Die folgende Hausarbeit analysiert, wie in deutschen Geschichtsschulbüchern die deutsche Kolonialvergangenheit aufgearbeitet wird. Hierbei liegt der Fokus auf dem Genozid an den Herero und Nama in der ehemaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika(heutige Namibia).
Neben der Analyse von schriftlichen Primär- und Sekundärquellen werden sowohl Bilder als auch Karten auf ihre Aussagekraft untersucht. Inwieweit die Verarbeitung der kolonialen Vergangenheit Einzug in deutsche Schulbücher gefunden hat, wird im Anschluss dargelegt. Als letzter Analysepunkt werden die Schulbücher im Hinblick auf Termini untersucht, die rassistische Denkmuster widerspiegeln. Abschließend werden die Ergebnisse im Fazit zusammengefasst und Verbesserungsvorschläge für künftige Schulbücher geäußert.
Inhaltsübersicht
1. Einleitung
2. Deutscher Kolonialismus
2.1 Die Kolonie „Deutsch-Südwestafrika“
2.2 Der Aufstand der Herero
2.3 Der Aufstand der Nama
3. Der Umgang mit der kolonialen Vergangenheit
4. Genozid an den Herero und Nama?
5. Einordnung des Themas „Völkermord an den Herero & Nama“ in den hessischen Lehrplan für das Fach Geschichte
6. Schulbuchanalyse
6.1 Analyse des Seitenumfangs
6.2 Inhaltsanalyse
6.3 Multiperspektivität
6.4 Bildanalyse
6.5 Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit
6.6 Begrifflichkeiten
7. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern die moderne wissenschaftliche Einordnung des Völkermords an den Herero und Nama Eingang in aktuelle deutsche Schulbücher gefunden hat, und vergleicht diese kritisch mit älteren Lehrmaterialien hinsichtlich der Darstellung von Täterschaft, Opferperspektiven und kolonialen Kontinuitäten.
- Analyse der Darstellung des deutschen Kolonialismus in Geschichtsbüchern.
- Diachroner Vergleich aktueller und älterer Schulbuchausgaben.
- Untersuchung der multiperspektivischen Aufarbeitung und Bildsprache.
- Evaluation der Verwendung rassistisch konnotierter Termini und Begriffe.
Auszug aus dem Buch
6.6 Begrifflichkeiten
Die Untersuchung, ob gewisse rassistische bzw. koloniale Termini in Schulbüchern verwendet werden, lässt Rückschlüsse zu, inwieweit koloniale Denkmuster in unserer heutigen Zeit nach wie vor vorhanden sind. Hierbei ist die Analyse der vier Geschichtsbücher zwiespältig. Auf der einen Seite sind veraltete Termini wie „Hottentotten“, die eine rassistische Konnotation haben, in den aktuellen Schulbuchausgaben im Gegensatz zu älteren Schulbuchausgaben nicht mehr zu finden. Auf der anderen Seite werden Termini wie „Stamm“, „Häuptlinge“ oder auch „Schutzgebiete“, die eine Hierarchisierung und Primitivisierung zu Gunsten der Kolonialisten verursachen, ohne jegliche Reflexion auch in aktuellen Schulbüchern verwendet. In diesem Zusammenhang wäre es wünschenswert, dass die Sprache, die das offensichtlichstes Merkmal von Rassismus ist, in den Geschichtsbüchern kritisch hinterfragt wird. Im Geschichtsbuch Entdecken und Verstehen 3 (2013) sowie in Entdecken und Verstehen 3 (1992) wird der Terminus „Reservate“ für die Unterkünfte der überlebenden Herero und Nama verwendet. Dieser Terminus intendiert, dass die Herero und Nama in diesen Gebieten friedlich und ohne Angst vor Repressalien von Seiten der Deutschen leben konnten. Dies ist jedoch vollkommen irreführend, da die überlebenden Herero und Nama unter grausamen Bedingung in sogenannten „Konzentrationslagern“ für die Deutschen arbeiten mussten und der Tod durch Arbeit billigend in Kauf genommen wurde. Hiermit wird deutlich, dass die Schulbuchautorinnen und –autoren es bewusst vermeiden wollten, den Begriff „Konzentrationslager“ zu verwenden, da dieser eine Analogie zu den Konzentrationslagern des Zweiten Weltkrieges und der damit verbundenen Shoah herstellen könnte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den aktuellen Diskurs um den Völkermord an den Herero und Nama und skizziert das Forschungsinteresse an der medialen und schulischen Aufarbeitung.
