Nachhaltigkeitsindizes


Diplomarbeit, 2004

90 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Das Konzept Nachhaltigkeit
1.1 Geschichte und Begründung der Nachhaltigkeit
1.2 Nachhaltigkeit in der Wirtschaft
1.3 Zielsetzung und weitere Vorgehensweise

2 Nachhaltigkeitsindizes
2.1 Dow Jones Sustainability Indizes
2.1.1 Auswahlprozess
2.1.2 Bewertungskriterien
2.1.3 Zusammensetzung
2.2 FTSE4Good Indizes
2.2.1 Auswahlprozess und Bewertungskriterien
2.2.2 Zusammensetzung
2.3 Die Indizes im Vergleich aus Sicht der Interessengruppen
2.3.1 Investoren
2.3.2 Unternehmen
2.3.3 Gesellschaft

3 Zusammenfassung und Ausblick

Anhang A: Daten zu Industriegruppen / Sektoren

Anhang B: Erläuterung zu den verwendeten Tabellen

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Struktur DJSI World Indizes

Abbildung 2: Struktur DJSI STOXX Indizes

Abbildung 3: Review-Prozess (DJSI)

Abbildung 4: Struktur FTSE4Good Global Index (inkl. FTSE4Good Europe und US Index)

Abbildung 5: Struktur FTSE4Good UK Index

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Gewichtung der Informationsquellen (DJSI)

Tabelle 2: Beispiel aus Fragebogen (DJSI)

Tabelle 3: Bewertung Umfang der Unternehmensdokumente (DJSI)

Tabelle 4: Bewertung Zugänglichkeit der Unternehmensdokumente (DJSI)

Tabelle 5: Fragenblöcke DJSI allgemeiner Teil

Tabelle 6: Gewichtung der Themen im Fragebogen (DJSI)

Tabelle 7: Themen im spezifischen Teil des Fragebogens (am Beispiel der Pharmabranche)

Tabelle 8: Portfoliostruktur nach Ländern (DJSI World)

Tabelle 9: Portfoliostruktur nach Wirtschaftssektoren (DJSI World)

Tabelle 10: Portfoliostruktur nach Ländern (DJSI STOXX)

Tabelle 11: Portfoliostruktur nach Wirtschaftssektoren (DJSI STOXX)

Tabelle 12: Portfoliostruktur nach Ländern (FTSE4Good Global Index)

Tabelle 13: Portfoliostruktur nach Branchen (FTSE4Good Global Index)

Tabelle 14: Portfoliostruktur nach Ländern (FTSE4Good Europe Index)

Tabelle 15: Portfoliostruktur nach Branchen (FTSE4Good Europe Index)

Tabelle 16: Übersicht Industriegruppen (DJSI World)

Tabelle 17: Übersicht Industriegruppen (DJSI STOXX)

Tabelle 18: Übersicht Sektoren (FTSE4Good Global Index)

Tabelle 19: Übersicht Sektoren (FTSE4Good Europe Index)

1 Das Konzept Nachhaltigkeit

1.1 Geschichte und Begründung der Nachhaltigkeit

Weitgehend Übereinstimmung herrscht heute bezüglich einer Prognose, die hauptsächlich Umweltforscher schon seit Jahrzehnten propagieren. Wenn die Menschheit und insbesondere die Industrienationen ihr Verhalten nicht grundlegend ändern, wird dies für den Planeten Erde und seine Bewohner katastrophale Konsequenzen haben. Die ersten Auswirkungen sind bereits spürbar. Deutliche Warnzeichen, wie beispielsweise die globale Klimaveränderung, die Verminderung der Biodiversität oder die absehbare Erschöpfung natürlicher Ressourcen sprechen eine unmissverständliche Sprache. Neben diesen ökologischen Gefahren sind auch massive soziale Probleme unvermeidlich, wenn weiterhin das Postulat intragenerationeller Verteilungsgerechtigkeit mit Füßen getreten wird, indem die Diskrepanz zwischen arm und reich immer weiter auseinanderklafft.[1]

Einen Lösungsansatz für diese Probleme bietet das Konzept der so genannten nachhaltigen Entwicklung oder des ‚Sustainable Development’, das seit einigen Jahren die umwelt- und entwicklungspolitische Diskussion beherrscht“[2]. In den vergangenen Jahren wurde das Wort ‚Nachhaltigkeit’ geradezu inflationär gebraucht, teilweise ohne die Kenntnis der eigentlichen Bedeutung.[3]

