Gewalt und Kriminalität in Südafrika vor, während und nach der Apartheid. Eine Untersuchung anhand Senghaas' zivilisatorischen Hexagons

Hat sich nach der Apartheid in Südafrika eine friedliche Gesellschaft entwickelt?


Hausarbeit, 2015
15 Seiten, Note: 2
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das zivilisatorische Hexagon

3. Der Gewaltbegriff nach Galtung

4. Der Fall Südafrika
4.1 Kulturelle Gewalt
4.2 Strukturelle Gewalt
4.3 Direkte Gewalt
4.4 Resumé

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Jahr 2013 veröffentlichte der Spiegel einen Artikel zur Polizeigewalt in Südafrika. Hierbei ging es um einen schwarzen Taxifahrer in Johannesburg, welcher ohne nennenswerten Grund von Polizisten aus seinem Taxi gezerrt wurde und anschließend am Polizeiauto festgebunden zum Polizeirevier geschleift wurde. Dieser Vorfall brutaler unbegründeter Gewalt, erinnert an die Zeit der Apartheid.

Immer wieder hört man von gewalttätigen Übergriffen gegen Schwarze in Südafrika, obwohl die Apartheid seit 1994 abgeschafft ist. Es stellt sich die Frage, wie sich Südafrika mehr als zwanzig Jahre nach Ende der Apartheid gesellschaftlich und politisch entwickelt hat.

Die Hausarbeit befasst sich also mit der Frage, ob sich nach der Apartheid in Südafrika im Bezug auf den Umgang mit Gewalt eine friedliche Gesellschaft entwickeln konnte. Analysiert wird diese Frage anhand der Gewalt und Kriminalität in Südafrika während und nach der Apartheid.

Zunächst werden die Voraussetzungen zur Entstehung von Frieden anhand des gängigen Modells des zivilisatorischen Hexagons von Dieter Senghaas, die eine friedliche Gesellschaft entstehen lassen können untersucht.

Darauffolgend werden die Formen der Gewalt nach der Definition von Johann Galtung erläutert, welche anschließend auf den konkreten Fall Südafrika übertragen werden. Hierbei werden die Ausmaße der verschiedenen Gewaltformen jeweils während und nach Ende der Apartheid betrachtet.

Nicht näher betrachtet werden andere Modelle zur Entstehung einer friedlichen Gesellschaft sowie alternative Gewaltdefinitionen.

2. Das zivilisatorische Hexagon

Das zivilisatorische Hexagon nach Dieter Senghaas beschreibt eine Konstruktion sich gegenseitig stützender Bedingungen für Frieden. Hierbei ist bedeutend, dass Senghaas den Frieden als einen Zivilisierungsprozess versteht (Senghaas 1995, 197). Frieden und Zivilisierung werden als identische Tatbestände angesehen (vgl. Zürn 2000, 25).

Der Satz „Si vis pacem, para pacem“ [Wenn du den Frieden willst, bereite den Frieden] (ebd., 223) beschreibt diesen Prozess. Er sagt aus, dass wenn Friede im Sinne der Zivilisierung von Politik geschaffen werden soll, man diesen Frieden vorzubereiten hat.

Nach Senghaas gibt es folgende sechs Zivilisierungskriterien:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„Wesentlich für jeden Zivilisierungsprozeß ist die Entprivatisierung der Gewalt bzw. die Herausbildung eines legitimen, in aller Regel staatlichen Gewaltmonopols, dem die einzelnen untergeordnet sind (Entwaffnung der Bürger)" (Senghaas 1995, 198). Der Staat als Inhaber des Gewaltmonopols ist demnach Grundvoraussetzung für einen Zivilisierungsprozess.

Dies setzt nach Senghaas die Herausbildung einer Rechtsstaatlichkeit voraus die dafür sorgen soll, dass das oben genannte Gewaltmonopol nicht missbraucht wird (Zürn 2000, 24). Rechtstaatlichkeit bedeutet im Allgemeinen die Überprüfung der Rechte durch eine Gerichtbarkeit.

Desweiteren soll die Gesellschaft ihre Mitglieder vor Diskriminierung und Armut schützen und so soziale Gerechtigkeit schaffen (Senghaas 1995, 201). Verwirklicht wird dies zum Bespiel durch Gleichbehandlung oder Sozialleistungen durch den Staat.

Hierauf baut die demokratische Partizipation auf, welcher verlangt, dass jeder Bürger ein Anrecht auf Beteiligung an öffentlichen Entscheidungsfindungen haben muss (Zürn 2000, 24). Beispiel der demokratischen Partizipation sind etwa freie Wahlen.

Eine ganz zentrale Rolle der Zivilisierung einer Gesellschaft spielt der Aspekt der Interdependenzen. Hierzu schreibt Senghaas folgendes:

"Die Entprivatisierung von Gewalt und die Sozialisation in eine Fülle von institutionalisierten Konfliktregelungen implizieren eine Kontrolle von Affekten. Solche Selbstkontrolle wird maßgeblich durch die Herausbildung von großflächig angelegten Verflechtungen und gegenseitigen Abhängigkeiten unterstützt…“ (Senghaas 1995, 200).