2. Deutscher Kolonialismus: Dieses Kapitel erläutert die Beweggründe für den deutschen Kolonialismus, die Etablierung der Kolonie Deutsch-Südwestafrika sowie die Eskalation der Konflikte mit den Herero und Nama.
3. Der Umgang mit der kolonialen Vergangenheit: Hier wird die langjährige deutsche „kollektive Amnesie“ gegenüber der Kolonialgeschichte sowie die wachsende Aufmerksamkeit durch den „imperial/decolonial turn“ thematisiert.
4. Genozid an den Herero und Nama?: Das Kapitel diskutiert auf Basis der UN-Völkermordkonvention, warum das Vorgehen der Schutztruppen nach heutigem Standard als Genozid zu werten ist, kontrastiert mit gegenteiligen Positionen.
5. Einordnung des Themas „Völkermord an den Herero & Nama“ in den hessischen Lehrplan für das Fach Geschichte: Es wird kritisch festgestellt, dass die Thematik in den hessischen Lehrplänen nicht explizit genannt wird, sondern in übergeordnete Themengebiete eingebettet ist.
6. Schulbuchanalyse: Der Hauptteil analysiert quantitativ und qualitativ vier Schulbücher hinsichtlich Seitenumfang, Inhaltsqualität, Multiperspektivität und Bildauswahl.
7. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass aktuelle Schulbücher den Genozid zwar anerkennen, aber Defizite bei der Begrifflichkeit, der kritischen Reflexion kolonialer Sprache und der Einbindung afrikanischer Quellen aufweisen.
Schlüsselwörter
Deutscher Kolonialismus, Herero, Nama, Völkermord, Schulbuchanalyse, Geschichtsunterricht, Deutsch-Südwestafrika, Schutztruppen, Genozidforschung, Multiperspektivität, Koloniale Vergangenheit, Erinnerungskultur, Rassismus, Bildanalyse, Wiedergutmachung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie der Völkermord an den Herero und Nama in deutschen Schulbüchern dargestellt wird und ob diese Darstellungen dem heutigen Forschungsstand entsprechen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Aspekte sind die historische Aufarbeitung des Kolonialkrieges, die fachwissenschaftliche Genozid-Diskussion und die kritische Untersuchung didaktischer Lehrmaterialien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie aktuelle Schulbücher mit dem Genozid-Begriff umgehen und inwieweit sie kritische Distanz zur kolonialen Vergangenheit wahren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin führt eine inhaltsanalytische, diachrone Vergleichsstudie von vier verschiedenen Geschichtsbuch-Ausgaben durch.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fachwissenschaftliche Fundierung, eine Lehrplan-Einordnung und eine detaillierte Analyse der Schulbücher hinsichtlich Umfang, Perspektivität, Bildmaterial und verwendeter Fachtermini.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit besonders?
Begriffe wie "Genozid", "Multiperspektivität", "Koloniale Amnesie", "Schulbuchanalyse" und "Erinnerungskultur" stehen im Mittelpunkt der Untersuchung.
Warum wird die Sprache in Schulbüchern als problematisch bewertet?
Die Arbeit kritisiert die Verwendung von Begriffen wie „Reservat“ statt „Konzentrationslager“, da dies eine Verharmlosung der damaligen grausamen Lebensbedingungen darstellt.
Wie unterscheidet sich die Darstellung in aktuellen Schulbüchern von älteren Ausgaben?
Aktuelle Bücher erkennen den Genozid stärker an und arbeiten mit multiperspektivischen Quellen, während ältere Ausgaben teils beschönigende Begriffe verwenden oder das Thema massiv kürzen.
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- Max Müller (Author), 2016, Die Darstellung des Völkermords an den Herero und Nama. Eine Schulbuchanalyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/340548