Die Energiewende aus der Perspektive eines erzeugenden Stadtwerkes in kommunaler Trägerschaft mit angeschlossenem ÖPNV-Unternehmen


Hausarbeit, 2015

29 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungs- und Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die „gute alte Zeit“ oder wie es vor der Energiewende war
2.1. Rechtsgrundlage zur Energiewende
2.2. Strom- / Gaspreisentwicklung
2.3. Lastprofile und Anlaufzeiten von Kraftwerken
2.4. Versorgungssicherheit
2.5. CO2 - Zertifikatshandel
2.6. Kraft-Wärme-Kopplung

3. Der Weg in die Zukunft
3.1. Stadtwerke
3.2. Lastenverteilung zur Versorgungssicherheit

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Rechtsprechungsverzeichnis

Abkürzungs- und Abbildungsverzeichnis

Abkürzungen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungen:

Abbildung 1 Energieträger nach Anteilen an Gesamtversorgung

Abbildung 2 Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch

Abbildung 3 Verbraucherpreisindex Strom

Abbildung 4 Verbraucherpreisindex Gas

Abbildung 5 Entwicklung des Börsenstrompreises

Abbildung 6 Lastprofile

Abbildung 7 Anlaufzeiten von Kraftwerken

Abbildung 8 Unterbrechungsdauer (je Kunde in Minuten)

Abbildung 9 Kurs CO2-Zertifikate

Abbildung 10 KWK-Zuschlag

Abbildung 11 Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien

Abbildung 12 Geothermiepotenzial in Deutschland

1. Einleitung

Das Thema Energiewende ist in aller Munde und wohl die meisten Menschen in Deutschland wollen eine intakte und saubere Natur, ebenso wie bezahlbaren Strom. Doch dabei gibt es viele Punkte zu betrachten und auch zu bewerten. Was ist den Menschen wichtiger, erneuerbare und damit vermeintlich saubere Energie oder doch lieber billiger Strom? Wollen wir in Deutschland Vorreiter sein, den technologischen Fortschritt vorantreiben und auch daran wirtschaftlich profitieren oder wollen wir eine europaweite bzw. weltweite Energiepolitik? Wollen wir den Ausstieg aus der Atomstromversorgung, auch wenn unsere Nachbarn in Belgien, Frankreich, Tschechienoder Polen daran festhalten und damit ihren Strom preisgünstiger anbieten können? Sind die erneuerbaren Energien wirklich so umweltfreundlich, wie es auf den ersten Blick scheint? Was ist ein „intelligentes Netz“ und wie können wir eine effiziente Speicherung von Energie erreichen?

Da die Fragen so vielfältig sind und eigentlich alle wissenschaftlichen Bereiche, von den Naturwissenschaften über die Ingenieurswissenschaften, den Sozialwissenschaften bis zu den Wirtschaftswissenschaften betreffen, will diese Arbeit einen klar umgrenzten Teilbereich betrachten. Die Energiewende aus der Perspektive eines erzeugenden Stadtwerkes in kommunaler Trägerschaft mit angeschlossenem ÖPNV-Unternehmen und darin auch nur den Bereich der Wirtschaftswissenschaften.

In der oben beschriebenen Konstellation von Versorgungs- und Nahverkehrsunternehmenwurden in den letzten Jahrzehnten die Defizite[1] des ÖPNV durch die kommunalen Versorgungsunternehmen aufgefangen. Bedingt durch die Energiewende und die Liberalisierung des Energiemarktes, stehen gerade diese Versorgungsunternehmen vor großen Herausforderungen. Denn die Erwartungen der Kommunen liegen weiterhin in einem Defizitausgleich der angeschlossenen Verkehrsgesellschaften und gleichzeitig müssen diese Stadtwerke ihre Wirtschaftlichkeit am freien Markt beweisen. Wie ist es also möglich, dass diese Stadtwerke die Energiewende mitgehen können?