Nachhaltige Entwicklung könnte auch mit zukunftsfähiger Entwicklung übersetzt werden und bezeichnet ein politisches, wirtschaftliches und gesellschaftliches Konzept, welches sicherstellen soll, dass es den heutigen Generationen gelingt, ihre Bedürfnisse zu befriedigen ohne die nachfolgenden Generationen der Möglichkeit zur Befriedigung ihrer eigenen Bedürfnisse zu berauben.[4] Neben dieser Forderung nach intergenerationeller Verteilungsgerechtigkeit soll gleichzeitig intragenerationelle Verteilungsgerechtigkeit, also eine gerechte Verteilung von Ressourcen innerhalb einer Generation, erreicht werden.[5] Das Konzept der Nachhaltigkeit begreift soziale, wirtschaftliche und ökologische Probleme als ein komplexes Geflecht mit Interdependenzen zwischen den drei Dimensionen. Insofern werden Einzelmaßnahmen als inadäquat und, zumindest langfristig, wirkungslos zur Lösung dieser Probleme angesehen. Stattdessen wird eine integrative Strategie angestrebt, die alle drei Dimensionen als voneinander abhängige Faktoren betrachtet und deshalb eine ganzheitliche Lösung herbeiführen soll.[6]

Obwohl das Konzept der Nachhaltigkeit erst seit einigen Jahren einen so großen Bekanntheitsgrad erlangte, ist Nachhaltigkeit keine neue Erfindung. Schon lange vor der Entstehung des Begriffs ‚Nachhaltigkeit’ finden sich Beispiele nachhaltigen Verhaltens, wie „Schonzeitregeln im Walfang oder das der Regeneration dienende Sabbatjahr für Felder in der jüdischen Tradition.“[7]

Den Begriff ‚Nachhaltigkeit’ prägte der kursächsische Oberberghauptmann von Carlowitz 1713 in einem Werk über die Forstwirtschaft.[8] Veranlassung für diese Arbeit waren seit dem 16. Jahrhundert aufkeimende Probleme in der deutschen Forstwirtschaft. Zum Ende des Mittelalters waren große Teile der ehemals riesigen Wälder Deutschlands kahl geschlagen. Als Folge kam es zu Erosions- und Überschwemmungsproblemen sowie zu einem Holznotstand. Aus dieser Situation heraus wurden Gesetze erlassen, die sicherstellen sollten, dass die Holzversorgung langfristig gesichert wäre. Sie gestatteten die Abholzung des Waldes nur noch in einem Umfang, der ein Nachwachsen des Waldes erlaubte. Außerdem mussten abgeholzte Flächen unverzüglich wieder aufgeforstet werden.[9] Zur Zeit der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert konnte sich das Nachhaltigkeitsprinzip innerhalb der deutschen Forstwirtschaft durchsetzen und wurde in sämtliche Teile der Welt exportiert.[10]

Spätestens mit dem Bericht „Die Grenzen des Wachstums“, der 1972 vom Club of Rome[11] veröffentlicht wurde, rückte das Nachhaltigkeitsprinzip auch außerhalb der Forstwirtschaft ins Blickfeld von Politik und Wirtschaft. In diesem Bericht wurde auf Basis eines Modells, das ursprünglich für die Anwendung auf industrielle Probleme konzipiert war, versucht, die Dynamik der zukünftigen Weltentwicklung anhand verschiedener Szenarien abzuschätzen. Alle Ergebnisse deuteten auf eine immense Verminderung der Weltbevölkerung sowie katastrophale Verschlechterungen des Lebensstandards innerhalb von 50 bis 100 Jahren hin.[12]

Noch im gleichen Jahr fand die UNO-Konferenz über die menschliche Umwelt in Stockholm statt, die man als Beginn internationaler Umweltpolitik ansehen kann. In der dort erarbeiteten Deklaration von Stockholm wird erstmals eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Umweltschutz vereinbart.

