Neros Regierungsantritt unter Betrachtung der Rolle Senecas


Hausarbeit, 2011

13 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Seneca – Der Erzieher Neros

3. Neros Herrschaftsantritt unter Betrachtung des Verhältnisses zu Seneca
3.1. Die Leichenrede auf Claudius
3.2. Die Antrittsrede vor dem Senat

4. Senecas Einfluss auf Nero in seinen ersten Regierungsjahren

5. Fazit

1. Einleitung

Lucius Domitius wurde am 15. Dezember 37 n. Chr. in Antium geboren. 13 Jahre später wurde er im Jahr 50 n. Chr. von Kaiser Claudius adoptiert, nachdem dieser ein Jahr zuvor Domitius Mutter heiratete. Somit gehörte Lucius Domitius zum julisch-claudischen Kaiserhaus und nannte sich ab diesem Zeitpunkt Nero Claudius Caesar Drusus Germanicus, kurz Nero.[1]

Von nun an strebte seine Mutter Agrippina nur noch nach einem Ziel: Nero sollte der Nachfolger ihres Mannes werden und somit zum mächtigsten Mann im römischen Reich aufsteigen. Unterstützung suchte sie dabei in dem Philosophen Seneca und in dem Gardepräfekten Burrus.

Am 13. Oktober 54 n. Chr. erfüllte sich Agrippinas Wunsch. Claudius verstarb, wahrscheinlich durch ihre eigene Hand und ihr Sohn Nero wurde zum neuen Kaiser ausgerufen.[2] Die Dinge nach Neros Thronbesteigung nahmen allerdings einen anderen Verlauf, als ihn sich Agrippina wünschte. Dabei spielte Seneca im Hintergrund eine große Rolle.

Der Einfluss Senecas auf Nero, vor allem in Neros ersten Regierungsjahren, ist der Hauptbestandteil dieser Hausarbeit. Ein Augenmerk liegt besonders auf den Quellen des Tacitus, der die Grabrede auf Claudius und die Antrittsrede des neuen Kaisers Nero beschreibt[3]. Diese wurden von Seneca verfasst und von Nero vor der Öffentlichkeit und dem Senat vorgetragen. Desweiteren werden die antiken Quellen des Cassius Diound aktuelle Forschungsliteratur in Betracht gezogen. Es stellt sich die Frage, wie groß der Einfluss Senecas auf Nero war und ob er den jungen Kaiser bewusst zu formen versuchte.

2. Seneca – Der Erzieher Neros

Nach dem Tod des Kaisers Claudius konnte seine Frau Agrippina nicht selbst die Macht ergreifen, da es damals in Rom nicht üblich war, dass Frauen regierten. Daher wollte sie ihrem Sohn aus erster Ehe zur Macht verhelfen, um so dennoch indirekt zur Mitregentin zu werden.[4] Seneca fügte sich perfekt in ihren Plan ein. Der Philosoph wurde im Jahr 41 n. Chr. von Claudius in die Verbannung nach Korsika geschickt. Dies geschah auf Befehl von Claudius dritter Frau Messalina, die um eine Rivalin auszustechen, Seneca des Ehebruchs beschuldigte.[5]

Nach dem Tod der Messalina wurde Agrippina die Frau des Claudius. Sie holte Seneca aus der Verbannung zurück und wählte ihn als Lehrer Neros aus. Dafür finden sich bei Tacitus mehrere Gründe.

Agrippina wollte sich nicht bloß durch Schlechtigkeiten berühmt machen. Sie erwirkte deshalb für Annaeus Seneca die Aufhebung seiner Verbannung und die Übertragung der Prätur. Sie hoffte, daß dies in der Öffentlichkeit einen guten Eindruck machen werde, weil Seneca ein Schriftsteller von großem Ruf war, und wünschte auch, durch diesen ausgezeichneten Mann den jungen (Nero) Domitius erziehen zu lassen und bei der Ausführung ihrer Herrschaftspläne seines Rates zu genießen. Agrippina dachte sich, Seneca müsse ihr aus Dankbarkeit für ihre Verwendung treu sein und Claudius wegen der Verfolgung, die er erduldet, hassen.“[6]

Durch die von Agrippina befohlene Rückberufung aus dem Exil, hoffte sie, dass Seneca einerseits Nero gut ausbilden würde und andererseits aus Dankbarkeit stark an ihre Person gebunden war. Daher gab sie ihm auch noch die Prätur.[7]

Seneca hatte jedoch eigentlich kein Interesse an der Lehre des Nero und an der Prätur, da er zuvor in einer seiner Schriften um otia bat – eine äußere und innere Ruhe ohne Reichtum, Ruhm, Ämter und Macht.[8] Dennoch nahm er das Angebot Agrippinas aus Dankbarkeit an, es ist jedoch fraglich, ob er es trotz seiner Zweifel als eine Mission empfunden hatte, Nero heranzubilden um dadurch eventuell seine eigene Position zu stärken. Fakt ist aber, dass Seneca als Erzieher Neros einer der reichsten und mächtigsten Männer seiner Zeit wurde[9] und Einfluss auf den jungen Kaiser nehmen konnte.

