Diese Seminararbeit ist eine kritische Auseinandersetzung mit der ästhetischen Theorie David Humes. Sein Essay Of the Standard of Taste, erstmals 1757 publiziert, dient uns für diese Beschäftigung als Grundlage. Zwar entwickelte Hume in mehreren Werken seine ästhetischen Fragestellungen, doch fasst Hume in diesem Essay seine Kriterien des guten Geschmacks zusammen und konkretisiert sie zur Methode. Somit kann Of the Standard of Taste als Abschluss von Humes ästhetischen Betrachtungen erachtet werden, in dem er „die wesentlichen Gedanken seiner Ästhetik resümiert“. Aus diesem Grund erachten wir es als wahrscheinlich, keinen relevanten Gedanken Humes, bezüglich seiner Ästhetik, unbeachtet zu lassen und halten eine tief greifende Beschäftigung mit ebendieser auf Grundlage des genannten Essays für möglich.
Die Leitfragen dieser kritischen Auseinandersetzung mit der ästhetischen Theorie Humes lauten:
Welche Arten von Geschmacksurteilen unterscheidet Hume?
Welchen Geltungsanspruch haben diese Geschmacksurteile?
Welche unterschiedlichen Geltungsansprüche haben diese beiden Arten von Geschmacksurteilen?
Wie begründet Hume die besonderen Geltungsansprüche des guten Kritikers?
Sie bilden die Struktur dieser Seminararbeit. Anhand von ihnen werden wir Humes' Theorie und Argumente bezüglich des ästhetischen Urteils resümieren und anschließend die Ergebnisse und Argumente dieses Vertreters des Empirismus auf ihre Gültigkeit hin untersuchen, um gegebenenfalls Kritik an seiner ästhetischen Theorie ausführen zu können. Vorab möchte ich noch anmerken, Humes' Arten der Geschmacksurteile eigene Namen gegeben zu haben, die ich aus dem jeweiligen Geltungsanspruch ableite. Die Namensgebung wird innerhalb der jeweiligen Kapitel begründet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Geschmacksurteile: verschiedene Typen
2.1 Das affektiv-subjektive Geschmacksurteil
2.2 Das reflexiv-intersubjektive Geschmacksurteil
3 Geltungsansprüche der Geschmacksurteile
3.1 Der Geltungsanspruch des affektiv-subjektiven Geschmacksurteils
3.2 Der Geltungsanspruch des reflexiv-intersubjektiven Geschmacksurteils
3.3 Der besondere Geltungsanspruch des Geschmacksurteils des guten Kritikers
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit der ästhetischen Theorie von David Hume auseinander, insbesondere mit seinem Essay "Of the Standard of Taste", um zu untersuchen, wie Hume Kriterien für guten Geschmack begründet und ob diese Geltungsansprüche einer kritischen Überprüfung standhalten.
- Analyse der verschiedenen Arten von Geschmacksurteilen bei Hume
- Untersuchung der Geltungsansprüche subjektiver versus intersubjektiver Urteile
- Die Rolle des "guten Kritikers" als Standardsetzung
- Kritische Reflexion über die Universalität ästhetischer Prinzipien
Auszug aus dem Buch
2.1 Das affektiv-subjektive Geschmacksurteil
Diese Art des Geschmacksurteils leitet Hume aus der oben genannten skeptischen Position bezüglich des Geschmacks ab. Grundlegend ist hierbei die wohl bekannte Annahme, dass die Schönheit im Auge des Betrachters liegt: „Beauty is not a quality in things themselves; it exists merely in the mind that contemplates them; and each mind perceives a different beauty“ (Hume 2006, 9). Die Schönheit ist also keine im Objekt enthaltene Eigenschaft, sondern eine Reaktion des Betrachters in Bezug auf das beobachtete Objekt. „Beauty and deformity are not qualities in objects, but belong entirely to the internal sentiments“ (ebd. 11f.).
Diese Reaktion zeigt sich in einer unmittelbaren Beurteilung von Schönheit und Hässlichkeit, Gefallen und Missfallen (vgl. ebd. 12). So unmittelbar ist das Geschmacksurteil eine affektive Reaktion des Subjekts. Sie ist nicht reflektiert, sondern eine direkte, individuelle Gefühlsregung der Lust oder Unlust in Bezug auf das Objekt.
„Unmittelbar erscheint das Geschmacksurteil als persönliche Vorliebe, die von äußeren Bedingungen und inneren Stimmungen abhängig ist und dadurch verfälscht sein kann“ (von der Lühe 1996, 219).
Diesem Geschmacksurteil liegen also Affekte des jeweiligen Individuums, hier der Lust bzw. Unlust, zugrunde, die durch die jeweiligen äußeren Bedingungen beeinflusst sind. Es ist also ein rein individuelles Geschmacksurteil. Da es sich bei diesem Geschmacksurteil um ein individuelles handelt, nennen wir es in dieser Seminararbeit das affektiv-subjektive Geschmacksurteil.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die kritische Auseinandersetzung mit David Humes ästhetischer Theorie vor und definiert die leitenden Forschungsfragen.
2 Geschmacksurteile: verschiedene Typen: In diesem Kapitel werden die Unterscheidungen zwischen affektiv-subjektiven und reflexiv-intersubjektiven Urteilen bei Hume dargelegt.
3 Geltungsansprüche der Geschmacksurteile: Hier werden die verschiedenen Geltungsansprüche analysiert, wobei insbesondere die Rolle des Kritikers und die Bedingungen für einen Standard des Geschmacks beleuchtet werden.
4 Fazit: Das Fazit stellt die erarbeitete Kritik an der Universalität von Humes Geschmackstheorie dar und hinterfragt dessen eurozentrische Perspektive.
Schlüsselwörter
David Hume, Of the Standard of Taste, Geschmacksurteil, Ästhetik, Geltungsanspruch, affektiv-subjektiv, reflexiv-intersubjektiv, guter Kritiker, Delicacy of taste, Schönheit, Empirismus, kulturelle Prägung, Kontemplation, Urteilskraft, Standard of Taste.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch David Humes Essay "Of the Standard of Taste" und untersucht, wie Hume ästhetische Urteile begründet.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Differenzierung von Geschmacksurteilen, deren Geltungsansprüche sowie die Rolle von Kultur und Tradition in der ästhetischen Bewertung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Humes Argumentation zur Objektivität von Geschmacksurteilen zusammenzufassen und kritisch auf ihre Universalität zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche und philosophische Textanalyse sowie eine kritische Argumentationsanalyse der ästhetischen Theorie Humes durchgeführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Differenzierung von Urteilstypen, die Untersuchung ihrer jeweiligen Geltungsansprüche und die Rolle des Experten, also des "guten Kritikers".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Ästhetik, Geschmacksurteil, Geltungsanspruch, Subjektivität, Intersubjektivität, Delicacy of taste und kulturelle Prägung.
Wie unterscheidet Hume zwischen dem affektiv-subjektiven und dem reflexiv-intersubjektiven Urteil?
Das affektive Urteil ist unmittelbare, individuelle Gefühlssache, während das reflexive Urteil auf Erfahrung, Vergleich und allgemeingültigen Prinzipien beruht.
Warum bezweifelt der Autor die Universalität von Humes Geschmackstheorie?
Der Autor argumentiert, dass Wahrnehmung kulturell geprägt ist und Hume eine eurozentrische Perspektive einnimmt, die keine echte Universalität zulässt.
- Arbeit zitieren
- Frank Temme (Autor:in), 2013, David Humes "Of the Standard of Taste". Über Geschmacksurteile und ihre Geltungsansprüche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/341223