15 Jahre später folgte ein weiterer Meilenstein in der Geschichte der Nachhaltigkeit. Eine Sachverständigenkommission um die ehemalige norwegische Umweltministerin und Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland veröffentlichte den Bericht „Unsere gemeinsame Zukunft“, der erstmals ein Leitbild für eine nachhaltige Entwicklung definierte:

„Sustainable development meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs.”[13]

Dieser Bericht, der auch unter dem Namen Brundtland-Report bekannt wurde war der Hauptauslöser für den 1992 abgehaltenen Weltgipfel von Rio, auf dem fünf wichtige Dokumente zu Umweltschutz und Nachhaltigkeit entstanden.[14] Darunter auch die Agenda 21, ein von über 170 Staaten unterzeichnetes Aktionsprogramm für eine nachhaltige Entwicklung.[15]

Die Enquete-Kommission[16] des 13. Deutschen Bundestages prägte 1998 schließlich das heute gebräuchliche Drei-Säulen-Modell, das von einem komplexen Wirkungsgeflecht der drei gleichberechtigten Dimensionen Ökonomie, Ökologie und Soziales ausgeht.[17]

Auch wenn die Diskussion um Nachhaltigkeit meist von politischer Seite ausgeht, ist Nachhaltigkeit kein Thema, das ausschließlich die Politik betrifft. Vielmehr sind zur Realisierung einer nachhaltigen Entwicklung gleichermaßen Gesellschaft und Wirtschaft gefragt.[18]

1.2 Nachhaltigkeit in der Wirtschaft

In engem Zusammenhang mit dem Begriff der ‚Nachhaltigkeit’ steht im wirtschaftlichen Kontext die so genannte ‚Corporate Social Responsibility’ (CSR). CSR ist zu verstehen als „ Managementansatz, der neben der ökonomischen Logik soziale und ökologische Verantwortung zu einem konkreten Bestandteil der Unternehmensstrategie macht“[19] . Die Begriffe ‚nachhaltige Unternehmensführung’ und ‚Corporate Social Responsibility’ werden meist synonym verwendet. Während nachhaltige Unternehmensführung, oft auch als ‚Corporate Sustainability’ bezeichnet, in ihrer triadischen Sicht jedoch die ökonomische Dimension schon ausdrücklich mit einbezieht, hat CSR nur eine ökologische und eine soziale Dimension. Da CSR nicht als unternehmerische Philanthropie missverstanden werden sollte, ist CSR nur als Ergänzung zur traditionellen, an finanziellen Interessen orientierten Sicht, sinnvoll.[20]

Während dieser Ansatz in der Vergangenheit von Seiten der Wirtschaft eher skeptisch betrachtet wurde, da man vermutete, dass CSR oder nachhaltige Unternehmenspolitik zu sinkender Rentabilität führen würde, gibt es heutzutage eine Reihe von Hinweisen darauf, dass sich mit CSR Wettbewerbsvorteile und damit sogar Steigerungen der Rentabilität erzielen lassen.[21]

Die ökologische Dimension der Nachhaltigkeit zielt unter anderem auf eine höhere Effizienz beim Einsatz von Ressourcen. Neben besserer Umweltverträglichkeit führt diese gleichermaßen zu sinkenden Kosten. Dies ist ganz im Sinne der so genannten Öko-Effizienz, welche das Bestreben beschreibt, einen höheren Wert mit weniger Ressourcen-Input zu erzeugen. Von Fachleuten wird die These vertreten, dass eine anspruchsvolle Umweltpolitik im Unternehmen auch sonst ein „gutes Management“ fördere.[22] Diese Meinung wird auch von der Mehrheit deutscher Unternehmen vertreten. Nach einer Studie des Deutschen Aktieninstituts vertreten über drei Viertel der Befragten die Meinung, dass Unternehmen, die eine gute Sozial- und Umweltperformance aufweisen sich durch ein gutes Gesamtmanagement auszeichnen.[23] Durch die Investition in umweltfreundliche Technologien lassen sich teils steuerliche Vergünstigungen erzielen, die sich abermals positiv auf den Unternehmenswert auswirken. Dasselbe gilt für subventionierte Umweltkredite, die zu sinkenden Kapitalkosten führen können.

Die Frage nach der Wirkung von Nachhaltigkeit auf die Rentabilität kann auch aus der Perspektive des Risikomanagements betrachtet werden, da eine Geschäftspolitik, die nicht nachhaltig ist, eine große Risikoquelle darstellen kann. Das größte Risiko ergibt sich durch negative Wirkungen nicht nachhaltigen Verhaltens auf die Reputation.

