Auf den ersten Blick scheinen die Brüder Thomas und Christian Buddenbrook völlig gegensätzliche Charaktere darzustellen, nach und nach treten jedoch auch Gemeinsamkeiten der beiden Figuren auf. Sie erscheinen zunehmend als Repräsentanten einer Gegebenheit: des Verfalls der Kaufmannsfamilie. Die Brüder weisen vielfältige Symptome eines Krankheitsbildes auf, das in beiden Fällen auf unterschiedliche Weise zur Lebensuntauglichkeit und letztendlich zum Scheitern führt.
Die vorliegende Hausarbeit zeigt, wie es dem Autor gelingt, den Verfall der Kaufmannsfamilie Buddenbrook mit den beiden jeweils auf ihre Weise "entarteten Lebensformen" Thomas und Christian darzustellen. Dabei wird vor allem auf die Entwicklung ihrer '"als Kennzeichen einer vorhandenen Neurasthenie gewertet[en]“ Krankheitssymptome und die vom Autor beschriebene fortschreitende Degeneration ihrer Persönlichkeit Bezug genommen. Beide Charaktere werden zunächst kurz vorgestellt und ihre Entwicklung im Romanverlauf geschildert; daran anschließend wird ihr Verhältnis zueinander beschrieben. Zusammenfassend werden beide Figuren im Hinblick auf ihr Auftreten und die Entwicklung ihrer Krankheiten im Romanverlauf vergleichend gegenübergestellt, um so noch einmal ihren eigenen Verfall und damit ihren Beitrag zum Verfall der gesamten Familie zu verdeutlichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Charakterisierung Thomas und Christian Buddenbrooks
2.1 Thomas Buddenbrook- ein erfolgreicher Kaufmann?
2.2. Christian Buddenbrook- der arbeitsscheue Hypochonder
3. Betrachtung des brüderlichen Verhältnisses
4. Gegenüberstellung der Charaktere Thomas und Christian Buddenbrooks
4.1. Das Leben als ein Schauspiel
4.2. Thomas’ und Christians Krankheiten und die Entwicklung des Verfalls
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Verfall der Kaufmannsfamilie Buddenbrook anhand der gegensätzlichen, aber gleichermaßen zum Scheitern verurteilten Charaktere Thomas und Christian Buddenbrook, um deren individuellen Degenerationsprozess und deren Beitrag zum Niedergang der Familie aufzuzeigen.
- Charakteranalyse von Thomas und Christian Buddenbrook
- Untersuchung der brüderlichen Spannungen und Entfremdung
- Die Metaphorik von Krankheit und Neurasthenie im Roman
- Theater und Schauspiel als Symbol für den Identitätsverlust
- Der Einfluss von Familienverfall und Lebensuntauglichkeit
Auszug aus dem Buch
2.1 Thomas Buddenbrook- ein erfolgreicher Kaufmann?
Thomas scheint die positiven Eigenschaften der Buddenbrookschen Familie in sich zu vereinen. Er wird in das Romangeschehen eingeführt, indem ihn der die Familie besuchende Dichter Hoffstede in folgender Weise beschreibt: „Thomas, das ist ein solider und ernster Kopf; er muss Kaufmann werden, darüber besteht kein Zweifel.“ Auch das Äußere des jungen Thomas wird durch den Erzähler beschrieben: „Seine Zähne waren nicht besonders schön, sondern klein und gelblich. Aber [ ] er ähnelte in den Augen und in der Gesichtsform stark seinem Großvater.“ Diese Familienähnlichkeit lässt sich als ein „deutlicher Hinweis darauf [deuten], dass von den beiden Brüdern Thomas der rechte ist, der eigentliche Nachfolger in der Linie der Väter und Söhne und der, der das Familienvorbild [ ] am reinsten bewahrt und verkörpert“.
Dass seine eher mangelhaften Zähne bereits an dieser Stelle und auch im weiteren Romanverlauf immer wieder erwähnt werden, deutet auf den leitmotivischen Charakter dieser hin.
