Geschlechtsreflektierter Zugang zu Kriminalität am Beispiel der Jugendkriminalität


Hausarbeit, 2011

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung der Arbeit

1. Einleitung

2. Kriminalität
2.1 Definition Kriminalität
2.2 Definition Jugendkriminalität

3. Geschlecht und Jugendkriminalität
3.1 Geschlechtsspezifische Kriminaldelikte
3.1.1 Häufige Kriminaldelikte bei Mädchen
3.1.2 Häufige Kriminaldelikte bei Jungen
3.1.3 Überschneidungen Kriminaldelikte
3.2 Geschlechtsspezifischer Umgang mit Straftätern

4. Fallbeispiel
4.1 Typisches Kriminaldelikt von Mädchen
4.2 Typisches Kriminaldelikt von Jungen

5. Resümee und Ausblick

Literaturverzeichnis

Internetquellen:

Zusammenfassung der Arbeit

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit dem geschlechtsreflektierten Zugang zu Kriminalität. Dies geschieht am Beispiel der Jugendkriminalität. Kriminalität und im speziellen Jugendkriminalität gehören nicht zuletzt seit den sogenannten Berliner „U-Bahn Schlägern“ zu einem regemäßig wiederkehrenden Thema in den Medien. Doch welche Rolle das Geschlecht der Täter dabei spielt, bleibt meist unbeleuchtet.

Dazu werden nach einer kurzen Einleitung zuerst der Begriff der Kriminalität und anschließend die Begrifflichkeit der Jugendkriminalität definiert. Nach diesen Definitionen wird im zweiten Teil der Arbeit näher auf den Zusammenhang zwischen Geschlecht und Kriminalität eingegangen. Hier werden häufige Kriminaldelikte von Mädchen und Jungen behandelt und Überschneidungen näher beleuchtet. Darauf folgt ein Einblick ob und wie es zu einem geschlechtsspezifischen Umgang mit Straffällig gewordenen in der Bewährungshilfe und den Justizvollzugsanstalten in Deutschland kommt.

Im weiteren Verlauf der Hausarbeit wird anhand eines Fallbeispiels jeweils ein typisches weibliches und männliches Delikt dargestellt und anhand von verschiedenen Faktoren wie etwa der Sozialisation der delinquenten Jugendlichen erklärt, wie es zu der Straftat kommen konnte. Am Ende wird noch ein Ausblick auf die weitere Entwicklung von geschlechtsspezifischer Delinquenz gegeben und ein Resümee zu diesem Thema gezogen.

Um die Arbeit lesbar und übersichtlich zu gestalten, wird im Verlauf, auf eine Geschlechtsdifferenzierende Sprache verzichtet.

1. Einleitung

Der Frauenanteil in der Bevölkerung ist in der Bundesrepublik Deutschland, wie in den meisten anderen europäischen Ländern, höher als der Männeranteil. Denkt man jedoch an das Geschlecht von Kriminellen, haben die meisten Menschen typischerweise einen männlichen Täter vor Augen. Dieser begeht vor allem Straftaten, die im Zusammenhang mit Gewalt stehen. Dass es hierbei auch weibliche Täter gibt, wird meist außer Acht gelassen bzw. erst gar nicht erwähnt. Dies ist vor allem im Bereich der Jugendkriminalität der Fall. So ist hier in der Gesellschaft und in den Medien bis auf wenige Ausnahmen immer von männlichen Tätern und ihren Delikten die Rede.

Gelangt dann doch einmal eine Straftat einer weilblichen delinquenten Person in den öffentlichen Blickpunkt, wird meist nicht mit den Taten männlicher Krimineller in ihrer Form, Qualität und Ausführung unterschieden. Doch gerade bei delinquenten Verhalten wäre eine geschlechtsreflektierte Arbeit mit den Tätern sinnvoll und würde mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit die Fallzahlen deutlich senken.

2. Kriminalität

Bevor auf die verschiedenen Aspekte der geschlechtsspezifischen Delinquenz eingegangen werden kann, muss zunächst einmal geklärt werden, was unter dem Begriff der Kriminalität und insbesondere der Jugendkriminalität verstanden wird.

2.1 Definition Kriminalität

Sucht man in der verfügbaren Literatur nach einer Definition von Kriminalität, stößt man im Wesentlichen auf die juristische Definition der Straftat. Doch was versteht man genau unter diesem Begriff? Im Folgenden wird geklärt, was der Begriff Kriminalität umfasst und genauer darauf eingegangen, was unter der Begrifflichkeit der Kriminalität zu verstehen ist.