Neben der Vermittlung von Werten und Tugenden, lehrte Seneca Nero die Redekunst, damit der neue Prinzeps mit Caesar und Augustus auf gleicher Höhe stand, die vor seiner Zeit große Reden gehalten hatten.[10] Seneca entschied sich für seine politische Laufbahn, der er seine philosophischen Fähigkeiten unterordnete. Agrippina wünschte nicht, dass er Nero die Philosophie lehrte, aber Seneca konnte diese Inhalte geschickt in andere Lehrtätigkeiten integrieren. Er war ein guter Rhetoriklehrer, wofür Nero sich später bedankte:

„Daß ich deiner vorbereiteten Rede auf der Stelle entgegentreten kann, ist das erste, was ich als Geschenk von dir besitze: du hast mich nicht nur das zuvor schon Bekannte, sondern auch Unerwartetes zu erörtern gelehrt.“[11]

Er scheiterte allerdings an der Vermittlung von Neros Herrschaftsaufgaben. Durch Neros immer weiter wachsende Begeisterung für die Künste, konnte er die aristokratischen Leistungserwartungen nicht mehr erfüllen.[12]

Dennoch konnte Seneca als Philosoph der Stoa keine bessere Aufgabe zu teil werden, als den zukünftigen Herrscher zu erziehen und zu versuchen ihn zu einem Prinzeps der stoischen Ideale zu formen.[13]

3. Neros Herrschaftsantritt unter Betrachtung des Verhältnisses zu Seneca

Seneca verfasste die Leichenrede auf Claudius, die Nero vor der Trauergemeinde halten sollte. Diese ist gemeinsam mit der Antrittsrede, die Nero vor dem Senat hielt und sehr wahrscheinlich auch aus Senecas Feder stammt, bei Tacitus abgedruckt. Ich denke, dass die Autorenschaft Senecas bei der Antrittsrede in den Tacitusannalen nur nicht spezifisch genannt wird, da Tacitus sie zuvor bei der Grabrede erwähnt.

Tacitus unterstellt Seneca hier nicht ganz ehrbare Motive.[14]

„[…] in zahlreichen Reden, die Seneca, um zu bekunden, wie ehrbar seine Lehren seien, oder um sein Talent vorzuführen, durch den Mund des Kaisers verbreitete.“[15]

Der römische Historiker und Senator Publius Cornelius Tacitus wurde ca. 58 n. Chr. geboren und verstarb ungefähr im Jahr 120 n. Chr.[16] Daher ist er kein zeitnaher Zeuge der Ereignisse und man muss die Quellen mit Bedacht lesen und analysieren. Tacitus ist außerdem dafür bekannt, die Kaiser sehr kritisch zu beurteilen, da er sein eigenes Leben als Knechtschaft unter der Herrschaft Domitians ansah und zudem auch Hofklatsch in seine Schilderungen mit einbezog. Dennoch erscheinen mir seine Schilderungen über die Grabrede und die Antrittsrede sehr plausibel, da er als Senator Einsicht in alte Senatsakten gehabt haben muss und nur wenige Jahrzehnte zwischen dem Ereignisse und der Niederschrift lagen.

3.1. Die Leichenrede auf Claudius

Im Jahr 54 n. Chr. verstarb Claudius und Nero sollte als sein Nachfolger die laudatio auf ihn halten.

Tacitus beschreibt die Ereignisse wie folgt:

„Am Tag des Leichenbegräbnisses hielt der Princeps die Lobrede auf ihn (Claudius). Solange er das Alter des Geschlechts, die Konsulate und Triumphe seiner Vorfahren aufzählte, war es ihm selbst und auch den anderen offensichtlich Ernst. Auch als er auf die wissenschaftliche Tätigkeit zusprechen kam und darauf, dass unter seiner Regierungszeit von außen dem Gemeinwesen nichts Betrübliches zugestoßen sei, fand er geneigtes Gehör. Als er aber dann seine Umsicht und Weisheit erwähnte, konnte sich niemand des Lachens enthalten, obgleich die von Seneca aufgesetzte Redekunstvoll aufgemacht war, wie es der den Ohren der angepaßten Begabung jenes Mannes entsprach.“[17]

