Büchners Novelle „Lenz“ stellt sich unzweifelhaft jedem Leser als befremdende und eigentümliche Schilderung einer Begebenheit dar, die heute nicht nur für die Literaturwissenschaft, sondern auch in hohem Masse für die Psychologie interessant erscheint. Seit ihrer Entstehung beschäftigt sich die Forschung mit der Frage, ob es sich bei Georg Büchners Schilderung um die sehr genaue Darstellung dessen handelt, das erst einige Jahre später als die Krankheit „Schizophrenie“ bezeichnet werden wird. In der folgenden Ausarbeitung möchte ich der Frage nachgehen, ob das Novellenfragment „Lenz“ von Georg Büchner tatsächlich als frühe Studie und als frühe Darstellung einer manifesten Schizophrenie gelten kann.
Dafür werde ich zunächst darstellen, was die moderne Psychologie unter dem Krankheitsbild der Schizophrenie versteht und ich werde dann die Novelle Büchners dazu in Beziehung setzen. Die Symptome der Gemütskrankheit sollen dabei in Büchners Darstellung der literarischen Figur Lenz nachgewiesen werden. Ich werde zunächst einen kurzen Einblick in den historischen Hintergrund zu Büchners Erzählung geben und die Vorlage, den Bericht des Pfarrers Oberlin, vorstellen. Im Folgenden soll dann besonders untersucht werden, mit welchen Mitteln Georg Büchner die Schizophrenie erzählerisch verarbeitet und welche Unterschiede sich bei einem Vergleich mit der historischen Vorlage ergeben. Außerdem möchte ich der Frage nachgehen, welche Motive den Philosophen und Naturwissenschaftler Georg Büchner dazu bewogen haben, sich in seiner Novelle mit der damals unerforschten Geisteskrankheit so eingehend zu beschäftigen. In meiner abschließenden Bewertung werde ich die Ergebnisse zusammenfassen und einen Kommentar zu der eingangs gestellten Frage, ob und warum die Novelle „Lenz“ in der Tat als Pathographie gelten darf, abgeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Klärung des Thema
2. Schizophrenie – Definition und Geschichte
3. Die Schizophrenie in Büchners Novelle „Lenz“
3.1 Der historische Hintergrund – Lenz und Oberlin
3.2 Die Darstellung der Schizophrenie in der Figur Lenz
3.3 Der Oberlin-Bericht im Vergleich mit Büchners Novellenfragment
3.4 Wahnsinn als Topos
4. Abschließende Bewertung
5. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob das Novellenfragment „Lenz“ von Georg Büchner als frühe literarische Studie und Darstellung einer manifesten Schizophrenie betrachtet werden kann. Dabei wird die literarische Ausgestaltung des Krankheitsbildes in Beziehung zu modernen psychologischen Erkenntnissen und dem historischen Bericht des Pfarrers Oberlin gesetzt.
- Analyse der Symptomatik der Schizophrenie in der Figur Lenz
- Vergleichende Untersuchung zwischen historischer Vorlage (Oberlin-Bericht) und literarischer Bearbeitung
- Untersuchung der psychologischen Motive Büchners bei der Darstellung von Geisteskrankheiten
- Die literarische Funktion von „Wahnsinn“ als Topos im Werk Büchners
Auszug aus dem Buch
Die Darstellung der Schizophrenie in der Figur Lenz
In der Figur des Lenz entwirft Georg Büchner das Bild eines kranken, unter ständigen schizophrenen Schüben leidenden Menschen.
Büchner gelingt es dabei durch seine Schilderung, alle typischen Symptome einer manifesten Schizophrenie aufzuzeigen und lebendig werden zu lassen. Büchner entwickelt ein „Dokument einer geschlossenen Schizophreniedarstellung“ und tut dies auf kühle, distanzierte Art und Weise. Er hat es geschafft, „in ihrer Form die Konstituierung des Krankheitsbildes der Schizophrenie“ vorwegzunehmen.
Die besondere Leistung liegt sicher darin, dass zur Zeit der Entstehung die Erkrankung weder erforscht, noch beschrieben war. Alle von mir eingangs beschriebenen Symptome der Schizophrenie lassen sich in der Figur „Lenz“ sehr gut wiederfinden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Klärung des Thema: Das Kapitel führt in die Fragestellung ein, ob Büchners Erzählung als fundierte Darstellung einer Schizophrenie gelten kann, und skizziert das methodische Vorgehen der Arbeit.
2. Schizophrenie – Definition und Geschichte: Hier werden medizinische Definitionen und die historische Entwicklung des Wissens über Schizophrenie, von frühen Vorstellungen bis hin zu Emil Kraepelin, dargelegt.
3. Die Schizophrenie in Büchners Novelle „Lenz“: Dieses Hauptkapitel analysiert die literarische Umsetzung, den historischen Kontext des Lenz-Stoffes sowie die spezifische erzählerische Auseinandersetzung mit den psychischen Symptomen der Figur.
4. Abschließende Bewertung: Der Autor fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass Büchners Werk aufgrund der präzisen symptomatischen Darstellung als vollgütige klinische Pathographie einzustufen ist.
5. Bibliographie: Dieses Kapitel listet die verwendeten Primär- und Sekundärquellen der Ausarbeitung auf.
Schlüsselwörter
Georg Büchner, Lenz, Schizophrenie, Pathographie, Psychiatrie, Psychologie, Literaturwissenschaft, Geisteskrankheit, Wahnsinn, Johann Friedrich Oberlin, Symptomatik, Literaturgeschichte, Sturm und Drang.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob Georg Büchners literarisches Fragment „Lenz“ als eine medizinisch fundierte Darstellung des Krankheitsbildes der Schizophrenie verstanden werden kann.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der literarischen Symptomdarstellung, der Analyse der historischen Quellen und der psychologischen Einordnung des Wahnsinns als literarischer Topos.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es nachzuweisen, dass Büchner – lange vor der wissenschaftlichen Etablierung des Begriffs Schizophrenie – eine präzise und authentische Darstellung dieser psychischen Erkrankung gelungen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die das Werk Büchners mit zeitgenössischen medizinischen Erkenntnissen sowie dem historischen Bericht des Pfarrers Oberlin abgleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich dem historischen Hintergrund, der detaillierten Symptomdarstellung in der Figur Lenz sowie einem Vergleich zwischen der literarischen Novelle und dem originalen Oberlin-Bericht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Schizophrenie, Büchners „Lenz“, Pathographie, Psychiatrie und die Verbindung von Literatur und Naturwissenschaft.
Wie unterscheidet sich Büchners Darstellung von der historischen Vorlage des Pfarrers Oberlin?
Während Oberlin als Außenstehender eine chronologische Schilderung der Ereignisse verfasst, nutzt Büchner auktoriale Einblicke und innere Monologe, um den Zustand der Seele des Erkrankten erfahrbar zu machen.
Welche Rolle spielt die Natur in Büchners Darstellung des Lenz?
Büchner entwirft ein neues Bild: Der Wahnsinnige interagiert mit einer ewig harmonischen Natur, wodurch die zerrissene Seele des Protagonisten besonders kontrastreich hervortritt.
Warum wählte Büchner laut der Arbeit das Thema Wahnsinn als Topos?
Es wird vermutet, dass Büchner aufgrund seines naturwissenschaftlichen Interesses und seines realistischen Anspruchs den Drang hatte, die Abgründe der menschlichen Existenz möglichst realitätsnah darzustellen.
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- Anonym (Author), 2002, Georg Büchners "Lenz". Eine vollgütige klinische Pathographie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34054