Das Thema Bildung steht bereits seit mehreren Jahrzehnten im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung. Die große Bedeutung von Bildung in der heutigen Gesellschaft ist unumstritten. Seit der Bildungsexpansion in den 50er und der Bildungsdebatte in den 60er Jahren sind im Bereich Bildung sowohl positive wie auch negative Entwicklungen zu verzeichnen. So wurde durch die Bildungsexpansion eine allgemeine Anhebung des Bildungsniveaus erreicht, das heißt, dass sich die Bildungschancen für alle Schichten verbessert haben. Dennoch konnten gravierende schichttypische Ungleichheiten bis heute nicht beseitigt werden. Im Gegenteil, die Ungleichheiten wachsen weiter an.
Die Arbeit wurde literarisch mit teilempirischen Elementen angefertigt. Zu Beginn wurden eventuelle Begriffsunklarheiten durch Erläuterungen beseitigt und der Aufbau des deutschen Bildungssystems vorgestellt. Anschließend wurde mit Hilfe von der PISA Studie und der geschichtlichen Entwicklung der aktuelle Forschungsstand in Deutschland erläutert. Mit Kapitel 3 wird offengelegt, warum die Abhängigkeit des Schulerfolgs von der sozialen Herkunft überhaupt ein Problem darstellt und welche Faktoren dabei den Grundstein legen. Kapitel 4 behandelt die Erfassung der Ursachen der Bildungsungleichheit in Deutschland mit Hilfe von soziologischen Theorien und spannt den Bogen zur Entstehung von Bildungsaspirationen bei Eltern. Anschließend wurde in Kapitel 5 mit Hilfe von eigens erhobenen Daten erforscht, welcher Zusammenhang zwischen dem Bildungsabschluss der Eltern und deren Wunschvorstellungen in Bezug auf den Bildungsweg des Kindes bestehen. Hierzu wurden Eltern mittels eines Fragebogens interviewt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Bildungsungleichheit in Deutschland – Stand und Entwicklung
2.1 Begriffsbestimmungen
2.1.1 Soziale Herkunft
2.1.2 Bildungsungleichheit
2.2 Aufbau des deutschen Bildungssystems
2.3 Aktueller Forschungsstand
2.3.1 Die Geschichte der Bildungsungleichheit in Deutschland und rechtliche Grundlagen
2.3.2 Die PISA-Studie und ihre Ergebnisse in Bezug auf die Bildungsungleichheit durch soziale Herkunft
3 Das Problem der Abhängigkeit des Schulerfolgs von der sozialen Herkunft
3.1 Zwei Faktoren der herkunftsabhängigen Bildungschancen
3.2 Warum die Abhängigkeit der Bildungschancen von der sozialen Herkunft als Problematik anzusehen ist
3.2.1 Bildung als Schlüssel für Lebensqualität
3.2.2 Das biologische Argument und seine Nichtigkeit
4 Ursachen der Bildungsungleichheit – theoretischer Hintergrund
4.1 Ansätze der Rational-Choice-Theorie
4.1.1 Primäre und sekundäre Herkunftseffekte nach Boudon (1974)
4.1.2 Die Humankapitaltheorie
4.1.3 Die Weiterentwicklung des Humankapitals durch Gambetta (1987)
4.1.4 Erikson/Jonsson (1996)
4.1.5 Wert-Erwartungstheorie nach Esser (1999)
4.2 Der Ansatz Pierre Bourdieus
4.2.1 Die Illusion der Chancengleichheit (1971)
4.2.2 Das Kapital und seine Bedeutung im sozialen Raum
4.3 Wie entstehen Bildungsaspirationen?
4.4 Fazit und Kritik
5 Empirische Untersuchung
5.1 Ziele und Fragestellung
5.2 Hypothesen
5.3 Methode
5.3.1 Stichprobe
5.3.2 Fragebogen und Untersuchungsdesign
5.3.3 Übersicht der Variablen
5.3.4 Vorgehensweise bei der Befragung
5.3.5 Methodisches Vorgehen
5.3.6 Datenanalyse
5.4 Ergebnisse
5.4.1 Gesamtstichprobe n = 40
5.4.2 Differenzierung nach Familienstatus: alleinerziehend
5.4.3 Differenzierung nach Familienstatus: nicht alleinerziehend
5.4.4 Interpretation und Diskussion
6 Abschließende Reflexion, Ausblick und Handlungsansätze
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen dem Bildungsabschluss der Eltern und ihren beruflichen Wunschvorstellungen für den Bildungsweg ihrer Kinder. Ziel ist es, theoretisch und empirisch zu beleuchten, wie soziale Herkunft und der Wunsch nach Statuserhalt die Bildungsaspirationen beeinflussen.
- Analyse der Bildungsungleichheit in Deutschland unter Berücksichtigung soziologischer Theorien.
- Untersuchung der Mechanismen von Bildungsaspirationen nach Rational-Choice-Ansätzen und Bourdieu.
- Empirische Erhebung zur elterlichen Bildungsplanung bei Kindern im Alter von 0-10 Jahren.
- Differenzierung des Einflusses des Familienstatus (alleinerziehend vs. nicht alleinerziehend) auf die Bildungswünsche.
- Ableitung von Handlungsansätzen zur Förderung der Bildungsgerechtigkeit.
