Der Wirtschaftskreislauf und dessen quantitative Erfassung. Wie funktioniert die Ökonomie?


Hausarbeit, 2016

36 Seiten, Note: sehr gut

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Kernfrage und Zielsetzung
1.2 Vorgehensweise

2 Grundlagen und Begriffserklärungen
2.1 Wissenschaftliche Einordnung
2.1 Bedürfnisse – Bedarf – Güter
2.2 Abbildung der Realität durch Modelle

3 Der Wirtschaftskreislauf
3.1 Einfacher Wirtschaftskreislauf
3.2 Erweiterung des Wirtschaftskreislaufs
3.3 Der Staat im Wirtschaftskreislauf
3.4 Öffnung der Volkswirtschaft

4 Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung
4.1 Das Bruttoinlandsprodukt als Bewertungsgröße einer Volkswirtschaft
4.1.1 Entstehungsrechnung
4.1.2 Verwendungsrechnung
4.1.3 Verteilungsrechnung
4.2 Zahlungsbilanzen
4.2.1 Die Leistungsbilanz
4.2.2 Die Bilanz der Vermögensübertragungen
4.2.3 Die Kapitalbilanz
4.2.4 Der Saldo der statistisch nicht aufgliederbaren Transaktionen

5 Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung der Bundesrepublik Deutschland
5.1 Entstehungs-, Verwendungs- und Verteilungsrechnung
5.2 BIP-Vergleich
5.3 Zahlungsbilanzen der BRD

6 Schlussbetrachtung
6.1 Zusammenfassung der Ergebnisse
6.2 Kritische Würdigung
6.2.1 Wirtschaftskreislauf
6.2.2 Erfassungs- und Bewertungsprobleme des BIP
6.3 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Einfacher Wirtschaftskreislauf

Abbildung 2: Erweiterter Wirtschaftskreislauf

Abbildung 3: Erweiterter Wirtschaftskreislauf mit Staat

Abbildung 4: Offener Wirtschaftskreislauf

Abbildung 5: Rechnungsmethoden des BIP

Abbildung 6: Bruttoinlandsprodukt

Abbildung 7: Zusammensetzung des BIP nach Verwendung in

Abbildung 8: Top 20 Länder nach BIP pro Kopf in

Abbildung 9: Aufbau der Zahlungsbilanz

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Entstehungsrechnung

Tabelle 2: Verwendungsrechnung

Tabelle 3: Verteilungsrechnung

Tabelle 4: Abgrenzung BIP und BNE

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Jede Volkswirtschaft hat seine eigenen Abläufe, Zusammenhänge und Wirkungsweisen, jedoch haben die Volkswirtschaften jeder Nation grundsätzlich eine Gemeinsamkeit: die Komplexität und Dynamik. Aufgrund des starken Einflusses verschiedener Faktoren können die grundlegenden volkswirtschaftlichen Abläufe und Zusammenhänge nur bis zu einem gewissen Grad analysiert bzw. nachvollzogen werden.

Die grundsätzliche Herausforderung liegt in der Annahme, dass die knappen Ressourcen einzelner Teilnehmer einer Volkswirtschaft zur bestmöglichen Befriedigung der Bedürfnisse eingesetzt werden. Das Streben der einzelnen Wirtschaftssubjekte nach Bedürfnisbefriedigung hat direkten Einfluss auf den Wohlstand einer gesamten Volkswirtschaft. Wie gut oder wie schlecht es einer Volkswirtschaft geht, kann anhand des Gesamteinkommens beurteilt werden.

1.1 Kernfrage und Zielsetzung

Die Kernfrage der vorliegenden Arbeit ist, wie eine Ökonomie funktioniert. Beantwortet wird dies vor allem durch Verwendung des Wirtschaftskreislaufs.

Dabei ist es wichtig, die passende Perspektive einzunehmen, um nicht einzelne Wirtschaftssubjekte, z.B. Unternehmen mit ihren Aktivitäten wie Beschaffung, Produktion und Absatz, zu betrachten, sondern aus der Vogelperspektive eine gesamte Ökonomie zu betrachten.

Die Darstellung der Beziehungen der Wirtschaftssubjekte ist zum Verständnis einer Ökonomie essentiell. Es ist wichtig, die Zusammenhänge aufzuzeigen und zu verstehen, um so die starke Verflechtung der Wirtschaftssektoren innerhalb und außerhalb der Landesgrenzen zu begreifen.