Wie dramatisch sich eine negative Reputation auf den Unternehmenserfolg auswirken kann, zeigt der Fall des US-amerikanischen Chemieunternehmens Monsanto. Dieses hatte genetisch modifizierte Produkte zusammen mit nicht genmanipulierten Produkten vermarktet und damit massive Widerstände auf Seiten der Konsumenten provoziert. Die Auswirkungen dieser unbedachten Vermarktungspolitik waren immens. 1999 wurde der Aktienkurs des Unternehmens im Zuge der öffentlichen Diskussion um genmanipulierte Nahrungsmittel stark belastet. Ende dieses Jahres gaben die größten US-Handelsketten für Naturkost die Streichung genmanipulierter Produkte von Monsanto aus ihrem Sortiment bekannt. Letztendlich war die Fehleinschätzung des Managements dafür verantwortlich, dass der CEO des Unternehmens den Traum eines integrierten Life Science-Konzerns aufgeben musste.[24]

CSR-Risiken sind auch deshalb besonders schwerwiegend, weil sie oft einen schleichenden Prozess herbeiführen. Wird auf die zuerst kleinen Auswirkungen nicht rechtzeitig reagiert, kann dies dramatische Folgen haben. Ein für sich genommen kleines Ereignis kann plötzlich schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen. In Wahrheit war dann nicht dieses Vorkommnis alleine verantwortlich, sondern eine Reihe von vorangegangenen Ereignissen. Die Auswirkungen beschränken sich zudem meist nicht auf den Teil eines Unternehmens, der für das ausschlaggebende Ereignis verantwortlich ist, sondern durchdringen das gesamte Unternehmen.[25]

Neben den theoretischen Vorzügen nachhaltiger Unternehmensführung existieren Studien, die die positiven Auswirkungen nachhaltiger Firmenpolitik belegen. So besteht beispielsweise ein signifikanter Zusammenhang zwischen der Bewertung der Sozial-Performance durch das Management-Magazin Fortune und der Rendite eines Unternehmens. Demnach ist für jeden zusätzlichen Punkt im Sozial-Rating eine „zusätzliche jährliche Rendite von 2,2 Prozent zu erwarten“[26] . Im Umweltbereich wurden mehrere Untersuchungen durchgeführt, die eine signifikant positive Korrelation von ökologischer Performance und Unternehmenserfolg belegen.[27] Mittlerweile scheinen auch große Teile der deutschen Wirtschaft von den positiven Auswirkungen von Corporate Sustainability überzeugt zu sein. Die Mehrheit deutscher Firmen geht davon aus, dass das Streben nach besserer Sozial- und Umweltperformance gleichzeitig zu besserer ökonomischer Performance führt.[28]

Zusätzlichen Vorschub bekommt das Thema CSR bzw. Nachhaltigkeit in der Wirtschaft durch den Druck von Interessengruppen. Besonders bei Aktionären gewinnt das Thema nachhaltiger Investments mehr und mehr an Bedeutung. Der SRI-Markt macht mit 2,16 Milliarden Dollar schon heute über ein Neuntel des Gesamtmarktes in den USA aus.[29] Europa hat zwar in großen Teilen noch erhebliches Nachholpotenzial, zeigt aber ebenfalls ein stetiges Wachstum. Die Anzahl der SRI-Fonds in Europa stieg von etwa 50 im Jahr 1990 auf über 300 im Jahr 2003.[30] Gestärkt wird diese Entwicklung durch die politischen Initiativen einiger Länder, die beispielsweise Offenlegungspflichten für die Anwendung ökologischer und sozialer Kriterien bei Pensionsfonds eingeführt haben. Nachdem Großbritannien mit einer solchen Regelung im Juli 2000 den Anfang machte, haben mittlerweile auch Frankreich, Deutschland, die Schweiz, Schweden, Belgien und die Niederlande ähnliche Gesetze verabschiedet.[31]

Die empirischen Belege über die, auch finanzielle, Vorteilhaftigkeit des Nachhaltigkeitskonzeptes und das wachsende Interesse an nachhaltigen Investments hat deutliche Auswirkungen auf die Wirtschaft. Besonders Großunternehmen sehen die Notwendigkeit nachhaltiger Unternehmensführung. Aus diesem Grunde sehen beinahe 80 Prozent der Unternehmen des DAX 30 die Aufnahme in einen so genannten Nachhaltigkeitsindex als ein wichtiges Ziel an.[32] Diese verhältnismäßig neue Art der Aktienindizes berücksichtigt als Aufnahmekriterium für Unternehmen neben ökonomischen ebenfalls ökologische und soziale Belange. Für Unternehmen lässt sich durch die Aufnahme in diese Indizes das eigene Bild in der Öffentlichkeit verbessern. Zudem basiert mittlerweile eine Vielzahl von Fonds auf den Nachhaltigkeitsindizes, so dass ein Listing in diesen auch zu zusätzlicher Nachfrage nach den Unternehmensanteilen und letztendlich zu einer tendenziellen Erhöhung des Unternehmenswertes führt. Viele Unternehmen sind sich jedoch unsicher in Bezug auf Maßnahmen, die für eine Indexaufnahme erforderlich wären. Die Aufnahmekriterien sind weitgehend unbekannt. So empfinden mehr als 70 Prozent der deutschen Unternehmen den Markt für nachhaltige Geldanlagen als intransparent.[33]

