Dass die schulischen Bildungserfolge der Migrantenkinder gegenüber dem der Kinder ohne Migrationshintergrund signifikant geringer ausfallen ist spätestens seit der ersten PISA-Studie bekannt. Demnach sind geringe sozioökonomische Status, Sprachbarrieren und Defizite im deutschen Schulbildungssystem als relevante Begründungsmerkmale zu nennen. Besonders auffällig ist jedoch die Verteilung von Migrantenkinder auf die Schulformen im Übergang zu Sekundarstufe I, in denen Kinder mit Migrationshintergrund selbst bei gleichem sozioökonomischem Status bis zu doppelt so häufig an Hauptschulen präsent sind als die einheimischen Kinder.
„Dem aktuellem ‚nationalen Bildungsbericht‘ zufolge besuchen rund 37 Prozent der Jugendlichen ohne Migrationshintergrund ein Gymnasium, aber lediglich 22 Prozent derjenigen mit Migrationshintergrund.“ Diese Daten und Fakten geben Anlass die Bildungsnachteile der Migrantenkinder zu untersuchen.
Die vorliegende Hausarbeit schafft zunächst einen detaillierten Gesamtüberblick auf die theoretischen Erklärungen von Bildungsnachteilen der Migrantenkinder, welche sich in vier Dimensionen (kulturell bezogene Aspekte, humankapitaltheoretischer Ansatz, schulische Merkmale, institutionelle Diskriminierung) kategorisieren lassen. Diese sollen Mechanismen und Annahmen von Handlungen beziehungsweise Handlungsdenken der Migrantenfamilien in Bezug auf die Lernprozesse der Migrantenkinder wiedergeben sowie Folgemechanismen in institutionellen Bildungssektoren aufzeigen.
Der Übergang zur Sekundarstufe 1 bildet scheinbar einen besonderen Schwerpunkt, da das Kriterium für Bildungsentscheidungen von den Leistungen der Schüler mitbestimmt und die Schulwahl nicht mehr alleine von elterlichen Entscheidungen erfolgt. Daher soll im weiteren Abschnitt auf die Frage eingegangen werden, welche Besonderheiten im Übergangsprozess zu nennen sind, die zu weiteren Bildungsnachteilen von Migrantenkinder führen können. Durch die Erforschungen des Übergangsprozesses können wesentliche Bildungsentscheidungen der Eltern nach der Studie von Boudon (1974) modelliert werden. So sollen diesbezüglich zentrale Thesen aufgezeigt werden, um anschließend auf Grundlage dieser Theorie die Anwendbarkeit für Migrantenfamilien darzustellen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Theoretische Erklärungen für Bildungsnachteile von Migrantenkinder
- Kulturell bezogene Aspekte
- Humankapitaltheoretischer Ansatz
- Merkmale in der Schule
- Institutionelle Diskriminierung
- Prozesse beim Übergang zu Sekundarstufe 1
- Übergangsentscheidungen in Anlehnung an Boudons Erklärungsmodell
- Anwendung bei den Migrantenfamilien
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Hausarbeit untersucht die Gründe für die Bildungsnachteile von Migrantenkinder und beleuchtet die Besonderheiten des Übergangs zur Sekundarstufe I. Sie analysiert theoretische Erklärungen für diese Bildungsnachteile und betrachtet den Übergangsprozess aus der Sicht der Migrantenfamilien.
- Theoretische Erklärungen für Bildungsnachteile von Migrantenkinder
- Kulturelle Unterschiede und ihre Auswirkungen auf den schulischen Werdegang
- Der Einfluss des sozioökonomischen Status auf die Bildungserfolge
- Die Rolle von Sprachbarrieren und der deutsche Schulbildungssystem
- Besonderheiten des Übergangs zur Sekundarstufe I und seine Auswirkungen auf Migrantenkinder
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung
Die Einleitung stellt das Problem der Bildungsnachteile von Migrantenkinder dar, die durch die erste PISA-Studie deutlich geworden sind. Sie beleuchtet den Zusammenhang zwischen sozioökonomischem Status, Sprachbarrieren und dem deutschen Schulbildungssystem.
Theoretische Erklärungen für Bildungsnachteile von Migrantenkinder
Dieses Kapitel behandelt verschiedene theoretische Ansätze zur Erklärung der Bildungsnachteile von Migrantenkinder. Es untersucht die Rolle kultureller Faktoren, den Humankapitaltheoretischen Ansatz, die Merkmale in der Schule und die institutionelle Diskriminierung.
Prozesse beim Übergang zu Sekundarstufe 1
Dieses Kapitel beschäftigt sich mit dem Übergangsprozess von der Grundschule zur Sekundarstufe I und betrachtet die Bildungsentscheidungen, die in diesem Prozess getroffen werden. Es analysiert Boudons Erklärungsmodell und seine Anwendung auf Migrantenfamilien.
Schlüsselwörter
Migrantenkinder, Bildungsnachteile, Übergangsprozess, Sekundarstufe I, kulturelle Unterschiede, Humankapital, institutionelle Diskriminierung, Boudons Erklärungsmodell, Sprachbarrieren, sozioökonomischer Status, Bildungsentscheidungen
Häufig gestellte Fragen
Warum haben Kinder mit Migrationshintergrund oft geringere Bildungserfolge?
Als Gründe werden in der Forschung oft ein geringer sozioökonomischer Status, Sprachbarrieren sowie Defizite im deutschen Schulbildungssystem genannt.
Welche Rolle spielt der Übergang zur Sekundarstufe I?
Dies ist ein kritischer Punkt, da Migrantenkinder selbst bei gleichem sozioökonomischem Status deutlich häufiger Hauptschulen besuchen und seltener Gymnasien als Kinder ohne Migrationshintergrund.
Was ist institutionelle Diskriminierung im Bildungskontext?
Es handelt sich um Mechanismen innerhalb des Bildungssystems, die Migrantenkinder strukturell benachteiligen, unabhängig von der individuellen Leistung der Schüler.
Was besagt der humankapitaltheoretische Ansatz?
Dieser Ansatz betrachtet Bildung als Investition in individuelle Fähigkeiten. Bildungsnachteile entstehen demnach, wenn Familien weniger Ressourcen (Zeit, Geld, Wissen) in diese Investition einbringen können.
Wie erklärt das Modell von Boudon Bildungsentscheidungen?
Boudon unterscheidet zwischen primären Herkunftseffekten (Leistung) und sekundären Herkunftseffekten (Entscheidungen der Eltern bei gegebener Leistung), wobei letztere oft von der sozialen Schicht abhängen.
Wie groß ist der Unterschied beim Gymnasialbesuch laut Bildungsbericht?
Laut dem nationalen Bildungsbericht besuchen etwa 37 % der Jugendlichen ohne Migrationshintergrund ein Gymnasium, aber nur 22 % derjenigen mit Migrationshintergrund.
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- Anonym (Autor), 2016, Theoretische Erklärungen von Bildungsnachteilen der Migrantenkinder. Besonderheiten und Bildungsnachteile im Übergangsprozess zur Sekundarstufe I, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339259