Wie eingangs beschrieben, strebt jede Volkswirtschaft mindestens die Erhaltung des aktuellen Wohlstandsniveaus, im besten Fall die Erhöhung des Wohlstandes, an. Diese Arbeit beschreibt ebenfalls, wie die Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft gemessen werden kann.

Zusätzliches Ziel ist es, dem Leser wichtige Informationen bezüglich der Funktionsweise einer Ökonomie und der Abhängigkeit der einzelnen Wirtschaftssektoren bereitzustellen. Für dieses Bestreben wurde folgendermaßen vorgegangen.

1.2 Vorgehensweise

Die vorliegende Arbeit gliedert sich in sechs Kapitel. Kapitel eins dient der Hinführung zum Thema und beschreibt das Ziel dieser Arbeit.

In zweiten Kapitel werden die für die Arbeit grundlegenden Begriffe definiert und die Prämissen zur Nutzung des Wirtschaftskreislaufs erklärt.

Drauf aufbauend wird im dritten Kapitel der Wirtschaftskreislauf stufenweise aufgebaut. Beginnend mit dem einfachen Kreislauf werden Schritt für Schritt weitere Sektoren hinzugefügt bis hin zur Öffnung der Volkswirtschaft mit Berücksichtigung des Auslandes.

Kapitel vier legt ein besonderes Augenmerk auf die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung. Es wird sowohl das Bruttoinlandsprodukt beschrieben als auch die Berechnungsmöglichkeiten erläutert. Der zweite Teil dieses Kapitels beleuchtet den Aufbau und die Funktionsweise der Zahlungsbilanz mit seinen Teilbilanzen.

Im fünften Kapitel werden die erarbeiteten Erkenntnisse mit konkreten Zahlen der Bundesrepublik Deutschland erweitert. Hierbei geht es sowohl um das BIP als auch um die Zahlungsbilanz.

Zuletzt werden die wichtigsten Erkenntnisse der Arbeit zusammengefasst und die Bewertung einer Volkswirtschaft anhand des BIP kritisch beleuchtet.

2 Grundlagen und Begriffserklärungen

In diesem Abschnitt werden die Grundlagen erarbeitet, die essentiell für die Einhaltung eines festgelegten, volkswirtschaftlichen Rahmens sind.

Es erfolgt daher zunächst eine Definition der Volkswirtschaftslehre, welche dann zu anderen Wirtschaftswissenschaften abgegrenzt wird.

Zudem werden die Begriffe „Bedürfnis“, „Bedarf“ und „Gut“ kurz erläutert und Aufgaben und Bedeutung erarbeitet, um darauf aufbauend den Leser mit dem Wirtschaftskreislauf und seiner Funktion vertraut zu machen.

2.1 Wissenschaftliche Einordnung

Der Begriff „Ökonomie“leitet sich aus dem altgriechischen Wort„ oikos“ (Haus) und„ nomos“ (Gesetz“) ab.[1]

Aufgabe der Ökonomie ist es, die menschlichen Bedürfnisse nach Gütern und Dienstleistungen mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen zu befriedigen.

Ökonomie kann als Fachbegriff für Wirtschaftswissenschaften verwendet werden und spaltet sich in die Volkswirtschaftslehre (VWL) und die Betriebswirtschaftslehre (BWL) auf.

Die BWL legt den Fokus auf die Betrachtung innerhalb eines Unternehmens und behandelt Themen, die der Beschaffung, Produktion, Finanzierung sowie dem Marketing und Management dienen. Die VWL untersucht dagegen vorwiegend Zusammenhänge und Einflüsse aller Wirtschaftssubjekte.[2]

2.1 Bedürfnisse – Bedarf – Güter

Um die Zusammenhänge der Wirtschaftssubjekte im weiteren Verlauf der Arbeit aufzuzeigen, ist es erforderlich, die Begriffe „Bedürfnis“, „Bedarf“ und „Güter“ kurz zu definieren.

Unter einem Bedürfnis wird das Empfinden eines Mangels verbunden mit dem Wunsch nach Mangelbeseitigung bezeichnet.[3] Hierbei kann zwischen materiellen und immateriellen Bedürfnissen unterschieden werden.

Der „Bedarf entsteht, wenn einem Bedürfnis Kaufkraft gewidmet wird“.[4] Der Bedarf kann in diesem Zusammenhang auch als Nachfrage definiert werden.