2. Die „gute alte Zeit“ oder wie es vor der Energiewende war.

In der „guten alten Zeit“ vor der Energiewende hatten Stadtwerke in der Regel eine Monopolstellung. Begünstigt durch den Umstand, dass man für Strom, Gas und Wasser immer eine physikalische Leitung bis zum Hausanschluss benötigt, hatte der Kunde keine Möglichkeit sich seinen Energieversorger am Markt frei auszuwählen. Der Wohnort bestimmte automatisch den Energieversorger.Die Menschen dachten nicht viel über Energieversorgung nach. Der Strom kam ja aus der Steckdose und der Sprit von der Tankstelle.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Energieträger nach Anteilen an Gesamtversorgung[2]

Doch bereits 1865 hat der englische Ökonom W.S. Jevons in seinem Buch „The CoalQuestion“ die Endlichkeit fossiler Energieträger untersucht.[3] In den 70er Jahres des letzten Jahrhunderts kam dann die ökologische Bewegung auf und das Thema Energiesparen oder Atomausstieg drang in das Bewusstsein der Bürger und Politiker. Es gab einen „autofreien Sonntag“[4], denn bedingt durch den Jom Kippur Krieg zwischen Ägypten, Syrien und Israel stieg der Erdölpreis stark an. Den Menschen wurde bewusst, dass fossile Brennstoffe endlich und in der Bundesrepublik Deutschland nicht ausreichend vorhanden waren.

Die Basis der Energieversorgung in Deutschland[5] bildete im Jahr 1973 das Öl, gefolgt von Kohle und Gas. Die vorstehende Grafik der International Energy Agency (IEA) macht deutlich, dass sich bis zum Jahr 2011 keine signifikante Änderung der prozentualen Verteilung bei den Anteilen an der Gesamtversorgung in Richtung der erneuerbaren Energien ergeben hat, obwohl seit dem Jahr 2000 ein Ausbau der erneuerbaren Energien angedacht war.[6]

Am 12.-16. März 2011 kam es in einem Kernkraftwerk im japanischen Ōkuma (Fukushima) zu mehreren Wasserstoffexplosionen und einem GAU. Bedingt durch ein Seebeben (11. März 2011), verbunden mit einem Tsunami, fiel das Notkühlsystem für die Kraftwerksblöcke aus und es kam zu einer Kernschmelze.[7]

Am 14. März 2011 werden sieben älter Kernkraftwerke in Deutschland abgeschaltet.

Am 29. März 2011 setzt die Bundeskanzlerin eine Reaktorsicherheitskommission und eine Ethikkommission "Sichere Energieversorgung" ein.

Am 30. Mai 2011 übergibt die Ethikkommission "Sichere Energieversorgung" ihren Abschlussbericht an die Bundeskanzlerin.

Am 06. Juni 2011 verkündet die Bundeskanzlerin das „Maßnahmenpaket zur Energie der Zukunft“mit dem weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien und dem Ausstieg aus der Kernenergie.[8]

Betrachtet man in diesem Zusammenhang den Anteil der erneuerbaren Energieträger am Bruttostromverbrauch, ergibt sich folgendes Bild:[9]

In den Jahren 2011 und 2012 kam es zu einem überdurchschnittlichen Anstieg im Bereich der erneuerbaren Energien um mehr als 3 %, danach flachte sich der Anstieg wieder ab und blieb nahe den Werten seit 2004. Die Ursache für den generellen Anstieg seit dem Jahr 2000 liegt dabei in dem Erneuerbare-Energien-Gesetz[10] (EEG), das im Jahr 2004 eine erste Änderung erfuhr.[11]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch

Die in dieser Arbeit betrachtete Energiewende ist also die, die mit Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes im Jahr 2000 politische gewollte Umstrukturierung der Energieversorgung hin, zu mehr Sonnen- und Windenergie. (siehe auch Abbildung 11: Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien)