1.3 Zielsetzung und weitere Vorgehensweise

In dieser Arbeit soll der Versuch angestellt werden, für zwei renommierte Nachhaltigkeitsindizes einen vollständigen, leicht verständlichen Überblick über Aufbau, Auswahlverfahren, Portfoliostrukturen, Verwendungsmöglichkeiten und potentielle Wirkungen auf die Wirtschaft zu liefern und insofern einen Beitrag zur Erhöhung der Transparenz zu leisten.

Dazu erfolgt nach der Ausführung einiger Grundlagen zu Nachhaltigkeitsindizes eine umfangreiche Analyse der Dow Jones Sustainability und FTSE4Good Indizes. Hierzu wird nach der generellen Beschreibung beider Indizes und Nennung der wichtigsten Fakten, ein detaillierter Überblick über Ablauf und Kriterien der Auswahlprozesse gegeben. Anschließend werden die Bestandteile der Indizes analysiert und ein Vergleich mit den Komponenten der jeweiligen Basisindizes durchgeführt. Schließlich wird für beide Indizes im Vergleich erörtert, wie gut sie für die typischen Anwendungen und Ziele der Interessengruppen Investoren, Unternehmen und Gesellschaft geeignet sind. Hierzu wird unter anderem eine Analyse der Bewertungsverfahren und -kriterien zur Auswahl der Indexkomponenten durchgeführt. Zum Abschluss der Arbeit folgt eine Zusammenfassung sowie ein kurzer Ausblick auf die zukünftige Bedeutung von Nachhaltigkeitsindizes und dem Konzept Nachhaltigkeit.

2 Nachhaltigkeitsindizes

Momentan existieren auf dem europäischen und nordamerikanischen Markt mehr als zehn Nachhaltigkeitsindizes.[34] Diese Indizes wählen ihre Komponenten meist durch so genanntes Screening aus. Screening bezeichnet entweder den Ausschluss von Unternehmen, die in gewissen Geschäftsbereichen tätig sind oder bestimmten Branchen angehören (Negativ-Screening) oder die Selektion von Unternehmen, die sich durch gute Sozial- und/oder Umweltperformance auszeichnen (Positiv-Screening). Daneben existieren Mischformen beider Screening-Varianten.[35]

Die Mehrzahl der Nachhaltigkeitsindizes ist relativ eng angelegt (z.B. Naturaktienindex) oder umfasst neben jenen Kriterien, die auf das vorherrschende Verständnis von Nachhaltigkeit zugeschnitten sind, andere Kriterien, die eher Moralvorstellungen bestimmter Gruppen oder Organisationen widerspiegeln (z.B. Ausschluss von Produzenten von Verhütungsmitteln oder Pornographie im Ethical Index).[36] Diese Produkte sind damit als Spezialindizes zu verstehen, die eine sehr beschränkte Gruppe von Investoren ansprechen.

Zwei Indexfamilien, die sich auf das gängige Konzept der Nachhaltigkeit stützen, sind die Dow Jones Sustainability Indizes sowie die FTSE4Good Indexserie. Die Auswahl dieser Indizes für diese Arbeit hat mehrere Gründe. Zum einen besitzen die Herausgeber dieser Indizes einen hohen Bekanntheitsgrad, was eine wichtige Voraussetzung für signifikante Auswirkungen auf die Reputation der gelisteten Unternehmen darstellt. Zum anderen ist das Volumen der auf diesen Indizes basierenden Fonds vergleichsweise hoch. Dadurch entsteht zusätzliche Nachfrage nach den Unternehmensanteilen der enthaltenen Unternehmen. Das Interesse von Unternehmen an einem Listing in diesen Indizes dürfte aufgrund vorstehender Gründe besonders hoch sein. Des Weiteren existieren jeweils globale Varianten beider Indexfamilien. Außerdem werden keine umfangreichen Negativ-Screenings angewandt. Folglich stehen beide Indexfamilien einem breiten Spektrum von Unternehmen offen.