„Der Begriff Kriminalität bezeichnet die Gesamtheit der in einer Gesellschaft vorkommenden Verstöße gegen Normen des Strafrechts (Straftaten). Eine Straftat ist ein vom Gesetzgeber definiertes Unrechtsverhalten, dass nicht ausnahmsweise, z. B. durch Notwehr, gerechtfertigt ist und das nicht, etwa aufgrund einer krankheitsbedingten Schuldunfähigkeit, anderen Bewertungskriterien unterliegt.“ (Mulot / Schmitt 2007, S. 593)

2.2 Definition Jugendkriminalität

Bei näherer Betrachtung polizeilicher Statistiken fällt auf, dass immer mehr Straftaten durch minderjährige bzw. jugendliche Straftäter begangen werden. Dieses Phänomen wird als Jugendkriminalität bezeichnet.

„Die Jugendkriminalität umfasst die Kriminalität der 14- bis 18-Jährigen. Daneben sind auch die Kinderkriminalität (bis 14 Jahre) und die Kriminalität unter den Heranwachsenden (18 bis 21 Jahre) zu berücksichtigen. Diese Unterscheidungen zwischen Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden regelt § 1 Jugendgerichtsgesetz (JGG). (Dähne 2008, S. 10)

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass unter die Definition der Jugendkriminalität alle Straftaten gefasst werden, die von Jugendlichen oder Heranwachsenden begangen werden. Eine klare Festlegung genauer gesetzlicher Altersgrenzen fällt hierbei aber schwer, da die Jugend ein Prozess des Erwachsenwerdens ist und die Entwicklungsphasen in unterschiedlichen Entwicklungsgeschwindigkeiten durchlaufen werden. Daher ist in den meisten Regelungen zur Jugendkriminalität nicht nur das Lebensalter von Belang, sondern auch der individuelle Entwicklungsstand des Jugendlichen.

Im Vergleich mit der Kriminalität Erwachsener bestehen bei der Jugendkriminalität große Unterschiede in Verbreitung, Struktur, und Intensität des delinquenten Verhaltens.

Innerhalb der in Forschungen eruierten Ergebnisse wurde deutlich, dass leichte Delikte gegenüber schwereren Delikten dominieren. Schwere Straftaten gehören in der Jugendkriminalität eher zur Ausnahme. (vgl. Mulot / Schmitt 2007, S. 523)

Als Ursache für Jugendkriminalität werden im erstmalig im Jahr 2001 erschienenen Sicherheitsbericht der Bundesregierung schwierige Familienverhältnisse, Armut und Arbeitslosigkeit, Migrationshintergrund, ungünstige Wohnsituation und Wohnumfeld, Zugehörigkeit zu delinquenten Jugendgruppen, Tolerierung von Gewalt als Mittel zur Konfliktlösung sowie negative Medieneinflüsse als besonders gewichtige mögliche Ursachen für Jugendkriminalität genannt. (vgl. Raithel / Mansel 2003, S. 25)

Vergleicht man die aktuell vorzufindende Jugendkriminalität mit der des Jahres 1988, fällt auf, dass sich diese in 3 entscheidenden Punkten verändert hat.

1. Zum einen steigt der Anteil der jugendlichen Täter in den Kriminalitätsstatistiken kontinuierlich an. In den vergangenen 14 Jahren hat sich die Anzahl der von minderjährigen begangenen Straftaten fast verdoppelt. Dieser Anstieg ist vor allem im Bereich der Gewaltdelikte zu beobachten. Hier ist nach Angaben des Bundeskriminalamts fast jeder zweite Gewaltkriminelle in einem jugendlichen Alter.

2. Weiterhin lässt sich feststellen, dass Jugendliche immer früher delinquente Verhaltensweisen zeigen. Betrachtet man dies unter historischen Gesichtspunkten, lässt sich erkennen, dass dies hierdurch bedingt ist, dass Aufwachsende heute altersmäßig früher in die nach sozialwissenschaftlichen Gesichtspunkten definierte Jugendphase eintreten.

3. Letztendlich lässt sich in den Veränderungen der Jugendkriminalität feststellen, dass die Taten immer brutaler werden. Diese veränderte Qualität der Straftaten liegt in einer immer größer werdenden Rücksichtslosigkeit der Täter begründet. So treten die Jugendlichen z. B. auch dann noch vermehrt zu, wenn ihr Opfer bereits blutend und wehrlos am Boden liegt. (vgl. Raithel / Mansel 2003, S. 20)

3. Geschlecht und Jugendkriminalität

Neben dem Alter und den sozialen Hintergründen, wie etwa den Lebensumständen und der Schul- bzw. Ausbildungssituation spielt im Hinblick auf Kriminalität und speziell im Hinblick auf Jugendkriminalität das Geschlecht eine besondere Rolle. Im nachfolgenden Teil soll ein Überblick über geschlechtsspezifische Kriminaldelikte gegeben werden und näher auf Mädchen- und Jungenkriminalität sowie deren Überschneidungen eingegangen werden.