2.1. Rechtsgrundlage zur Energiewende

Der Ursprung einer rechtlich normierten Energiewende und auch der Begriffe der Energiewende selbst findet sich in der Ökologie- und Anti-AKW-Bewegung vom Ende der 1970er Jahre.[12] Im Jahr 1991 trat dann, mit dem Stromeinspeisungsgesetz[13],die erste Rechtsgrundlage in Kraft, die den Umbau der Energieversorgung von einer fossilen auf eine regenerative Basis schaffen sollte. Nachfolger des Stromeinspeisungsgesetzes wurde das Erneuerbare-Energien-Gesetz, das laufend Änderungen erfährt, um die politisch gewollten Ziele weiter zu verfolgen. Das EEG erfuhr seit dem Jahr 2000 bereits vier Änderungen, in den Jahren 2004, 2009, 2012 und 2014.[14] Darüber hinaus gibt es zahlreiche europäische und nationale Strategien, Gesetze und Verordnungen, die das Energieversorgungssystem in Deutschland beeinflussen.

„ENERGIEKONZEPT DER BUNDESREGIERUNG

Grundlage für die Energiepolitik der Bundesregierung sind die im Energiekonzept vom 28.09.2010 formulierten Leitlinien für eine umweltschonende, zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung, die den Weg in das Zeitalter der erneuerbaren Energien beschreiben.“[15] Diese Leitlinien besagen, dass die erneuerbaren Energien eine tragende Säule der zukünftigen Energieversorgung werden sollen. Die Energieeffizienz soll verbessert werden, die Netzinfrastruktur soll weiter ausgebaut und modernisiert werden. Fossile Kraftwerke sollen bei einem dynamischen Energiemix keine so große Rolle mehr spielen und Kernenergie soll nur noch als Brückentechnologie dienen.[16]

„ENERGIEWIRTSCHAFTSGESETZ (EnWG)

Das Gesetz definiert die Rahmenbedingungen für eine sichere, preisgünstige, verbraucherfreundliche und umweltverträgliche Versorgung mit Strom und Gas. Es reguliert die Elektrizitäts- und Gasversorgungsnetze, um einen wirksamen und unverfälschten Wettbewerb zu gewährleisten. Es setzt zugleich das Europäische Gemeinschaftsrecht auf dem Gebiet der leitungsgebundenen Energieversorgung um.“[17] Mit dem EnWG als Basis wurden weitere Gesetze erlassen, die die im Energiekonzept der Bundesregierung und im EnWG enthaltenen Forderungen beschleunigen oder unterstützen sollen. Folgende Gesetze sind in dieser Arbeit außerdem von besonderer Bedeutung:

„KRAFT-WÄRME-KOPPLUNGSGESETZ (KWKG)

Die Stromerzeugung aus Kraft-Wärme-Kopplung soll bis zum Jahr 2020 auf 25 % steigen. Hierzu sind Abnahme und Vergütung des Stroms aus KWK-Anlagen geregelt. Zuschläge für den Neu- und Ausbau von Wärme- und Kältenetzen sowieWärme- und Kältespeichern sind ebenso definiert.“[18] Eine Novellierung des KWKG ist geplant[19] und wurde am 02.07.2015 vom Bundeswirtschaftsminister verkündet.[20]

„ENERGIE- UND KLIMAFONDSGESETZ (EKFG)

Zur Finanzierung der mit dem Energiekonzept vom 28.09.2010 verbundenen zusätzlichen Aufgaben wurde der Energie- und Klimafonds (EKF) errichtet. Mit diesem Sondervermögen lassen sich u. a. Maßnahmen in den Bereichen erneuerbare Energien, Energieeffizienz sowie nationaler Klimaschutz finanzieren. In Regierungsbeschlüssen vom Juni und Juli 2011 wurden die Versteigerungserlöse von CO2-Emissionszertifikaten als einzige Einnahmequelle fest geschrieben(sic!).“[21]