Die Mitglieder einer Gesellschaft stehen also in wechselseitiger Abhängigkeit zueinander. Eine friedliche Gesellschaft kann demnach nur bestehen, wenn alle Mitglieder auf Gewalt verzichten und sich gegenseitig anerkennen. Daher wird die Toleranz und Kompromissfähigkeit als elementar angesehen (ebd., 200).

Solch eine gemeinsame Identität, welche Senghaas „Tiefenbindung“ (Senghaas 1994, 23) nennt, führt dazu, eine Gesellschaft weniger konflikt– und gewaltträchtig zu machen. Findet diese Anerkennung nicht statt, fehlt es an gesellschaftlicher Harmonie. Die Folge ist, dass der Staat dem Bürger weniger Verantwortung übertragen wird. Die demokratische Partizipation des einzelnen Bürgers würde auf Dauer verringert werden.

Wie elementar der Gewaltverzicht für das Funktionieren des Hexagons ist wird deutlich, wenn man das letzte Kriterium, die Konfliktkultur, näher betrachtet.

Hierbei ist die Voraussetzung, dass Konflikte und Meinungsverschiedenheiten kompromissorientiert auszutragen (ebd., 202). Wird ein Konflikt, entgegen des Hexagons, gewaltorientiert ausgetragen, kann nicht mehr von einer Konfliktkultur gesprochen werden.

Aus diesen Überlegungen lässt sich ableiten, dass der Gewaltverzicht eine zentrale Rolle für das friedliche Zusammenleben sowie für den Zivilisierungsprozess einnimmt. Im Folgenden wird näher erläutert, was unter Gewalt zu verstehen ist.

3. Der Gewaltbegriff nach Galtung

Der Begriff „Gewalt“ ist sehr komplex. Anerkannt ist wird der Gewaltbegriff nach Galtung, der hier näher betrachtet wird. Der Friedensforscher und Soziologe Johan Galtung beschreibt drei Formen von Gewalt, welche zusammen auftreten und in Abhängigkeit zueinander stehen. Bricht in einer Ecke Gewalt aus, kann diese schnell auf die anderen Formen übergehen.

Galtung unterscheidet die direkte oder personelle Gewalt, die strukturelle Gewalt sowie die kulturelle Gewalt (Cultural Violence 1990, 294).

Die direkte Gewalt schließt alle Aktionen ein, bei welchen der Gewaltakt unmittelbar sichtbar ist. Hier bezieht sich also die Handlung auf eine konkrete Person. Beispiele für direkte Gewalt sind mitunter Mord sowie auch sexuelle Gewalt. (Strukturelle Gewalt 1975, 10f.)

Während die Aktionen bei der direkten Gewalt auf einzelne Personen zurückzuführen sind, handelt es sich bei der strukturellen Gewalt um ein System und nicht um eine konkrete Person, das Schaden zufügt. Dieses System ist geprägt von ungleichen Machtstrukturen und in daraus resultierender sozialer Ungerechtigkeit. (ebd, 10)

Galtung definiert außerdem noch den Begriff der kulturellen Gewalt. Hierbei wird versucht die Formen der direkten sowie der strukturellen Gewalt zu legitimieren. Dies geschieht dadurch, dass der Gesellschaft Muster in Form von Ideologien oder Glaubensrichtungen aufgezeigt werden, die Gewalt rechtfertigen sollen oder sie als normal anzusehen (Cultural Violence, 291f.). In diesem Zusammenhang wird auch von einem „undurchsichtig machen“ von Gewalt gesprochen (ebd., 292).

Im Folgenden wird anhand des zivilisatorischen Hexagons von Senghaas und unter Berücksichtigung des Gewaltbegriffs nach Galtung untersucht werden, ob sich in Südafrika nach der Apartheid eine friedliche Gesellschaft entwickelt hat.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Gewalt und Kriminalität in Südafrika vor, während und nach der Apartheid. Eine Untersuchung anhand Senghaas' zivilisatorischen Hexagons
Untertitel
Hat sich nach der Apartheid in Südafrika eine friedliche Gesellschaft entwickelt?
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Institut für Politikwissenschaften)
Veranstaltung
Einführung in die Politikwisseschaften
Note
2
Jahr
2015
Seiten
15
Katalognummer
V341814
ISBN (eBook)
9783668315792
ISBN (Buch)
9783668315808
Dateigröße
837 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gewalt, kriminalität, südafrika, apartheid, eine, untersuchung, senghaas, hexagons, gesellschaft
Arbeit zitieren
Anonym, 2015, Gewalt und Kriminalität in Südafrika vor, während und nach der Apartheid. Eine Untersuchung anhand Senghaas' zivilisatorischen Hexagons, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/341814

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