2.1 Dow Jones Sustainability Indizes

Das erste Mitglied der Familie der Dow Jones Sustainability Indexes (DJSI) wurde im September 1999 von Dow Jones & Company in Kooperation mit der SAM Holding Group AG, einer auf nachhaltige Geldanlagen spezialisierten Vermögensverwaltungsgesellschaft mit Sitz in der Schweiz, an der New Yorker Börse lanciert. Die globalen Dow Jones Sustainability World Indizes (DJSI World) waren die ersten Nachhaltigkeitsindizes eines großen Indexproviders. Gut zwei Jahre später folgten mit den Dow Jones STOXX Sustainability Indizes (DJSI STOXX) europäische Varianten. Die europäische Indexserie entstand in Zusammenarbeit mit einem dritten Partner, der STOXX Ltd.[37]

Alle Indizes der DJSI Familie sind als, nach Marktkapitalisierung im Streubesitz gewichtete, Kurs- oder Performance-Indizes[38] verfügbar und umfassen die unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten besten Unternehmen ihrer Basisindizes.[39] Die Bewertung der Nachhaltigkeit erfolgt durch die SAM Holding Group AG.[40] Bei den Composite Indizes[41] DJSI World sowie DJSI STOXX werden keine generellen Ausschlüsse von Unternehmen vorgenommen, die in bestimmten Branchen tätig sind. Dafür sind sowohl von der globalen, als auch von der europäischen Indexserie Spezialindizes verfügbar, die der zweifelhaften Eignung einiger Branchen für Aufnahme in einen nach Nachhaltigkeitskriterien aufgebauten Aktienindex Sorge tragen und jene Branchen ausschließen.[42] Die Komponenten der der DJSI World und DJSI STOXX Indizes werden durch einen Best-in-Class-Ansatz ausgewählt, der durch ein Positiv-Screening jene Unternehmen auswählt, die innerhalb ihrer Branche führend im Bereich der Corporate Sustainability sind.[43]

Die globale Indexvariante Dow Jones Sustainability World Index (DJSI World), besteht aus über 300 Unternehmenswerten aus insgesamt 22 Ländern.[44] Als Universum für diesen Index dienen die nach Marktkapitalisierung größten Unternehmen des Dow Jones Global Index (DJGI), von denen für jeden Industriezweig jene zehn Prozent ausgewählt werden, die bei der Bewertung der Corporate Sustainability, dem so genannten Sustainability Rating, das beste Ergebnis erhalten. Neben dem Composite Index existieren die fünf Spezialindizes Dow Jones Sustainability World Index excluding Alcohol (DJSI World ex. Alcohol), Dow Jones Sustainability World Index excluding Gambling (DJSI World ex. Gambling), Dow Jones Sustainability World Index excluding Tobacco (DJSI World ex. Tobacco), Dow Jones Sustainability World Index excluding Armaments and Firearms (DJSI World ex Armaments and Firearms) und Dow Jones World Index excluding Alcohol, Gambling, Tobacco, Armaments and Firearms (DJSI ex. Alcohol, Gambling, Tobacco, Armaments and Firearms), welche Unternehmen, die Geld mit Alkohol, Glücksspiel, Tabak oder Waffen verdienen, von der Aufnahme ausschließen.[45]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Struktur DJSI World Indizes

Am 15. Oktober 2001 wurde die zweite Familie von Nachhaltigkeitsindizes speziell für den europäischen Raum aufgelegt. Neben Dow Jones and Company und der SAM Group Holding AG ist bei dieser Indexfamilie zusätzlich die STOXX Ltd. beteiligt, die in Zusammenarbeit mit Dow Jones and Company auch den Dow Jones STOXX 600 Index (DJ STOXX 600) verwaltet, der als Universum für die DJSI STOXX Indizes fungiert. Für den Composite Index DJSI STOXX werden die 20 Prozent der Unternehmen des DJ STOXX 600 mit der besten Nachhaltigkeitsbewertung ausgewählt. Zusätzlich existiert eine regionale Indexvariante, die ausschließlich Unternehmen aus dem Euro-Raum listet. Dieser wird nicht getrennt vom DJSI STOXX ermittelt, sondern bereinigt diesen um sämtliche Unternehmen, die nicht der Eurozone angehören.[46] Von beiden Varianten des DJSI STOXX gibt es wie bei den DJSI World Indizes Spezialindizes mit Ausschluss bestimmter Branchen. Im Gegensatz zur globalen Variante sind aber keine Indizes mit Ausschluss einzelner Branchen verfügbar, sondern nur jeweils eine Variante, die Alkohol, Glücksspiel, Tabak und Waffen ausschließt.[47]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Struktur DJSI STOXX Indizes