Das Gelächter setzte also erst ein, als Nero von der providentia und der sapientia seines Adoptivvaters sprach. Der Widerspruch zwischen der laudatio und der Realität wurde in diesem Moment zu groß. Man kann allerdings nicht davon ausgehen, dass Seneca die Rede mit der Intention schrieb, Claudius lächerlich darzustellen, da dies nur Nero in ein schlechtes Licht gerückt hätte. Die Trauergemeinde war sich bewusst darüber, dass die Rede schönfärberisch sein würde, da es zu der Tradition gehörte, eine Lobrede auf den verstorbenen Kaiser zu halten und dabei seine guten Seiten hervorzuheben. Seneca hielt sich hierbei an das vorgegebene Schema; zuerst wurde ein Lob auf die Vorfahren ausgesprochen, danach wurden der cursushonorum und die Vorzüge des Verstorbenen genannt. Zum Abschluss wurden die Eigenschaften eines guten Imperators genannt, die Umsicht und Weisheit.[18]

Die wahre Meinung Senecas findet sich in der Schrift Apocolocyntosis, die nach Claudius Tod veröffentlicht wurde. Seneca ist sehr wahrscheinlich der Autor dieser Schmähschrift auf Claudius, die ihn als Mensch und als Kaiser lächerlich darstellte. Nero wird in der Apocolocyntosis dagegen in ein gutes Licht gerückt, der dem guten Vorbild des Augustus folgen und nicht den Weg des Claudius einschlagen soll.[19]

[...]


[1] Fuhrmann, Manfred: Seneca und Kaiser Nero. Eine Biographie, Berlin 1997, S. 164/165.

[2] Fuhrmann, Manfred: Seneca und Kaiser Nero, S. 174.

[3] Tac. Ann. 13,3 -13,4; http://www.thelatinlibrary.com/tacitus/tac.ann13.shtml

[4] Fuhrmann, Manfred: Seneca und Kaiser Nero S. 158.

[5] Ebd. S. 91-92.

[6] Tac. Ann. 12,8; At Agrippina nemalistantumfacinoribusnotesceretveniamexilii pro Annaeo Seneca, simulpraeturamimpetrat, laetum in publicumrataob claritudinem studiorum eius, utqueDomitiipueritiatalimagistroadolesceret et consiliiseiusdem ad spemdominationisuterentur, quia Seneca fidus in Agrippinammemoriabeneficii et infensus Claudio doloreiniuriaecredebatur.

[7] Fuhrmann, Manfred: Seneca und Kaiser Nero, S. 159.

[8] Ebd. S. 162.

[9] Rilinger, Rolf: Seneca und Nero. Konzepte zur Legitimation kaiserlicher Herrschaft, in: Klio - Beiträge zur Alten Geschichte. Band 78, Heft 1, Seiten 130–157, ISSN (Online) 2192-7669, ISSN (Print) 0075-6334, DOI:10.1524/klio.1996.78.1.130, Januar 1996, S. 135.

[10] Fuhrmann, Manfred: Seneca und Kaiser Nero, S. 171.

[11] Tac. Ann. 14,55,1: Quodmeditataeorationituaestatimoccurramidprimumtuimunerishabeo, quime non tantumpraevisasedsubitaexpediredocuisti.

[12] Rilinger, Rolf: Seneca und Nero, S. 136-137.

[13] Dahlmann, Hellfried: Seneca und Rom, in: Prinzipat und Freiheit, Darmstadt 1963, S. 260.

[14] Fuhrmann, Manfred: Seneca und Kaiser Nero, S. 171.

[15] Tac. Ann. 13,11,2: „[…] clementiamsuamobstringenscrebisorationibus, quas Seneca testificando, quamhonestapraeciperet, veliactandiingenii voce principisvulgabat.“

[16] Birley, Antony R.: "The Life and Death of Cornelius Tacitus", Historia, Bd. 49 (2000), S. 236 u. S. 241.

[17] Tac. Ann. 13,3: „Die funerislaudationemeiusprincepsexorsusest, dumantiquitatem generis, consulatusactriumphos maiorum enumerabat, intentus ipse et ceteri; liberaliumquoqueartiumcommemoratioet nihil regenteeo triste rei publicae ab externisaccidissepronisanimisaudita: postquamadprovidentiamsapientiamqueflexit, nemo risuitemperare, quamquamoratio a Seneca compositamultumcultuspraeferret, utfuitilliviroingeniumamoenum et temporiseiusauribusaccommodatum.”

[18] Grimal, Pierre: Seneca. Macht und Ohnmacht des Geistes, Darmstadt 1978, S. 75.

[19] Grimal, Pierre: Seneca, S. 75-76.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Neros Regierungsantritt unter Betrachtung der Rolle Senecas
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Historisches Seminar)
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
13
Katalognummer
V339002
ISBN (eBook)
9783668329669
ISBN (Buch)
9783668329676
Dateigröße
555 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
neros, regierungsantritt, betrachtung, rolle, senecas
Arbeit zitieren
Maike Gecks (Autor:in), 2011, Neros Regierungsantritt unter Betrachtung der Rolle Senecas, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339002

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