Das Pendant hierzu sind Güter, welche im wirtschaftlichen Sinne Waren und Dienstleistungen darstellen und der Befriedigung der Bedürfnisse dienen. Auf eine weitere Klassifizierung von Güterarten[5] wird hier verzichtet, da dies für die vorliegende Arbeit nicht von Relevanz ist.

2.2 Abbildung der Realität durch Modelle

Für die Darstellung wirtschaftlicher Zusammenhänge ist angesichts der Komplexität das Treffen von Annahmen ein unerlässliches Vorgehen. So werden ausgehend von Beobachtungen der Realität Modelle aufgestellt, welche als vereinfachte Abbildungen genutzt werden. Durch die Abstraktion, dem Ausblenden und Vernachlässigen von Sachverhalten, können Einflüsse und Auswirkungen veränderter Parameter aufgezeigt und konkrete Ergebnisse abgeleitet werden.[6]

Das Denken in Modellen ist ein wesentliches Merkmal der Volkswirtschaftslehre, birgt jedoch auch gewissen Risiken. So kann durch eine zu starke Abstraktion die Realität „verzerrt“ und dementsprechend falsche Ergebnisse abgeleitet werden. Aus diesem Grund wird versucht, Modelle durch stetige Hinzunahme weiterer „realitätsnaher“ Einflussgrößen zu verbessern. Ein geeignetes Beispiel ist hier der Wirtschaftskreislauf, welcher in den folgenden Kapiteln im Detail aufgezeigt wird.

Bei der Entwicklung von Theorien ist somit zum einen eine Abstraktion der Realität durch die Verwendung von Modellen und zum anderen die Anwendung der ceteris-paribus-Klausel notwendig. Der ceteris-paribus dient dazu, den Einfluss einer (oder weniger) variablen Größen bei sonst unveränderten Bedingungen aufzuzeigen.[7]

Bei der Verwendung von Modellen ist es zudem wichtig, einzelnen Akteuren bestimmte Verhaltensweise zu unterstellen, da sonst eine Betrachtung der Gesamtheit nicht möglich ist. Individuelles und eigennutzorientiertes Handeln von Akteuren würde zu unvorhersehbaren Ergebnissen führen.[8]

3 Der Wirtschaftskreislauf

Mit dem Wissen der erarbeiteten Grundlagen wird in diesem Kapitel der Wirtschaftskreislauf hergeleitet. Dem Kreislaufschema werden schrittweise weitere Wirtschaftssubjekte und Güter hinzugefügt. Der Wirtschaftskreislauf stellt die Wirkungsweise verschiedener Sektoren in einer Volkswirtschaft dar und beantwortet die Frage nach der Funktionsweise einer Ökonomie.[9]

Betrachtet wird hierbei die Summe der einzelnen Wirtschaftssubjekte, auch Sektoren oder Pole genannt[10]:

- Der Sektor private Haushalte beschreibt die Summe aller Haushalte einer Volkswirtschaft. Dieser Sektor fragt Güter und Dienstleistungen nach und bietet Produktionsfaktoren in Form von Arbeit, Kapital und Boden an.
- Der Unternehmenssektor ist das Pendant zu den privaten Haushalten und ist durch die Nachfrage nach Produktionsfaktoren der Haushalte und dem Angebot an Gütern und Dienstleistungen gekennzeichnet.
- Die Wirtschaftsaktivitäten wie Investieren und Sparen werden über einen eigenen Sektor, dem Bankensystem, abgebildet. Dieser erfasst jegliche Vermögensveränderungen innerhalb einer Volkswirtschaft.
- Der Staatssektor (Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherungsträger) unterscheidet sich von den anderen Gruppen durch seine Machtbefugnisse, jedoch bietet auch dieser Güter an und fragt Güter nach.
- Der Sektor Ausland umfasst alle Wirtschaftssubjekte außerhalb der nationalen Volkswirtschaft.

Aufgrund der Übersichtlichkeit sind in den Wirtschaftskreisläufen lediglich Geldströme, keine Güterstrome aufgezeigt. Zudem gilt, dass die aufgezeigten Schaubilder nicht alle möglichen Transaktionen darstellen. Dies würde zu einem die Übersichtlichkeit der Schaubilder einschränken und steht zum anderen der Zielsetzung des Modells, die Realität zu abstrahieren, entgegen.

3.1 Einfacher Wirtschaftskreislauf

Der einfache Wirtschaftskreislauf stellt eine starke Vereinfachung der Ökonomie dar.