Alle Indizes der DJSI Familie werden sowohl in Dollar als auch in Euro notiert. In Echtzeit werden bei den DJSI World Indizes die Dollar-Kurse der Kursindizes, bei den DJSI STOXX Indizes die Euro-Kurse der Kursindizes berechnet. Alle anderen Kurse werden zum Ende des jeweiligen Handelstages ermittelt.[48]

2.1.1 Auswahlprozess

Die Auswahl der Komponenten für die Dow Jones Sustainability Indizes erfolgt nach einem Best-in-Class-Ansatz, der jene Unternehmen aus dem Universum identifizieren soll, die nach ökonomischen, ökologischen und sozialen Kriterien führend innerhalb ihrer Industriegruppe[49] sind.[50]

Die Bewertung erfolgt durch die Vermögensverwaltungsgesellschaft SAM Group Holding AG. Das Unternehmen wurde 1995 gegründet und war damit eines der weltweit ersten Unternehmen, das sich auf nachhaltige Geldanlagen spezialisierte.[51]

Die Selektion und Wartung der Komponenten besteht aus einem jährlich durchgeführten Review-Prozess, der die leitenden Unternehmen der Dow Jones Indizes beim Thema Nachhaltigkeit identifizieren soll, sowie einer ständigen Überprüfung der Unternehmensaktivitäten um auf eventuelle Verwicklungen in ökonomische, ökologische oder soziale Skandale reagieren zu können.[52]

Im Review-Prozess werden jährlich im September sämtliche Unternehmen des Universums – den größten Unternehmen des DJGI für die Dow Jones Sustainability World Serie bzw. dem Dow Jones STOXX 600 für die Dow Jones STOXX Sustainability Serie – einer Auswahl in sieben Schritten unterzogen:

[...]


[1] Vgl. Hillebrand, B. / Löbbe, K. (2000), S. 5.

[2] Vgl. ebenda.

[3] Vgl. Rogowski, M. (2002), S. 1.

[4] Vgl. Kasburg, P. / Schwaffert, P. (2003), S. 2.

[5] Vgl. Hillebrand, B. / Löbbe, K. (2000), S. 7.

[6] Vgl. Aachener Stiftung Kathy Beys (2004).

[7] Renner, A. (2002), S. 30.

[8] Vgl. ebenda, S. 31.

[9] Vgl. Schicha, C. (2000).

[10] Vgl. Aachener Stiftung Kathy Beys (2004).

[11] 1968 in Rom gegründete Nicht-Regierungsorganisation. Bestehend aus Wissenschaftlern, Ökonomen, Politikern, Geschäftsleuten und hochrangigen Mitarbeitern aus dem öffentlichen Dienst, ist das deklarierte Ziel zur Lösung dessen beizutragen, was vom Club of Rome „Weltproblematik“ genannt wird. Mit diesem Begriff bezeichnet die Organisation die zentralsten ökonomischen, ökologischen, sozialen, politischen, technologischen, psychologischen und kulturellen Probleme der Menschheit. Vgl. ebenda.

[12] Vgl. Aachener Stiftung Kathy Beys (2004).

[13] Ebenda.

[14] Vgl. ebenda.

[15] Vgl. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (1997), S. 3.

[16] Als Enquete-Kommissionen werden Gremien bezeichnet, in denen Abgeordnete gemeinsam mit externen Sachverständigen politisch bedeutsame Entwicklungen aufarbeiten. Die Ergebnisse werden in Form von Handlungsempfehlungen an den Bundestag verwertet. Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (2004).

[17] Vgl. Renner, A. (2002), S. 32-34.

[18] Vgl. Rogowski, M. (2002), S. 2.

[19] Vgl. Felsberger, G. (2004).

[20] Vgl. Garz, H. / Volk, C. / Gilles, M. (2002), S. 12.