Auszug aus dem Buch
Die Illusion der Chancengleichheit (1971)
Auf der Grundlage von vielen Statistiken, die im Ergebnis starke Ungleichheiten im Bildungssystem aufzeigten, unternahmen Bourdieu und Passeron den Versuch theoretisch gehaltvolle Erklärungen zu finden. Ihre Ergebnisse erschienen mit der Veröffentlichung des Buches „Die Illusion der Chancengleichheit“ im Jahr 1971 (deutscher Titel). Die darin enthaltenen Schlussfolgerungen beziehen sich auf Beobachtungen und Statistiken aus Frankreich, welche jedoch ebenso auf das deutsche Bildungssystem anwendbar sind. (vgl. Kramer 2011: 82; Hopf 2010: 134) Bourdieu und Passeron verweisen mit ihren Theorien auf „[…] ein komplexes Modell der Relationen […], die zwischen dem Bildungssystem und dem System der Klassenbeziehungen bestehen, zwischen den objektiven Strukturen der Bildungswahrscheinlichkeit und des Bildungserfolgs und den subjektiven Einstellungen im Habitus bzw. dem Ethos der Klassen.“ (Kramer 2011: 82) Das Modell dieser Relationen erfolgt in einzelnen Schritten. Im Folgenden werden diese zusammenfassend vorgestellt.
Soziale Reproduktion als kulturelle Reproduktion
Als Grundlage für die theoretischen Untersuchungen diente ein statistischer Befund aus den 60er Jahren in Frankreich, welcher eine deutliche Bildungsungleichheit im Hochschulbereich beinhaltete. In der Statistik wird deutlich, dass zwar verschiedene soziale Klassen im Hochschulbereich zu finden, diese jedoch sehr ungleich vertreten sind. Außerdem wurde festgestellt, dass an den Hochschulen Eliminierungsprozesse stattfinden, welche besonders die sozialen Klassen aus dem unterprivilegierten Bereich betreffen. Bourdieu und Passeron stellten verschiedene Untersuchungen an, welche zum Ergebnis hatten, dass eine solche Auslese bereits in der Schulzeit einsetzt. In aktuelleren Befunden lässt sich eine erstaunliche Übereinstimmung zu den Ergebnissen von damals erkennen. Diese zeigen ebenso, dass die Wahrscheinlichkeit, einen bestimmten Abschluss im Bildungssystem zu erwerben, erheblich von der sozialen Klasse abhängig ist. Hierzu wurde auch die Faktorenkreuzung soziale Klasse : Geschlecht mit eingebracht, welche eine deutliche Benachteiligung für das weibliche Geschlecht aus unteren sozialen Klassen aufzeigte. (vgl. Kramer 2011: 82 ff.)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Hinführung zum Thema Bildungsungleichheit und Darstellung der Forschungsfragen hinsichtlich des Einflusses des elterlichen Bildungsabschlusses auf die Bildungsaspirationen für das Kind.
2 Bildungsungleichheit in Deutschland – Stand und Entwicklung: Überblick über das deutsche Schulsystem, rechtliche Grundlagen und historische Entwicklung sowie Bedeutung der PISA-Studien.
3 Das Problem der Abhängigkeit des Schulerfolgs von der sozialen Herkunft: Erläuterung der herkunftsabhängigen Bildungsdisparitäten und die Bedeutung von Bildung für Lebensqualität.
4 Ursachen der Bildungsungleichheit – theoretischer Hintergrund: Detaillierte Darstellung soziologischer Theorien wie Rational-Choice-Modelle und der Kapitaltheorie nach Pierre Bourdieu.
5 Empirische Untersuchung: Methodische Beschreibung der eigenen Studie, Datenanalyse der Stichprobe sowie Interpretation der Ergebnisse hinsichtlich der Hypothesen.
6 Abschließende Reflexion, Ausblick und Handlungsansätze: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und Diskussion von Maßnahmen zur Förderung der Bildungsgerechtigkeit.
Schlüsselwörter
Bildungsungleichheit, soziale Herkunft, Bildungserfolg, Chancengleichheit, Rational-Choice-Theorie, Pierre Bourdieu, kulturelles Kapital, Bildungsaspirationen, PISA-Studie, Bildungsexpansion, Statuserhalt, Humankapitaltheorie, empirische Untersuchung, Bildungsbenachteiligung, Schichtung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft von Eltern, definiert über ihren Bildungsabschluss, und den beruflichen Zukunftsvorstellungen, die sie für ihre Kinder entwickeln.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Bildungsungleichheit in Deutschland, soziologische Erklärungsmodelle für Bildungsentscheidungen sowie die empirische Analyse des Einflusses des familiären Hintergrunds auf Bildungsaspirationen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, ob ein Zusammenhang zwischen dem Bildungsabschluss der Eltern und ihren Wunschvorstellungen für den Bildungsweg ihres Kindes besteht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine quantitative empirische Untersuchung in Form eines Online-Fragebogens, um Daten zu erheben, die anschließend mit Hilfe statistischer Analysen ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung durch verschiedene soziologische Ansätze (Boudon, Esser, Bourdieu) und eine empirische Studie, die Hypothesen zur elterlichen Bildungsplanung prüft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Bildungsungleichheit, soziale Herkunft, Chancengleichheit, Bildungsaspirationen, Rational-Choice-Theorie und kulturelles Kapital.
Warum wird der Familienstatus "alleinerziehend" separat betrachtet?
Dies erfolgt als Zusatzfrage, um zu untersuchen, ob die familiäre Lebensbedingung "alleinerziehend" unabhängig vom theoretischen Hintergrund zu zusätzlichen Disparitäten in den Bildungsaspirationen führt.
Welche zentrale Erkenntnis liefert die empirische Untersuchung?
Die Studie zeigt, dass Eltern tendenziell eine dem eigenen Bildungsabschluss ähnliche berufliche Zukunft für ihr Kind anstreben, wobei besonders bei privilegierten Eltern das Motiv des Statuserhalts eine zentrale Rolle spielt.
- Arbeit zitieren
- Maria Löpke (Autor:in), 2016, Bildungsungleichheit in Deutschland. Der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339079