Abbildung 1: Einfacher Wirtschaftskreislauf

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung Piekenbrock[11]

Die grafische Darstellung des einfachen Kreislaufes lässt sich durch folgende Prämissen herleiten:

Eine Volkswirtschaft besteht nur aus zwei Sektoren, den privaten Haushalten und den Unternehmen. Es bestehen keine wirtschaftliche Beziehung zu anderen Sektoren oder Volkswirtschaften, sodass hier von einer geschlossenen Volkswirtschaft ausgegangen wird. Eine geschlossene Volkswirtschaft hat die Eigenschaft, dass die Summe aller Zuflüsse eines Sektors gleich der Summe aller Abflüsse dieses Sektors ist.[12] Aktivitäten der Vermögensbildung in Form von Ersparnissen, Investitionen und staatlichen Eingriffen sind ausgeschlossen.

Die Haushalte bieten den Unternehmen Produktionsfaktoren in Form von Arbeit, Kapital oder natürliche Ressourcen, wie z.B. Boden an. Im Gegenzug erhalten die Haushalte Einkommen (Y) in Form von Gehältern und Löhnen, Zinsen oder Miete.[13]

Das von den Unternehmen ausgezahlte Einkommen wird von den Haushalten wiederum in Form von Gütern (Waren oder Dienstleistungen) vollständig konsumiert (C). Dieser vereinfachte Kreislauf ist aufgrund des hohen Abstraktionsgrades sehr realitätsfern und muss um weitere Sektoren erweitert werden.

3.2 Erweiterung des Wirtschaftskreislaufs

Die Annahme des vereinfachten Modells, dass das gesamte Einkommen in den Konsum der Haushalte fließt, wird in der Erweiterung des Kreislaufs um das Sparen und Investieren verworfen. Staat und Ausland werden weiterhin nicht betrachtet. So wird als erste Erweiterung die Vermögensbildung berücksichtigt.

Haushalte konsumieren nicht das gesamte Einkommen, sondern sparen auch einen Teil ihres Einkommens.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Kongruent verhält es sich auf der Unternehmensseite. So werden nicht alle Erzeugnisse für Konsumzwecke gebraucht, sondern verbleiben im Unternehmenssektor, wo sie den Kapitalbestand erhöhen. Wir erhalten für die Investition die Gleichung:[14]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zu unterscheiden ist in diesem Zusammenhang die Bruttoinvestition (BI) von der Nettoinvestition. Die Bruttoinvestition ist als Summe der Abschreibung und Investitionen zu verstehen. Die Abschreibung[15] (D) muss als Strom zwischen Unternehmen und Vermögensbildung berücksichtigt werden. Das Zusammenspiel kann wie folgt erfasst werden:[16]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Um in diesem Zuge den Zusammenhang von Ersparnis und (Netto-)Investition aufzuzeigen werden die Gleichungen gleichgesetzt. Es ergibt sich folgende Beziehung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dies bedeutet, dass in einer Volkswirtschaft mit den bisher getroffenen Annahmen die Summe der Investitionen immer gleich der Summe der Ersparnisse ist.

Die folgende Übersicht zeigt den vereinfachten Kreislauf, um den Sektor Vermögensbildung erweitert.

Abbildung 2: Erweiterter Wirtschaftskreislauf

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Piekenbrock[17]

3.3 Der Staat im Wirtschaftskreislauf

Die Berücksichtigung des Staates im Kreislauf bringt zusätzliche Güter- und Geldströme, welche in Abbildung 3 dargestellt sind.

Steuerzahlungen von Unternehmen (TU) in Form von direkten und indirekten Steuern umfassen eine Einkommensquelle des Staates. Als indirekte Steuern können die Umsatz-, Mineralöl- oder Tabaksteuer angeführt werden. Einnahmen aus den direkten Steuern ergeben sich durch die Gewerbe- und Körperschaftssteuer.[18]

Die zweite Einkommensquelle sind direkte Steuereinnahmen von privaten Haushalten (TH) in Form von Lohn- und Erbschaftssteuer.[19]

Der Staat verwendet die Einnahmen für Staatsausgaben in Form von Käufen von Konsum- und Investitionsgütern aus dem Unternehmenssektor (G) und zur Bezahlung seiner Beschäftigten (Yst).[20] Hinzukommen weitere Ausgaben, welche in Form von Subventionen an Unternehmen (Z), wie z.B. Finanzhilfen oder Steuervergünstigungen, getätigt werden.