„ENERGIESICHERUNGSGESETZ (EnSiG)

Das Gesetz regelt die Versorgung des lebenswichtigen Energiebedarfs für den Fall, dass die Energieversorgung unmittelbar gefährdet oder gestört ist und diese Störung nicht rechtzeitig behoben werden kann.“[22] Darüber hinaus gibt es 18 weiter Gesetzte und 32 Verordnungen, die das Energieversorgungssystem in der Bundesrepublik Deutschland regeln.[23]

2.2. Strom- / Gaspreisentwicklung

Eine Forderung der Bundesregierung liegt[24] in einerbezahlbaren Energieversorgung[25], jedoch soll der Energiemarkt gleichzeitig liberalisiert und geöffnet werden. Der Kunde (Endverbraucher) soll seinen Energieversorger frei wählen können und durch den so entstehenden Wettbewerb sollen mittelfristig die Verbraucherpreise sinken.[26]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 Verbraucherpreisindex Strom[27]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4 Verbraucherpreisindex Gas[28]

[...]


[1] Vgl. Storchmann, K-H. (1999), S. 83 ff.

[2] Quelle: bpb (2013), Primärenergie-Versorgung.

[3] Vgl. Söllner, F. (2015), S. 122.

[4] Vgl. Schmidt, V. (2013), Am Sonntag zum "Ölsparwandertag".

[5] Vgl. bpb (2013), Primärenergie-Versorgung.

[6] Vgl. EEG (2000).

[7] Vgl. dpa (2015), dpa Chronik 2011.

[8] Vgl. Bundesregierung (2015), Jahresrückblick 2011.

[9] Vgl. Statistisches Bundesamt (2015), Erneuerbare Energie.

[10] Vgl. EEG (2000).

[11] Vgl. EEG (2004).

[12] Vgl. Maubach, K.-D. (2014), S. 29 ff.

[13] Vgl. StromEinspG (1990).

[14] Vgl. Maubach, K.-D. (2014), S. 9 ff.

[15] BMWi (2014), Gesetzeskarte für das Energieversorgungssystem.

[16] Vgl. Bundesregierung (2010), Das Energiekonzept.

[17] BMWi (2014), Gesetzeskarte für das Energieversorgungssystem.

[18] BMWi (2014), Gesetzeskarte für das Energieversorgungssystem.

[19] Vgl. BMWi (2015), KWKG 2015.

[20] Vgl. BMWi (2015), Gabriel: Energiewende wird jetzt unumkehrbar.

[21] BMWi (2014), Gesetzeskarte für das Energieversorgungssystem.

[22] ebenda.

[23] Vgl. ebenda.

[24] Da die Bereiche Wasser- und Fernwärmeversorgung noch nicht der Regulierung nach dem EnWG unterliegen, wird auf eine Betrachtung im Rahmen dieser Arbeit verzichtet.

[25] Vgl. Bundesregierung (2010), Das Energiekonzept.

[26] Vgl. Brunnengräber, A., Di Nucci M. R. (2014), S. 133 ff.

[27] Entnommen aus: Statistisches Bundesamt (2015), Preise, Daten zur Energiepreisentwicklung, S. 15.

[28] Entnommen aus:ebenda, S. 14.

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Die Energiewende aus der Perspektive eines erzeugenden Stadtwerkes in kommunaler Trägerschaft mit angeschlossenem ÖPNV-Unternehmen
Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
29
Katalognummer
V341294
ISBN (eBook)
9783668308855
ISBN (Buch)
9783668308862
Dateigröße
1169 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wirtschaftspolitik, Energiewende, Stadtwerk, kommunaler Trägerschaft mit angeschlossenem ÖPNV
Arbeit zitieren
Marco Mertens (Autor:in), 2015, Die Energiewende aus der Perspektive eines erzeugenden Stadtwerkes in kommunaler Trägerschaft mit angeschlossenem ÖPNV-Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/341294

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