute Sonntag (2009):Psychische Gesundheit und gesundheitsfördernde Hochschulen, Broschüre der Techniker Krankenkasse, Landesvereinigung für Gesundheit (afs), http://www.gesundheitsfoerdernde-hochschulen.de/Inhalte/G_Themen/G17_Psychische_Gesundheit/G17_Psychische_Gesundheit.pdf. S. 5.

[4] Vgl. ebenda, S. 5.

[5] Vgl. Paulus, Peter: Psychische Gesundheit – Für eine gute gesunde Schule, S. 5.

[6] Vgl. Bilz, Ludwig (2008): Schule und psychische Gesundheit: Risikobedingungen für emotionale Auffälligkeiten von Schülerinnen und Schülern, 1. Auflage, Verlag für Sozialwissenschaft: Wiesbaden. S.89.

[7] Vgl. Bestvater, Cordula; Paulus, Peter, Witteriede, Heinz: Auf zur guten gesunden Ganztagsschule, Dokumentation 07, Eine Publikationsreihe der deutschen Kinder- und Jugendstiftung im Rahmen von „Ideen für mehr! Ganztägig Lernen“, http://www.dkjs.de/fileadmin/Redaktion/Dokumente/programme/140516_programm_gt_dokumentation_07.pdf. S. 15.

[8] Vgl. Bauer, Ulrich (2005): Das Präventionsdilemma. Potentiale schulischer Kompetenzförderung im Spiegel sozialer Polarisierung. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 74.

[9] Vgl. Bauer, Ulrich; Bittlingmayer, Uwe (2012): Zielgruppenspezifische Gesundheitsförderung – Handbuch Gesundheitswissenschaften, 5. Vollständig überarbeitete Auflage, München: Beltz Juventa, S. 715 f.

[10] Vgl. Bestvater, Cordula; Paulus, Peter, Witteriede, Heinz: Auf zur guten gesunden Ganztagsschule, Dokumentation 07, Eine Publikationsreihe der deutschen Kinder- und Jugendstiftung im Rahmen von „Ideen für mehr! Ganztägig Lernen“, S. 15.

[11] Vgl. Anhang, Abb. 1, Witteriede, Heinz; Michaelsen- Gärtner, Britta (2012): Selbst 1.0 – Selbsteinschätzung zur Schulentwicklung mit psychischer Gesundheit. Eine Arbeitshilfe für Ganztagsschulen (konzipiert im Rahmen des vom Bundesministerium für Gesundheit geförderten Verbundprojektes „Mit psychischer Gesundheit Ganztagsschule entwickeln“ der ZAG, DKJS, KatHO NRW, Download der pdf Dateien: http://www.ganztaegig-lernen.de/publikationen/dokumentation-07-auf-zur-guten-gesunden-ganztagsschule, S. 7.

[12] Vgl. Paulus, Peter; Dadaczynski, Kevin (2010): Psychische Gesundheit in der Ganztagsschule – Expertise arbeitet im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit, http://www.bmg.bund.de/fileadmin/redaktion/pdf_broschueren/110111_Kindergesundheit_psychische-Gesundheit_Gantzagsschule.pdf , S.15.

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Details

Titel
Psychische Gesundheitsförderung an Ganztagsschulen. Das "Selbst 1.0"-Verfahren
Autor
Jahr
2013
Seiten
13
Katalognummer
V338964
ISBN (eBook)
9783668287846
ISBN (Buch)
9783668287853
Dateigröße
663 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schulpädagogik, Psychische Gesundheit, Gesundheitsförderung, Selbst 1.0, Ganztagsschulen
Arbeit zitieren
Anna Rezmer (Autor), 2013, Psychische Gesundheitsförderung an Ganztagsschulen. Das "Selbst 1.0"-Verfahren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/338964

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