Seiner augenscheinlichen Vorbestimmung folgend, ergreift Thomas dann auch den Kaufmannsberuf. Doch das zunächst positiv erscheinende Bild eines „künftigen erfolgreichen Prinzipal[s] der angesehenen Firma“ , der selbst seine Liebe aus Familien- und Firmeninteressen aufgibt und die vornehme, aber kühle Gerda Arnoldsen heiratet, wird schon bei der Übernahme der Geschäfte nach dem Tod des Vaters getrübt: Thomas legt zwar „in Miene und Haltung ein ernstes Würdegefühl an den Tag“ aber bei der Beschreibung seines Äußeren „fällt [ ] die Häufung der Begriffe bleich, weiß, frostige Blässe, bläuliche Färbung auf, die alle nicht gerade als Kennzeichen einer robusten Konstitution anzusehen sind.“
Diese sich schon andeutende „Widersprüchlichkeit seiner Konstitution und seines Verhaltens“ wird im Fortgang der Erzählung immer deutlicher. Thomas’ äußere Fassade aus „Pflichtbewußtsein, Selbstdisziplin und Erfolgsstreben“ steht seiner konstitutionell beeinträchtigten körperlichen Verfassung gegenüber, ohne dass eine Krankheit fixierbar wäre.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der degenerativen Entwicklung der Brüder Buddenbrook als Repräsentanten des Familienverfalls ein und definiert das methodische Vorgehen.
2. Charakterisierung Thomas und Christian Buddenbrooks: Dieses Kapitel analysiert die Rollen von Thomas als vermeintlich erfolgreichem Kaufmann und Christian als arbeitsscheuem Hypochonder.
3. Betrachtung des brüderlichen Verhältnisses: Hier wird die zunehmende Entfremdung und die gegenseitige Abneigung der Brüder untersucht, die in einer emotionalen Identifikationskrise wurzelt.
4. Gegenüberstellung der Charaktere Thomas und Christian Buddenbrooks: In diesem Teil werden die Figuren direkt kontrastiert, wobei insbesondere die Theatermetaphorik und die unterschiedliche Krankheitswahrnehmung beleuchtet werden.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass beide Brüder trotz ihrer gegensätzlichen Ansätze gleichermaßen zur Lebensuntauglichkeit und zum Untergang der Familie beitragen.
Schlüsselwörter
Thomas Buddenbrook, Christian Buddenbrook, Thomas Mann, Buddenbrooks, Familienverfall, Neurasthenie, Degeneration, Charakterstudie, Literaturwissenschaft, Kaufmannsfamilie, Identitätsverlust, Krankheitsmotive, Hypochondrie, Rollenkonflikt, Romananalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Verfall der Kaufmannsfamilie Buddenbrook in Thomas Manns gleichnamigem Roman durch einen Vergleich der beiden Brüder Thomas und Christian.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören der Niedergang des Bürgertums, die psychologische Konstitution der Protagonisten, Krankheitsmetaphorik und die Unvereinbarkeit von Kunst und Geschäft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie beide Brüder trotz unterschiedlicher Charaktereigenschaften an ihrem eigenen Zerfall und dem der gesamten Familie mitwirken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse des Romantextes, unterstützt durch Sekundärliteratur zur Interpretation von Thomas Manns Frühwerk.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Charaktere zunächst einzeln analysiert, das brüderliche Verhältnis untersucht und schließlich eine direkte Gegenüberstellung hinsichtlich ihrer Krankheiten und Rollenbilder vorgenommen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Familienverfall, Neurasthenie, Degeneration, Identitätskrise und die Charakterkonstellation Thomas versus Christian.
Warum wird Thomas’ Tod mit einem verfaulten Zahn in Verbindung gebracht?
Dies wird im Dokument als Metonymie gedeutet, die den verfallenden Körper Thomas’ mit der allgemeinen Morbidität des Familienunternehmens verknüpft.
Welche Rolle spielt das „Theater“ in dieser Analyse?
Das Theater dient als zentrale Metapher: Während Christian sein Inneres nach außen kehrt, nutzt Thomas es als Maske, um seinen Zusammenbruch zu verbergen.
- Arbeit zitieren
- Kristin Rohbock (Autor:in), 2011, Eine vergleichende Betrachtung der Brüder Buddenbrook und der Verfall der Familie. „Die Ehre, der Kränkere zu sein“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/341453