[21] Vgl. Allianz Dresdner Asset Management (2003), S. 6.

[22] Vgl. Garz, H. / Volk, C. / Gilles, M. (2002), S. 12.

[23] Vgl. Bosen, R. (2003), S. 26-27.

[24] Vgl. Garz, H. / Volk, C. / Gilles, M. (2002), S. 12.

[25] Vgl. ebenda, S. 13-14.

[26] Garz, H. / Volk, C. / Gilles, M. (2002), S. 19.

[27] Vgl. ebenda.

[28] Vgl. Bosen, R. (2003), S. 27.

[29] Vgl. Social Investment Forum (2003), S. 1.

[30] Vgl. Avanzi SRI Research / SIRI Group (2003), S. 7.

[31] Vgl. Social Investment Forum (2003), S. 31.

[32] Vgl. Bosen, R. (2003), S.29-30.

[33] Vgl. ebenda, S. 31-32.

[34] Vgl. Institut für Ökologie und Unternehmensführung (2004).

[35] Vgl. Garz, H. / Volk, C. / Gilles, M. (2002), S. 28-29.

[36] Vgl. Institut für Ökologie und Unternehmensführung (2004).

[37] Vgl. Institut für Ökologie und Unternehmensführung (2004).

[38] Kurs- und Performance-Indizes unterscheiden sich durch den Umgang mit Dividendenausschüttungen. Während bei Kursindizes die Dividenden nicht berücksichtigt werden, gehen sie bei Performance-Indizes in die Indexberechnung mit ein. Vgl. Deutsches Aktieninstitut (2000), S. 23-24.

[39] Vgl. Dow Jones and Company (2003a), S. 5, 22; Dow Jones and Company (2003b), S. 21.

[40] Vgl. Dow Jones and Company (2003a), S. 5.

[41] Composite Indizes, auch als All-Share Indizes bezeichnet, sind breite Indizes, d.h. die enthalten alle gehandelten Aktien einzelner Handelssegmente (z.B. DAX). Im Vergleich dazu gibt es auch sog. Auswahlindizes, welche sich auf eine feste, eher niedrige Zahl von sehr liquiden Werten mit besonders hohem Handelsvolumen beschränken (z.B. DAX 30). Während Composite Indizes eher zu Analysezwecken eingesetzt werden, sind Auswahlindizes meist für den operativen Gebrauch ausgelegt. Vgl. Deutsches Aktieninstitut (2000), S. 26-27.

[42] Vgl. Dow Jones and Company (2003a), S. 16-17; Dow Jones and Company (2003b), S. 15-16.

[43] Vgl. Institut für Ökologie und Unternehmensführung (2004).

[44] Vgl. Dow Jones and Company (2004).

[45] Vgl. Dow Jones and Company (2003a), S. 16-17.

[46] Vgl. Institut für Ökologie und Unternehmensführung (2004).

[47] Vgl. Dow Jones and Company (2003b), S.6.

[48] Vgl. Dow Jones and Company (2003a), S. 21; Dow Jones and Company (2003b), S. 20-21.

[49] Sämtliche Unternehmen werden für die Auswahl in 60 Industriegruppen nach einem eigenen Klassifizierungsschema für die DJSI Indizes unterteilt. Vgl. Dow Jones and Company (2003a), S. 17-18; Dow Jones and Company (2003b), S. 16-17.

[50] Vgl. Dow Jones and Company (2003a), S. 6; Dow Jones and Company (2003b), S. 6.

[51] Vgl. SAM Group (2004).

[52] Vgl. ebenda.

Ende der Leseprobe aus 90 Seiten

Details

Titel
Nachhaltigkeitsindizes
Hochschule
Universität Paderborn
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
90
Katalognummer
V33965
ISBN (eBook)
9783638343053
Dateigröße
1049 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Detaillierte Abhandlung über Sustainability Indexes am Beispiel der zwei bekanntesten Vertreter dieses Segments - Dow Jones Sustainability Indexes und FTSE4Good Indizes. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf Aufbau, Auswahlverfahren und Bewertungsmethodik dieser Indizes. Daneben erfolgt eine Beurteilung über die Eignung der Bewertungsmethodik sowie eine Abschätzung der zukünftigen Bedeutung dieser Indexvariante.
Schlagworte
Nachhaltigkeitsindizes
Arbeit zitieren
Björn Pauli (Autor), 2004, Nachhaltigkeitsindizes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33965

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