Subventionen, die an private Haushalte adressiert werden, werden Transferleistungen bezeichnet. Transferzahlungen (Tr) sind Zahlungen ohne ökonomischen Gegenwert, wie z.B. Sozialhilfe, Kindergeld oder Wohngeld.[21]

Sind die staatlichen Ausgaben höher als die staatlichen Einnahmen, so liegt ein Haushaltsdefizit vor. Bei einem Haushaltsdefizit nimmt der Staat zur Begleichung seiner Ausgaben einen Kredit auf.[22] Überwiegen die staatlichen Einnahmen, so hat der Staat die Möglichkeit des Sparens.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Erweiterter Wirtschaftskreislauf mit Staat

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Piekenbrock[23]

Abgaben an Sozialversicherungsträger stellen eine weitere Stromgröße zum Sektor Staat dar. Diese Geldströme wurden jedoch in der grafischen und mathematischen Darstellung vernachlässigt.

3.4 Öffnung der Volkswirtschaft

Im letzten Schritt erfolgt eine weitere „Schärfung“ des Modells, sodass nun die Volkswirtschaft geöffnet und ein weiterer Sektor in den Wirtschaftskreislauf eingebunden wird.

Unter Berücksichtigung des Auslands entstehen zusätzliche Geldströme zwischen Ausland und Staat. Durch die Öffnung der Volkswirtschaft erfolgen staatliche Transferzahlungen an das Ausland für Beiträge an EU, UNO und NATO sowie Entwicklungshilfen. Zudem können Transferzahlungen an den Staat in Form von Subventionen, wie z.B. für die Landwirtschaft aus der EU, erfolgen.[24]

Abbildung 4: Offener Wirtschaftskreislauf

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Piekenbrock[25]

Das Ausland steht zudem in Beziehung zu den Haushalten. Faktoreinkommen in Form von Arbeit oder Investitionen (z.B. Aktien) werden hier sowohl für Inländer als auch für Ausländer gegenübergestellt.

Eine besonders enge Interaktion weist das Ausland mit Unternehmen auf. Hier werden für die Volkswirtschaft Geldströme durch Exporterlöse (X), also dem Verkauf von Waren ins Ausland, und Zahlungsabflüsse für erhaltene Importe (M) erfasst. Exporte entstehen, wenn der Konsum der Haushalte (und des Staates) geringer als die Produktion der Unternehmen ist.[26] Die Differenz aus Exporterlösen und Importerlösen wird Außenbeitrag oder Nettoexporte (NX) bezeichnet.

Sind die Exporterlöse größer als die Importerlöse (X > M), so wird von einem positiven Außenbeitrag gesprochen. Es fließt ein Strom vom Vermögensbildungskonto ins Ausland, da ein Teil der inländischen Ersparnis für die Güterversorgung des Auslands verwendet wird. Umgekehrt fließt bei einem negativen Außenbeitrag (Importüberschuss) ein Strom vom Ausland zum Vermögensbildungskonto, da dieser die inländische Vermögensbildung erhöht.[27]

Der Titel des „Exportweltmeisters“ einer Volkswirtschaft muss vorsichtig bewertet werden. Bei einer exportstarken Volkswirtschaft ist abgesehen von der hohen wirtschaftlichen Abhängigkeit mit dem Ausland auch die geringe nationale Investitionsbereitschaft kritisch zu sehen. Die Vermögensbildung finanziert sich im Grunde nur durch die Ersparnisse der privaten Haushalte. Die Abflüsse dagegen sind sehr hoch, da Kapital für Investitionen an Unternehmen, Kredite an den Staat und nun auch die Güterversorgung des Auslands finanziert werden.

4 Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung

Nach der Darlegung der Funktionsweise einer Ökonomie in den vorherigen Kapiteln kann im nächsten Schritt die Bewertung einer Volkswirtschaft erfolgen. Für die Messung der volkswirtschaftlichen Aktivitäten eignet sich das Bruttoinlandsprodukt. Im Folgenden wird gezeigt, dass die Ermittlung des BIP mit Hilfe drei verschiedener Berechnungsmöglichkeiten durchgeführt werden kann.