Bei allen statistischen Daten die im nachfolgenden Teil der Hausarbeit erwähnt und zitiert werden, ist zu beachten, dass im Rahmen von Kriminalitätsstatistiken immer ein sogenanntes Hell- und Dunkelfeld existiert. Unter dem Dunkelfeld sind alle Straftaten zu verstehen, die der Polizei nicht bekannt wurden und somit auch nicht in Statistiken, wie der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik (PKS) auftauchen. Dies kann geschehen, wenn sich etwa das Anzeigeverhalten der Bevölkerung oder die Verfolgungsitensität der Polizei verändert. Als Folge aus diesem Sachverhalt resultiert, dass sich die Grenze zwischen dem Hell- und Dunkelfeld verschiebt, ohne dass eine Änderung des Umfangs der tatsächlichen Kriminalität auch wirklich vorliegt.

3.1 Geschlechtsspezifische Kriminaldelikte

Betrachtet man aktuelle Statistiken die sich anhand geschlechtsorientierter Gesichtspunkte mit dem Delinquenten Verhalten junger Menschen befassen, wird deutlich dass hier zahlreiche Unterschiede existieren. Diese bestehen zum einen in der Art des Deliktes, in der statistischen Häufigkeit der Straftat und in den geschlechtsspezifischen Unterschieden bei der Ausführung der Straftaten.

Andererseits lassen sich aber auch in den Kriminalitätsstatistiken deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede erkennen. So hat etwa laut Polizeilicher Kriminalstatistik (PKS) die Kriminalitätsbelastung junger Mädchen und Frauen zwischen den Jahren 1987 und 2007 insgesamt zugenommen.

Aber nicht nur die Tatverdächtigenbelastungszahlen (TVBZ) des weiblichen Geschlechts haben zugenommen. Im gleichen Zeitraum ist die TVBZ der männlichen Jugendlichen um das 3,7 fache größer geworden als jene der Mädchen. Entgegen anders lautender Aussagen ist dabei die registrierte Kriminalität männlicher Jugendlicher noch stärker angestiegen als die weiblicher Jugendlicher. Ebenfalls hat sich auch der Geschlechterabstand deutlich erhöht. (vgl. Dollinger / Schmidt-Semisch 2010, S. 319)

Grundsätzlich bringen die meisten Autoren die Entstehung von Jugenddelinquenz in Zusammenhang mit einem durch die Industrialisierung bedingten Strukturwandel und Funktionsverlust der Familie. Die hierdurch bedingte familiäre Desorganisation sei dabei für Statusprobleme der Jugendlichen verantwortlich zu machen und somit als häufige Ursache für jugendliches delinquentes Verhalten anzusehen. Weiterhin werden von ihnen Alkoholismus, Straffälligkeit eines Elternteils, fehlende Betreuung und Erziehung im Kindesalter, der Einfluss der Schichtzugehörigkeit und die ökonomischen Bedingungen im Elternhaus als Ursachen für die Entstehung von Jugendkriminalität unabhängig vom Geschlecht angegeben. (vgl. Bauer / Winkler von Mohrenfels 1985, S. 15 – 20)

Der Anstieg der Delikte im Bereich der Jugendkriminalität bedeutet aber nicht zwangsläufig einen tatsächlichen Anstieg der Kriminalität. Viel mehr geht dieser Anstieg der Fallzahlen, zumindest zu einem erheblichen Teil, auf eine erhöhte Bereitschaft in der Bevölkerung zurück, Delikte die von Jugendlichen begangen wurden bei der Polizei zur Anzeige zu bringen. (vgl. Dr. Dähne 2008, S. 12)

Der Anstieg der Fallzahlen lässt sich aber auch auf geschlechtsspezifische Gründe zurückführen. So ist seit etlichen Jahren eine Art der Emanzipation von Mädchen in der Kriminalität zu beobachten. Straftaten die in der Vergangenheit ausschließlich bzw. zu einem sehr hohen Prozentsatz von Jungen begangen wurden, werden nun auch vom weiblichen Geschlecht ausgeübt. Ein Beispiel hierfür wäre Kriminalität im Zusammenhang mit Gewalt. Hier haben sich die Fallzahlen in denen Gewalt von Mädchen ausgeübt wurde, seit 1986 fast verdoppelt. Aber auch in anderen Bereichen wie etwa dem Handeln mit Betäubungsmitteln und Erpressung stiegen die Fallzahlen in diesem Zeitraum um ca. 20 % an (vgl. Polizeiliche Kriminalitätsstatisik 2010, S. 5).

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Geschlechtsreflektierter Zugang zu Kriminalität am Beispiel der Jugendkriminalität
Hochschule
Katholische Stiftungsfachhochschule München, Abt. Benediktbeuern
Veranstaltung
Genderorientierte Jugendarbeit
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V339863
ISBN (eBook)
9783668296886
ISBN (Buch)
9783668296893
Dateigröße
551 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jugendkriminalität, Kriminalität, Geschlechtsreflektion
Arbeit zitieren
Maximilian Klopf (Autor), 2011, Geschlechtsreflektierter Zugang zu Kriminalität am Beispiel der Jugendkriminalität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339863

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