4.1 Das Bruttoinlandsprodukt als Bewertungsgröße einer Volkswirtschaft

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist der Wert aller Güter und Dienstleistungen, die in einem Jahr innerhalb der Landesgrenzen einer Volkswirtschaft erwirtschaftet werden. Es misst somit alle für den Endverbrauch bestimmten Güter und Dienstleistungen, die in einem Land in einem bestimmten Zeitraum hergestellt werden.[28]

Bei der Interpretation des Bruttoinlandsproduktes und besonders beim Vergleich zwischen Volkswirtschaften muss der BIP weitergehend definiert werden. Um falsche Schlüsse aus der Entwicklung des BIP zu vermeiden, muss die Preisniveauentwicklung berücksichtigt werden.

Eine Erhöhung des BIP aufgrund von Preissteigerungen führt zu der Annahme, dass die Wirtschaftsleistung bzw. der Wohlstand der Volkswirtschaft gestiegen ist. Tatsächlich kann es für den Anstieg des BIP im Vergleich zum Vorjahr verschiedene Ursachen geben. Diese sind entweder

(a) eine Erhöhung der Gütermenge,
(b) ein Rückgang der Gütermenge bei gleichzeitiger Erhöhung der Preise oder
(c) eine Erhöhung der Gütermenge und gleichzeitigem Rückgang der Preise.[29]

Wird das BIP zu aktuellen Preisen bewertet, so wird von dem nominalen Bruttoinlandsprodukt gesprochen. Das Pendant hierzu ist das reale BIP, welches den Wert aller in einer Volkswirtschaft in einem Jahr produzierten Endprodukte zu den Preisen eines bestimmten Basisjahres bewertet. So werden preisbedingte Änderungen vom BIP herausgerechnet, um die tatsächliche Gütermengenentwicklung zu erfassen. Zum zeitlichen Vergleich der wirtschaftlichen Leistungskraft eignet sich daher das reale BIP wesentlich besser als das nominale BIP.[30]

[...]


[1] Vgl. Faber und Manstetten (2003): S.35

[2] Vgl. Edling (2008): S.2 f.

[3] Vgl. Piekenbrock und Henning (2012): S.5

[4] Vgl. Fischbach und Wollenberg (2007): S.17

[5] Als Güterarten können folgende aufgeführt werden: freie Güter und knappe Güter wie z.B. Konsumgut, Investitionsgut, Produktivgut, materielles und immaterielles Gut.

[6] Vgl. Edling (2008): S.5

[7] Vgl. Fischbach und Wollenberg (2007): S.53

[8] Vgl. von Nell (2006): S. 41 f.

[9] Die Idee der Darstellung als Kreislauf geht auf Francois Quesnay (1694-1774) zurück. Letztendlich ist John Maynard Keynes (1883-1946) die moderne Kreislaufanalyse zu verdanken. Vgl. Edling (2008): S.9

[10] Vgl. Engelkamp und Sell (2013): S.186 f.

[11] Vgl. Piekenbrock (2011): S.250 f.

[12] Vgl. Engelkamp und Sell (2013): S.188

[13] Vgl. Mohr (2007): S.8

[14] Vgl. Engelkamp und Sell (2013): S.190

[15] Abschreibungen beschreiben die Wertminderung der Produktionsanlagen durch Abnutzung. Vgl. Edling (2008): S.10

[16] Vgl. Brümmerhoff und Grömling (2011): S. 18 f.

[17] Vgl. Piekenbrock (2011): S.250 f.

[18] Vgl. Blum et al (2013): S. 69 f.

[19] Vgl. Mohr (2007): S.9

[20] Vgl. Brümmerhoff und Grömling (2011): S. 23

[21] Vgl. Mohr (2007): S.9

[22] Vgl. Edling (2008): S.10

[23] Vgl. Piekenbrock (2011): S.250 f.

[24] Vgl. Mohr (2007): S.9

[25] Vgl. Piekenbrock (2011): S.250 f.

[26] Vgl. Edling (2008): S.11

[27] Vgl. Edling (2008): S.11

[28] Vgl. Edling (2008): S. 184

[29] Vgl. Edling (2008): S.193 ff.

[30] Vgl. Cezanne (2005): S.279 f.

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Der Wirtschaftskreislauf und dessen quantitative Erfassung. Wie funktioniert die Ökonomie?
Note
sehr gut
Jahr
2016
Seiten
36
Katalognummer
V342428
ISBN (eBook)
9783668324497
ISBN (Buch)
9783668324503
Dateigröße
1052 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ökonomie, Wirtschaftskreislauf, quantitative Erfassung, Wirtschaftssektoren, Volkswirtschaft
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Der Wirtschaftskreislauf und dessen quantitative Erfassung. Wie funktioniert die Ökonomie?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/342428

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